Erkliirung der Abkurzungen: H. = Husserl, L. = Landgrebes Fassung, St. = Steins Fassung, Hrsg. = Herausgeber, Ms. = Manuskript. 1 Die KapitelUberschrift isi Zusatz von H. in L. II Randbemerkungen von H. in L. zum ersten Kapitel: Schlecht zusammengestellte und schlecht ausgearbeitete Manuskripte, eigentIich iiberhaupt nicht ausgearbeitet. Dieses Kapitel muB vollig neu ausgearbeitet werden. 1 1,7 Nach . . . zu gebrauchen pflegt in L. folgender, von II. mit dem deleatur-Zeichen versehene Text: Gehen wir dann der Korrelation zwi schen Erfahrung und Natur nach; nehmen wir den Ausgang von der Erfahrung von der Seite des BewuBtseins aus, so ist unter Erfahrung zunachst ein beliebiges BewuBtsein verstanden, in dem uns indivi duelle Realitaten, und zwar raumlich-zeitlich ausg~dehnte zur Gege benheit kommen. Wir unterscheiden das Erfahrungsdenken, das Den J. i:en, das aus Erfahrungen seine Rechtsgriinde schopft, und die Er fahrungen selbst. Diese sind Akte, in denen die raumlich-zeitlichen Gegenstandlichkeiten, naher: Dinge, dingliche Eigenschaften, ding liche Vorgange usw. in anschaulicher Weise und dabei als daseiend bewuBt sind. Unter den anschaulichen Akten stehen an erster Stelle die Wahrnehmungen: in ihnen ist das Gegenstandliche als leibhaft Gegenwartiges bewuBt. Ihnen stehen gegeniiber die Erinnerungen, die phanomenologisch charakterisiert sind als Vergegenwartigungen frii herer Erfahrungen des sich erinnernden Subjekts. Ihr Gegenstand liches ist charakterisiert als leibhaft gegenwartig Gewesenes. 1m Ver gleic:l mit der Erinnerung ist die Wahrnehmung originare Erfahrung. Die Erinnerung ist nieht-originar. Ahnliches gilt flir andere Vergegen wartigungen. Die soeben gegebenen Bestimmungen sind aber zu weite.
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08.09.2024
Buch (Taschenbuch)
Das Bewusstsein erforscht das Bewusstsein
Während sie diese Rezension lesen, haben sie Bewusstsein vom Lesen der Rezension, aber ein Bewusstsein ihres Ich haben sie dabei nicht. In diesem Modus, dem präreflexives cogito, wie es Sartre in " die Transzendenz des Ego " formulierte, befinden wir uns in einem unreflektierten Zustand, in dem wir selbstvergessen, intentional auf ein Objekt bezogen sind und uns selber gar nicht wahrnehmen. Wenn jedoch dieser Zustand sich selber bewusst werden soll, wendet sich die Blickrichtung auf das eigene, reine Ich, dass den vorangehenden fundamentalen Boden aller Transzendenz darstellt. Genau diese Entdeckung, des Transzendenz konstituierenden Fundamentes, stellt die große Entdeckung Edmund Husserls dar, dem es damit gelungen war, das Tor zum Bewusstsein zu öffnen. Doch zunächst " zu den Sachen " wie es Husserl gerne sagte, der damit die Devise zu einer neuen philosophischen Strömung lieferte, welche sich Phänomenologie nannte. Es war der Versuch einer Wiederherstellung der Philosophie nach strenger Wissenschaftlichkeit, um die Sachen wieder vorurteilsfrei und unabhängig der weltanschaulichen Konstruktionen zu erkennen und der Wissenschaft damit wieder ein festes Fundament zu liefern.
Das von Franz Brentano geprägte Konzept der Intentionalität, stellt dabei ein wichtiges Element dar, demzufolge wir die Wirklichkeit nicht wie Nahrung aufnehmen, sondern sie uns durch einen Bezug zu ihr in Erfahrung bringen. Husserl zufolge nehmen wir die Welt meistens durch die natürliche vorphilosophische Einstellung wahr, in der wir geradehin im Umgang mit den sich uns umgebenden Gegenständen leben. In seinen " Ideen " demonstriert er uns nun eine Möglichkeit, wie der Phänomenologe durch eine Haltung, die er als " Epoché " bezeichnet, zu den Phänomenen gelangt. Es gilt alles im Hinblick auf eine Sache Geltende, einzuklammern und außer Acht zu lassen, so das in einem weiteren Schritt, die auszuschaltende Sache, der noematische Gegenstand, gegenüber dem sinngebenden Bewusstseinsakt ( Noesis ) erkennbar wird. So sei bei der Wahrnehmung eines Baumes, das " Baumwahrgenommene ", das Noema und der sich auf den Baum beziehende Bewusstseinsakt, die Noesis.
Durch die Epochè, haben wir uns aus der Welt in uns zurückgezogen, die Thesen außer Aktion gesetzt und können nun unseren Blick auf das übrig gebliebene phänomenologische Residuum richten, dass alle weltlichen Transzendenzen aus sich heraus konstituiert. Das transzendentale Ich erfassen wir in der Reflexion, es konstituiert das personale ich, welches beispielsweise gerade mit dem Lesen der Rezension beschäftigt ist. Während das personale ich als Einheit erscheint, ein Tisch z.b. erscheint als Tisch, offenbart sich das reine Bewusstsein, als der anonyme Arbeiter im Bewusstsein, eine Art unwandelbarer Substanz, die der Transzendenz zu Grunde liegt. Das personale Ich hingegen, konstituiert sich immer wieder neu, ständig entstehen und vergehen Denkakte im Fluss der Erlebnisse. Mit seinem transzendentalen Ich, hat Husserl allerdings eine starke idealistische Richtung eingeschlagen, welche die Welt ihrer " Weltlichkeit " beraubt und sie stattdessen im Kopf abspielen lässt. Sartre und Heidegger, die die Tradition der Phänomenologie fortführten, versuchten daher Husserls Ideen wieder in die Welt und ihre Lebenszusammenhänge zu projizieren.
Durch seine eingeführten Begriffsterminologien Noema und Noesis, wollte Husserls zeigen, dass zwischen dem " An-Sich " der Gegenstände und ihrem subjektiven Erscheinen, ein unaufhebbares Wechselverhältnis, eine Korrelation besteht. Diese beiden Seiten sind unablösbar voneinander, so das die Gegebenheit des Gegenstandes, das Noeama, immer mit den zugehörigen Mannigfaltigkeiten der Bewusstseinsvollzüge (erfahren, erleben, erkennen ) korrespondiert und es daher nicht möglich ist, unabhängig dieser Mannigfaltigkeit vorbei, auf den bloßen Gegenstand zu blicken.
Endmund Husserl erreichte mit seiner Phänomenologie nie die Popularität, welche ihm eigentlich angemessen wäre. Da gab es Sartre mit seinem Existentialismus und Heidegger mit seinem großen Werk " Sein und Zeit ". Zudem litt er aufgrund seiner jüdischen Herkunft sehr unter dem Nationalsozialismus, so dass man ihm 1936 die Lehrbefugnis entzog und er seine gesamten Aufzeichnungen, knapp 40.000 Seiten, abenteuerlich in Sicherheit bringen musste.
Wer sich mit diesem Werk auseinandersetzt, wird eine neue Perspektive auf sein Leben erhalten und die Dinge mit einem anderen Auge betrachten, er wird eine Verbindung zwischen dem Bewusstsein und der Welt erfahren, die ihm so wahrscheinlich nie bewusst geworden wäre. Insgesamt ein lohnendes aber auch mühseliges Werk
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