Anpassung ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet die schrullige Lehrerin seit mehr als dreißig Jahren Biologie. Dass ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern – in der schrumpfenden Kreisstadt im vorpommerschen Hinterland fehlt es an Kindern. Lohmarks Mann, der zu DDR-Zeiten Kühe besamt hatte, züchtet nun Strauße, ihre Tochter Claudia ist vor Jahren in die USA gegangen und hat nicht vor, Kinder in die Welt zu setzen. Alle verweigern sich dem Lauf der Natur. Als die Lehrerin beginnt, Gefühle für eine Schülerin zu entwickeln, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Dorothea Rose
aus Frankfurt
5/5
15.01.2021
Hörbuch (CD)
Schon eigen, die Weltsicht dieser Biologielehrerin
So drastisch hatte ich es nicht erwartet:
- "Freiheit, nichts anderes als Einsicht in die Notwendigkeit" oder -"Entwicklung war nichts als ein Ausdruck von Unvollkommenheit"
Mit Kopfschütteln und Amüsement führt uns Inge Lohmark in einem beredten inneren Monolog durch ihre sehr krasse Weltsicht. Das diese aber nicht der Weisheit letzter Schluß ist, führt uns ihre insgesamt sehr deutlich randständige Bio-Lehrerinnenexistenz vor Augen.
Für Hörer, die das Besondere lieben, sehr glaubhaft gelesen von Dagmar Manzel.Eine tolle Neuentdeckung für mich.
Xirxe
aus Hannover
4/5
29.12.2014
Hörbuch (CD)
Inge Lohmark, Biologie- und…
Inge Lohmark, Biologie- und Klassenlehrerin einer 9. Klasse eines Gymnasiums im Osten, das mit dem Abitur dieser Stufe geschlossen werden soll, ist eine Frau, die sich Gefühle jeglicher Form versagt. Überkommen sie 'Anwandlungen' dieser Art, womöglich sogar in Anwesenheit anderer Menschen, geht sie sofort hart mit sich selbst ins Gericht und macht sich klar, wie unsinnig diese sind. Das Leben ist nichts als Biologie - und Gefühle haben dort nichts zu suchen, denn sie bringen keinen Nutzen. Ebenso rigoros beurteilt sie ihre Schülerinnen und Schüler, worüber man erst grinst ("..sie sind Blutsauger, die sich vom Lehrkörper ernährten.." oder über Schüler Tom: "Winzige Augen im feisten Gesicht. Geistloser Ausdruck. Noch ganz benommen von der nächtlichen Pollution. Ein Grottenolm war schöner...") bis einem die ganze Verachtung deutlich wird, die sie für diese Jugendlichen hegt. Doch auch ihr restliches Umfeld wird davon nicht ausgenommen: ihre Lehrerkollegen, der Nachbar, ehemalige Freunde. Eine unsympathische Frau, keine Frage, doch je mehr man über sie erfährt, umso deutlicher wird, wie bemitleidenswert diese 55jährige ist, die offenbar Zeit ihres Lebens niemals gelernt und erfahren hat, Gefühle zu vermitteln und zu bekommen. Und es zeigt sich immer deutlicher, dass sie insbesondere mit ihrem eigenen Leben hadert - war das Alles? Dagmar Manzel liest diesen Roman derart kunstfertig, dass man Inge Lohmark 298 Minuten vor sich sieht. Als unnahbare, gefühllose Lehrerin in einem kalten, harten Ton wie auch als die Frau, die sich an ihren Vater erinnert oder an ihre letzte wahre Liebe - weich, sanft und leise wird dann die Stimme Lohmarks. Auch die Interpretationen der weiteren Personen sind gut getroffen - Dagmar Manzel verleiht wirklich allen eine eigene Persönlichkeit, egal ob SchülerIn oder KollegIn. Ein tolles Hörbuch, das unterhält und gleichzeitig das Biologiewissen auffrischt. Das fordert jedoch beim Zuhören ein bisschen Konzentration ein ;-)
Bewertung
aus Kloten
5/5
05.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Keine Bewertung
Ich habe das Buch auf "Vorrat" gekauft und noch nicht gelesen.
Ich möchte keine Bewertungen abgeben, es fällt mir zunehmend schwer
Ich bin 82 Jahre alt!
Danke für Ihr Verständnis
Ira Rübenkönig
aus Baden-Baden
5/5
18.03.2013
Buch (Taschenbuch)
Nachdenken garantiert!
Der Hals der Giraffe ist der zweite Roman von Judith Schalansky, der 2011 als Bildungsroman erfolgreich erschien
und nun als Taschenbuch erhältlich ist.
Es geht um eine von Darwin geprägte 55 jährige Biologielehrerin. Inge Lohmank unterrichtet seit 30 Jahren
an ihrem geliebten Gymnasium. Das ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern,
die Stadt im hinteren Vorpommern schrumpft, es fehlt an Kindern.
n
In der Welt von Inge Lohmank steht die Natur über Erziehung und Humanismus. So lebt sie und so unterrichtet
sie auch ! Das hat seine Konsequenzen. Erst recht, als Inge Lohmank Gefühle für eine Schülerin entwickelt.
Ein außergewöhnliches Taschenbuch, mit einer präzisen Sprache, der Sarkasmus kommt dabei nicht zu kurz.
Biologieunterricht vom feinsten ! Nachdenken garantiert !!
Bewertung
5/5
28.10.2012
Buch (Taschenbuch)
Der Hals der Giraffe
Ein tolles, kleines Buch. Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine von Darwin geprägte Biologielehrerin unterrichtet im Osten ihre Schüler an einer Schule, die bald geschlossen werden soll. Gefühle lässt sie nicht zu, für sie zählt nur das klar strukturierte Denken.
Dies geschieht in einer solch präzisen, fesselnden Sprache, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Zudem ist der Biounterricht gleich mit eingebaut. Tolle Illustrationen untermalen die Geschichte auf eine tolle Art. Lesenswert und nun auch als Taschenbuch.
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5/5
03.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Bildungsroman aus der ostdeutschen...
Ein Bildungsroman aus der ostdeutschen Provinz, wobei das Unternehmen "Bildung" in einem eher bildungsfernen Landstrich mit bestenfalls leidlich motivierten Schülerinnen und Schülern eine Herkulesaufgabe ist. Eine herrlich tragikomische Erzählung zum Mitfühlen und Mitleiden.
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5/5
20.04.2013
Buch (Taschenbuch)
Ungewöhnlich, überzeugend und schnörkellos
Der kleine Band ist sowohl sprachlich als auch gestalterisch überzeugend. Der besondere Reiz ergibt sich aber aus der gelungenen Verknüpfung einer naturwissenschaftlichen Lehre (Darwin) mit dem persönlichen Umfeld einer Biologielehrerin in Brandenburg. Scharf, klar und desillusioniert betrachtet sie Menschen und aussterbende Ortschaften ihrer Heimat. Sehr lesenswert!
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5/5
30.10.2011
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bemerkenswert!
Und wieder habe ich einen neuen schönen Roman einer jungen Autorin aus dem Osten Deutschlands entdeckt! Judith Schlansky beschreibt im knappen sprachlich treffsicherem Ton drei Tage einer Biologielehrerin im Osten, deren Weltbild nur aus dem darwinistischen Prinzip der Auslese besteht. Nur der, der sich am besten anpasst, überlebt. Aber auch Inge Lohmark muss schmerzlich lernen, dass sich im Leben des Menschen auch noch andere Dinge ereignen...
Klasse geschrieben!
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4/5
26.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein ungewöhnliches Buch, ein Buch der etwas anderen Art, eine Entwicklungslehre mit offenem Ende.
Judith Schalansky, die Autorin des großartigen Buches „Atlas der abgelegenen Inseln“, hat mit ihrem neuen Roman, wie sie sagt einem Bildungsroman, wieder ein ungewöhnliches Buch vorgelegt. Schon äußerlich ist dieses Werk ein Buch der etwas anderen Art. Ohne Schutzumschlag, dafür mit einem grob strukturierten Leineneinband und schwarzem Prägedruck, darauf abgebildet das Skelett einer schwarzen Giraffe ohne Kopf. Beim Öffnen des Buches erwartet den neugierigen Leser die nächste Überraschung. Detailverliebte, raffinierte Schwarzweißzeichnungen, die immer einen Bezug zu den einzelnen Kapiteln haben. Aber worum geht es eigentlich? Schalansky, selbst in der damaligen DDR geboren, erzählt die letztendlich tragische Geschichte der Inge Lohmark, einer Lehrerin der „alten Schule“. Sie unterrichtet seit dreißig Jahren Biologie, ist eine Anhängerin von Darwin und den Naturgesetzen und ist überzeugt, die Welt damit erklären zu können. Ihre Familie kann davon ein Lied singen, denn ihr Mann, in der DDR hat er Kühe besamt, ist nun unter die Straußenzüchter gegangen und geht völlig in seiner neuen Berufung auf. Und vergisst dabei eigentlich, dass er eine Familie hat, denn „anatomisch gesehen sind wir immer noch Jäger und Sammler. Altmenschen, die in kleinen Gruppen in der Savanne rumlungerten“. Ihre Tochter Claudia hat sich bewusst den Naturgesetzen verweigert, lebt in den USA und denkt nicht einmal daran, Kinder in die Welt zu setzen. Inge Lohmark verdrängt dies alles, drangsaliert weiterhin ihre Schüler und wirft mit kernigen Sätzen nur so um sich. Längst ist die DDR Vergangenheit, der westliche Kapitalismus ist angekommen und nicht nur in Vorpommern schrumpfen die Schülerzahlen. Als Inge Lohmark sich völlig untypisch für sie in eine Schülerin verguckt, gerät ihre Welt aus den Fugen, alle Naturgesetze scheinen außer Kraft gesetzt zu sein. Mit äußerst fragwürdigen Aktionen versucht sie zu retten, was nicht zu retten ist, und am Ende muss sie sich geschlagen geben, wird ihre Welt eine untergegangene sein. „Einen Fortschritt gab es nicht. Fortschritt, das war ein Denkfehler. Alles war unvollkommen, aber nicht hoffnungslos. Die Gegenwart nur ein Durchgangsstadium, der Mensch nur ein Provisorium. Jedes Ergebnis ein Zwischenergebnis...“ Und am Ende, nach drei Tagen, die sich manchmal anfühlen wie dreißig Jahre, steht Inge Lohmark am Zaun und schaut.
Ein ungewöhnliches Buch, ein Buch der etwas anderen Art, eine Entwicklungslehre mit offenem Ende.
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4/5
05.12.2012
Buch (Taschenbuch)
Von einer aussterbenden Spezies
Inge Lohmarck, 55 Jahre alt, ist Pädagogin alter Schule: Frontalunterricht, Disziplin, keine persönlichen Gefühle oder gar Interessen an ihren Schülern, Härte zeigen und so Respekt, nicht etwa Sympathie gewinnen. Dabei lebt sie ihr Unterrichtsfach die Biologie, analysiert ihre Schüler und die Menschen um sie herum wie einst Darwin die Tierwelt und merkt dabei nicht, dass sie sich längst in eine biologische Nische zurückgezogen hat, sich selbst nicht an ihre Umwelt anpassen kann und in dem von ihr gepredigten Survival of the Fittest scheitert. Drei Tage begleitet der Leser Inge Lomarck, die über die Biologie das Menschsein vergessen hat, die analysieren, aber nicht reflektieren kann und so nicht realisiert, dass sie Mobbing in ihrer Klasse vorantreibt und ihr persönliches Interesse an einer ihrer Schülerinnen von einer abgründigen Persönlichkeit zeugt.
Sprachgewaltig, zynisch und voller Wortwitz erzählt Judith Schalansky von einer Frau, die die letzte ihrer Art ist. Dabei hat sie ein optisch einzigartiges, wunderschönes Buch geschaffen. Mit der reichen Bebilderung aus den Unterlagen Charles Darwins sowie Abbildungen aus alten Biologiebüchern überzeugt sie die Betrachter von der Artenvielfalt der Biologie und der Schönheit ihrer verschiedenen Spezies und schafft so gleichzeitig eine spannende Diskrepanz zum Text. Wer sich für die gebundene Ausgabe entscheidet, darf sich darüber hinaus über einen wunderschönen Leineneinband und das wertige Papier freuen, welches dieses Exemplar zu einem Highlight in jedem Bücherregal machen. Es ist ein seltenes Vergnügen so ein schönes, handwerklich hochwertiges Buch in den Händen zu halten. Hoffentlich stirbt diese, wenn auch bedrohte Soezies, niemals aus!
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