Nach dem Bestseller „Das Floß der Medusa“ begibt sich Franzobel in seinem neuen Roman auf die Spuren eines wilden Eroberers der USA im Jahr 1538.
Ferdinand Desoto hatte Pizarro nach Peru begleitet, dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und mit dem Sklavenhandel ein Vermögen gemacht. Er war bereits berühmt, als er 1538 eine große Expedition nach Florida startete, die eine einzige Spur der Verwüstung durch den Süden Amerikas zog. Knapp 500 Jahre später klagt ein New Yorker Anwalt im Namen aller indigenen Stämme auf Rückgabe der gesamten USA an die Ureinwohner. Franzobels neuer Roman ist ein Feuerwerk des Einfallsreichtums und ein Gleichnis für die von Gier und Egoismus gesteuerte Gesellschaft, die von eitlen und unfähigen Führern in den Untergang gelenkt wird.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Schenken Sie Ihren alten Schätzen ein zweites Leben und erhalten dafür eine Thalia Geschenkkarte.
Und noch ein Buch aus der 2021er Longlist des Deutschen Buchpreises. Interessant und auch eckig und sperrig. Franzobel schreibt nicht gefällig und/oder flüssig. Eher wirkt die Schreibe etwas zerrissen und hin und her springend. Nicht einfach zu lesen. Der etwas eigene Humor/der böse Sarkasmus ist auch etwas gewöhnungsbedürftig. Dennoch habe ich dieses Buch sehr gern gelesen und es bekommt eine 5 Sterne Bewertung von mir. "Die Eroberung Amerikas" ist für mich das bisher beste Buch aus der 2021er Longlist des Deutschen Buchpreises.
Schon die Handlung interessiert mich hier sehr. Von Hernando de Soto und seinem Wirken in der neuen Welt habe ich schon gelesen. Gerade die Welt der Indianer des Südostens, eines der nordamerikanischen Kulturgebiete, interessiert mich seit frühester Zeit. Hatte doch hier die Moundkultur einen gewaltigen mesoamerikanischen Einfluss zu verzeichnen und gebar eine Vielzahl von äußerst interessanten Stämmen und Kulturen. Nur verschwanden hier viele dieser Stämme aufgrund des Gebarens der Eroberer und der grassierenden Krankheiten sehr schnell. Interessante Welten und Sichtweisen verschwanden, das kann man durchaus mit dem Abbrennen von ganzen Bibliotheken vergleichen. Franzobel beschreibt mit seinem bösen Sarkasmus das Leben des Hernando de Soto und das entsetzliche Wirken/das entsetzliche Denken von Hernando de Soto im Südosten des nordamerikanischen Kontinents in meinen Augen absolut treffend und setzt dieses damalige Verhalten der Europäer gleichzeitig auch in Bezug zu dem späteren Verhalten der Europäer in Amerika, oder eigentlich dem westlichen Verhalten in der ganzen Welt. Hier in diesem Buch wird die Welt von 1539 bis 1542 wieder greifbar und erfahrbar. Aber der Vergleich dieser alten Denke mit dem Denken und Handeln der heutigen westlichen Welt ist ein vollkommen gelungener Schachzug. Absolut treffend und gerade jetzt in der Coronazeit ist dieses egozentrische Gedankengut wieder trefflich zu beobachten. Ich sage nur verfallene Covid-Impfdosen, wie kann denn etwas in der westlichen Welt verfallen, dass in der restlichen Welt dringend gebraucht wird?! Ich frage mich des Öfteren wieso der westliche Mensch eigentlich so weit gekommen ist, wieso es den westlichen Menschen nicht schon eher von der Erdkruste befördert hat? Verdient hätte er es, wenn man sein Wirken aus der Sicht der überrannten Völker betrachtet. Dieses Buch lässt solche Fragen wieder hochkommen, gewährt aber mindestens ebenso interessant geschichtliche und auch lehrreiche Einblicke in eine vergangene Zeit! Ein faszinierendes und informatives Buch, wenn man sich darauf einlässt und sich von dem Sprachklang nicht abschrecken lässt.
David Möckel
5/5
19.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mehr Don Quijote als Konquistador?
Mit seiner unverwechselbaren Erzählkunst mischt Franzobel hier Geschichten, Erzählstränge, Anekdoten, Anspielungen und Semmannsgarn zu einem schillernden Bild, bei dem man als Leser das Gefühl hat, nur zupacken zu müssen und man hält eine reife Zitrusfrucht in Händen. Aber mehr möchte man auch nicht, denn er hält mit Grausamkeit, Barbarei und Brutalität, die für einen Großteil der Eroberung der beiden Amerikas stehen, nicht hinterm Berg. Absolut lesenswert! Vor allem für alle, die auch gern mal einen etwas anderen historischen Roman mögen ;o)
Edith Berger
aus Graz
5/5
05.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
ungemein großes Lesevergnügen
Es ist das Jahr 1538 als sich der berühmte Eroberer Ferdinand Desoto aufmacht um die neue Welt zu erobern. Auf neun Schiffen machen sich 800 Mann mit 300 Pferden, 30 Doggen, einer Schweineherde, Kühen, Ziegen, Maultieren und allem was damit einhergeht, auf den Weg. Über Havanna führt Ferdinand Desoto diese Expedition. Es gilt an diesen sagenhaften Reichtum in der neuen, unbekannten Welt zu gelangen und Ruhm, Ehre, Goldschätze, Vorherrschaft für sich und für Spanien zu erobern.
Bewertung
5/5
01.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hugh!
Auf leisen Sohlen kommt franzobel nicht daher. Desotos Schergen plätten alles. Auch so manchen Leser. Ob sein neues Flaggschiff seiner Medusa das Wasser reichen kann? Ich denke schon. Und eine Deutsche Buchpreisnominierung liegt angeblich in Sichtweite. Wer dabei sein will, kauft!
Juti
aus HD
2/5
10.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zu viel gewollt „Gestern war…
Zu viel gewollt „Gestern war heute noch morgen, und übermorgen wird morgen gestern sein.“ Ich habe diese Kritik mit dem ersten Satz des Buches begonnen, weil ich nicht weiß, ob dieser Satz ein Zitat ist. Die google-Recherche liefert in der Tat für den ersten Teil eine CD der Böhsen Onkelz. Weiter lese ich vom zahnlosen Sonnenkönig. Das kann durchaus sein. Wie ich aus dem „Hammer“ weiß, gab es eine Kultur des Zähneziehens. Auch ein Papst, der so dick war, dass er sich selbst nicht mehr umdrehen konnte, kann ich mir vorstellen. Bei Innozenz dem Achten blieb die google-Recherche aber erfolglos. Der Roman beginnt also wie ein Sachbuch, dem die Fußnoten fehlen. Und so hätte ich auch fast übersehen, dass es noch die Anwaltskanzlei gibt, die den Indianern Amerika zurückgeben will. Ein Problem dieses Buches ist nämlich, dass es zwar Überschriften und einzelne Kapitel kennt, nicht jedoch trennt, was heute und was 1537 war. So wird auf S.20 die Welt des 16. Jahrhunderts beschrieben, natürlich mit dem etwas anderen, komischen Blick. Gutenberg heißt zum Beispiel Gutfleisch. Als der Autor aber bei der Geschichte um den abgeschnittenen Finger Karl V. auf S.24 schreibt: „Wir erwähnen diesen Namen, lang wie eine Eisenbahngarnitur, damit Sie die Geschichte überprüfen können“ hatte ich die Lust zur google-Recherche bereits verloren. Das Zitat zeigt ferner die Liebe des Verfassers zu schiefen Vergleichen, die gepaart mit Anachronismen in diesem Buch unzählbar oft vorkommen. Auf S.288 schreibt der Autor, Hitler hätte die Jugend vernichtet, um dann eine andere Person verbessern zu lassen, dass es Juden statt Jugend heißen müsse. Gut meinend kann ich das nur als österreichischen Humor durchgehen lassen. Eigentlich schade, denn aus der Biografie De Sotos hätte man was machen können, wie auf der Wikipedia-Seite vom Entdecker „Hernando de Soto“ nachlesen kann. Ich erwähne die Internet-Seite, denn der Autor würzt seine Erzählung mit ständigen Phrasen, selbst das Phrasenschwein kommt vor. Da an der historischen Florida-Expedition offenbar vieles unklar ist, lädt es zu Fantasiegeschichten ein, aber nach dem allgemeinen Beginn sind über 500 Seiten zu viel. Nur der Anwalt Turtle Julius gefällt mir, der wegen der Suche nach einem Erben um die halbe Welt reist. Franzobels letztes Buch vom „Floß der Medusa“ habe ich gern gelesen, hier musste ich die letzten 200 Seiten großflächig lesen, um das Werk nicht ganz bei Seite zu legen. Ich habe die Mängel aufgezeigt und kann daher leider nur 2 Sterne vergeben. Wenn ein Mathematiker mit einem Beweis nicht zufrieden ist, schreibt er einen neuen. Schade, dass dies in der Literatur nicht üblich ist. Die Florida-Expedition von De Soto erlaubt mehr.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
04.05.2025
Buch (Taschenbuch)
Erschütternd!
Ein großartiges historisches Erzählfeuerwerk!
Die Eroberung Amerikas in grandiose Sprachbilder gekleidet. Der spitze Humor hilft dabei die unsagbare Brutalität zu ertragen und ist die Triebfeder, die durch die Gemetzel führt. Unfassbar, aber leider wahr und höchstwahrscheinlich war die Realitär noch viel grausamer...
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
02.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Himmelreich? Die Alligatoren dachten an fette Happen Gringofleisch und ein Festmahl aus Spaniern."
Wann habe ich das letzte Mal ein Buch, das eine einzige Ungeheuerlichkeit darstellt, gelesen? Ad hoc will und will mir keines einfallen, oder doch: Des großen Eckhard Henscheids "Trilogie des laufenden Schwachsinns"! da hat ein Autor der deutschen Tümelei und dem Leben in der Provinz ein außerordentliches literarisches Denkmal gesetzt...
Franzobels umfangreiche Erzählung (530 Seiten) der "Eroberung Amerikas" ist voller schwarzem Humor, grandios geschrieben und vor allem eines, "eine auf`s Maul" der Europäer! Bitte entschuldigen Sie diese rüde Ausdrucksweise, aber die letzten Lese-Stunden haben mich ein wenig geprägt - und treffender kann man es nicht ausdrücken :-)
Im Mittelpunkt des irrwitzigen Romans steht Ferdinand Desoto, der in jungen Jahren Pizarro in Südamerika behilflich war, die indigene Bevölkerung Perus radikal zu dezimieren. Zum Ausgleich befreite man Land und Leute vom sinnlosen Gold, verschaffte ihnen aber einen Platz im Himmel, so sich die, die noch lebten, taufen liessen...
Einschub: Das alles kann man heute noch in einem Augenzeugenbericht nachlesen - Las Casas "Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder" ist im Insel Verlag lieferbar...)
Dieser Desoto erbittet sich von Karl dem Fünften, der obigen Bericht kannte, und seinen Inhalt nicht unbedingt goutierte, das nächste Goldland, den heutigen Staat Florida, für die Krone Spaniens und zur Mehrung des eigenen Ruhms, versteht sich, in Besitz nehmen zu dürfen. Von Kuba aus geht es los, im Jahr des Herrn 1537. Ob es ein Gott gefälliges Unterfangen war, mit 800 Raufbolden, Schlägern, Säufern und anderen Hallodris durch die wenig einladenden Mangrovensümpfe zu waten, um doch, irgendwie, den goldenen Palästen nicht näher zu kommen, davon berichtet Franzobel ausschweifend, gallig und einfach mitreissend!
Das Ganze hat natürlich, neben dieser Haupt-Story, unendlich viel Nebenhandlungen, von denen man einfach nicht genug bekommen kann; Querverweise in die Historie, aber auch in die Subkultur unserer Tage. Mein Herz schlug höher, als tatsächlich selbst die legendären Piraten, bekannt aus "Asterix", ihren Auftritt hatten. Oder die wahrlich ergreifende Geschichte des Nichtnutzes, der selbst nicht genau weiß, wie es ihn eigentlich in Desotos Heerschar verschlagen hat - es könnte allerdings etwas damit zu tun haben, dass er vor Jahren in Spanien einen Elefanten gestohlen hat. Ans Herz wachsen auch jene beiden Anwälte, Turtle Julius aus dem 16. Jahrhundert, und Trutz Finkelstein aus der Neuzeit. Während ersterer verzweifelt versucht, eine Erbschaft zuzustellen, und dabei diverser Körperteile verlustig geht, klagt der andere im Namen der amerikanischen Ureinwohner und ihrer Nachfahren gegen die Vereinigten Staaten auf Rückgabe der unrechtmässig besetzten Ländereien, also die kompletten USA!
Der Autor befleissigt sich einer Sprache und Wortwahl, die geradezu einzigartig ist, gleichzeitig salopp und doch auf den Punkt genau. Er eilt hin und her durch die Jahrhunderte, nimmt auf nichts und niemand Rücksicht, radikal und lustvoll zerlegt er das Genre des historischen Romans und setzt die Trümmer zu etwas ganz eigenem zusammen. Phantastisch!
Ich kann das Werk nur nachhaltig empfehlen - es wird Sie blendend unterhalten, Sie werden ein ganz neues Geschichtsbewußtsein entwickeln und zweifellos nach Beendigung der Lektüre nach mehr verlangen. Zum Glück ist mir doch noch etwas ähnliches eingefallen: "World`s End" von T. C. Boyle, ähnlich anarchisch und sprachgewaltig!
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
04.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gefällt mir fast noch besser als...
Gefällt mir fast noch besser als das Floß der Medusa...Zwei wilde Geschichten (jetzt: die indigenen Stämme klagen auf Rückgabe der gesamten USA, damals: die Abenteuer Ferdinand Desotos) in Franzobels mäanderndem Erzählton (der manchen zu "postmodern verspielt" ist; mir nicht.).
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
20.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Historische Fiktion oder doch...
Historische Fiktion oder doch anachronistische Satire? Das neue Werk von Franzobel quillt über vor absurden Anspielungen, Wortwitz und sprachlichen Raffinessen. Ein Lesevergnügen der besonderen Art und unbedingt empfehlenswert.
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
4/5
04.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Franzobels neuestes Werk weist...
Franzobels neuestes Werk weist die typische Handschrift seiner bisherigen Werke auf: Grotesk, Tabus brechend, mitunter durchaus derb.
Zwar kann "Die Eroberung Amerikas" nicht mit "Das Floß der Medusa" mithalten, lesenswert ist auch dieser Roman jedenfalls allemal.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.