Produktbild: Der Fremde
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Der Fremde Neuverfilmung von François Ozon

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

416

Erscheinungsdatum

01.02.2013

Verlag

Rowohlt eBooks

Seitenzahl

(Printausgabe)

Dateigröße

1760 KB

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

L'Étranger

Übersetzt von

Uli Aumüller

Sprache

Deutsch

EAN

9783644026216

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB 3

eBooks im ePUB 3-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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416

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01.02.2013

Verlag

Rowohlt eBooks

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(Printausgabe)

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1760 KB

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1. Auflage

Originaltitel

L'Étranger

Übersetzt von

Uli Aumüller

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Deutsch

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9783644026216

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  • Peter

    aus Niedersachsen

    5/5

    22.01.2026

    eBook (ePUB 3)

    Eindringlicher Roman, eine Bereicherung für mein Portfolio.

    Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass "Der Fremde" als eines der Hauptwerke der Philosophie des Existentialismus und Absurdismus beschrieben wird. Die Ich-Perspektive des Franzosen Meursault, die sehr kurzen Sätze und die ebenfalls kurzen Kapitel erlauben es, den Roman flüssig zu lesen. Die kurzen Sätze drücken aber auch den Charakter von Meursault aus: sein Leben ist ohne Empathie, aber nicht freudlos. Er ist zufrieden mit seinem Dasein, hat Freunde und Freundinnen, aber dennoch lebt er den Alltag in großer Gleichgültigkeit. Sein Handeln folgt keinem fernen Ziel, sondern entsteht aus der Situation. So kommt es auch, dass er fast schon durch ein unglückliches Schicksal einen Menschen erschießt, wofür er vor Gericht gestellt und ins Gefängnis gebracht wird. Das Gefängnis lässt ihm viel Zeit, über das Leben nachzudenken, aber so etwas wie Reue für seine Tat kommt bei ihm nicht auf. Es ist passiert, es ist nicht zu ändern, und sein Los - die Todesstrafe - ist nicht mehr als die logische Konsequenz. Ich habe den Stil als sehr eindringlich empfunden, aber weder tragisch noch dramatisch. Ja, vielleicht etwas fasziniert von der schlichten Lebensweise und den schlichten Gedanken des Protagonisten und auf jeden Fall als eine Bereicherung.

  • Bewertung

    aus München

    5/5

    20.01.2017

    eBook (ePUB 3)

    Mit Genuss wiedergelesen

    Erstaunlich wie aktuell Camus immer noch ist. Allein bei der Sprache hat man das Gefühl, dass junge Autoren sich noch immer an dem großen Franzosen orientieren. Klare, kurze Sätze ohne viel Brimborium. Und man spürt den philosophischen Blick des Autors auf die Welt, die er als etwas Absurdes empfand. Habe mir direkt auch die Biographie von Irsis Radisch gekauft. Bin schon sehr gespannt.

  • Bories vom Berg

    aus München

    5/5

    20.06.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Ein Jahrhundert-Roman

    Mit dem Roman «Der Fremde» hat Albert Camus nach Ansicht von Jean Paul Sartre das wichtigste Werk des Existentialismus geschrieben. Anders als bei Sartre aber steht für Camus das Absurde im Zentrum, wie es aus der Gegenüberstellung der menschlichen Sinnsuche und der absoluten Sinnlosigkeit der Existenz entsteht. «L’Etranger», wie der vorliegende, 1942 erschienene kurze Roman im Original heißt, entstand parallel zu Camus philosophischer Abhandlung «Der Mythos des Sisyphos», hier aber wird der Absurdismus erstmals beispielhaft in literarischer Form vorgestellt. Nicht nur in Frankreich gilt dieser gefeierte Roman des späteren Nobelpreisträgers als erfolgreichster den 20. Jahrhunderts. Die in einer Stadt am Meer in Algerien der 1930er Jahre angesiedelte Geschichte eines Mannes namens Meursault beginnt im ersten Teil damit, dass der introvertierte junge Mann vom Tod seiner im Pflegeheim lebenden Mutter erfährt. «Heute ist Mama gestorben», lautet der erste Satz. «Oder war es gestern, ich weiß es nicht». Aus der Ich-Perspektive wird berichtet, dass er bei der Beerdigung der Mutter keinerlei Reaktionen gezeigt hat. Am nächsten Tag hat er zufällig Marie, eine ehemalige Arbeitskollegin, getroffen, die er lange nicht gesehen hat. Spontan ist er mit ihr zum Schwimmen ans Meer gegangen und hinterher ins Kino, sie wollte unbedingt einen Film mit Fernandel sehen. Im Kino hat er sie dann erstmals geküsst und ihre Brüste gestreichelt, «Nach dem Kino ist sie mit zu mir gekommen». Bezeichnend für den Nihilismus dieses Mannes ist seine Reaktion, als Marie ihm später einen Heiratsantrag macht. Er erwidert, das könne man machen, auf ihre Frage aber, ob er sie denn liebe, sagt er nein, aber das bedeute ja nichts. Der Protagonist wird als antriebsloser Gewohnheits-Mensch geschildert, der völlig zufrieden ist, wenn sein Alltag routinemäßig verläuft, der in den Tag hinein lebt und wirklich alles ungerührt hinnimmt, nicht nur den Tod der Mutter. Als er seinem Nachbarn Raymond hilft, der seine untreue Freundin bestrafen will, gerät er mit ins Visier von deren Brüdern, die sich an Raymond rächen wollen. Am Stand kommt es zu einer Schlägerei, bei der Raymond mit dem Messer verletzt wird. Als Meursault später einen der Brüder am Meer im Sand liegend trifft und der sein Messer zieht, schießt er auf ihn und feuert nach kurzer Pause vier weitere Schüsse auf ihn ab. Im zweiten Teil des Romans wird der Prozess geschildert, in dem der Angeklagte sich nicht verteidigt und seinen Pflichtverteidiger durch sein absolut gleichgültiges Verhalten zu Verzweiflung bringt. Bei Meursault ist seine Indolenz nämlich nichts anderes als sei originärer Charakter. Der Roman schildert einen interessanten Verfahrensverlauf, der die unbeirrbare, existentialistische Lebens-Philosophie des Angeklagten offen legt, die hier schon beinahe als Unzurechnungsfähigkeit gedeutet werden könnte. Ganz am Ende der Geschichte zeigt er sich dann aber doch empfänglich für «die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt». Stilistisch ist dieses Buch durch eine einfache, knappe Diktion gekennzeichnet, die mit kurzen Sätzen und in einfachen Worten stimmig die Absurdität dieser Geschichte unterstreicht. Lakonisch wird damit auch ein Gefühl der Unmittelbarkeit des Geschehens und sogar die Illusion einer Präsenz des Lesers erzeugt. Oft werden im Roman die Hitze und der Sonnenschein thematisiert als Symbole der absoluten Indifferenz der realen Welt dem menschlichen Schicksal gegenüber, - genau so, wie sie sein apathischer Protagonist ja empfindet. Camus wirft in diesem Roman wichtige philosophische Fragen auf, zu denen vor allem der Sinn des Lebens und der Tod als Schicksal gehören, aber auch die Rolle sozialer Normen oder fehlender Emotionen. Er fragt auch nach dem so genannten ‹freien Willen› und erläutert, dass Meursault für die Gesellschaft «Der Fremde» ist, weil er sich beharrlich weigert, sich zu verstellen oder gar zu lügen. Ohne Zweifel ist dieses bereichernde Werk ein Jahrhundert-Roman, wie es kaum einen zweiten gibt, wobei diese komplexe Erzählung bis zum Schluss auch noch spannend bleibt!

  • Klaus Effing

    aus Köln

    5/5

    01.02.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Ein Buch mit Tiefgang

    „Der Fremde“ ist kein Buch, das man einfach „wegliest“. Es ist eines, das man mit sich herumträgt. Aktuell läuft die neue Verfilmung aus dem Jahr 2025 in einigen Kinos. Meursault, der Protagonist der um die dreißig Jahre alt ist, wirkt auf den ersten Blick erschreckend gleichgültig: Er weint nicht bei der Beerdigung seiner Mutter, liebt ohne Leidenschaft, und begeht schließlich einen Mord, der eher aus Zufall als aus Absicht entsteht. Doch gerade diese scheinbare Gefühllosigkeit macht ihn so faszinierend — und verstörend. Camus zeigt hier keinen Bösewicht, sondern einen Menschen, der außerhalb gesellschaftlicher Erwartungen lebt. Meursault fühlt durchaus, aber nicht so, wie wir es für „richtig“ halten. Vor Gericht wird er deshalb weniger für den Mord verurteilt als für seine Abweichung von den Normen: für seine fehlende Trauer, seine Direktheit, seine Weigerung, eine Rolle zu spielen. Besonders beeindruckt hat mich die schlichte, klare Sprache des Romans. Sie zwingt einen, genau hinzusehen — auf das, was gesagt wird, und vor allem auf das, was unausgesprochen bleibt. Der Roman ist in zwei Teile gegliedert: das Leben vor dem Mord und das Leben danach. In beiden zeigt sich dieselbe bittere Wahrheit: Der Mensch ist der Welt fremd, und die Welt ihm. Was mich am meisten erschüttert hat: Meursault ist kein Monster. Er ist ein ganz normaler Mensch — und genau darin liegt die beunruhigende Kraft dieses Klassikers. Auch wenn „Der Fremde“ von 1942 stammt, fühlt er sich erstaunlich modern an. Fragen nach Moral, Freiheit, Schuld und Sinn sind heute genauso aktuell wie damals. Gerade für Leser:innen, die sonst vor allem zeitgenössische Literatur lesen, lohnt sich dieser Ausflug in die Klassik. Fazit: Kein Wohlfühlbuch — aber ein kluges, kompromissloses und nachhaltig nachhallendes Werk, das man mehr als einmal lesen kann. Die gut 150 Seiten sind echte Literatur!

  • Bewertung

    5/5

    30.01.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Die Sünde der Gleichgültigkeit

    Der Fremde, eines der grundlegenden Werke der absurden Literatur, thematisiert anhand einer von der Gesellschaft entfremdeten Außenseiterfigur und eines von ihr begangenen unerklärlichen Mordes Fragen nach Schuld und Moral, nach der Unzugänglichkeit individueller Sinnwelten sowie nach der Abweichung von gesellschaftlichen Konventionen und deren Konsequenzen. Ein zeitloser Klassiker, der den in die Gesellschaft geworfenen Menschen mit Fragen nach der eigenen Existenz konfrontiert und zum Nachdenken anregt.

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Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von H. Jürgens

    H. Jürgens

    Thalia Düsseldorf – Königsallee

    Buchhändler*in

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    5/5

    18.02.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Weltliteratur im Kurzformat

    Albert Camus erhielt 1957 den Nobelpreis für Literatur, starb jedoch drei Jahre später bei einem Autounfall. Dennoch erfreut sich sein Gesamtwerk einer ungebrochenen Popularität. Camus war einer der maßgeblichen Denker des Existenzialismus. Die wichtigsten Themen dieser philosophischen Denkart sind Freiheit & Verantwortung. Das existenzialistische Interesse richtet sich dabei auf das Individuum als singuläre Persönlichkeit. Jeder ist im Umkehrschluss selbst für seine Wahl verantwortlich und wird dadurch unmittelbar zum Urheber seines Schicksals. Meursault ist der gefühllose Antiheld, der einen Mord begeht. Die Anklage & anschließende Haft nimmt er unbeteiligt hin. Erst in der Todeszelle beginnt seine Reflexion, die Verarbeitung des Geschehenen über die Gleichgültigkeit des Universums. Er ist das eigentliche Opfer, da er sich seiner eigenen Handlung nicht bewusst ist. Am Schluss legt er überzeugend seine Haltung - der sinnlosen Welt gegenüber - dem Anstaltsgeistlichen dar. Es wundert nicht, dass Meursault in dem Pfarrer einen Antagonisten hat. Im Katholizismus rüttelt eine sinnlose und damit auch zufällige Existenz an den Grundfesten des Systems. Camus verwendet dabei karge, fast spröde Prosa. Offensichtlich wirkt Meursault dabei für Nicht-Eingeweihte phlegmatisch, dabei hat er bloß die existenzialistische Sicht- und Denkweise verinnerlicht. Naturgemäß wirkt dies kalt, andererseits wird die grausame Sinnlosigkeit des Lebens eines jeden Einzelnen plastisch vor Augen geführt. Es gibt keinen Lebenssinn, obwohl viele Menschen an einen solchen glauben wollen. Das kulminiert in dem Satz „Aber jeder weiß, dass das Leben nicht lebenswert ist“. Letztlich ist die menschliche Existenz also absurd und willkürlich. Später zieht Camus subtil eine politische Ebene ein. Sein Werk erschien 1942 im besetzten Frankreich, spielt allerdings in Algerien. Der Showdown wurde von Camus dabei Western-mäßig angelegt und entfaltet einen starken Sog, dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Die Staatsanwaltschaft fordert für Meursault die drakonischste aller Strafen; die Enthauptung mit dem Fallbeil. In Frankreich wurde die Todesstrafe erst im Jahre 1981 abgeschafft. Albert Camus war ein Gegner der Todesstrafe, umso überraschender, dass er keiner seiner Figuren ein kraftvolles Plädoyer gegen diese moralische verkommene Rechtsfolge in den Mund legt. Seine Überzeugung wird dennoch deutlich, und auch hier liegt einer der zahlreichen Stärken des Buches. Die große Leistung Camus liegt darin, eine ganze Weltsicht in einem schmalen Buch komprimiert & eingängig dargelegt zu haben. Er wählt dafür eine einfache, unkomplizierte Geschichte mit zeitlosen Themen. Der Fremde besitzt dabei eine erzählerische Dichte und intellektuelle Tiefe, die ihm zurecht einen Platz im literarischen Kanon einbringt. Das Leben mag sinn- und freudlos sein, die Lektüre dieses Buch ist es mit Sicherheit nicht.
  • Zum Bewerterprofil von L. Marbes

    L. Marbes

    Thalia Mayersche Duisburg – FORUM

    Buchhändler*in

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    5/5

    03.11.2025

    Buch (Taschenbuch)

    Was ist fremd?

    Eine nüchterne Geschichte über einen Mann, der ein geordnetes Leben führt und doch nur apathischer Beobachter seiner eigenen Existenz bleibt. Camus zeigt hier, wie sinnlos Moral und Bedeutung erscheinen, wenn man die Welt ohne Illusionen betrachtet. Man fragt sich während der Erzählung immer wieder, was eigentlich Sinn macht, was normal ist, was das Leben beinhaltet und wer was überhaupt vorschreibt. Absurd, surreal und hinterfragend.
  • Zum Bewerterprofil von Jérôme Wiedenhaupt

    Jérôme Wiedenhaupt

    Thalia Hildesheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    06.07.2025

    Buch (Taschenbuch)

    „Ich öffnete mich zum ersten Mal dem zärtlichen Gleichmut der Welt.“

    Albert Camus’ Der Fremde beginnt nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Satz, der wie eine Klinge durch das Gewebe unserer Erwartungen schneidet: „Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht.“ In dieser lakonischen Öffnung liegt bereits der ganze Horizont eines Denkens, das sich weigert, Trost in Bedeutungen zu suchen, die ihm nicht von der Welt selbst, sondern von den Menschen aufgezwungen wurden. Camus’ Roman ist kein bloßes Werk der Literatur, sondern eine methodisch verknappte, radikal ehrliche Antwort auf die metaphysische Entbehrlichkeit des Daseins. Was er erschafft, ist keine Geschichte, sondern eine Diagnose – nicht einer Einzelperson, sondern einer Zivilisation, die unaufhörlich Sinn stiftet, wo keiner ist. Meursault, der Protagonist, ist das Resultat dieser Entbehrung, ein Subjekt ohne metaphysischen Untergrund, das inmitten der Welt steht wie ein Fragment – nicht verloren, sondern ungerührt. Ihn bewegt nicht das, was „man“ fühlen sollte, sondern das, was tatsächlich geschieht. Und weil er sich nicht täuscht, wirkt er wie einer, der nicht fühlt. Doch in Wahrheit ist er der Einzige, der nichts vortäuscht. Darin liegt sein Skandal, und darin liegt die unerbittliche Kraft dieses Romans. Meursault ist kein Antiheld im klassischen Sinne, kein rebellischer Nihilist, der sich den Konventionen verweigert – vielmehr scheint er gänzlich jenseits aller moralisch-ethischen Kategorien zu operieren, als existiere er in einem Zustand reiner Faktizität, der sich dem narrativen Zugriff ebenso wie dem psychologischen Einfühlungsversuch hartnäckig entzieht. Und genau darin liegt seine paradigmatische Kraft: Meursault ist keine Figur, sondern ein Phänomen. Sein Verhalten wirkt nicht deshalb befremdlich, weil es „unmoralisch“ oder „kalt“ wäre – solche Zuschreibungen verkennen Camus’ Intention –, sondern weil es die Konvention der Sinnzuschreibung selbst zur Disposition stellt. In dieser Hinsicht ist Camus’ Protagonist radikal posttheologisch. Seine berühmte Indifferenz gegenüber dem Tod seiner Mutter ist nicht Zeichen einer seelischen Verrohung, sondern ein literarisch verdichtetes Abbild jenes metaphysischen Nihilismus, den Nietzsche als „Tod Gottes“ formulierte. Meursault lebt in einer Welt ohne transzendenten Referenzrahmen, ohne letzte Gründe, ohne metaphysisches Außen. Camus treibt diesen Gedanken auf eine Weise auf die Spitze, die an die luzide Strenge Spinozas erinnert: die Welt ist, was sie ist – nicht mehr, nicht weniger. Der Himmel bleibt stumm, das Meer bleibt indifferent, das Licht – das in diesem Roman nicht nur Motiv, sondern metaphysisches Element ist – brennt unablässig, ohne Unterschied, ohne Gnade. Es ist bezeichnend, dass gerade das Licht, nicht das Dunkel, in Der Fremde zur Bedrohung wird: Camus kehrt die klassische Symbolik um und lässt das strahlende Mittelmeer zum Motor der Desorientierung werden. Die Sonne, die Meursault am Strand fast körperlich quält, ist kein Naturphänomen mehr, sondern eine Allegorie auf die rückhaltlose Klarheit, mit der der Abgrund sichtbar wird, sobald man sich weigert, ihn zu mythologisieren. Im Vergleich zu Jean-Paul Sartre, dessen Existentialismus sich immer auch als ein Akt moralischer Autonomie und engagierter Freiheit versteht, vollzieht Camus eine bewusste Verschiebung: Wo Sartres Roquentin in La Nausée unter dem Gewicht der kontingenten Welt leidet und aus dieser Leidensfähigkeit den Imperativ einer neuen, selbstgesetzten Ethik gewinnt, bleibt Meursault ungerührt. Seine Indifferenz ist keine Pose, sondern Resultat einer radikal empirischen Weltsicht, die sich jeder Projektion verweigert. Während Sartres Subjekt stets in der Spannung zwischen Faktizität und Transzendenz oszilliert – seine Freiheit ist darin begründet, dass es sich zu dem verhalten muss, was es nicht gewählt hat –, kennt Meursault keine solche Dialektik. Seine Freiheit liegt gerade in der Annahme des Gegebenen ohne jede Fiktion. Dies unterscheidet ihn fundamental vom existentialistischen Freiheitsbegriff Sartres, dessen Ethik – bei aller Skepsis gegenüber Essentialismen – letztlich doch eine anthropologische Hoffnung aufrechterhält. Camus hingegen lässt jegliche Hoffnung in sich zusammenfallen, nicht aus Zynismus, sondern aus intellektueller Redlichkeit. Der Fremde ist kein Roman der Revolte, sondern der radikalen Akzeptanz. Doch gerade diese Akzeptanz wird bei Camus zum paradoxen Akt der Revolte. In der berühmten Schlusspassage, in der Meursault dem Gedanken der Hinrichtung ins Auge blickt und den Kosmos als „brüderlich“ empfindet, weil er ebenso gleichgültig ist wie er selbst, verdichtet sich Camus’ Philosophie des Absurden zur ethischen Haltung. Es ist kein fatalistischer Rückzug in die Bedeutungslosigkeit, sondern die transgressive Entscheidung, das Absurde nicht zu leugnen, sondern als anthropologische Konstante zu affirmieren. Diese Affirmation steht quer zu jeder teleologischen Geschichtsphilosophie – sie ist nicht utopisch, sondern tragisch. Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge, sondern ihr Beobachter, ihr Zeuge, ihr mitgehender Fremder. Genau hierin liegt Camus’ humane Größe: Im Wissen um die Abwesenheit eines Sinns hält er an der Würde des Menschen fest – nicht als metaphysischer Entität, sondern als tragischem Akteur, der sich dem Schweigen der Welt nicht durch Illusion, sondern durch Wahrhaftigkeit entgegenstellt. Der Fremde lässt sich daher auch als subtile Dekonstruktion der narrativen Ordnung verstehen. Die Linearität der Handlung – der Tod der Mutter, die Liebesgeschichte, der Mord, das Gerichtsverfahren – täuscht eine Ordnung vor, die der Roman zugleich untergräbt. Camus’ Sprache ist bewusst neutral, entkernt, lakonisch. Sie verweigert sich jeder emotionalisierenden Intonation, sie beschreibt, ohne zu deuten. Diese Prosa ist nicht kalt, sie ist gereinigt. In ihr schwingt ein fast stoischer Ernst, der die erzählerische Form selbst zur Metapher für Meursaults Haltung werden lässt. Die Welt wird nicht gedeutet, sie wird benannt. Hier offenbart sich Camus’ Nähe zur phänomenologischen Tradition: Nicht Interpretation, sondern Anschauung. Nicht Sinn, sondern Erscheinung. In dieser formalen Konsequenz liegt der ethische Anspruch des Textes. Gerade im Kontrast zu Sartres moralisch aufgeladener Konzeptualisierung des Daseins zeigt sich die radikale Nüchternheit von Camus’ Entwurf: Wo Sartre das Subjekt zum Schöpfer seiner eigenen Werte stilisiert und die Freiheit als ethisches Postulat denkt, das Verantwortung impliziert, operiert Camus mit einem Freiheitsbegriff, der durch das Akzeptieren des Unverfügbaren definiert ist. Meursault wird gerade dadurch frei, dass er nichts vorgibt, nicht mehr sein will als er ist, nicht behauptet zu fühlen, was er nicht fühlt. Diese Weigerung ist eine existentielle Integrität, die nur mit den Begriffen des Tragischen angemessen erfasst werden kann. Es ist ein antiker Gestus, den Camus hier reaktiviert – ohne Pathos, aber mit dem Wissen, dass Freiheit nicht im Entwurf einer besseren Welt besteht, sondern in der Wahrhaftigkeit gegenüber der bestehenden. Camus’ Der Fremde ist also keine Absage an den Sinn, sondern eine Absage an die Illusion. In einer Welt, die keine Antworten gibt, ist der Mensch nicht verloren, sondern herausgefordert. Die eigentliche Revolte des Textes liegt nicht im Mord, sondern im Prozess: im beharrlichen Nicht-Spiel mit den Erwartungen. Meursault verweigert sich nicht nur den Konventionen, er entlarvt sie. Sein Verhalten im Gerichtssaal, seine Weigerung, Reue zu zeigen, nicht aus Trotz, sondern aus Unaufrichtigkeit gegenüber sich selbst, sprengt das Ritual der Schuldzuweisung. Die Justiz erscheint hier nicht als Instrument rationaler Ordnung, sondern als metaphysisches Theater, das den Skandal der Indifferenz nicht ertragen kann. Camus hat mit Der Fremde das Unmögliche gewagt: das Unsagbare des Absurden nicht zu erklären, sondern zu zeigen.
  • Zum Bewerterprofil von Elisa Danisch

    Elisa Danisch

    Mayersche Aachen

    Buchhändler*in

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    5/5

    26.05.2025

    Buch (Taschenbuch)

    Ein Wahnsinnsroman

    Ich wusste absolut nichts über dieses Buch, als ich es in die Hand genommen habe, und das hat mir ein unvergleichbares Leseerlebnis beschert. Poetisch, zum Nachdenken anregend und emotional mitreißend, eine große Leseempfehlung und definitiv eins meiner Lesehighlights diesen Jahres! Ich kann es besonders denjenigen empfehlen, die gern von moralisch verwerflicheren Menschen lesen.
  • Zum Bewerterprofil von Stephanie Hepp

    Stephanie Hepp

    Thalia Saarbrücken

    Buchhändler*in

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    5/5

    15.01.2024

    eBook (ePUB 3)

    Hat das Leben einen Sinn?

    Ein Mann der seine Pflichten erfüllt, der nichts vom Leben erwartet, der keine Ansprüche hat und nicht an etwas Höheres glaubt. Er lebt ohne große Freude, ohne große Trauer, ohne Hoffnung. Er wurde geboren und er wird sterben, das sind seine Gewissheiten und alles dazwischen scheint nicht sehr von Bedeutung. Das eine ergibt sich aus dem anderen, ohne dass man merklichen Einfluss darauf nehmen kann. Was passiert, passiert und er trägt für sein Handeln die Konsequenzen.

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