Marguerite Duras erzählt noch einmal die Geschichte der Beziehung zwischen dem jungen Mädchen, das sie war, und dem chinesischen Liebhaber, den wir aus ihrem Roman Der Liebhaber und seiner erfolgreichen Verfilmung bereits kennen. Diesmal aber stellt Marguerite Duras die wunderbare und unmögliche Liebesgeschichte zwischen dem weißen »Kind« und dem erfahrenen jungen Mann aus reichem, aber chinesischem Hause ausführlicher und detaillierter dar. Es ist, als näherte sie sich mit zunehmendem Abstand und Alter dieser einschneidenden Erfahrung noch einmal ganz neu und als gelänge es ihr nun besser, sich in das junge Mädchen, das sie einmal war, hineinzuversetzen. Im Vorwort zu diesem Roman schreibt sie, daß ihr der Impuls, diesen Liebhaber neu zu schreiben, kam, als sie erfuhr, daß er gestorben sei. An seine Vergänglichkeit hatte sie nie zuvor gedacht. Noch einmal läßt sie sich schreibend auf die Beziehung ein: »Ich bin ein Jahr in diesem Roman geblieben, eingeschlossen in diesem Jahr der Liebe zwischen dem Chinesen und dem Kind.«
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Christopher Bahn (Mitglied der Book Circle Community) am 28.06.2025
Bewertungsnummer: 2526553
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die autobiographische Erzählung einer Liebesbeziehung der jungen Autorin im französischen Indochina gehört zu den besten Büchern, die die Welt gesehen haben. Die Intimität der Gefühle und die genaue Charakterisierung dieser Zeit lassen eine Dichte Atmosphäre entstehen, ohne ins Banale oder Kitschige abzugleiten. Ich empfehle nach der Lektüre die wunderbare Verfilmung als Abschluss.
Indochina
Polar aus Aachen am 11.01.2021
Bewertungsnummer: 573417
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das eigene Leben zum Gegenstand der Literatur zu machen, birgt die Gefahr zu großer Nähe. Marguerite Duras entgeht ihr, indem sie für ihre Geschichte die Sprache leidenschaftlicher Distanz erschafft. Das mag sich wie ein Widerspruch anhören, doch wer weiß, wie oft man sich in Situationen wieder findet, die zeitlich begrenzt sind, einen der Verzweiflung überantworten, wenn man sich vollkommen darauf einläßt, oder einen vor der aufkeimenden Nähe fliehen läßt, wird für sich hoffen, daß er stets Distanz wahrt, um sich nicht aufzugeben. Die Geschichte dieser nicht sittsamen Liebe, allein wegen des Altersunterschieds, allein wegen der kulturellen Unterschiede zwischen Europa und Indochina, allein wegen oben und unten der Klassen, ist die fein ziselierte Geschichte einer ersten Liebe, bei der der erfahrenere, älterere Liebhaber nur scheinbar der Überlegene ist. Er hat am Ende mehr als ein paar erotisch aufgeheizte Nächte verloren. Er muß gehorchen, und das Mädchen bricht in ein eigenes Leben auf, das sich für sie abseits der Familie auftut, abseits dessen, was allgemein als Schande betrachtet wird. Wie Marguerite Duras dies alles auf wenigen Seiten erzählt, die ungeschrieben vielen Seiten dahinter uns überläßt, ist meisterhaft verfaßt. Eine große Stilistin, die die Poesie zu einem Strich verkürzte, und hier genau wußte, wovon sie schrieb: Von der Liebe.
Meinung aus der Buchhandlung
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"Ich habe nie geschrieben, wenn ich zu schreiben glaubte, ich habe nie geliebt, wenn ich zu lieben glaubte"
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Marguerite Duras, welch meisterhafte Virtuosin wunderschöner, hauchzarter und dabei gleichzeitig so authentischer Prosa. Jede Seite ließt sich wie ein ausbalanciertes, kunstvoll gestaltetes Satz-Gemälde, jede Sinnfigur scheint gleichsam sich selbst zum Ausdruck zu bringen, vermag sich selbst zur Sprache kommen zu lassen. Hier gibt es keinen Anfang und kein Ende, vergeblich wird hier Linearität, Kausalität, gar ein Mittelpunkt gesucht und doch erstrahlt jenseits der Wörter unermessliche Bedeutung. Dies ist ein literarisches Meisterwerk, welches nicht nur zu zeigen vermag was Literatur sein kann, sondern auch sichtbar werden lässt, dass gelebtes Leben zuweilen in der Suche nach Ausdruck und Bezeichnung sich selbst erst zu verstehen begreift, sich zur Sprache führt, um sichtbar zu werden. Duras durchbricht in ihren Werken immer wieder die Äußerlichkeit der Sprache, umschmeichelt jene sich entziehenden Ausdrücke, in der Hoffnung die eigene Verortung als Autorin möglich werden zu lassen. In diesem, ihrem fünften Roman zeigt sie einmal mehr, was es in Wahrheit bedeutet zu schreiben, was es mitunter heißt ein erlebtes Gefühl zwischen festen Zeichen zu konservieren. Mit „Der Liebhaber“ hinterließ uns Duras ein ganz besonderes Vermächtnis, ein Zeugnis sagenhafter Weisheit und unerschütterlicher Authentizität. Es scheint hier zwar vordergründig eine Liebesgeschichte vorzuliegen, doch eigentlich bekommen wir hier gezeigt, warum das Verlangen, man könnte auch schreiben das Begehren nach Worten, nach Bedeutungen, jenes instinktive Suchen nach Ausdruck, für Marguerite Duras immer größter Antrieb und Lebenssinn gewesen waren. Schreiben der Selbst-Verortung und damit immer auch der Selbst-Vergewisserung wegen, sie lassen sich für Duras nur aus der Einsamkeit heraus beschreibbar machen. Wir lesen eine 70 jährige Duras, die uns retrospektiv und in schonungsloser Selbstoffenbarung, ihre von Unmöglichkeit und Gefahr geprägte ungestüme Beziehung zu einem beinahe doppelt so alten chinesischen Mann berichtet. Wir lesen hierbei keine Beichte, dies wäre zu profan, stattdessen lesen wir auf rhapsodische Weise immerfort Erinnerungen, die wahrhaftiger nicht anmuten könnten. Die zeigen, dass das Leben unendlich in seiner Nuanciertheit ist, die zeigen, dass zuweilen die ganze Dynamik des eigenen Lebens aus einem existentiellen Schweigen geboren wird. „Was dort vor sich geht, ist eben das Schweigen, diese langsame Arbeit für ein ganzes Leben“, hören wir die Erzählerin sagen und bekommen damit auch ein Gespür für all jene unbekannten Orte in uns, die das Leben erbaute und welche uns auf geheimnisvolle Weise für immer prägen werden. Die Brillanz dieses Werkes rührt daher, dass Duras mit den Mitteln der Sprache einen Weg gefunden hat, die Gesamtheit gelebten Lebens erfahrbar werden zu lassen. Ihr Schreiben stellt den Versuch dar, die vielen unsichtbaren Fäden, die uns vom Leben gesponnen werden, so zu bündeln, dass Figuren aufleuchten oder wie sie es formuliert: „Manchmal weiß ich: wenn das Schreiben nicht, alle Dinge vereinend, ein flüchtiges Sprechen in den Wind ist, so ist es nichts. Wenn das Schreiben nicht jedes mal alle Dinge zu einem einzigen, seinem Wesen nach Unbestimmbaren vereint, so ist es nichts weiter als Werbung“. Der Wahn ihrer Mutter, der frühe Tod des Vaters, der abgrundtiefe ältere Bruder und jener unschuldige viel zu früh sterbende jüngere Bruder, sie sind die Mosaikstücke, die die eigentliche Liebesgeschichte tragen und erst in ihrer Gesamtheit betrachtet, vermag sich erkennen zu lassen, was man mit Musils Worten „die Erfindung des inneren Menschen“ nennen könnte.
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“Der Liebhaber“ von Marguerite Duras ist mein absolutes Lieblingsbuch – ein Meisterwerk, das mich überhaupt erst zum Lesen gebracht hat. Duras verbindet autobiografische Elemente mit einer unvergleichlichen Sprache die mich immer packen wird. Ich habe dieses Buch mittlerweile sieben Mal gelesen, und jedes Mal lerne ich mehr über dieses Buch. Für mich mehr als nur ein Roman – es ist ein tiefes Eintauchen in die Schönheit zwischen menschlicher Beziehungen.
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