Um einem Kameraden zu helfen, der in finanzielle Not geraten ist, begibt sich Leutnant Wilhelm Kasda zum Kartenspiel ins Wiener Café Schopf. Mit großem Erfolg: Schon bald hat er genug Geld gewonnen, um den Freund aus seiner misslichen Lage zu befreien. Doch im Glücksrausch spielt Wilhelm weiter und weiter – bis er den Tisch am Ende mit 11.000 Gulden Ehrenschulden verlässt. In seiner Verzweiflung wendet er sich an seine wohlhabende frühere Geliebte Leopoldine, nicht ahnend, dass auch sie noch eine Rechnung mit ihm offen hat. Schnitzlers packende Novelle über die zerstörerische Kraft des Glücksspiels wird ungekürzt gelesen von Gert Westphal.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Mario Pf.
aus Oberösterreich
5/5
11.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Traum oder doch Realität
Arthur Schnitzlers Traumnovelle beschäftigt sich wie schon der Name vermuten lässt vorwiegend mit Träumen und traumgleicher Realität. Nach den turbulenten, einen seltsamen Traum gleichen, Ereignissen eines Maskenballs sehen sich Albertine und ihr Mann Fridolin gezwungen sich wieder einmal so richtig auszusprechen.
Im Verlauf ihres Gespräches erfolgt die tiefgehende Schilderung ihrer letzten Urlaubserlebnisse, die typisch für Schnitzler eindeutige sexuelle Anspielungen enthalten. Das Gespräch legt auch dar, wie die beiden Ehepartner zueinander stehen und lässt erahnen wie sich die Geschichte schon bald entwickeln wird. Mit dem Versprechen sich solche Erlebnisse in Zukunft immer gleich zu erzählen versucht Fridolin das Gespräch zu beenden, doch Albertine erwähnt noch ein anderes verschwiegenes Erlebnis, dass noch in ihre Jugendzeit zurückreicht. Das Dienstmädchen unterbricht die beiden jedoch, denn soeben hat sie die Botschaft erreicht, dass ein Patient Fridolins, ein wichtiger Hofrat, einen Herzanfall erlitten hat und im Sterben liegt. Fridolin verabschiedet sich von seiner Frau, doch als er beim Hofrat angekommen ist und dessen Tochter ihn empfängt, kann er nur noch den Tod des alten Mannes feststellen. In ihrer Verzweiflung offenbart ihm die Tochter seines verstorbenen Patienten schließlich dass sie ihn liebt, obwohl sie widerwillig mit einem Universitätsdozenten verlobt ist. Sie verrät ihm weiters, dass sie wegziehen werden und wie unglücklich sie mit ihrem zukünftigen Mann jetzt schon ist. Als die ersten Trauergäste, der engere Kreis der Familie, eintreffen muss Fridolin jedoch gehen. Während er durch den Park spaziert ist er so in Gedanken versunken, dass er es gar nicht merkt, wohin ihn seine Schritte führen und plötzlich steht er in einer Gasse. Dort findet er mehrere Dirnen vor, von denen eine ihn in seinen Bann zieht. Sie gehen in ihr Haus, wo sie sich als Mizzi vorstellt. Anders als zu erwarten lehnt er ihre Angebote jedoch ab und bittet sie ihm doch stattdessen etwas zu erzählen. Nachdem er Mizzi wieder verlassen hat, führt ihn sein Weg in ein Kaffeehaus wo er auf einen alten Freund und Studienkollegen trifft, der ihm von einer mysteriösen Veranstaltung berichtet, zu der er als Klavierspieler eingeladen ist. Fasziniert von den Ausführungen seines alten Freundes beschließt Fridolin kurzerhand sich auch auf diese Feier zu schleichen.
Selbst mit anderen Werken Schnitzlers verglichen ist die Traumnovelle ein überaus komplexes Buch, welches viel Freiraum für Interpretationen lässt. Selbst Sigmund Freud soll sich einst Gedanken über dieses Buch gemacht haben und das tut dieses Werk auch heute noch. Ob es nun an diesem Verschwimmen von Realität und Traum liegt oder Schnitzlers Fähigkeit eine Geschichte nicht bloß zu erzählen, sondern tiefsinnig nachempfinden zulassen, ist eine Frage für sich, erfolgreich und faszinierend ist dieses Werk ohnehin.
Manu
aus Wien
5/5
11.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
träumerische Realität oder realitscher Traum
Passion pur ! Leidenschaft in jedem Wort, die Gegenüberstellung von Traum u. Realität, die verborgene Sehnsucht u. Wohllust des einzelnen läßt eine fast unüberwindbare Distanz zwischen dem Ehepaar Fridolin u. Albertine heranwachsen, welche aber letztendlich das Gegenteil bewirkt u. sie zu Innigkeit u. Verbundenheit erlangen welche sie zuvor gemeinsam nie bewußt empfinden konnten.
Bories vom Berg
aus München
3/5
16.09.2014
Buch (Taschenbuch)
Verbalerotik Die «Traumnovelle…
Verbalerotik Die «Traumnovelle» gehört zum Spätwerk des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler, der mit seiner Dichtung die Öffentlichkeit des Fin de Siècle immer wieder in helle Aufregung versetzt hat. Als promovierter Arzt demaskierte er nämlich unbeirrt die verlogenen sexuellen Konventionen der damaligen Gesellschaft, die er einer ebenso hellsichtigen wie unerbittlichen psychischen Analyse unterzog, was ihn als literarischen Mitstreiter seines Landsmannes Sigmund Freud ausweist. Er nahm in gleicher Schärfe den absurden Ehrenkodex des Militärs ins Visier, aber auch die unverhohlen antisemitische Stimmung breiter Kreise der österreichischen Bevölkerung. Besonderen Anstoß jedoch erregte die Thematisierung von Sexualität in seinem dichterischen Werk, wobei die Szenenreihe «Reigen» von 1901 die wohl heftigsten Skandale heraufbeschwor, denen dann jahrzehntelange Aufführungsverbote folgten. Und auch die 1926 erschienene Traumnovelle mit ihrer den Zeitgenossen unanständig erscheinenden Handlung wurde damals angefeindet. Ist hier doch, seiner Vorliebe für psychische Themen folgend in einer zwischen Traum und Wirklichkeit oszillierenden Geschichte, unterdrückte Sexualität am Beispiel eines typischen bürgerlichen Ehepaares jener Zeit dargestellt. Deren Triebleben bildet eine – noch Jahrzehnte später anzutreffende – Wirklichkeit ab, in der die Frau völlig naiv und unerfahren jungfräulich in die Ehe geht, der Mann hingegen sich sprichwörtlich «schon die Hörner abgelaufen hat». Fridolin ist Arzt und treusorgender Ehemann, Albertine brave Ehefrau und Mutter eines kleinen Mädchens. Nach einem Maskenball, durch heftige Flirts in aufgeputschter Stimmung, erzählen sie sich von erotischen Erlebnissen während des Urlaubs in Dänemark. Sie hatte sich in einen markigen Dänen verguckt, er war am Strand einem blutjungen nackten Mädchen begegnet, keiner von ihnen aber war untreu geworden. Entsprechend aufgestachelt hat Fridolin nun am folgenden Tage einige Begegnungen mit willfährigen Frauen, erreicht nachts schließlich voller Neugier sogar unerlaubt Zutritt zu einer geheimnisvollen Orgie mit maskierten nackten Weibsleuten, er widersteht jedoch dem allen und bleibt treu. Als er früh um Vier nach Hause kommt, wacht Albertine auf und erzählt ihm ihren Traum. Sie waren auf Hochzeitsreise, haben sich auf einer Wiese geliebt, beim Aufwachen seien alle ihre Kleider verschwunden gewesen. Er habe sich auf die Suche danach begeben, da sei der Däne erschienen und habe im Beisein vieler anderer nackter Paare mit ihr geschlafen. Fridolin aber sei verhaftet und nackt in Ketten gelegt worden, die Fürstin wollte ihn begnadigen, wenn er ihr Liebhaber würde, sie habe ausgesehen wie das junge Mädchen am Strand. Fridolin sei standhaft geblieben, wurde deshalb ans Kreuz geschlagen, sie aber, Albertine, habe ihn ausgelacht. In seiner vor Metaphorik und Symbolik nur so strotzenden, rasant erzählten Geschichte dringt Schnitzler tief hinein in das Seelenleben seiner beiden Figuren, macht ihre einer verlogenen Moral wegen unterdrückte Sexualität sichtbar, deckt unterschwellig vorhandene Triebe auf. Bemerkenswert ist, dass Fridolin reale Erlebnisse hat, Albertine jedoch nur träumt, der Autor also – unbewusst? – damit spezifische Unterschiede der Geschlechter postuliert in seinem Plot. Sie ist auf seine vorehelichen Erfahrungen neidisch, missgönnt sie ihm sogar und kann sich nun, nachträglich nur und, will sie ihm treu bleiben, auch nur im Traume ihre geheimen sexuellen Wünsche erfüllen, ihr bleibt also nur das für sie erregende Gespräch mit ihrem Mann über ihre diesbezüglichen Phantasien. Verbalerotik mithin, Stanley Kubrick hat genau das in «Eyes Wide Shut» – prüde amerikanisch natürlich – filmisch umgesetzt. Schnitzlers Novelle zu lesen hingegen ist deutlich interessanter und regt weit mehr zum Interpretieren und Nachdenken an.
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