Produktbild: Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym
Band 21267

Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym

Aus der Reihe detebe
3

1,99 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

11.08.2015

Verlag

OTB eBook publishing

Seitenzahl

179 (Printausgabe)

Dateigröße

433 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783956760143

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Format

ePUB

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  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

Erscheinungsdatum

11.08.2015

Verlag

OTB eBook publishing

Seitenzahl

179 (Printausgabe)

Dateigröße

433 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783956760143

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Pym

Lorenz Laudenberg aus Bergisch Gladbach am 12.01.2021

Bewertungsnummer: 622728

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Eine wahrhaft denkwürdige Geschichte erzählt uns Edgar Allan Poe ( 1809- 1849). Eingesperrt im Laderaum eines Walfangschiffes erlebt Arthur Gordon Pym als blinder Passagier die Grauen des " Lebendig begraben Seins", gerät in eine fürchterlich blutige Meuterei mit all ihren Schrecken, erleidet Schiffbruch, überlebt, zusammen mit wenigen Kameraden, fast verhungert und verdurstet und dem Wahnsinn nah, auf dem Wrack des Walfängers. Gerettet von einem Handelsschiff, dem Tod so gerade entronnen, geht die Fahrt weiter Richtung Südpol, wo sich in unbekannten Gewässern die nächste Katastrophe anbahnt: die Besatzung wird von Inselbewohnern regelrecht abgeschlachtet. Pym kann fliehen, eine Strömung treibt ihn Richtung Süden, sein kleines Boot verliert sich im Nebel, in warmen Gewässern von heller Farbe, als eine weiße, ungeheuer große Gestalt auftaucht.......Die Sturzflut von phantastischen Visionen bricht plötzlich ab, das Ende bleibt offen. Poe hat den "Bericht" nicht vollendet, obwohl er als Fortsetzungsroman geplant war, er teilt uns nur in einer "Schlussbemerkung" den Tod des Titelhelden mit. Das öffentliche Interesse an der Erforschung der antarktischen Regionen war sicher ausschlaggebend für die Darstellung der fiktiven Rahmenhandlung. Wie auch in Poe`s Kriminal- oder Schauerzählungen überschlagen sich hier die Ereignisse, auf eine Katastrophe folgt gleich das nächste Unheil. Der Autor schreibt für seine Zeit unglaublich "modern", viele seiner Horrorvisionen nehmen schon die Ängste unseres Zeitalters vorweg, seine " psychologischen Studien" sind, ein halbes Jh. vor Freud, gut getroffen und erstaunlich präzise.

Pym

Lorenz Laudenberg aus Bergisch Gladbach am 12.01.2021
Bewertungsnummer: 622728
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Eine wahrhaft denkwürdige Geschichte erzählt uns Edgar Allan Poe ( 1809- 1849). Eingesperrt im Laderaum eines Walfangschiffes erlebt Arthur Gordon Pym als blinder Passagier die Grauen des " Lebendig begraben Seins", gerät in eine fürchterlich blutige Meuterei mit all ihren Schrecken, erleidet Schiffbruch, überlebt, zusammen mit wenigen Kameraden, fast verhungert und verdurstet und dem Wahnsinn nah, auf dem Wrack des Walfängers. Gerettet von einem Handelsschiff, dem Tod so gerade entronnen, geht die Fahrt weiter Richtung Südpol, wo sich in unbekannten Gewässern die nächste Katastrophe anbahnt: die Besatzung wird von Inselbewohnern regelrecht abgeschlachtet. Pym kann fliehen, eine Strömung treibt ihn Richtung Süden, sein kleines Boot verliert sich im Nebel, in warmen Gewässern von heller Farbe, als eine weiße, ungeheuer große Gestalt auftaucht.......Die Sturzflut von phantastischen Visionen bricht plötzlich ab, das Ende bleibt offen. Poe hat den "Bericht" nicht vollendet, obwohl er als Fortsetzungsroman geplant war, er teilt uns nur in einer "Schlussbemerkung" den Tod des Titelhelden mit. Das öffentliche Interesse an der Erforschung der antarktischen Regionen war sicher ausschlaggebend für die Darstellung der fiktiven Rahmenhandlung. Wie auch in Poe`s Kriminal- oder Schauerzählungen überschlagen sich hier die Ereignisse, auf eine Katastrophe folgt gleich das nächste Unheil. Der Autor schreibt für seine Zeit unglaublich "modern", viele seiner Horrorvisionen nehmen schon die Ängste unseres Zeitalters vorweg, seine " psychologischen Studien" sind, ein halbes Jh. vor Freud, gut getroffen und erstaunlich präzise.

blinder Passagier

Patrick Nagl aus Wien am 19.07.2010

Bewertungsnummer: 674931

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Eine wirklich grossartige und zugleich äusserst grausame Seegeschichte. Als blinder Passagier eingesperrt im Laderaum eines Walfängers erlebt der junge Arthur Gordon Pym Meuterei, Schiffbruch und so manches grausiges Schauspiel auf See, und entrinnt immer wieder nur knapp dem Tod. Für jeden etwas der abenteuerliche Seefahrtsromane liebt, aber auch Grusel und Horror etwas abgewinnen kann. Poe in meisterlicher Verfassung.

blinder Passagier

Patrick Nagl aus Wien am 19.07.2010
Bewertungsnummer: 674931
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Eine wirklich grossartige und zugleich äusserst grausame Seegeschichte. Als blinder Passagier eingesperrt im Laderaum eines Walfängers erlebt der junge Arthur Gordon Pym Meuterei, Schiffbruch und so manches grausiges Schauspiel auf See, und entrinnt immer wieder nur knapp dem Tod. Für jeden etwas der abenteuerliche Seefahrtsromane liebt, aber auch Grusel und Horror etwas abgewinnen kann. Poe in meisterlicher Verfassung.

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Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym

von Edgar Allan Poe

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Jérôme Wiedenhaupt

Thalia Hildesheim

Zum Portrait

5/5

„Ein unheimliches Weiß umgab uns, ein Glanz, der eher verschlang als erhellte.“

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Als ich mich zum ersten Mal auf die Lektüre von Edgar Allan Poes einzigem Roman "Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym" einließ, überkam mich ein eigentümliches Gefühl, so als beträte ich ein literarisches Terrain, das nicht bloß erzählt, sondern einen verschluckt, als wäre das Lesen selbst eine nautische Fahrt in unbekannte Gewässer. Es war, als würde jede Seite mich weiter hinaus auf einen Ozean tragen, dessen Oberfläche von präziser Nüchternheit glänzt, während darunter eine Tiefe gähnt, in der das Unaussprechliche ruht. Poe gelingt es, das scheinbar Harmlos-Abenteuerliche in ein unentrinnbares Grauen zu verwandeln, und genau diese Täuschung ist es, die das Werk so eindringlich macht. Denn Arthur Gordon Pym ist nicht allein eine Geschichte vom Meer, von Schiffbruch, Hunger und Entbehrung, sondern eine subtil inszenierte Allegorie des Schreckens, die sich jeder eindeutigen Deutung entzieht und eben darin ihre Genialität entfaltet. Der erste Eindruck beim Lesen ist ein Spiel mit Erwartungen: Der Roman beginnt beinahe wie ein Abenteuerbuch aus jener Epoche, mit jugendlicher Fluchtlust, Seefahrerromantik und dem Drang nach Ferne. Doch schon bald verwandelt sich diese Oberfläche in ein düsteres Tableau. Das Schiff wird zum klaustrophobischen Raum, die Reise zur Konfrontation mit dem Ungeheuren, das nicht allein in den äußeren Widrigkeiten liegt, sondern in der Seele der Menschen selbst. Poe schreibt dies alles in einer Sprache, die der eines nüchternen Berichterstatters gleicht, beinahe wissenschaftlich in ihrer Detailverliebtheit, sodass das Entsetzliche umso unheilvoller wirkt, weil es nicht beschworen, sondern protokolliert erscheint. Hier zeigt sich Poes Meisterschaft: Sein Horror schreit nicht, er flüstert, und gerade darin liegt seine Wucht. Die Szenen des Meuterns, des Schiffbruchs und schließlich des Kannibalismus gehören zu den verstörendsten Passagen der Literatur des 19. Jahrhunderts. Und doch wäre es verfehlt, darin nur das Skandalöse oder Sensationelle zu sehen. Denn Poe inszeniert diese Episoden nicht als Spektakel, sondern als unvermeidliche Konsequenz menschlicher Existenz am Rand der Zivilisation. Sie erscheinen, fast unmerklich, als das natürliche Resultat von Hunger, Angst und der Zersetzung jeder Ordnung. Der Leser wird hineingezogen in einen Bericht, der nicht die Exotik des Abenteuers feiert, sondern die absolute Ausgesetztheit des Menschen vorführt. Es ist die Kälte dieser Darstellung, die den subtilen Horror erzeugt: nichts wird dramatisch aufgeladen, und gerade deshalb bleibt alles bedrückend real. Noch bedrückender ist jedoch die Art, wie Poe die narrative Struktur selbst als Instrument des Schreckens einsetzt. Der Roman gehorcht keiner linearen Abenteuergeschichte, die nach Gefahr schließlich zur Heimkehr oder Erlösung führt. Stattdessen bewegt er sich wie ein unaufhörlicher Sog immer weiter hinaus, nach Süden, dorthin, wo die Karten weiß sind, wo das Unbekannte beginnt. Diese Bewegung wirkt unausweichlich, wie ein literarischer Trieb in die Finsternis. Am Ende, wenn der Erzähler und seine Begleiter die letzten Breiten der Antarktis erreichen, erscheint die geheimnisvolle weiße Gestalt – eine Szene, die abrupt endet, ohne Erklärung, ohne Auflösung. Der Roman bricht an diesem Punkt ab, und gerade diese Leerstelle ist es, die seine Wirkung bis heute unerschütterlich macht. Was aber bedeutet dieser Abbruch, dieses Schweigen? Viele Deutungen wurden versucht: die weiße Gestalt als Symbol des Todes, als Chiffre des Unbewussten, als Metapher für die letzte Grenze des Wissens. Jede dieser Interpretationen hat ihre Berechtigung, und doch scheinen sie alle zugleich unzureichend, als würde Poe absichtlich jede abschließende Erklärung untergraben. Die Reise nach Süden, ins strahlende Weiß, kann als eine Reise ins Nichts verstanden werden, in die Leere, die jenseits der Sprache liegt. Vielleicht liegt darin der eigentliche Sinn: Dass das Erzählen selbst, so detailversessen es auch sein mag, an einem Punkt an seine Grenzen stößt, an dem nur noch das Unfassbare bleibt. In diesem Sinn ist Arthur Gordon Pym weniger ein Abenteuerroman als eine Parabel über die Unmöglichkeit, das letzte Geheimnis der Welt auszusprechen. Die Genialität Poes liegt folglich nicht allein in seiner Schilderungskraft oder seiner Fähigkeit, atmosphärischen Horror zu erzeugen. Sie liegt vielmehr in der doppelten Bewegung seines Textes: einerseits in der minutiösen Genauigkeit, mit der er nautische Begriffe, technische Details und konkrete Vorgänge schildert; andererseits in der gleichzeitigen Öffnung ins Symbolische, ins Metaphysische, das sich jeder Greifbarkeit entzieht. Dieses Nebeneinander von dokumentarischem Ton und visionärer Leere erzeugt einen Text, der seine Leser sowohl an die Erde bindet als auch ins Abgründige entführt. Der subtile Horror entsteht genau aus dieser Spannung: Man liest, man glaubt zunächst, einem Bericht zu folgen, und plötzlich merkt man, dass man längst in einer anderen Sphäre angekommen ist – einer Sphäre, die sich nicht mehr rational beschreiben lässt. Der Schrecken ist nicht nur in den Grausamkeiten des Überlebenskampfes, sondern vor allem in der Erfahrung, dass die menschliche Sprache an ihre Grenzen kommt. Die letzte Begegnung im Weiß der Antarktis ist nicht nur eine literarische Szene, sondern ein Symbol für das Verstummen der Vernunft vor dem Absoluten. Interessant ist zudem, wie sehr dieser Roman seiner Zeit voraus war. Während viele zeitgenössische Abenteuerromane das Exotische und Ferne als Eroberungsraum der europäischen Kultur darstellten, entzieht Poe diesem Modell jede Sicherheit. Der Süden ist nicht ein neuer Raum, der kolonisiert werden kann, sondern ein Abgrund, in dem die Gewissheiten der Zivilisation zerfallen. Diese Perspektive wirkt heute fast modern, als eine frühe Infragestellung des Fortschrittsglaubens. Poe zeigt, dass jede Bewegung ins Unbekannte nicht nur eine geographische, sondern vor allem eine existentielle ist: Man geht hinaus – und verliert sich selbst. Auch die psychologische Dimension dieses Textes darf nicht unterschätzt werden. Der junge Pym, dessen Name programmatisch an den Klang des Wortes "pious" (fromm) erinnert, könnte als Figur gelesen werden, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden in eine Welt voller Gewalt und Tod gestoßen wird. Seine Reise ist damit auch eine Initiationserzählung, jedoch eine perverse: Keine Läuterung wartet, keine Reife, sondern nur ein immer tieferes Hineinziehen in Chaos und Rätsel. Wenn man den Roman aus dieser Perspektive liest, zeigt sich Poe als Vorläufer der existenzialistischen Literatur: Die Reise wird zur Metapher für das Dasein selbst, das keine klare Bestimmung kennt, außer in sein eigenes Ende hineinzugleiten. Was bleibt nach der Lektüre? Ein Gefühl der Verstörung, das sich schwer in Worte fassen lässt. Arthur Gordon Pym ist ein Buch, das keine Ruhe gibt, gerade weil es keine Auflösung bietet. Es ist ein Roman, der den Leser nicht entlässt, sondern in ihm weiterarbeitet, wie ein Traum, der nicht abebbt. Darin liegt seine Größe: Poe hat nicht bloß eine Geschichte erfunden, er hat einen Abgrund in die Literatur geschlagen. In einer Zeit, in der Romane oft nach Geschlossenheit strebten, nach moralischer Pointe oder erzieherischer Absicht, entwirft Poe ein Werk, das sich konsequent jeder Sinnstiftung verweigert. Diese Leerstelle ist kein Mangel, sondern die höchste Form literarischer Kühnheit. Indem er den Leser am Ende im Weiß zurücklässt, konfrontiert er ihn mit jener letzten Grenze, die nicht überschritten werden kann. So ist Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym nicht nur eine Erzählung über Schiffbruch und Entbehrung, sondern eine literarische Meditation über die Grenzen des Erzählens selbst.
  • Jérôme Wiedenhaupt
  • Buchhändler/-in

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5/5

„Ein unheimliches Weiß umgab uns, ein Glanz, der eher verschlang als erhellte.“

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Als ich mich zum ersten Mal auf die Lektüre von Edgar Allan Poes einzigem Roman "Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym" einließ, überkam mich ein eigentümliches Gefühl, so als beträte ich ein literarisches Terrain, das nicht bloß erzählt, sondern einen verschluckt, als wäre das Lesen selbst eine nautische Fahrt in unbekannte Gewässer. Es war, als würde jede Seite mich weiter hinaus auf einen Ozean tragen, dessen Oberfläche von präziser Nüchternheit glänzt, während darunter eine Tiefe gähnt, in der das Unaussprechliche ruht. Poe gelingt es, das scheinbar Harmlos-Abenteuerliche in ein unentrinnbares Grauen zu verwandeln, und genau diese Täuschung ist es, die das Werk so eindringlich macht. Denn Arthur Gordon Pym ist nicht allein eine Geschichte vom Meer, von Schiffbruch, Hunger und Entbehrung, sondern eine subtil inszenierte Allegorie des Schreckens, die sich jeder eindeutigen Deutung entzieht und eben darin ihre Genialität entfaltet. Der erste Eindruck beim Lesen ist ein Spiel mit Erwartungen: Der Roman beginnt beinahe wie ein Abenteuerbuch aus jener Epoche, mit jugendlicher Fluchtlust, Seefahrerromantik und dem Drang nach Ferne. Doch schon bald verwandelt sich diese Oberfläche in ein düsteres Tableau. Das Schiff wird zum klaustrophobischen Raum, die Reise zur Konfrontation mit dem Ungeheuren, das nicht allein in den äußeren Widrigkeiten liegt, sondern in der Seele der Menschen selbst. Poe schreibt dies alles in einer Sprache, die der eines nüchternen Berichterstatters gleicht, beinahe wissenschaftlich in ihrer Detailverliebtheit, sodass das Entsetzliche umso unheilvoller wirkt, weil es nicht beschworen, sondern protokolliert erscheint. Hier zeigt sich Poes Meisterschaft: Sein Horror schreit nicht, er flüstert, und gerade darin liegt seine Wucht. Die Szenen des Meuterns, des Schiffbruchs und schließlich des Kannibalismus gehören zu den verstörendsten Passagen der Literatur des 19. Jahrhunderts. Und doch wäre es verfehlt, darin nur das Skandalöse oder Sensationelle zu sehen. Denn Poe inszeniert diese Episoden nicht als Spektakel, sondern als unvermeidliche Konsequenz menschlicher Existenz am Rand der Zivilisation. Sie erscheinen, fast unmerklich, als das natürliche Resultat von Hunger, Angst und der Zersetzung jeder Ordnung. Der Leser wird hineingezogen in einen Bericht, der nicht die Exotik des Abenteuers feiert, sondern die absolute Ausgesetztheit des Menschen vorführt. Es ist die Kälte dieser Darstellung, die den subtilen Horror erzeugt: nichts wird dramatisch aufgeladen, und gerade deshalb bleibt alles bedrückend real. Noch bedrückender ist jedoch die Art, wie Poe die narrative Struktur selbst als Instrument des Schreckens einsetzt. Der Roman gehorcht keiner linearen Abenteuergeschichte, die nach Gefahr schließlich zur Heimkehr oder Erlösung führt. Stattdessen bewegt er sich wie ein unaufhörlicher Sog immer weiter hinaus, nach Süden, dorthin, wo die Karten weiß sind, wo das Unbekannte beginnt. Diese Bewegung wirkt unausweichlich, wie ein literarischer Trieb in die Finsternis. Am Ende, wenn der Erzähler und seine Begleiter die letzten Breiten der Antarktis erreichen, erscheint die geheimnisvolle weiße Gestalt – eine Szene, die abrupt endet, ohne Erklärung, ohne Auflösung. Der Roman bricht an diesem Punkt ab, und gerade diese Leerstelle ist es, die seine Wirkung bis heute unerschütterlich macht. Was aber bedeutet dieser Abbruch, dieses Schweigen? Viele Deutungen wurden versucht: die weiße Gestalt als Symbol des Todes, als Chiffre des Unbewussten, als Metapher für die letzte Grenze des Wissens. Jede dieser Interpretationen hat ihre Berechtigung, und doch scheinen sie alle zugleich unzureichend, als würde Poe absichtlich jede abschließende Erklärung untergraben. Die Reise nach Süden, ins strahlende Weiß, kann als eine Reise ins Nichts verstanden werden, in die Leere, die jenseits der Sprache liegt. Vielleicht liegt darin der eigentliche Sinn: Dass das Erzählen selbst, so detailversessen es auch sein mag, an einem Punkt an seine Grenzen stößt, an dem nur noch das Unfassbare bleibt. In diesem Sinn ist Arthur Gordon Pym weniger ein Abenteuerroman als eine Parabel über die Unmöglichkeit, das letzte Geheimnis der Welt auszusprechen. Die Genialität Poes liegt folglich nicht allein in seiner Schilderungskraft oder seiner Fähigkeit, atmosphärischen Horror zu erzeugen. Sie liegt vielmehr in der doppelten Bewegung seines Textes: einerseits in der minutiösen Genauigkeit, mit der er nautische Begriffe, technische Details und konkrete Vorgänge schildert; andererseits in der gleichzeitigen Öffnung ins Symbolische, ins Metaphysische, das sich jeder Greifbarkeit entzieht. Dieses Nebeneinander von dokumentarischem Ton und visionärer Leere erzeugt einen Text, der seine Leser sowohl an die Erde bindet als auch ins Abgründige entführt. Der subtile Horror entsteht genau aus dieser Spannung: Man liest, man glaubt zunächst, einem Bericht zu folgen, und plötzlich merkt man, dass man längst in einer anderen Sphäre angekommen ist – einer Sphäre, die sich nicht mehr rational beschreiben lässt. Der Schrecken ist nicht nur in den Grausamkeiten des Überlebenskampfes, sondern vor allem in der Erfahrung, dass die menschliche Sprache an ihre Grenzen kommt. Die letzte Begegnung im Weiß der Antarktis ist nicht nur eine literarische Szene, sondern ein Symbol für das Verstummen der Vernunft vor dem Absoluten. Interessant ist zudem, wie sehr dieser Roman seiner Zeit voraus war. Während viele zeitgenössische Abenteuerromane das Exotische und Ferne als Eroberungsraum der europäischen Kultur darstellten, entzieht Poe diesem Modell jede Sicherheit. Der Süden ist nicht ein neuer Raum, der kolonisiert werden kann, sondern ein Abgrund, in dem die Gewissheiten der Zivilisation zerfallen. Diese Perspektive wirkt heute fast modern, als eine frühe Infragestellung des Fortschrittsglaubens. Poe zeigt, dass jede Bewegung ins Unbekannte nicht nur eine geographische, sondern vor allem eine existentielle ist: Man geht hinaus – und verliert sich selbst. Auch die psychologische Dimension dieses Textes darf nicht unterschätzt werden. Der junge Pym, dessen Name programmatisch an den Klang des Wortes "pious" (fromm) erinnert, könnte als Figur gelesen werden, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden in eine Welt voller Gewalt und Tod gestoßen wird. Seine Reise ist damit auch eine Initiationserzählung, jedoch eine perverse: Keine Läuterung wartet, keine Reife, sondern nur ein immer tieferes Hineinziehen in Chaos und Rätsel. Wenn man den Roman aus dieser Perspektive liest, zeigt sich Poe als Vorläufer der existenzialistischen Literatur: Die Reise wird zur Metapher für das Dasein selbst, das keine klare Bestimmung kennt, außer in sein eigenes Ende hineinzugleiten. Was bleibt nach der Lektüre? Ein Gefühl der Verstörung, das sich schwer in Worte fassen lässt. Arthur Gordon Pym ist ein Buch, das keine Ruhe gibt, gerade weil es keine Auflösung bietet. Es ist ein Roman, der den Leser nicht entlässt, sondern in ihm weiterarbeitet, wie ein Traum, der nicht abebbt. Darin liegt seine Größe: Poe hat nicht bloß eine Geschichte erfunden, er hat einen Abgrund in die Literatur geschlagen. In einer Zeit, in der Romane oft nach Geschlossenheit strebten, nach moralischer Pointe oder erzieherischer Absicht, entwirft Poe ein Werk, das sich konsequent jeder Sinnstiftung verweigert. Diese Leerstelle ist kein Mangel, sondern die höchste Form literarischer Kühnheit. Indem er den Leser am Ende im Weiß zurücklässt, konfrontiert er ihn mit jener letzten Grenze, die nicht überschritten werden kann. So ist Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym nicht nur eine Erzählung über Schiffbruch und Entbehrung, sondern eine literarische Meditation über die Grenzen des Erzählens selbst.

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J. Wagner

Thalia Bad Salzuflen

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3/5

Arthur Gordon Pym

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

3,5 Sterne. Zu diesem Werk lässt sich wirklich viel sagen! Es ist Poes einziger Roman, der m.M.n. einen sehr interessanten Aufbau hat und durch Vor- und Nachwort perfekt eingeleitet bzw. beendet wird. Es gibt Ausgaben mit passenden Zeichnungen, die man sich auf jeden Fall anschauen sollte. Ich mag seinen Schreibstil gerne, wobei ich seine Kurzgeschichten insgesamt gelungender finde. Der Anfang war für mich sehr spannend, auch wenn ich das Thema Seereisen nicht gerade ansprechend finde. Dann lässt die Spannnung jedoch stark nach, um zum Ende hin wieder an Fahrt aufzunehmen. Dass in älteren Werken oft Begrifflichkeiten verwendet werden, die nicht mehr zeitgemäß sind, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Dennoch würde es mich freuen, wenn man vorab darauf hinweist, das gewisse Worte heute als rassistisch gelten - das einmal am Rande. Ich habe lange an diesem Buch gesessen, auch wenn es relativ kurz ist. Ich habe die Zeit benötigt, weil die Spannnung - wie gesagt - zwischendurch abflacht, aber auch, weil die Sprache natürlich nicht die Einfachste ist. Wenn man sich darauf einlässt, kann man aufjedenfall schöne Stunden mit dem Buch verbringen. Und einmal zum Horror-Faktor: Nicht ganz so schaurig wie seine anderen Geschichten, aber der Anfang hat es in sich: Auf engstem Raum eingeschlossen sein, ohne Gewissheit, je wieder herauszukommen, erinnert stark ans "lebendig begraben sein" und hat für mich einen großen Gruselfaktor!
  • J. Wagner
  • Buchhändler/-in

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3/5

Arthur Gordon Pym

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

3,5 Sterne. Zu diesem Werk lässt sich wirklich viel sagen! Es ist Poes einziger Roman, der m.M.n. einen sehr interessanten Aufbau hat und durch Vor- und Nachwort perfekt eingeleitet bzw. beendet wird. Es gibt Ausgaben mit passenden Zeichnungen, die man sich auf jeden Fall anschauen sollte. Ich mag seinen Schreibstil gerne, wobei ich seine Kurzgeschichten insgesamt gelungender finde. Der Anfang war für mich sehr spannend, auch wenn ich das Thema Seereisen nicht gerade ansprechend finde. Dann lässt die Spannnung jedoch stark nach, um zum Ende hin wieder an Fahrt aufzunehmen. Dass in älteren Werken oft Begrifflichkeiten verwendet werden, die nicht mehr zeitgemäß sind, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Dennoch würde es mich freuen, wenn man vorab darauf hinweist, das gewisse Worte heute als rassistisch gelten - das einmal am Rande. Ich habe lange an diesem Buch gesessen, auch wenn es relativ kurz ist. Ich habe die Zeit benötigt, weil die Spannnung - wie gesagt - zwischendurch abflacht, aber auch, weil die Sprache natürlich nicht die Einfachste ist. Wenn man sich darauf einlässt, kann man aufjedenfall schöne Stunden mit dem Buch verbringen. Und einmal zum Horror-Faktor: Nicht ganz so schaurig wie seine anderen Geschichten, aber der Anfang hat es in sich: Auf engstem Raum eingeschlossen sein, ohne Gewissheit, je wieder herauszukommen, erinnert stark ans "lebendig begraben sein" und hat für mich einen großen Gruselfaktor!

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Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym

von Edgar Allan Poe

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