Buchhändler/-innen im Portrait

Meine Lieblingsbuchhändler/-innen

Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

J. Wienand Buchhandlung: Thalia Mayersche Dortmund

0

Rezensionen

14

Follower

Meine letzte Rezension Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas
Ruth-Maria Thomas und die Darstellung von Liebesbeziehungen, sind einfach ein Match made in heaven. Schon mal vorab: Auch wenn es sich aufgrund der diversen Anspielungen in diesem Buch, auf Thomas' Debütroman anbietet, ist es wichtig, diese Werke nicht miteinander zu vergleichen. Das Thema Klassismus bzw. Armut in Beziehungen fand ich besonders spannend gewählt und ich war mir zuvor auch unsicher, wie man damit innerhalb einer Geschichte richtig umgeht, aber Ruth-Maria Thomas hat es meiner Meinung nach perfekt dargestellt. Wichtig bei dieser Geschichte ist, dass wir nicht nur Michelle, die mit ihrer Familie in Armut aufgewachsen ist, verfolgen, sondern auch Henry, dessen Familie ziemlich wohlhabend ist. Aufgrund der Liebesbeziehung, treffen die Lebensrealitäten der Beiden aufeinander, wodurch die erheblichen Unterschiede im Aufwachsen und im familiären Umfeld klar werden. Nicht nur weigert Michelle sich z.B. häufig, Geschichten aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, Henry ist dafür umso mehr bereit, alles, was er besitzt und kennt, mit Michelle zu teilen. Armut ist jedoch kein temporärer Zustand, es ist eine Erfahrung, die man für immer durch das Leben mit sich zieht und die die eigenen Entscheidungen und Gedanken immer mitprägt. Viele solcher Geschichten würden typischerweise damit enden, dass die Protagonistin der Armut entkommt und diese hinter sich lässt. So einfach ist die Realität aber nicht, und das hat Ruth-Maria Thomas auch verstanden. Gerade dadurch wirken viele Entscheidungen, die Michelle trifft, nicht nachvollziehbar oder gar unsympathisch. Ruth-Maria Thomas lässt hier aber bewusst die Bewertung darüber aus, nicht, dass es Michelle's Entscheidungen legitimisiert, sondern ihnen Kontext verleiht. Auch Henry's Charakter finde ich besonders spannend, der immer wieder versucht, Michelle zu ihrem angeblichen Glück zu drängen. Erst dadurch, dass er Michelle, hauptsächlich finanziell, helfen kann, fühlt sich Henry nämlich komplett. "Über ihre Abgründe kam er seinen eigenen ein Stück näher". Alles in allem muss ich sagen: Die Charaktere sind oft nicht besonders sympathisch. Was das Buch aber erst so richtig packend macht, ist die Dynamik zwischen diesen zwei so unterschiedlichen Personen. Bei mir persönlich hat das Buch, trotz der seit Beginn wirklich schönen Erzählweise, ein bisschen Anlaufzeit gebraucht, die aber mit dem Verlauf der Geschichte, insbesondere im Nachgang des Lesens, wieder wettgemacht wurde und sich daher trotzdem 5/5 Sternen verdient hat. Eine wirkliche Empfehlung für alle, die mehr über Klassismus und weibliche Literatur lesen wollen, aber auch für alle Leute, die mal wieder ein Buch haben möchten, über das man über das Lesen hinaus weiter nachdenkt und welches man mit anderen Leuten bespricht.
ab 24,00 €
Produktbild Die zweitgrößte Liebe
5/5
  • J. Wienand
  • Buchhändler/-in

Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

5/5

Die zweitgrößte Liebe

Ruth-Maria Thomas und die Darstellung von Liebesbeziehungen, sind einfach ein Match made in heaven. Schon mal vorab: Auch wenn es sich aufgrund der diversen Anspielungen in diesem Buch, auf Thomas' Debütroman anbietet, ist es wichtig, diese Werke nicht miteinander zu vergleichen. Das Thema Klassismus bzw. Armut in Beziehungen fand ich besonders spannend gewählt und ich war mir zuvor auch unsicher, wie man damit innerhalb einer Geschichte richtig umgeht, aber Ruth-Maria Thomas hat es meiner Meinung nach perfekt dargestellt. Wichtig bei dieser Geschichte ist, dass wir nicht nur Michelle, die mit ihrer Familie in Armut aufgewachsen ist, verfolgen, sondern auch Henry, dessen Familie ziemlich wohlhabend ist. Aufgrund der Liebesbeziehung, treffen die Lebensrealitäten der Beiden aufeinander, wodurch die erheblichen Unterschiede im Aufwachsen und im familiären Umfeld klar werden. Nicht nur weigert Michelle sich z.B. häufig, Geschichten aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, Henry ist dafür umso mehr bereit, alles, was er besitzt und kennt, mit Michelle zu teilen. Armut ist jedoch kein temporärer Zustand, es ist eine Erfahrung, die man für immer durch das Leben mit sich zieht und die die eigenen Entscheidungen und Gedanken immer mitprägt. Viele solcher Geschichten würden typischerweise damit enden, dass die Protagonistin der Armut entkommt und diese hinter sich lässt. So einfach ist die Realität aber nicht, und das hat Ruth-Maria Thomas auch verstanden. Gerade dadurch wirken viele Entscheidungen, die Michelle trifft, nicht nachvollziehbar oder gar unsympathisch. Ruth-Maria Thomas lässt hier aber bewusst die Bewertung darüber aus, nicht, dass es Michelle's Entscheidungen legitimisiert, sondern ihnen Kontext verleiht. Auch Henry's Charakter finde ich besonders spannend, der immer wieder versucht, Michelle zu ihrem angeblichen Glück zu drängen. Erst dadurch, dass er Michelle, hauptsächlich finanziell, helfen kann, fühlt sich Henry nämlich komplett. "Über ihre Abgründe kam er seinen eigenen ein Stück näher". Alles in allem muss ich sagen: Die Charaktere sind oft nicht besonders sympathisch. Was das Buch aber erst so richtig packend macht, ist die Dynamik zwischen diesen zwei so unterschiedlichen Personen. Bei mir persönlich hat das Buch, trotz der seit Beginn wirklich schönen Erzählweise, ein bisschen Anlaufzeit gebraucht, die aber mit dem Verlauf der Geschichte, insbesondere im Nachgang des Lesens, wieder wettgemacht wurde und sich daher trotzdem 5/5 Sternen verdient hat. Eine wirkliche Empfehlung für alle, die mehr über Klassismus und weibliche Literatur lesen wollen, aber auch für alle Leute, die mal wieder ein Buch haben möchten, über das man über das Lesen hinaus weiter nachdenkt und welches man mit anderen Leuten bespricht.

Meine Lieblingswerke

  • Produktbild Das Pen!smuseum - Mit Texten von Jovana Reisinger, Sophia Süßmilch und Illustrationen von Andrea Z. Scharf
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    Das Pen!smuseum - Mit Texten von Jovana Reisinger, Sophia Süßmilch und Illustrationen von Andrea Z. Scharf

    Das Künstlerinnenkollektiv rund um Mareike Fallwickl und Eva Reisinger hat mit »Das Pen!smuseum« meiner Meinung nach ein absolutes Highlightbuch herausgebracht. Diese Sammlung an zusammenhängenden Kurzgeschichten, ist nicht nur unglaublich unterhaltsam geschrieben, sondern hebt sich insbesondere durch die unterschiedlichen Textformen und die kreative Aufmachung der Geschichten von anderen Büchern ab. Das Buch handelt von Selbstermächtigung, Female Rage und vor allem von Frauen, die es einfach leid sind, sich weiter mit Männern abzugeben. Es wird perfekt dargestellt, in welchen sowohl absurden als auch düsteren Formen sich Misogynie und patriarchale Strukturen im Alltag von Frauen auswirken, und auf diese wird teils mit humorvollen und prägnanten, aber teils auch mit ernsten Pointen geantwortet, dass es einem die Sprache verschlägt. Eine absolute Leseempfehlung für alle FLINTA*, die ebenfalls die Nase voll haben, und sonstige Personen, die sich für weibliche Lebensrealitäten und feministische Literatur interessieren.

    • Das Pen!smuseum - Mit Texten von Jovana Reisinger, Sophia Süßmilch und Illustrationen von Andrea Z. Scharf
    • Mareike Fallwickl
    • ab 25,00 €
  • Produktbild Schwimmen / Schweben
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    Schwimmen / Schweben

    Ein unfassbar inspirierender Essay, über das Schwimmen, der zeigt, dass es mehr als einfach nur eine sportliche Betätigung ist. Jaqueline Scheiber hat mich mit "Schwimmen / Schweben" absolut überrascht. Wer sich ebenfalls fragt, worüber in einem Essay über das Schwimmen denn großartig geschrieben wird, dessen Erwartungen wird dieses Buch definitiv übertreffen. Scheiber, deckt in diesem Essay ihre ganz persönlichen Verbindungen zum Thema Schwimmen ab, wie z. B. das Etablieren neuer Routinen, ihre familiäre Geschichte mit der Sportart, den gesellschaftlichen sowie persönlichen Umgang mit Körperbildern und die damit verbundene Scham im öffentlichen Raum. Leser:innen, die diese Probleme kennen, werden sich auf jeden Fall gesehen fühlen. Aber auch deutlich weitergreifende Themen kommen dabei nicht zu kurz. So behandelt Jaqueline Scheiber auch den Aspekt, dass die Fähigkeit zu schwimmen nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden kann und dass selbst für Personen, die diese besitzen, das Schwimmen unterschiedliche Bedeutung hat. "Im Grunde hat die Fähigkeit des Schwimmens etwas mit Sicherheit zu tun... Ob wir am Meer, […] oder im Pool frei sein können oder ob wir unseren Ängsten ausgeliefert bleiben". "Schwimmen / Schweben" ist nicht nur eine Liebeserklärung an das Schwimmen, es ist eine Abrechnung mit dem Leistungsdruck, ein Appell zur Hilfsbereitschaft und ein Aufruf, seinen eigenen Körper lieben zu lernen, denn: "Jeder Tag, an dem ich mich selbst schön fühle, ist ein kleiner Akt der Rebellion." Wie Jaqueline Scheiber über das Gefühl und die Aspekte des Schwimmens schreibt und diese auch mit Worten anderer Autor:innen erklärt, fand ich so beeindruckend, dass ich mit dem Notizenschreiben zum Buch fast so lange gebraucht habe wie für das Buch selbst. Nicht nur unglaublich passend für den Sommer, würde ich diesen Essay wirklich allen Leser:innen empfehlen, die vielleicht sogar selber mit verzerrten Körperbildern oder dem Etablieren neuer Routinen zu kämpfen haben, sondern auch allen anderen, die gerne neue Perspektiven dazu gewinnen möchten, über das Gefühl, zu schwimmen / schweben.

  • Produktbild »Mama, bitte lern Deutsch«
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    »Mama, bitte lern Deutsch«

    Tahsim schafft es in seinem Buch, die Geschichte tausender Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland, auf seine humorvolle Art und Weise zu erzählen. Wer die Videos von Tahsim auf Social Media verfolgt, wird dieses Buch mit seiner Stimme lesen können, einer Stimme, die stellvertretend für so viele Menschen in Deutschland steht, denen kein Gehör geschenkt wird. Er erzählt von seinem Alltag zwischen Schule, dem Übersetzen von ALDI-Prospekten und der dauerhaften Angst davor, seine Familie sowie Heimat zu verlieren. Es wird klar, wie er in jungen Jahren Verantwortung für seine Mitmenschen übernehmen musste und was für eine Bedeutung es plötzlich haben kann, auf welche Art und Weise Leute ihren Çay trinken. »Mama, bitte lern Deutsch« ist eine klare Empfehlung für alle Menschen, die selber mit Migrationsgeschichte in Deutschland aufgewachsen sind, aber auch für alle, denen Verständnis und Anerkennung für andere Lebensrealitäten am Herzen liegen.

  • Produktbild Gelbe Monster
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    Gelbe Monster

    Clara Leinemann hat in ihrem Debütroman, eine Geschichte geschrieben, die so intensiv ist, dass sie mich nicht mehr losgelassen hat. "Gelbe Monster" handelt von toxischen Beziehungen und häuslicher Gewalt, Themen, die schwer wiegen und daher besonders kompliziert anzugehen sind. Trotzdem schafft es die Autorin, diese Themen so zugänglich und nachvollziehbar zu gestalten, indem man die Protagonistin Charlie in ihren Gedankengängen und inneren Konflikten verfolgt. Die Gedanken von Charlie erscheinen zwar selten nachvollziehbar und lassen sie häufig unsympathisch erscheinen, jedoch spiegelt gerade dieser Schreibstil die Muster toxischer Beziehungen so gut wider und macht auch irgendwie den Glanz dieser Geschichte aus. Charlies Gefühlswelt mitzuverfolgen und die sich aufbauenden Kontrollverluste vielleicht nicht immer nachvollziehen, aber dafür verstehen zu können, hat dieses Buch für mich so besonders gemacht. Die Aufarbeitung der Beziehung erfolgt über die gesamte Geschichte aus zwei Perspektiven, der Bewältigung in der Gegenwart und der Rekonstruktion der Vergangenheit, die sich pro „Kapitel“ abwechseln und bis zum Schluss die wahren Umstände um die Beziehung offenlassen. Das Buch thematisiert dabei aber nicht nur die zwei Protagonist:innen der Beziehung, sondern stellt auch dar, wie toxische Beziehungen den eigenen Freundeskreis und das nähere Umfeld beeinflussen, für die versucht wird, die Fassade einer glücklichen Beziehung so gut es geht aufrechtzuerhalten. "Gelbe Monster" würde ich vor allem einem eher jüngeren Leserpublikum empfehlen, ist aber natürlich allen Altersklassen ans Herz zu legen. Ein Buch, das besonders im Anschluss an das Lesen noch immer nachhallt und zum Nachdenken anregt.

  • Produktbild Die schönste Version
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    Die schönste Version

    Intensiv, schmerzhaft, aber so verdammt gut. »Die schönste Version« war auf eine wirklich gute Art und Weise, die schmerzhafteste Leseerfahrung, die ich bisher hatte. Ich habe mich nach jedem Kapitel gesträubt, weiterzulesen, aber konnte trotzdem einfach nicht aufhören. Nicht nur ist das Thema häusliche Gewalt und toxische Beziehungen bereits eine große Bürde für ein Buch, in der Aufarbeitung dessen liegt aber die wahre Schwierigkeit. Ruth-Maria Thomas hat mit ihrem Debütroman bewiesen, dass sie es schafft, diese Themen zu stemmen. Dieses Buch ist literarisch packend und schafft es, die Entstehung von häuslicher Gewalt, den Umgang der Partner und die Reaktion des näheren Umfelds perfekt einzufangen. Thomas stellt sowohl das Aufwachsen in Ostdeutschland der 2000er dar, aber vor allem auch die Erfahrungen vieler Frauen auf der Welt durch Grooming, Übergriffigkeiten und Gewalt. Die Protagonistin Jella, lässt durch die Erzählung von der Gegenwart und ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit, tief in ihre eigenen menschlichen Abgründe blicken. Dabei wird aber kein klarer Schwarz-Weiß-Blick auf Jellas Gedanken geworfen, sondern ihre teilweise wirklich toxischen Entscheidungen werden bewusst unbewertet gelassen, was dem Text wirklich zugutekommt. Wie Ruth-Maria Thomas, Liebesbeziehungen und ihre verschiedenen Facetten darstellt, ist wirklich eine Klasse für sich. Trotz der schmerzhaften Themen, eine absolute Empfehlung, für alle Befürworter:innen von weiblicher Literatur!

  • Produktbild Pina fällt aus
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    Pina fällt aus

    "Inklusion, das ist immer das, worum sich die anderen kümmern müssen“. Dieses Zitat beschreibt besonders gut das Problem, welches dieses Buch versucht aufzuarbeiten.  »Pina fällt aus« handelt von der alleinerziehenden Mutter Pina, die plötzlich nicht mehr für ihren Sohn Leo da sein kann, der eine Behinderung hat. Vera Zischke lässt hier bewusst offen, um welche Art von Behinderung es sich offiziell handelt, da es auch nicht relevant ist, und sie so Vorurteilen, die Menschen über gewisse Behinderungen haben, vorbeugt. Die außergewöhnlich gemischte Hausgemeinschaft, in der die beiden bisher lebten, muss also plötzlich lernen, mit Leo zusammenzuleben und sich um ihn zu kümmern. Was die Geschichte für mich so besonders macht, ist, dass die Charaktere der Hausgemeinschaft, trotzdem noch alle ihre eigenen Probleme und Eigenschaften haben, wodurch sich viele Leser:innen in den Lebensrealitäten der Charaktere wiederfinden können.  Das Buch steht wie kein anderes für das Thema Inklusion und legt der Gesellschaft bewusst den Finger in die Wunde, wenn es um Nachsicht für Behinderung und Care-Arbeit geht: „Alle sind sich einig, dass sie Leo nicht ausschließen, sondern dass er sowieso schon ausgeschlossen ist".  Vera Zischke zeigt auf, dass man nicht mit Behinderungen geboren wird, sondern dass Behinderung aus dem Kontext entsteht, sobald eine Diskrepanz zwischen den Eigenschaften eines Menschen und der Gesellschaft herrscht. Dieses Buch ist eine Empfehlung für alle Altersklassen, die eine entspannte Leseerfahrung mit einer wunderschön geschriebenen Geschichte haben wollen, die trotz eines so wichtigen Themas nicht an Amüsanz verliert.

  • Produktbild Die zweitgrößte Liebe
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    Die zweitgrößte Liebe

    Ruth-Maria Thomas und die Darstellung von Liebesbeziehungen, sind einfach ein Match made in heaven. Schon mal vorab: Auch wenn es sich aufgrund der diversen Anspielungen in diesem Buch, auf Thomas' Debütroman anbietet, ist es wichtig, diese Werke nicht miteinander zu vergleichen. Das Thema Klassismus bzw. Armut in Beziehungen fand ich besonders spannend gewählt und ich war mir zuvor auch unsicher, wie man damit innerhalb einer Geschichte richtig umgeht, aber Ruth-Maria Thomas hat es meiner Meinung nach perfekt dargestellt. Wichtig bei dieser Geschichte ist, dass wir nicht nur Michelle, die mit ihrer Familie in Armut aufgewachsen ist, verfolgen, sondern auch Henry, dessen Familie ziemlich wohlhabend ist. Aufgrund der Liebesbeziehung, treffen die Lebensrealitäten der Beiden aufeinander, wodurch die erheblichen Unterschiede im Aufwachsen und im familiären Umfeld klar werden. Nicht nur weigert Michelle sich z.B. häufig, Geschichten aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, Henry ist dafür umso mehr bereit, alles, was er besitzt und kennt, mit Michelle zu teilen. Armut ist jedoch kein temporärer Zustand, es ist eine Erfahrung, die man für immer durch das Leben mit sich zieht und die die eigenen Entscheidungen und Gedanken immer mitprägt. Viele solcher Geschichten würden typischerweise damit enden, dass die Protagonistin der Armut entkommt und diese hinter sich lässt. So einfach ist die Realität aber nicht, und das hat Ruth-Maria Thomas auch verstanden. Gerade dadurch wirken viele Entscheidungen, die Michelle trifft, nicht nachvollziehbar oder gar unsympathisch. Ruth-Maria Thomas lässt hier aber bewusst die Bewertung darüber aus, nicht, dass es Michelle's Entscheidungen legitimisiert, sondern ihnen Kontext verleiht. Auch Henry's Charakter finde ich besonders spannend, der immer wieder versucht, Michelle zu ihrem angeblichen Glück zu drängen. Erst dadurch, dass er Michelle, hauptsächlich finanziell, helfen kann, fühlt sich Henry nämlich komplett. "Über ihre Abgründe kam er seinen eigenen ein Stück näher". Alles in allem muss ich sagen: Die Charaktere sind oft nicht besonders sympathisch. Was das Buch aber erst so richtig packend macht, ist die Dynamik zwischen diesen zwei so unterschiedlichen Personen. Bei mir persönlich hat das Buch, trotz der seit Beginn wirklich schönen Erzählweise, ein bisschen Anlaufzeit gebraucht, die aber mit dem Verlauf der Geschichte, insbesondere im Nachgang des Lesens, wieder wettgemacht wurde und sich daher trotzdem 5/5 Sternen verdient hat. Eine wirkliche Empfehlung für alle, die mehr über Klassismus und weibliche Literatur lesen wollen, aber auch für alle Leute, die mal wieder ein Buch haben möchten, über das man über das Lesen hinaus weiter nachdenkt und welches man mit anderen Leuten bespricht.

  • Produktbild Mit Männern leben
    • J. Wienand
    • Buchhändler/-in

    Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.

    5/5

    Mit Männern leben

    »Mit Männern leben« ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. In diesem Buch wird so schonungslos ehrlich über den Pelicot-Prozess berichtet, dass fast jedes Kapitel einen sowohl schockiert als auch wütend zurücklässt. Es werden Perspektiven des Prozesses dargeboten, die die Ruhe, Hoffnung und Hingabe von Gisèle Pelicot noch beeindruckender erscheinen lassen, als sie es zuvor schon waren. Ebenso werden diverse Probleme angesprochen, die bei dem Ablauf dieses Gerichtsverfahrens stattgefunden haben, vom Umgang mit Besuchern und Journalisten bis hin zur Handhabung der Beweis-Videos. Manon Garcia hat ihre Beobachtungen des Gerichtsprozesses als akkreditierte Journalistin gekonnt mit soziokulturellen Thesen und der Darstellung ihrer eigenen Gefühle verbunden. Sie schafft es, ihre Thesen fachlich zu erläutern, ohne sich dabei zu lange in Theorien zu verlaufen, diese jedoch auf die Beobachtungen des Gerichtsprozesses von Avignon präzise anzuwenden. Dieses Buch stellt die klaren Verbindungen zwischen dem Pelicot-Prozess und dem Umgang der Gesellschaft mit Frauen dar, warum Misogynie und Objektivierung von Frauen in unserem patriarchalen Männlichkeitsbild gefestigt sind, und stellt sich zu Recht die Frage "Kann man mit Männern leben?"

Meine Rezensionen

Rezensionen

Rezensionsdatum: absteigend

Filter

Kategorie

Autor

Sterne

Rezensionsdatum: absteigend