New York in den achtziger Jahren: Eigentlich gibt es nur einen Menschen, der June Elbus je verstanden hat, und das ist ihr Onkel Finn Weiss, ein berühmter Maler. In der Schule eher eine Außenseiterin und von ihrer älteren Schwester konsequent ignoriert, fühlt sich June nur in Finns Gesellschaft wirklich wohl. Als Finn viel zu jung an einer mysteriösen Krankheit stirbt, deren Namen ihre Mutter kaum auszusprechen wagt, steht in Junes Leben kein Stein mehr auf dem anderen. Auf Finns Beerdigung bemerkt June einen scheuen jungen Mann, der sich im Hintergrund des Geschehens hält, und ein paar Tage später bekommt sie ein Päckchen. Darin befindet sich die wunderschöne Teekanne aus Finns Apartment – und eine Nachricht von Toby, dem Fremden. Wie sich herausstellt, ist June nicht die Einzige, die am Verlust Finns zu zerbrechen droht. Zunächst ist June misstrauisch, doch nach und nach entwickelt sich zwischen Toby und ihr eine zarte Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Literatursprechstunde
aus Göttingen
5/5
04.06.2025
Buch (Taschenbuch)
Fans von melancholischer Literatur aufgepasst: Dieses Schätzchen ist für Euch! ❣️
„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ habe ich auf Empfehlung einer lieben Buchhändlerin hin gekauft - sie ist so ins Schwärmen über „eins ihrer absoluten Lieblingsbücher“ verfallen, dass ich nicht anders konnte, als dieses Schätzchen mit nach Hause zu nehmen.
Die Story dreht sich um die 14-Jährige June, die ihren Onkel Finn als wichtigste Bezugsperson und Freund betrachtet. Als Finn an Aids stirbt, bricht für June eine Welt zusammen. Sie und ihre Familie müssen sich mit Finns Tod und seiner Homosexualität auseinandersetzen, was zu Spannungen führt. June findet sich in einer Situation wieder, in der sie sich mit ihrem eigenen Verständnis von Familie, Tod und Verlust auseinandersetzen muss.
Es ist eine dieser Geschichten, die eher ruhig daherkommen - es gibt nicht viele Plottwists und manchmal plätschert die Story auch etwas vor sich hin (was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum in einigen Rezis von gewissen Längen die Rede ist - fair enough). Unsere Protagonistin, June Elbus, verbringt ihre Zeit lieber allein oder mit ihrem Onkel Finn, statt mit Gleichaltrigen abzuhängen. In der Schule zählt sie zum gesunden Mittelmaß und sie hat auch kein besonderes Talent wie ihre Schwester Greta. Aber sie äußert einige der scharfsinnigsten und ehrlichsten Beobachtungen, die ich je gelesen habe.
„Ich interessierte mich nicht für Biertrinken oder Wodka oder Zigarettenrauchen oder das ganze andere Zeug. Greta bildete sich ein, ich sei überhaupt nicht in der Lage, mir das überhaupt vorzustellen. Aber ich will mir das alles auch gar nicht vorstellen. Jeder kann sich diese Dinge vorstellen. Ich will mir eine Zeitfalte vorstellen und Wälder voller Wölfe und düstere mitternächtliche Moore. Ich träume von Menschen, die keinen Sex zu haben brauchen, um zu wissen, dass sie sich lieben. Ich träume von Menschen, die sich immer nur auf die Wange küssen.“
Im Zentrum der Handlung steht Junes Versuch, den Tod ihres geliebten Onkels Finn zu verarbeiten, der an AIDS gestorben ist. Nachdem sie einen Brief von einem geheimnisvollen Mann (Toby) erhält, der ebenfalls eine Verbindung zu Finn gehabt haben will, beschließt June, ihn zu treffen – und damit beginnt eine Kette von Ereignissen, die ihr vielleicht helfen können, ihren Trauerprozess voranzubringen, seinen Tod zu verarbeiten und zu heilen.
June ist eine ziemlich unperfekte Protagonistin mit Ecken und Kanten – man könnten sie sogar teilweise als unsympathisch bezeichnen. Ihre Gefühle und Emotionen, die sie im Rahmen ihres Trauerprozesses durchlebt, ließen sie teils abstruse, (wahrscheinlich) von Eifersucht getriebene Dinge tun, die ich auf ihre tiefe Einsamkeit zurückzuführen würde - so oft habe ich mir gedacht während meiner Lektüre, dass ich sie gerade gern mal zum Trost in den Arm nehmen und gern mit ihr weinen würde. Zuflucht und einen Ort für ihre Trauer findet sie im nahegelegenen Wald - wann immer sie struggelt oder überwältigt wird von ihren Emotionen, zieht es sie an den Ort, wo die Wölfe zu Hause sind. Wie ihr merkt, haben wir es hier mit einem äußerst melancholischen Roman zu tun - und ich oute mich an dieser Stelle gerne als Fan von Melancholie in der Literatur.
„Ich fragte mich wirklich, warum Leute immer das taten, worauf sie überhaupt keine Lust hatten. Das Leben schien ein immer enger werdender Tunnel zu sein. Im Augenblick der Geburt war der Tunnel riesengroß und unendlich lang. Alles stand einem noch offen. Dann, in exakt einer Sekunde nach der Geburt, verengte sich der Tunnel bereits um die Hälfte. Als Junge stand fest, dass man niemals Mutter werden würde und wahrscheinlich auch kein Nagelpfleger oder Kindergärtner. Dann wurde man älter, und alles, was man tat, verengte den Tunnel nur noch mehr. Nach einem Armbruch war eine Laufbahn als Baseball-Pitcher ausgeschlossen. Fiel man im ersten Mathe-Test seines Lebens durch, erlosch jede Hoffnung, Naturwissenschaftler zu werden. Ungefähr so ging das jahrelang weiter, bis man festsaß. Als Bäcker oder Bibliothekar oder Barkeeper. Oder Buchhalter. Dumm gelaufen. Ich stellte mir vor, dass der Tunnel an dem Tag, an dem man starb, so furchtbar eng geworden war, dass man da drinnen zerdrückt wurde.“
Was mich auch begeistert hat, war die Handlung rund um das Porträt mit dem Titel „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ (titelgebend) das Onkel Finn von June und ihrer Schwester Greta angefertigt hat. Zunächst angedacht hatte er es, um in seinem Sterbeprozess regelmäßig Zeit mit June verbringen zu können - als Vorwand quasi, aber in dem Bild steckt mehr, als man zunächst vermutet (versteckte Botschaften und Geheimnisse, die es zu lüften gilt - aber mehr erfahrt ihr nur, bei einer eigenen Lektüre.. Na, neugierig geworden??).
Brunt schreibt sehr präzise und zugänglich, daher würde ich den Roman durchaus auch als für Jugendliche geeignet halten. Meine Leseempfehlung geht an alle, die sich mit den Themen Verlust, Trauer, Erwachsenwerden, Familienkonflikte und der damaligen Aids-Epidemie im New York der 1980er literarisch auseinandersetzen möchten. Die Autorin Carol Rifka Brunt verbindet ein autobiografischer Bezug zu dieser Thematik, da sie während der Aids-Epidemie in New York gelebt hat, was dem Roman eine besondere Authentizität verleiht.
Mich persönlich hat „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ emotional sehr berührt und ich zähle es zu den schönsten und ergreifendsten Bücher zum Thema Trauer, die ich bisher gelesen habe. Fazit: Ich bin der lieben Buchhändlerin mehr als dankbar für diesen wundervollen Lesetipp - Melancholie vom feinsten, unbedingt lesen!
Odilie
aus Bremen
5/5
18.12.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Unglaublich taktvoll erzählt.
Vor einigen Jahren habe ich ein paar Kapitel dieses Romans als Lesung im Radio gehört. Bis heute ließ mich die Geschichte nicht in Ruhe. Diese unglaublich passende Stimme von Jodie Ahlborn!
Wie die Autorin Brunt eine Geschichte aus Malerei, Liebe, Trauer, Hass, Schwesterngefühlen, Erwachsenwerden und noch so viel mehr zusammenfügt und erzählt, das ist ganz große Kunst!
Wenn der Schlußsatz gesprochen wurde, denken Sie vielleicht über die Frage nach, wer Ihre erste Liebe und Ihre zweite Liebe war.
Ich wünsche Ihnen eine gute, ruhige Antwort.
Bewertung
5/5
06.06.2023
Buch (Taschenbuch)
Zauberhaft
Ein wunderbares Buch. Eines, das man nicht erwarten kann zu Ende zu lesen und gleichzeitig so lange wie möglich hinauszögert, weil man nicht möchte, dass es vorbei ist. Jeder Charakter hat seine eigene besondere Stimme und lässt einen mit Eindrücken zurück, was das Leben alles bereit hält. Großartige Sachen, schwierige Sachen - und das das weder gut noch schlecht ist, sondern eben das Leben.
Blubie
aus Schönau
5/5
21.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Die Geschichte der 14jährigen…
Die Geschichte der 14jährigen June, die ihren an AIDS erkrankten Onkel verliert, entführt uns nach New York 1987. Eine Zeit, in der AIDS als Schreckgespenst die Menschen erschütterte und sich noch viele Missverständnisse darum rankten. June wächst zusammen mit ihrer talentierten zwei Jahre älteren Schwester und ihren berufstätigen Eltern in einem Vorort New Yorks auf. Onkel Finn, Mutters jüngerer Bruder, ist Künstler, schillernd und großartig, Junes Patenonkel, für den sie vielleicht ein bisschen zuviele Gefühle hegt. Seine Homosexualität, das AIDS-Virus und vor allem sein langjähriger Lebenspartner Toby sind Tabuthemen der Familie. Für June ist der Tod ihres geliebten Onkels eine Katastrophe, die sie kaum überwinden kann... und dann lernt sie Toby kennen, mit dem sie nicht nur die Trauer um Finn teilt. Es ist eine ruhige und einfühlsame Geschichte, in der man sich an manchen Stellen allzuoft wiederfindet, nicht nur, wenn man ebenfalls seine Teenagerzeit in den 80er Jahren hatte. Das Buch handelt von Rivalität unter Geschwistern, diese Hass-Liebe, wie man sie oft nur unter Geschwistern findet. Es handelt von den dramatischen Gefühlen, wie man sie nur als Teenager empfinden kann, von Eifersucht, überbordender Liebe, vom Sterben, vom Verzeihen und von Selbstreflektion. Was mich stark beeindruckt hat: die Autorin schafft es, ohne Holzhammermethode, die Vibes der 80er Jahre aufleben zu lassen und sie hat ein wunderbares Gespür für die Gefühle, die Teenager umtreibt - wenn sie zwischen Kindheit und Erwachsenwerden stehen. June kam für mich sehr authentisch rüber. Die Geschichte hat mich immer wieder sehr berührt und manchmal hätte ich gerne eingegriffen, Dinge besser gemacht, den Protagonisten geholfen, früher zueinander zu finden... mit einem Wort: ich habe mitgelebt in diesem wunderbar erzählten Roman, der von Frauke Brodd großartige ins Deutsche übersetzt wurde.
Martina *Blubie*
aus Schönau
5/5
21.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührend, mitreissend und authentisch
Die Geschichte der 14jährigen June, die ihren an AIDS erkrankten Onkel verliert, entführt uns nach New York 1987. Eine Zeit, in der AIDS als Schreckgespenst die Menschen erschütterte und sich noch viele Missverständnisse darum rankten.
June wächst zusammen mit ihrer talentierten zwei Jahre älteren Schwester und ihren berufstätigen Eltern in einem Vorort New Yorks auf. Onkel Finn, Mutters jüngerer Bruder, ist Künstler, schillernd und großartig, Junes Patenonkel, für den sie vielleicht ein bisschen zuviele Gefühle hegt. Seine Homosexualität, das AIDS-Virus und vor allem sein langjähriger Lebenspartner Toby sind Tabuthemen der Familie.
Für June ist der Tod ihres geliebten Onkels eine Katastrophe, die sie kaum überwinden kann... und dann lernt sie Toby kennen, mit dem sie nicht nur die Trauer um Finn teilt.
Es ist eine ruhige und einfühlsame Geschichte, in der man sich an manchen Stellen allzuoft wiederfindet, nicht nur, wenn man ebenfalls seine Teenagerzeit in den 80er Jahren hatte. Das Buch handelt von Rivalität unter Geschwistern, diese Hass-Liebe, wie man sie oft nur unter Geschwistern findet. Es handelt von den dramatischen Gefühlen, wie man sie nur als Teenager empfinden kann, von Eifersucht, überbordender Liebe, vom Sterben, vom Verzeihen und von Selbstreflektion.
Was mich stark beeindruckt hat: die Autorin schafft es, ohne Holzhammermethode, die Vibes der 80er Jahre aufleben zu lassen und sie hat ein wunderbares Gespür für die Gefühle, die Teenager umtreibt - wenn sie zwischen Kindheit und Erwachsenwerden stehen. June kam für mich sehr authentisch rüber.
Die Geschichte hat mich immer wieder sehr berührt und manchmal hätte ich gerne eingegriffen, Dinge besser gemacht, den Protagonisten geholfen, früher zueinander zu finden... mit einem Wort: ich habe mitgelebt in diesem wunderbar erzählten Roman, der von Frauke Brodd großartige ins Deutsche übersetzt wurde.
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5/5
26.11.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tiefsinnig und einfühlsam!
Mit ihrem Romandebüt schreibt sich Carol Rifka Brunt in die Herzen ihrer neugierigen Leser. Nach einer langen Krankheitsphase verliert die 14-jährige June ihren geliebten Onkel Finn an AIDS. In den darauffolgenden Wochen verliert sie völlig den Boden unter den Füßen und muss ihren Platz sowohl innerhalb der eigenen Familie als auch im weiteren sozialen Umfeld neu finden. Dabei geht es um Fragen der eigenen Identität, des Andersseins und Erwachsenwerdens. Auch für Junes Trauerarbeit findet Brunt die richtigen Worte, sodass ihr Schicksal nach nur wenigen Kapiteln sehr zu Herzen geht. Hier wartet ein wunderschöner Entwicklungsroman auf, der den Leser mitweinen, mitlachen und nicht zuletzt mit-wachsen lässt.
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5/5
29.06.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein tragisch-schönes Buch über...
Ein tragisch-schönes Buch über Verlust und Trauer um den verstorbenen Onkel, June kann nicht begreifen, das Finn nicht mehr da sein soll, ein Buch voller Poesie und Wärme, einfach magisch. Taschentücher sollten in der Nähe liegen! Dieser Roman bewegt tief!
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5/5
22.11.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei Schwestern und ein Berg an Geheimnissen, die zwischen ihnen stehen
June binden ganz besondere Gefühle an ihren Pantenonkel Finn, der schwul ist und nun an AIDS stirbt. Diese Gefühle, die sie sich kaum selbst einzugestehen wagt, stehen jedoch wie eine Wand zwischen ihr und ihrer älteren Schwester Greta, obwohl sie früher ein Herz und eine Seele waren. Nach Finns Tod nimmt dessen Partner Toby zaghaft Kontakt zu ihr auf, der zwar von ihrer Familie geächtet wird, um den zu kümmern Finn sie jedoch gebeten hatte. June fühlt sich berufen, Toby freundschaftlich näher zu kommen, im Geheimen, ohne das Wissen ihrer Familie. Und ohne es zu ahnen oder zu wollen, entfernt sie sich immer mehr von den Menschen, die ihr am wichtigsten sind. Obwohl dieser Roman nur langsam Fahrt aufnimmt, habe ich June gleich ins Herz geschlossen, die sich der Zwiespältigkeit ihrer Gedanken, Gefühle und Handlungen stets bewusst ist und sich mit ihrer verbotenen Liebe am liebsten in ein Traumland flüchten möchte. Sie wächst im Laufe der Zeit förmlich über sich hinaus, begeht aber auch schwerwiegende Fehler, die sie einfach absolut menschlich wirken lassen. Großartig vor allem die Diskrepanz zwischen ihr und Greta, die dem Leser zunächst unsympathisch und gemein erscheint, bis sich herausstellt, welche Gründe sie für ihr Verhalten hat. Wie im wahren Leben: es kommt immer auf die Perspektive an, und jeder tut hin und wieder Dinge, die für ihn selbst logisch und notwendig sind, in den Augen anderer aber verwerflich erscheinen können. Das macht dieses Buch so gut: es wirkt einfach "echt", trotz all der Geheimnisse und Missverständnisse wie aus dem Leben gegriffen.
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5/5
30.08.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr bewegender Roman über...
Ein sehr bewegender Roman über die Themen Familie, Liebe und Trauer. Die Geschichte von June wird mich sicherlich noch lange begleiten. Unbedingt lesen!
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5/5
27.10.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Feinfühligkeit und Liebe
Es gibt nur einen Menschen auf der Welt, der June Elbus versteht: ihren feinfühligen Onkel Finn. Als dieser an Aids stirbt, bricht für June eine Welt zusammen und sie fühlt sich vollkommen alleine auf der Welt.
Das ändert sich erst, als Toby, der Freund von Finn Kontakt zu ihr aufnimmt, da auch er sich unsagbar alleine fühlt. Ein tolles Buch, feinfühlig und mit leisem Humor erzählt es die Geschichte eines großen Verlustes und macht doch Mut, dass es auch dann immer wieder weiter geht.
Unbedingt lesen!
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