Weltweite Finanzkrise, Bürgerkrieg in Sri Lanka und eine Firma, die in aller Verschwiegenheit boomt: ›Love Food‹ fürs diskrete Tête-à-Têtes. Politische Gegenwart, Liebesgeschichte, Exotik und Sinnlichkeit – ein Roman, der keinen Wunsch offenlässt.
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Von der Idee des Love Food zum politischen Background bis zum Schreibstil ganz grosse Klasse!
Nina Marlene Gollmann
aus Graz
4/5
02.02.2012
Buch (Taschenbuch)
1x einkochen!
Ich nehme Vorspeise, Hauptgang und Dessert à la Suter, bitte!
Ohne Dramatik, im gewohnt nüchternen Erzählstil, erzählt Suter großes Kino: Er erzählt von politischen Machenschaften, wirtschaftlicher Korruption, von den Individuen,die sonst nicht gehört werden.
Sein Hauptakteur ist Asylwerber in der Schweiz, ethnisch der Volksgruppe der Tamilen zugehörig. Hilfsjobs halten ihn über Wasser. Die Situation seiner Familie und sein vom Bürgerkrieg zerrissenen Landes erschweren seinen Gemütszustand. Sein Gegenmittel: das Kochen. Sinnlich, aphrodisierend und sehr lecker!
Unter gewissen Umständen eröffnet er mit einer Bekannten einen Catering-Service: "Love Food" und so "kocht" er die Kunden "ein". Einzig die intensive Beschäftigung mit der Molekularküche empfand ich, als Laie, anfangs als ungewohnt.
Leserin X
aus Wien
3/5
12.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Gemischte Gefühle
Das Buch war mein 2. von Suter, den Film die dunkle Seite des Mondes hatte ich zuvor gesehen. Mir scheint, zumindest was ich bisher gelesen/ gesehen habe, bei Suter geht es immer um diese zwei Seiten des Mondes. Ich muss sagen, dass ich die Personen (die auf der netten Seite) allesamt gut nachvollziehen kann, und auch hier war mir etwa Andrea in gewisser Weise sympathisch, etwa als sie im Sterne Restaurant wieder einmal ihren Mund nicht halten konnte. Ohne das Kochen, das wie eine Mediation wirkte, hätte ich das Buch nicht ausgehalten, wegen der Gestalten, die eben solche Sterne Restaurants etc frequentieren. Schlimm fand ich die Geschichte über Sri Lanka, brutal die Waffenlieferungen, ein bisschen zuviel Asylwerberschicksal fand ich ins Buch gepackt, und der Duft des Essens verblasste für mich in diesem Setting (ohne den hätte ich das Buch aber nicht fertiggelesen). Ich finde es also nicht "erotisch", wie manche meinten, da muss man sehr abgebrüht sein, sondern genau beobachtet und eher erschreckend. Etwa wenn der Hauptfigur bei Liebespaaren, denen in ihren Wohlstands Designer-Häusern das Liebesmenü gekocht wird, Sex plötzlich peinlich ist, weil er spürt, dass er diesen Leuten peinlich ist, trotz ihres weltoffenen Gehabes. Es ist eine sehr kaputte Welt über die Suter hier schreibt. Aber eben nicht nur.
Bories vom Berg
aus München
1/5
25.02.2013
Buch (Taschenbuch)
Geistige Schonkost, kein…
Geistige Schonkost, kein Feinschmeckermenu Ich habe das Buch „Der Koch“ von Martin Suter erstaunt zur Seite gelegt und mich gefragt, warum ich bis zum Ende durchgehalten habe. Hoffnung hatte mir nach wenigen Seiten die süffisante Schilderung der Kundschaft eines Nobelrestaurants gemacht, gutsituierte ältere Herren verschiedenster Profession, alle in Begleitung ihrer „großen, dünnen, blonden zweiten Frauen“. Nach „Die dunkle Seite des Mondes“ hatte ich keine hohen Erwartungen an diesen Autor, aber auf das Thema Kulinarik war ich denn doch neugierig. Und man will ja auch jedem Autor seine Chance geben, vielleicht wird es am Ende doch noch interessant, unterhaltend oder gar spannend, also lese ich fast immer alles brav bis zum Ende. Leider kam nichts dergleichen, es blieb fade bis zur letzen Seite. Gleich bei der ersten minutiösen Beschreibung eines der kulinarischen Meisterwerke des tamilischen Kochs und Protagonisten fragt man sich nach dem Sinn solcher Rezepte, die ja wohl weit jenseits des Erfahrungshorizontes fast aller Leser dieses Bestsellerautors liegen dürften. Und wer gar auf die Idee käme, Derartiges nachzukochen, scheitert unweigerlich an der Beschaffung der exotischen Zutaten, von den noch exotischeren Gerätschaften zu Herstellung solcher Kreationen ganz zu schweigen, wer hat denn schon einen ‚Rotationsverdampfer’ in seiner Küche? Den einen oder anderen Leser mag der Einblick in die Molekularküche vielleicht interessieren, für mich war es jedenfalls sterbenslangweilig. Bei Suter beliebte Versatzstücke wie Politiker, Nobelrestaurants, Fünf-Sterne-Hotels, reiche Geschäftsleute und die begleitenden dienstbaren Geister des horizontalen Gewerbes, die üblichen Verdächtigen also, finden sich natürlich auch in diesem Buch, hinzu kommt hier die Problematik der Tamilen in der Schweiz, Waffenschiebereien, der Bürgerkrieg in Sri Lanka, sogar die Finanzkrise ist eingebaut. Mit diesen literarischen Zutaten und einfach strukturierten, kurzen Sätzen schreibt Suter offensichtlich für eine ganz spezifische Leserzielgruppe, für Leute, die schmökern wollen. Der Plot lässt kein Klischee aus und plätschert spannungslos seinem vorhersehbaren Ende entgegen, immer nach dem Motto ‚bloß keine Überraschungen’. Die Figuren bleiben allesamt seltsam farblos, man gewinnt keinen Zugang zu ihnen. Geistige Schonkost also, kein Feinschmeckermenü. Schade eigentlich, denn als Nachttisch-Lektüre wäre das Buch durchaus geeignet, geht es doch um die vorgeblich aphrodisische Wirkung von raffiniert zubereiteten Speisen. Und so gelingt es dem Protagonisten zu Beginn des Buches denn auch auf Anhieb, mit einem solchen Menu seine attraktive Kollegin ins Bett zu kriegen. Wobei die sich am nächsten Tag auch noch als Lesbierin outet, was solch spezifisches „Love Food“ geradezu mystisch erhöht. Wer nach dieser Einführung ins Thema im Weiteren aber prickelnde Lektüre erwartet, wird bitter enttäuscht. Dieses Buch ist so unerotisch wie „Pippi Langstrumpf“, steriler geht es kaum. Als beim Happy End die Liebste ihren Koch beim Frühstück fragt, ob er denn so ein „Love Menu“ auch mal für sie kochen würde, lautet die lakonische Antwort: „Nie“. Das sagt wohl alles, über den Protagonisten wie über den Autor.
Bewertung
5/5
18.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für mich der kreativste Suter...
Für mich der kreativste Suter - vielschichtig, ironisch und kulinarisch sehr unterhaltsam, ohne dabei Tiefgang zu verlieren.
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4/5
16.03.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dies ist ein Krimi für Gourmets,...
Dies ist ein Krimi für Gourmets, so manch einem macht er Appetit. Dazu gibt es im Anhang die Rezepte. Ein politisch aktuelles Thema, unterhaltsam, überraschend, wenig Spannung.
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4/5
10.02.2012
Buch (Taschenbuch)
guter Unterhaltungsroman
Ich habe mich bei der Lektüre gut unterhalten gefühlt. Vor dem Hintergrund von Bürgerkrieg (in Sri Lanka), Krise (in der Weltfinanzwirtschaft) und der Selbstfindung des tamilischen Asylanten (des Kochs Maravan) wird die aphrodisische Wirkung einer molekularen Küche mit ayurvedischen Einflüssen zum eigentlichen Thema des Buches.
Letztendlich aber scheint mir die Mischung aus Zeitgeschehen, Kriminalstory und Sinnlichkeit zu sehr unter einem verkaufsfördernden Aspekt kalkuliert. Die Rezepte am Ende des Buches sind für Liebhaber der exotischen Küche eine Bereicherung.
Tamile versucht sich in Europa als Koch, ein wahrer Gewürzkünstler. Doch der Erfolg bleibt aus. Erotisch, aphrodisierend aber vor allem geschäftlich. Ein schöner Roman.
Sinnliche Geschichte, bei der man durch die tollen Rezeptbeschreibungen Hunger bekommt. Gleichzeitig gute Auseinandersetzung mit Problemen von Asylanten in der Schweiz.
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