Der 12-jährige Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Théos Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt. Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. In ihren Augen ist also so weit alles gut. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon. Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo. Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, doch wie soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, aber Théo ist sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch seinem großen Bruder in den Rücken fallen, denn der besorgt den Alkohol für die Minderjährigen. Und er ist es auch, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Laupheim
5/5
12.02.2022
eBook (ePUB)
Wahnsinnig intensiv
„Loyalitäten
Das sind die unsichtbaren Verbindungen, die uns mit den anderen - den Toten wie den Lebenden - verbinden, leise gemachte Versprechen, deren Auswirkungen wir nicht kennen, still gehaltene Treue….“
Wow! Hier ist es, meine Lesehighlight 2022! Dieses dünne Büchlein, nur 174 Seiten dick, hat es in sich. Erzählt uns eine Geschichte in der es um falsch und richtig geleitete Loyalität geht. Eine Geschichte über einen sozial vernachlässigten Jungen Théo, der seiner Welt und den Problemen in ihr, durch Alkohol entfliehen will. Denn müsste er der Außenwelt mitteilen, dass sein Vater schon lange in einer tiefen Depression steckt und sich deshalb gar nicht um Théo kümmern kann, der alle zwei Wochen für eine Woche bei ihm lebt? Hier erfahren wir die falsche Loyalität eines Sohnes zu seinem Vater. Doch in diesem Buch, das aus verschiedenen Perspektiven geschrieben ist, lernen wir auch Théos Freund Matthis, seine Lehrerin und Matthis Mutter kennen. Einzig Hélène, Théos Lehrerin, geprägt durch ihre eigene Vergangenheit erkennt die Not ihres Schülers und ist geprägt von einer Loyalität gegenüber ihn, weshalb sie sogar ihre Karriere aufs Spiel setzt! Ein großartiger Roman, stilistisch durch kurze Sätze fesselnd geschrieben, der uns aufzeigt, in welchen Spannungsfeldern sich Menschen bewegen, wodurch sie zu gewissen Dingen getrieben werden. Es gibt so viele Passagen, die dieses Buch lesenswert machen! Für mich persönlich ist die einzige Kritik, dass ich mit Théo und Matthis zwei Jahre älter gewünscht hätte, was für mich die Story noch realistischer gemacht hätte. Ganz große Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
12.04.2020
eBook (ePUB)
Ein leises Buch über zwischenmenschliche Missstände
Delphine de Vigan zählt zu den wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. In "Loyalitäten" geht es um den 12-jährigen Théo. Seine Eltern sind geschieden und mit ihrem persönlichen Kummer komplett überfordert. Théo versucht, die beiden in ihrem Schmerz aufzufangen. Aber diese Rolle steht ihm nicht zu, weil er selbst noch ein Kind ist. Er flüchtet sich in den Alkohol. Der Moment, wenn der Alkohol von der Kehle in den Magen fließt, den liebt er. Dieser Augenblick gibt ihm einen Moment des Friedens. Er liebt das warme Gefühl im Bauch und will es immer wieder erleben. Sein Freund Mathis weiß von Théos Problemen, traut sich aber nicht, seiner Mutter davon zu erzählen, weil er seinen Freund nicht verraten will. Er ist in seiner Loyalität zu Théo gefangen. Denn wer möchte nicht denen gegenüber loyal sein, die er liebt. Auch wenn es zum Verderben führt. Auch Théos Lehrerin Hélène merkt Veränderungen an Théo. Doch ihre Hilfe kommt fast zu spät. Dieses wunderschöne Buch verführt mit Emotionalität und einer leisen Sprache.
Bewertung
5/5
18.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Gefühl und ein Werk bis an die Substanz
Alkohol ist eine Droge, doch sie unterscheidet sich von den anderen Substanzen, sie ist nicht nur legal, sie ist nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, sie wird kaum hinterfragt. In Delphine de Vigans Roman „Loyalitäten“ geht es im Grunde genommen um vier Figuren aus deren Sicht die einzelnen Kapitel geschildert werden. Den 12jährigen Theo, der bereits als Alkoholiker zu charakterisieren ist und dessen einziges Ziel darin besteht „eines Tages das Bewusstsein zu verlieren“, sein bester Freund Mathis, der zu Anfang mit ihm trinkt, doch nach Theos erstem Absturz Zweifel hegt, Cecile, Mathis Mutter, die als erste Figur wahrnimmt, dass Mathis trinkt, aber mit weiteren familiären Problemen konfrontiert wird und Helene, die engagierte Lehrerin von Theo, die versucht Theos Problemen auf den Grund zu gehen, dabei jedoch kläglich scheitert. „Loyalitäten“ ist ein schockierend realistisches Werk, das einen zu Herzen rührt und zeigt, dass Loyalität auch manchmal zu weit gehen kann.
Kaffeeelse
5/5
20.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Freund
Und wieder gelingt Delphine de Vigan ein absolut berührendes, ein richtig intensives und ein psychologisch dichtes Buch! Ein trauriges und erschütterndes Buch! Denn Delphine de Vigan gelingt es wie kaum einer anderen Autorin in ihren wunderbaren Büchern Menschen so authentisch, so lebendig und auch so intensiv zu zeichnen. Und auch ihr besonderes Augenmerk auf menschliche Dramen und ihre sehr eindringliche Zeichnung von menschlichen Höllen ist einzigartig. Delphine de Vigan ist eine Autorin, die sich in mein Herz schreibt, deren Bücher die wichtigsten Plätze in meinen heiligen Bücherhallen erhalten und Delphine de Vigan ist eine Lieblingsautorin geworden. Schon mit "Das Lächeln meiner Mutter" hat sich die französische Autorin in mein Herz geschrieben und auch die weiteren Romane von ihr treffen mich tief. 5 Bücher kenne ich bisher von ihr und alle 5 Bücher sind 5-Sterne-Bücher für mich. Was eine deutliche Ansage ist!
Hier in diesem Buch widmet sich Delphine de Vigan dem 12-jährigen Théo, einem Scheidungskind. Durch die Trennung der Eltern und dem folgenden Verhalten der beiden Elternteile, dem kalten und herzlosen Verhalten der traumatisierten und verletzten Mutter und dem Verfall des Vaters ist das dazwischenstehende Kind ebenso schwer traumatisiert. Das Kind sieht in seinem hoffnungslosen Leben keinen Anker, keine Liebe und möchte am liebsten verschwinden, nichts mehr spüren, sucht Hilfe beim Tröster Alkohol. Nach außen versucht der Junge den Schein zu wahren und das gelingt ihm gut. Nur sein Freund Mathis weiß von dem Alkohol und bemerkt teilweise den familiären Hintergrund. Nur ist Mathis ein Kind und schlägt auch aus einer Kameradschaft zu Théo keinen Alarm, ist loyal. Wie auch Théo loyal zu seinem Vater und seiner Mutter ist. Eine zerstörerische Loyalität! Nur die Lehrerin Hélène schöpft Verdacht, irgendetwas stimmt in ihren Augen hier nicht, sie fühlt sich an eigenen Traumata erinnert und sie ruht trotz Misserfolgen nicht, sie versucht zu helfen.
In diesem doch recht kurzen Buch eröffnet sich der Leserschaft ein immenses Grauen, von dem man hofft, dass es unreal ist! Aber wer mit offenen Augen durch seine Umgebung geht, wird bemerken, dass es überall unglückliche Familienkonstellationen gibt und oft zufriedenstellende Hilfestellungen aus den verschiedensten Gründen fehlen. Ein Buch mit einer schwerwiegenden Gesellschaftskritik! Ob dieses Buch etwas ändert? Wer weiß!
fromme Helene
5/5
09.12.2021
Buch (Taschenbuch)
Unausgesprochenes bindet
Théos Geschichte ist aufwühlend, erschreckend und gleichzeitig so menschlich. Ich fliege nur so durch die Seiten, hoffe inständig, irgendjemand möge doch einschreiten. Irgendjemand möge sich gegen all seine Konventionen und Bedenken, dieses Kindes annehmen...
Delphine de Vigan zeigt Théos Leben mit schonungslosem Blick und weckt gleichzeitig Verständnis für all die Verfehlungen der Erwachsenen. Jeder ist gebunden in seinem System, gehorcht den unausgesprochenen Regel, muss Zugeständnis machen, damit das Leben weiter funktioniert.
Ich werde Zeuge, wie Théo sich immer mehr Aufgaben auflädt, um all die Erwartungen zu erfüllen - um ein guter Sohn zu sein, ein guter Schüler, ein guter Freund – alles, um geliebt zu werden. Alles, um die Eltern vor sich selbst zu schützen.
Er stellt sie lange Zeit zufrieden, die Menschen um ihn herum, hat Antworten auf ihre Fragen, kann ihr Misstrauen zerstreuen ... solange bis seine Kraft am Ende ist.
Nach der Lektüre bleibe ich sehr nachdenklich zurück. Was bürden wir unseren Kindern auf? Wie verstricken wir sie in unsere Probleme und Ängste? Welchen großen Einfluss hat all das Unausgesprochene? Wie schaffen wir es, die Kinder zu schützen, wenn das Leben all unsere Energie bindet?
Das Buch mutet fast wie eine Sozialstudie an, zeigt die Fehler der Systeme auf, aber verurteilt nicht. Wieder sind es die unhörbaren Hilferufe eines Kindes, die verkannt werden und selbst die, die hellhörig werden, sind dem System verpflichtet und müssen sich gut überlegen, ob sie gegen die Vorschriften verstoßen.
Die Geschichte zeigt, dass Eltern, Lehrer, Erwachsene... Menschen sind und dass Menschlichkeit fehlbar ist. Doch es rüttelt wach. Fordert auf, auf seinen Instinkt zu hören und nicht den einfache Ausreden zu glauben, wo es Auffälligkeiten gibt. Unsere Kinder dürfen wir nicht unseren Loyalitäten und unserer Bequemlichkeiten opfern.
Danke, Delphine de Vigan, fürs Wachrütteln.
Fazit: Must-Read! Ein Buch, das an die Substanz geht und gleichzeitig aufrüttelt: Wir tragen die Verantwortung für unser Leben und unsere Kinder - Lasst unsere Kinder, sich nicht zuständig für unsere Aufgaben fühlen.
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5/5
05.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine leise und ruhige aber trotzdem...
Eine leise und ruhige aber trotzdem sehr vielschichtige Geschichte zu diesem Thema. Ich habe mitgefiebert und war auch zu tiefst betroffen. Wie alle Bücher der Autorin hat es mich zum Nachdenken angestiftet und viele Dinge aufgezeigt. Ich würde es jederzeit wieder lesen.
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5/5
17.01.2021
Buch (Taschenbuch)
"...Unsere Flügel und unsere Fesseln..." Daphne de Vigan
Ein sehr vielschichtiges Buch zum Thema Loyalität! Jeder der Protagonisten hat sein eigenes Päckchen zu tragen, ganz unterschiedlicher Natur! Und doch geht es immer um Loyalitäten - miteinander, zueinander!
Die Loyalitäten in diesem Roman sind zumeist harter Tobak, der wahnsinnig klug erzählt ist!
Ein Roman der zum Nachdenken und Mitfühlen anregt.
"Loyalitäten...Das sind die Gesetze der Kindheit, die in unseren Körpern schlummern, die Werte, in deren Namen wir uns aufrecht halten, die Fundamente, die es uns ermöglichen, Widerstand zu leisten, unlesbare Grundsätze, die an uns nagen und uns einschließen. Unsere Flügel und unsere Fesseln...." - dies ist nur ein Auszug der wunderbaren Definition von Loyalität der Autorin.
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5/5
01.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein großartiges Buch!
Zu viel Verantwortung und Hilflosigkeit und zu wenig Liebe. Eine harte Geschichte über einen 12jährigen Jungen, der sich in den Alkohol flüchtet, seinen Freund, der sich ihm anschließt und eine Lehrerin, die nicht wegsieht.
De Vigan ist neben Slimani, Despentes und Bayard eine Autorin, die Tabu-Themen knallhart auf den Tisch legt und uns Leser damit schonungslos konfrontiert. In seiner Dramatik einfach gekonnt geschrieben.
LESEN!
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5/5
26.12.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Delphine de Vigan beschreibt auf...
Delphine de Vigan beschreibt auf so wenigen Seiten eindrucksvoll Loyalität aus unterschiedlichen Beweggründen und vorallem mit zum Teil verheerende Folgen. Unbedingt lesen!
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5/5
08.12.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieser Roman geht unter die Haut...
Schonungslos und ehrlich schildert die Autorin, wie ein stiller, zwölfjähriger Junge unter der Trennung seiner Eltern leidet und psychisch dabei an seine Grenzen gelangt. Seine couragierte Lehrerin schaut genau hin anstatt einfach wegzusehen und versucht, ihm zur Seite zu stehen. Dieser Roman ging mir sehr nahe, hat mich aufgewühlt und mich noch lange beschäftigt. Dephine de Vigan verwendet einen sehr feinen Schreibstil und schreibt mit viel Gefühl und Einfühlungsvermögen. Interessant ist ihre Betrachtung aus vier unterschiedlichen Perspektiven, aus der des Jungen Theos, seines Freundes Mathis, dessen Mutter Cecile und seiner Lehrerin Helene. Ich habe jede Seite verschlungen und kann dieses Buch wirklich wärmstens weiterempfehlen.
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