1919, Revolution in München - und alle sind vor Ort: Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Gustav Landauer, Oskar Maria Graf, Viktor Klemperer, Klaus Mann ...
Wann gab es das schon einmal - eine Revolution, durch die die Dichter an die Macht gelangten? Doch es gibt sie, die kurzen Momente in der Geschichte, in denen alles möglich erscheint ...Von einem solchen Ereignis, der Münchner Räterepublik zwischen November 1918 und April 1919 erzählt Volker Weidermann im Stil einer mitreißenden Reportage, bei der der Leser zum Augenzeugen der turbulenten, komischen und tragischen Wochen wird, die München, Bayern und Deutschland erschütterten.Nach der Vorgeschichte, dem Ende des 1. Weltkriegs und der Absetzung des bayrischen Königs, beginnt der magische Moment, in dem alles möglich erscheint: radikaler Pazifismus, direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die Herrschaft der Phantasie. An der Spitze der Rätebewegung stehen die Schriftsteller Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam, auf die nach den Tagen der Euphorie und der schnellen Ernüchterung lange Haftstrafen oder der Tod warten. In rasantem Tempo und aus der Perspektive von Beteiligten und Beobachtern vor Ort wie Thomas Mann, Klaus Mann, Rainer Maria Rilke, Adolf Hitler, Viktor Klemperer oder Oskar Maria Graf entsteht so ein historischer Thriller über ein einzigartiges Ereignis der deutschen Geschichte.
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Eine friedliche Revolution und ihre Folgen
Bewertung am 14.05.2019
Bewertungsnummer: 404031
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
2014 erschien von Volker Weidermann das Buch „Ostende 1936 – Sommer der Freundschaft“. Dieses Buch über einige deutschsprachige Autoren, die sich im Sommer 1936 zu einem letzten unbeschwerten Sommer in Ostende getroffen haben, habe ich gelesen. Mir hat die Art, wie der Autor über das Leben dieser Menschen berichtet hat, sehr gefallen. Als mir nun eine Freundin bei einem München-Besuch das Buch „Träumer – Als die Dichter die Macht übernahmen“ empfohlen hat, hab ich sofort gedacht, dass das etwas für mich sei.
In München ist etwas Außergewöhnliches geschehen. Es hat eine friedliche Revolution gegeben. Am 7. November 1918 schafft Kurt Eisner dieses Wunder und wird der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern. Es bildet sich eine Regierung, der viele Dichter angehörten. Volker Weidermann beschreibt in seinem Buch die Revolution und ihre Folgen, bis sie am 2. Mai 1919 endgültig gescheitert ist. Er berichtet von den einzelnen Dichtern, ihren politischen Gedanken und Träumen und ihrem Miteinander als auch ihrem Gegeneinander. Es ist ein sehr interessantes Buch über einen Versuch, ein gerechtes Gesellschaftssystem aufzubauen. Aber man merkt diesem Buch auch an, dass es Träumer ohne wirkliche politische Erfahrung waren, die dies versucht haben. Innerhalb dieser kurzen Zeit gab es im Prinzip drei unterschiedliche Regierungen, die zuletzt allesamt gescheitert sind. Schon zu dieser Zeit zeigte sich, dass leider die linken Parteien nicht an einem Strang zogen. SPD, USPD und KPD waren heillos zerstritten. Und so hatten die Freikorpsverbände, die später von der regulären Armee unterstützt wurden, ein leichtes Spiel, diese Revolution niederzuschlagen. Und das verlief dann leider nicht mehr unblutig.
Es ist ein sehr interessantes Buch, bei dem man viel über die unterschiedlichen Dichter und ihre Träume erfährt. Kurt Eisner, Oskar Maria Graf, Victor Klemperer, Thomas Mann, Gustav Landauer, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke und Ernst Toller sind einige der Dichter, die direkt oder indirekt an der Revolution beteiligt waren, oder sich hierzu geäußert haben. Besonders Thomas Mann ist mir hierbei aufgefallen, und das eher negativ, da er sein Mäntelchen offensichtlich gerne in den Wind hängte. In dem Buch wird vielfach aus den Texten der Dichter zitiert. Das macht das Buch besonders lebendig. Im Anhang findet sich eine umfangreiche Bücherliste, die Lust macht, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen.
Ein erster, gut zu lesender Überblick über eine interessante Episode in der Geschichte Münchens, die man sich heute fast gar nicht vorstellen kann. Ich werde danach beim nächsten München-Besuch die Stadt und ihre Wirtshäuser mit anderen Augen betrachten. Es liest sich allerdings nicht so einfach wie „Ostende 1936 – Sommer der Freundschaft“. Dafür ist das Thema einfach zu komplex.
Wenn man dieses Buch liest, erkannt man deutlich, was passiert, wenn Träumer ohne professionelle Hilfe versuchen, ein Gesellschaftssystem durch eine Revolution zu ändern. Doch leider waren es alles Individualisten, die sich auch untereinander nicht auf einen gemeinsamen Nenner verständigen konnten. Dazu ganz viel Enthusiasmus und eine gehörige Portion Naivität. Das konnte leider nicht gut gehen. Schade, es wäre den Münchner und letztendlich auch den ganzen anderen Ländern, die am 2. Weltkrieg beteiligt waren, viel erspart geblieben.
Ein Literaturkritiker…
Juti aus HD am 01.05.2018
Bewertungsnummer: 2729823
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Literaturkritiker schreibt über eine Revolution der Dichter Wer kennt heute noch Kurt Eisner und Ernst Toller? Eisner rief nach dem Ersten Weltkrieg den Freistaat Baiern aus (bewusst mit i, da etwas neues beginnt, nachdem die Wittelsbacher das Land verlassen haben). Er stand der Regierung vor, obwohl seine Partei, die USPD nur 2,5% bei den späteren Wahlen bekommen hatte. Als er sich endlich zum Rücktritt entschlossen hatte, wurde er von einem Anhänger der Thule-Gesellschaft, aus der später die Nazis entstanden, erschossen. Toller übernahm, ja man könnte sagen die Macht ist ihm zugeflogen und er gründete die Münchner Räterepublik, die aber auch nur 4 Monate hielt, eben die Zeit der Träumer. Träumen konnten aber nicht alle, die Versorgung mit Lebensmittel wurden allmählich knapp. Als Freikorps aus Preußen und Bamberg die Stadt befreiten, wurden sie triumphal empfangen. Ein spannendes, mir vorher unbekanntes Thema, das der Autor immer wieder mit Zitaten von Schriftstellern jener Zeit vertieft. Ich stimme auch meinem Vorgänger zu: Thomas Mann kommt nicht gut weg. Abzüge in der Note muss ich dennoch vornehmen: Wiedemann ist offenbar nicht klar, dass er ein Sachbuch geschrieben hat. Für ein Sachbuch hätte ich mir ein Inhaltsverzeichnis gewünscht, also kein Buch, bei dem das 1.Kapitel auf Seite 133 endet. Weiter fehlt ein Personenregister, was bei der Vielzahl der genannten Dichter unerlässlich ist. Außerdem habe ich zwei oder drei Sätze auch nach mehrmaligem Lesen nicht verstanden (sollte ich das Buch nochmal lesen, streiche ich sie an). Ein Buch, das die politischen Ereignisse schildert und dann in einem neuen Kapitel die Reaktionen der Dichter anfügt, hätte ich gerne gelesen. So kann ich leider nur 3 Sterne vergeben.
Meinung aus der Buchhandlung
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Volker Weidermann erzählt von einem kleinen Moment in der Geschichte, als Schriftsteller und Künstler die Macht übernahmen und alles möglich schien: im revolutionären München 1918/19 flogen die Träume hoch. Kurt Eisner, Ernst Toller und viele andere Dichter stürzten sich in ein politisches Abenteuer, dessen unrühmliches Ende absehbar war. Weidermanns Erzählton ist wie immer leichthändig, abwechslungsreich, fundiert: einfach ein Genuss. Ein vergnügliches geschichtliches Leseabenteuer
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Volker Weidermann holt uns die Ereignisse von 1918/1919, die Revolution in Bayern am Ende des 1. Weltkrieges in seiner spannend erzählten Reportage ans Licht. Interessant, die damaligen Anschauungen, Irrungen und Wirrungen vieler bis heute bekannter Dichter nachlesen zu können. Gut, dass der Autor einmal diese Jahre in den Blickwinkel bringt, sind sie doch überdeckt durch die Katastrophe des 2. Weltkrieges, dessen Ursachen hier jedoch bereits aufscheinen.
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