Ein einmaliger Blick in die Werkstatt und das Herz Murakamis! Haruki Murakami verkörpert den Typus des zurückgezogenen Schriftstellers wie wenige andere. In diesen sehr persönlichen Texten bricht er das Schweigen und schildert seinen Werdegang als Autor. Er erzählt von seinen Schulerfahrungen, was er von Literaturpreisen hält und welche Bedeutung seine Auslandsaufenthalte für ihn und sein Schreiben hatten. Besonders aufschlussreich sind die Texte, in denen er sich mit Fragen rund um die alltägliche Arbeit eines Schriftstellers beschäftigt. So erfährt man, welches die wichtigste Übung für einen angehenden Schriftsteller ist – nämlich viel lesen –, wie viele Seiten Murakami am Tag schreibt und wie wichtig physische Fitness für seine Arbeit ist. Woraus schöpft er die Ideen für seine Romane? Was hat man unter einem »festen Beobachtungsposten« zu verstehen, und wer verbirgt sich dahinter? Indem er sich so intensiv mit seinem Schreiben auseinandersetzt, ordnet er für den Leser sein Werk ein, zeigt, wer ihn beeinflusst hat und wessen Ansichten über das Schreiben er teilt. Dabei verliert Haruki Murakami vor allem eines nie aus den Augen: seine Leser.
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Der Wunsch, etwas über sich zu erzählen, begleitete Haruki Murakami schon eine Weile. Schrieb er die Texte anfänglich noch für sich selber und nicht für einen Verleger, fand er sie bei einem nachträglichen Lesen doch zu ungeschliffen und versuchte, sie so zu formulieren, als ob sie für ein Publikum gedacht wären. Während des Schreibens und Umschreibens lernte sich Haruki Murakami selber besser kennen. Er merkte, dass ihn gewisse Themen und Meinungen seit vielen Jahren begleiten.
Nun ist aus diesen Texten ein Buch geworden, welches auch dem Leser den Menschen und Schriftsteller Murakami näher bringt. Der sonst eher zurückgezogene Schriftsteller erzählt nicht nur von seinem Schreiben, er offenbart auch viel von seiner Biografie und seinem Denken.
Wie sind Schriftsteller und was braucht man, wenn man einer sein will? Mit dieser Frage beschäftigt sich das erste Kapitel. Danach erzählt Haruki Murakami von seinem Weg zur Schriftstellerei, behandelt Themen wie Originalität, die Herkunft von Ideen und Inhalten, den Ort des Schreibens sowie auch seine Abneigung gegen die Schule, die Art und Weise, wie er Figuren entwirft oder für welche Leser er schreibt.
Wer nun selber Schrifsteller werden will, für den hat Haruki Murakami eine sehr aufmunternde Botschaft:
" einen Roman kann im Grunde jeder verfassen, der des Schreibens mächtig ist, einen Kugelschreiber und ein Heft zur Hand hat und vielleicht noch ein gewisse Fähigkeit zum Fabulieren besitzt."
Von Beruf Schriftsteller ist ein sehr persönliches und leises Buch. Haruki Murakami wirkt nie belehrend oder überheblich, er gibt keine unhaltbaren Versprechen, sondern erzählt in einer eingängigen und unterhaltsamen Weise von seinem Schreiben und davon, was dieses für ihn bedeutet.
Fazit:
Ein sehr persönliches und unterhaltsames Buch, das Einblicke ins Leben und Schaffen des Menschen und Schriftstellers Haruki Murakami gewährt. Absolut empfehlenswert!
Bewertung
5/5
21.10.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Mann hinter dem Werk
Haruki Murakami ist für mich einer der besten Schriftsteller unserer Zeit, weswegen ich nicht unbefangen an dieses Buch herangegangen bin. Zum ersten Mal lässt er sich über die Schulter schauen, gewährt Einblicke in sein Leben als Schriftsteller, seinen Werdegang und auch seinen Umgang mit Kritikern. Er setzt sich mit seinen Lesern auseinander, mit der Art wie er schreibt und wieso er überhaupt Schriftsteller geworden ist. All das und noch viel mehr schildert er in seiner zurückhaltenden und bescheidenen Art. Man lernt durch dieses autobiografische Buch den Menschen hinter den Büchern kennen und entdeckt seine Werke noch einmal völlig neu. Wer Murakami bisher nicht gelesen hat, wird damit nach dem Genuss dieses Buches anfangen und wer ihn eh schon kennt, der wird noch einmal ganz von vorne anfangen wollen, um seine Werke komplett neu zu entdecken. Ein absolut empfehlenswertes Buch, nicht nur für Leser von Murakami!
leserattebremen
aus Berlin
4/5
12.12.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Haruki Murakami ist der in…
Haruki Murakami ist der in Deutschland vielleicht bekannteste japanische Schriftsteller, jedes Jahr wieder wird er für den Literaturnobelpreis gehandelt. Doch er lebt sehr zurückgezogen, arbeitet konzentriert an seinen Romanen und gibt wenig um den Presserummel, der um manche Bücher gemacht wird. Mit seinem neuesten Buch „Von Beruf Schriftsteller“ nimmt Murakami seine Leser jetzt mit auf einen Einblick in sein Leben, sein Arbeiten und seinen Werdegang. Vom Barbesitzer zum Schriftsteller, einem disziplinierten Arbeitsautor ohne künstlerische Allüren. Für alle Fans von Haruki Murakami ist sein neuestes Buch natürlich Pflichtlektüre, der Autor gibt viel von sich Preis und besonders von seinem Denken über den Literaturbetrieb und seine persönlichen Arbeitsweise. Geschrieben ist das Buch natürlich im typisch schlichten und zurückhaltenden Stil von Murakami, er sammelt hier Essays aus Reden, die er zu verschiedenen Gelegenheiten gehalten hat und fügt noch einiges hinzu, was beim persönlichen Überarbeiten wichtig wurde. Besonders spannend für mich war, wie er zu seinem Stil gefunden hat und wie diszipliniert er arbeitet, wenn er an einem Roman sitzt. Ein ständig wiederkehrender Arbeitsalltag scheint für ihn nötig zu sein, um überhaupt voranzukommen. Seine Beschreibungen haben wenig gemein mit den klischeehaften Vorstellungen des unabhängigen Künstlers, der bis drei Uhr morgens in einem Café sitzt um dann an seinem Roman weiterzuarbeiten, ständig betrunken und mit einer Zigarette in der Hand die Möglichkeiten und Grenzen der Gesellschaft diskutierend. Mir haben die spannenden Einblicke in Murakamis Leben und Arbeiten ausgesprochen gut gefallen und besonders wenn man einige Romane von ihm kennt, werden die Zusammenhänge schnell deutlicher und das ein oder andere, was bisher Fragen aufwarf, verständlicher. Es ist keine wirkliche Autobiographie, gibt aber einen guten Einblick in das Leben und Denken dieses außergewöhnlichen Schriftstellers.
Simon Garfield
5/5
21.06.2020
Buch (Taschenbuch)
Sein Intellektuellster
Was geht in ihm vor, wie schreibt er ein Buch, welche Tricks? Nicht so leichtfüßig wie seine anderen, aber hohe Qualität...
Dr_ M
aus Sachsen
5/5
19.06.2018
Buch (Taschenbuch)
"Was ist daran falsch, sich wohlzufühlen?"
Dafür, dass Haruki Murakami angeblich ungern über sich selbst spricht, wie man auf der Buchrückseite erfährt, ist dieser autobiografisch eingefärbte Text ziemlich lang. Und vor allem erstaunlich offen.
Wenn man als Autor seine Kritiker liest und dann auch noch ernst nimmt, wird das Leben nicht unbedingt einfacher. Murakami zitiert aus einem Essay von Raymond Carver: " … Oder aber mach deine Arbeit so gut, wie es deine Fähigkeiten, deine Begabungen erlauben, und dann rechtfertige dich nicht und entschuldige dich nicht. Beklage dich nicht, erkläre nichts." An diese Ratschläge hält er sich in diesem Buch, mal partiell abgesehen vom letzten Punkt.
Unerwartet ausführlich lässt Murakami seine Leser mit den hier gesammelten Aufsätzen über sich selbst und seine Methodik Blicke in seine Welt werfen. Vielleicht ist das aus seiner Sicht so dumm nicht. Denn wer will es schon, bei aller Bescheidenheit, seinen Kritikern und den sogenannten Literaturwissenschaftlern überlassen, was die Nachwelt über einen selbst denken und wissen soll? Wenn man Murakamis Bücher nicht kennt, also kaum einen Zugang zu ihm hat, dann mögen diese Texte vielleicht gelegentlich langweilig erscheinen, was sicher auch daran liegt, dass sein Autor ein ziemlich normales und sehr diszipliniertes Leben führt, das oft abseits der lauten Gesellschaft stattfindet.
An Murakamis Offenbarungen wird man schwer etwas Gekünsteltes oder gar Kompliziertes finden. Im Gegenteil: Viele seiner Ansichten und Einsichten sind weise und ausgesprochen persönlich, sodass man sich nur wundern kann, sie so offen, manchmal fast schon ein wenig zu offen, lesen zu können. "Es ist leicht, an anderen herumzumäkeln", schreibt Murakami, "aber wenn der Betroffene alles ernst nimmt, wird er bald am Ende sein. Deshalb sage ich kategorisch, dass es mir egal sei. Und wenn noch so scheußliches Zeug geredet wird, ich schreibe, was ich schreiben will." Da muss man erst einmal hinkommen.
Für wohlmeinende Leser seiner Bücher oder angehende Schriftsteller mag dieses Buch eine kleine Fundgrube fürs Verständnis sein. Unabhängig davon erzählt es ein wenig aus dem Leben eines klugen Menschen. Deshalb kann man es auch lesen, wenn man nicht alle Bücher Murakamis kennt. Eine gewisse Kenntnis seiner Werke schadet natürlich nicht und hilft an einigen Stellen schließlich doch, denn natürlich geht der Autor auch auf sein Schaffen ein.
Insgesamt ein interessantes und auch unerwartetes Buch eines klugen, disziplinierten und geerdeten Mannes, der nichts mehr beweisen muss und der schreibt, weil er sich dabei wohlfühlt..
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5/5
16.05.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Murakami erklärt, wie man einen...
Murakami erklärt, wie man einen Roman schreibt. Im Grunde kann man diese Sammlung von Essays eine Autobiographie nennen, die den bescheidenen Autor etwas greifbarer macht.
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5/5
30.01.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mehr als nur ein einfacher Schriftsteller!
Bei so vielen Menschen denkt man heute, wieso bringen Sie ein Buch heraus?
Bei Haruki Murakami ist das anders, er ist seit über 30 Jahren im Beruf tätig und schreibt nicht nur den schrägen Weg wie er zum Autor geworden ist und was er vorher alles so getrieben hat und auch jetzt noch anstellt neben den tollen Büchern, er zeigt den Menschen, was es heißt ein wirklich persistenter Schriftsteller von Beruf zu sein, welcher sich sein gesamtes Leben davon finanzieren will!
Inspirierendes Werk, ich fand es fantastisch.
Viel spaß beim Lesen wünsche ich! :)
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4/5
17.03.2026
eBook (ePUB)
Wovon er redet, wenn er vom Schreiben redet
Wenn sich die eigene Biografie liest wie ein Roman-Fragment, hat man als Schriftsteller wohl auf mehreren Ebenen etwas richtig gemacht. Ob Murakami das eigene Leben dem eigenen Lebenswerk annähern wollte, indem er seinen Werdegang als Schriftsteller mystifiziert, darüber müssen Fans und Kritiker selbst urteilen. Viel besser gefällt mir die Vorstellung, dass Murakami gar nicht anders kann, weil er tatsächlich in einem Murakami-Roman Zuhause ist und die Welt für ihn genau so funktioniert, wie er sie uns beschreibt. Baseball + Taube = Ich werde Schriftsteller! Nicht all seine Ausführungen sind gut nachvollziehbar, besonders nicht für westliche Leser:innen, denen es schwer fallen dürfte, Murakamis Kritik am japanischen Bildungssystem, dem dortigen Literaturbetrieb und an diversen gesellschaftlichen Begebenheiten sinnvoll einzuordnen. Aber sei's drum. Man kann sich da schon reindenken und interessant ist der Streifzug durch die Vergangenheit allemal. Eine gelungene, wenn auch lückenhafte Autobiografie, die den Mythos Murakami gekonnt unterschreicht.
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