Koslik ist krank

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Beschreibung

Alles war in bester Ordnung, bis Rene Koslik, ein Mann Anfang vierzig mit geregeltem Alltag als Volkshochschullehrer in Freiburg, plotzlich wegen Verdachts auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wird. Mit ihren labyrinth-artigen Gangen und ihrer undurchschaubaren Choreographie von Arzten und Pflegern erscheint ihm die Klinik wie eine Parallelwelt. Die ubrigen Patienten gleichen Schauspielern in einem absurden Theaterstuck: Kosliks duldsamer Bettnachbar Friese, der redselige Rheinlander Bude, die esoterische Maltherapeutin Klemm - und eine Gestalt im Bademantel, die sich als Frank entpuppt, ein ehemaliger Kommilitone und ewiger Konkurrent von Koslik. Die angekundigten Untersuchungen verzogern sich, und eine diffuse Unruhe ergreift von ihm Besitz; er fuhlt sich wie ein Angeklagter, der vergeblich auf sein Urteil wartet. Die treffsicheren Dialoge, die bestechend minimalistische Dramaturgie und die skalpellscharfe Beobachtungsgabe von Julia Rothenburg machen Koslik ist krank zu einem in jeder Hinsicht bemerkenswerten literarischen Debut. Der Autorin gelingt ein verstorendes Kammerspiel, eine literarische Endoskopie eines Mannes mittleren Alters mit dem Finger auf der Reset-Taste.

Julia Rothenburg wurde 1990 in Berlin geboren. Sie studierte Soziologie und Politikwissenschaft, zuerst in Freiburg und dann in Berlin. Für ihr Romanmanuskript Koslik ist krank erhielt sie den Retzhof-Preis für junge Literatur. Die Autorin war Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung. "Koslik ist krank" ist ihr Debütroman.

Details

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

30.08.2017

Verlag

Frankfurter Verlagsanstalt

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Erscheinungsdatum

30.08.2017

Verlag

Frankfurter Verlagsanstalt

Seitenzahl

256 (Printausgabe)

Dateigröße

923 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783627022556

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Jahreshighlight-Potenzial

Lesendes Federvieh aus München am 06.04.2021

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Seit „hell/dunkel“ bin ich ein großer Fan von Julia Rothenburgs außergewöhnlicher Art zu erzählen, der Lebendigkeit ihrer Sprache und der abgründigen Tiefe ihrer Charaktere. Wenngleich sich „Mond über Beton“ einer anderen Thematik widmet, ist es nicht minder fesselnd und nachdenklich stimmend. Einen wendungsreichen Plot sucht man hier vergeblich, doch genau jene Abwesenheit einer stringenten Handlung verleiht der Erzählung ihren rauen, unnachahmlichen Charme. Episodenartig wechselt man zwischen dem alltäglichen Leben der unterschiedlichen Charaktere, deren Chronik an Schicksalsschlägen eng mit der Geschichte des NKZ verknüpft ist. Die unglaublich pure wie authentische Charakterzeichnung spiegelt sich auch in der unverfälscht eindringlichen Sprache wider, die von elliptischen Aneinanderreihungen der Gedanken durchsetzt ist. Durchbrochen wird die lebensechte geradezu in stupide Denkmuster einlullende Schilderung von kursiv gedruckten Passagen, in welchen der graue Betonkoloss in stummer Wehrlosigkeit selbst zu Wort kommt. Treffsicher, pointiert und schmerzlich genau seziert er die falsche Freundlichkeit, den blinden Aktionismus sowie die scheinheilige Verlogenheit der menschlichen Triebe und hält unserer Gesellschaft auch abseits des Kottbusser Tores eindringlich den Spiegel vor. „Mond über Beton“ ist einer jener Romane, dessen Großartigkeit sich erst einige Zeit nach dem Beenden der Lektüre vollständig entfaltet. Denn das zunächst wie aus heiterem Himmel kommende Ende ist bei eingehender Betrachtung die logische Konsequenz aus menschlichem Egoismus, verblendeter Selbstbezogenheit und unverbesserlicher Ignoranz. Genau wie die Bewohner des NKZ war ich blind für das Offensichtliche, habe mich in meiner überlegenen Privilegiertheit gesonnt und bin deshalb umso härter auf dem betonharten Boden der Tatsachen gelandet: Julia Rothenburg schildert kein Problem sozialer „Schandflecke“, sondern der menschlichen Gesellschaft.

Jahreshighlight-Potenzial

Lesendes Federvieh aus München am 06.04.2021
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Seit „hell/dunkel“ bin ich ein großer Fan von Julia Rothenburgs außergewöhnlicher Art zu erzählen, der Lebendigkeit ihrer Sprache und der abgründigen Tiefe ihrer Charaktere. Wenngleich sich „Mond über Beton“ einer anderen Thematik widmet, ist es nicht minder fesselnd und nachdenklich stimmend. Einen wendungsreichen Plot sucht man hier vergeblich, doch genau jene Abwesenheit einer stringenten Handlung verleiht der Erzählung ihren rauen, unnachahmlichen Charme. Episodenartig wechselt man zwischen dem alltäglichen Leben der unterschiedlichen Charaktere, deren Chronik an Schicksalsschlägen eng mit der Geschichte des NKZ verknüpft ist. Die unglaublich pure wie authentische Charakterzeichnung spiegelt sich auch in der unverfälscht eindringlichen Sprache wider, die von elliptischen Aneinanderreihungen der Gedanken durchsetzt ist. Durchbrochen wird die lebensechte geradezu in stupide Denkmuster einlullende Schilderung von kursiv gedruckten Passagen, in welchen der graue Betonkoloss in stummer Wehrlosigkeit selbst zu Wort kommt. Treffsicher, pointiert und schmerzlich genau seziert er die falsche Freundlichkeit, den blinden Aktionismus sowie die scheinheilige Verlogenheit der menschlichen Triebe und hält unserer Gesellschaft auch abseits des Kottbusser Tores eindringlich den Spiegel vor. „Mond über Beton“ ist einer jener Romane, dessen Großartigkeit sich erst einige Zeit nach dem Beenden der Lektüre vollständig entfaltet. Denn das zunächst wie aus heiterem Himmel kommende Ende ist bei eingehender Betrachtung die logische Konsequenz aus menschlichem Egoismus, verblendeter Selbstbezogenheit und unverbesserlicher Ignoranz. Genau wie die Bewohner des NKZ war ich blind für das Offensichtliche, habe mich in meiner überlegenen Privilegiertheit gesonnt und bin deshalb umso härter auf dem betonharten Boden der Tatsachen gelandet: Julia Rothenburg schildert kein Problem sozialer „Schandflecke“, sondern der menschlichen Gesellschaft.

Intensiver, sprachgewaltiger Roman über Abschied, Verzweiflung und Trauer

Lesendes Federvieh aus München am 23.06.2019

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mit der Krankheit der Mutter kehrt auch Valeries zuvor scheinbar spurlos verschwundene Bruder Robert zurück und sitzt ähnlich einer Fata Morgana auf dem Sofa. Äußerlich könnten Valerie und Robert anders nicht sein, die mit den hellen blonden Haaren, er dunkel mit dem italienischen Erbgut des Vaters und doch müssen sich die beiden Halbgeschwister gemeinsam den drängenden Fragen stellen, wie es weitergeht. Wie geht man mit dem näherrückenden Abschied um? Während es der Mutter immer schlechter geht, versuchen Valerie und Robert einander Halt zu geben und die zwischen ihnen entstandene Distanz zu überwinden, doch die Nähe zwischen ihnen hat viele Gesichter, die von zärtlich und tröstlich bis hin zu wild und gefährlich reichen. Mareike Fallwickls "Dunkelgrün fast schwarz" hat mich mit der überraschenden Intensität und der sprachlichen Wortgewalt vollkommen umgehauen, weshalb ich auf der Leipziger Buchmesse einen genaueren Blick auf den Stand der Frankfurter Verlagsanstalt geworfen habe und prompt einen weiteren vielversprechenden Titel entdeckt habe: "hell/dunkel" von der jungen Autorin Julia Rothenburg, in dessen Mittelpunkt das ungleiche Geschwisterpaar Valerie und Robert steht, das im Zuge des Sterbens ihrer Mutter versucht erneut zueinanderzufinden und das Ungeheuerliche zu verarbeiten. Dabei wird die alles andere als perfekte Mutter-Tochter-Sohn-Beziehung mitsamt ihrer Schattenseiten eindringlich thematisiert, wie auch Valeries Gefühl des Alleingelassenwerdens als Robert auszog, das nun zwischen den beiden steht. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Halbgeschwister, wobei auf jederlei Kennzeichnung der direkten Rede mittels Anführungsstriche verzichtet wird, was zunächst einen befremdlichen, seltsam distanzierten Eindruck erweckt, im weiteren Verlauf jedoch zu der starken Sogwirkung des Romans beiträgt. Sie hell er dunkel, so werden Valerie und Robert von Außenstehenden beschrieben, was aufgrund ihrer Äußerlichkeiten infolge unterschiedlicher Väter womöglich zutreffen mag, innerlich jedoch ist das Verhältnis umgekehrt bis die beiden sich in ihrer Trauer ob des offensichtlich nahenden Todes ihrer Mutter zunehmend annähern, einander Halt geben und in ihrer ohnmachtsähnlichen Hilflosigkeit zugleich in tiefe Abgründe abrutschen. Es ist ein sprachgewaltiger, intensiver Roman von Abschied, Trauer, Verzweiflung, dessen einziger Schönheitsfehler sich in einem Tabubruch zeigt, der in meinen Augen überflüssig war. Allerdings war diese Entgleisung zugleich jener Wendepunkt an dem ich entsetzt erkennen musste, wie sehr mich die fesselnde Geschichte in ihren Bann gezogen hat, wie sehr ich mich von der Sprache, den Gedanken der beiden und dem Sog aus tiefer Traurigkeit und Verzweiflung habe einlullen und hineinziehen lassen, sodass ich sogar begonnen habe ihre Taten zu verstehen und vor meinem inneren moralisch denkenden Ich zu rechtfertigen. Nur um darauf schockiert festzustellen, was ich da eigentlich gerade tat. Doch genau wegen dieser aufrichtigen Darstellung der ungewöhnlichen Geschwister-Beziehung in der scharfkantigen Sprache mitsamt der zarten, tröstenden Momente und den wilden, verletzenden bis verstörenden Szenen ist diese Geschichte von Verzweiflung und Trauer so unfassbar authentisch, intensiv und bewegend.

Intensiver, sprachgewaltiger Roman über Abschied, Verzweiflung und Trauer

Lesendes Federvieh aus München am 23.06.2019
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Mit der Krankheit der Mutter kehrt auch Valeries zuvor scheinbar spurlos verschwundene Bruder Robert zurück und sitzt ähnlich einer Fata Morgana auf dem Sofa. Äußerlich könnten Valerie und Robert anders nicht sein, die mit den hellen blonden Haaren, er dunkel mit dem italienischen Erbgut des Vaters und doch müssen sich die beiden Halbgeschwister gemeinsam den drängenden Fragen stellen, wie es weitergeht. Wie geht man mit dem näherrückenden Abschied um? Während es der Mutter immer schlechter geht, versuchen Valerie und Robert einander Halt zu geben und die zwischen ihnen entstandene Distanz zu überwinden, doch die Nähe zwischen ihnen hat viele Gesichter, die von zärtlich und tröstlich bis hin zu wild und gefährlich reichen. Mareike Fallwickls "Dunkelgrün fast schwarz" hat mich mit der überraschenden Intensität und der sprachlichen Wortgewalt vollkommen umgehauen, weshalb ich auf der Leipziger Buchmesse einen genaueren Blick auf den Stand der Frankfurter Verlagsanstalt geworfen habe und prompt einen weiteren vielversprechenden Titel entdeckt habe: "hell/dunkel" von der jungen Autorin Julia Rothenburg, in dessen Mittelpunkt das ungleiche Geschwisterpaar Valerie und Robert steht, das im Zuge des Sterbens ihrer Mutter versucht erneut zueinanderzufinden und das Ungeheuerliche zu verarbeiten. Dabei wird die alles andere als perfekte Mutter-Tochter-Sohn-Beziehung mitsamt ihrer Schattenseiten eindringlich thematisiert, wie auch Valeries Gefühl des Alleingelassenwerdens als Robert auszog, das nun zwischen den beiden steht. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Halbgeschwister, wobei auf jederlei Kennzeichnung der direkten Rede mittels Anführungsstriche verzichtet wird, was zunächst einen befremdlichen, seltsam distanzierten Eindruck erweckt, im weiteren Verlauf jedoch zu der starken Sogwirkung des Romans beiträgt. Sie hell er dunkel, so werden Valerie und Robert von Außenstehenden beschrieben, was aufgrund ihrer Äußerlichkeiten infolge unterschiedlicher Väter womöglich zutreffen mag, innerlich jedoch ist das Verhältnis umgekehrt bis die beiden sich in ihrer Trauer ob des offensichtlich nahenden Todes ihrer Mutter zunehmend annähern, einander Halt geben und in ihrer ohnmachtsähnlichen Hilflosigkeit zugleich in tiefe Abgründe abrutschen. Es ist ein sprachgewaltiger, intensiver Roman von Abschied, Trauer, Verzweiflung, dessen einziger Schönheitsfehler sich in einem Tabubruch zeigt, der in meinen Augen überflüssig war. Allerdings war diese Entgleisung zugleich jener Wendepunkt an dem ich entsetzt erkennen musste, wie sehr mich die fesselnde Geschichte in ihren Bann gezogen hat, wie sehr ich mich von der Sprache, den Gedanken der beiden und dem Sog aus tiefer Traurigkeit und Verzweiflung habe einlullen und hineinziehen lassen, sodass ich sogar begonnen habe ihre Taten zu verstehen und vor meinem inneren moralisch denkenden Ich zu rechtfertigen. Nur um darauf schockiert festzustellen, was ich da eigentlich gerade tat. Doch genau wegen dieser aufrichtigen Darstellung der ungewöhnlichen Geschwister-Beziehung in der scharfkantigen Sprache mitsamt der zarten, tröstenden Momente und den wilden, verletzenden bis verstörenden Szenen ist diese Geschichte von Verzweiflung und Trauer so unfassbar authentisch, intensiv und bewegend.

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Ulrike Ackermann

Thalia Erlangen

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4/5

Ein Roman voller Wut, Hilflosigkeit und Naivität

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Zwei ungleiche Geschwister - sie hell-, er dunkelhäutig, finden durch die schwere Krankheit der gemeinsamen Mutter wieder zueinander. Die gemeinsame Wut, Trauer und Verzweiflung bringt sie einander nahe. Zu nahe.... Diesen Roman begann ich und er ließ mich nicht mehr los. Julia Rothenburg hat es sehr gut verstanden, die Charaktere und deren Naivität so zu beschreiben, dass uns Lesern zuweilen dort Verständnis abgerungen wird, wo wir normalerweise den Kopf schütteln. Gut gemacht!
4/5

Ein Roman voller Wut, Hilflosigkeit und Naivität

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Zwei ungleiche Geschwister - sie hell-, er dunkelhäutig, finden durch die schwere Krankheit der gemeinsamen Mutter wieder zueinander. Die gemeinsame Wut, Trauer und Verzweiflung bringt sie einander nahe. Zu nahe.... Diesen Roman begann ich und er ließ mich nicht mehr los. Julia Rothenburg hat es sehr gut verstanden, die Charaktere und deren Naivität so zu beschreiben, dass uns Lesern zuweilen dort Verständnis abgerungen wird, wo wir normalerweise den Kopf schütteln. Gut gemacht!

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