Longlist Deutscher Buchpreis • Autor ausgezeichnet mit dem Bayerischen Buchpreis
Nach dem Bestseller »Das Floß der Medusa« begibt sich Franzobel in seinem neuen Roman auf die Spuren eines wilden Eroberers der USA im Jahr 1538.
Ferdinand Desoto hatte Pizarro nach Peru begleitet, dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und mit dem Sklavenhandel ein Vermögen gemacht. Er war bereits berühmt, als er 1538 eine große Expedition nach Florida startete, die eine einzige Spur der Verwüstung durch den Süden Amerikas zog. Knapp 500 Jahre später klagt ein New Yorker Anwalt im Namen aller indigenen Stämme auf Rückgabe der gesamten USA an die Ureinwohner. Franzobels neuer Roman ist ein Feuerwerk des Einfallsreichtums und ein Gleichnis für die von Gier und Egoismus gesteuerte Gesellschaft, die von eitlen und unfähigen Führern in den Untergang gelenkt wird.
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Ein spannender historischer Roman um das Erbe der indigenen Völker Amerikas. Sehr fundiert recherchiert, allerdings etwas zu überladen.
MarcoL aus Füssen am 22.12.2022
Bewertungsnummer: 1847184
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Trutz Finkelstein ist Anwalt. Er möchte den indigenen Völkern der USA ihr geraubtes Territorium, sprich die kompletten Vereinigten Staaten, zurückgeben. Er schafft es, alle Häuptlinge der Stämme zu einer Sammelklage zu bewegen.
Den Hintergrund zu dieser fiktiven Annahme erzählt Franzobel in einem packenden, historischen Roman. Er rekonstruiert den Eroberungsfeldzug von Fernando Desoto in den Jahren 1538 - 1542, auf der Suche nach dem sagenhaften Eldorado durch den Süden der USA. Er hinterlässt eine Spur der Zerstörung, von Florida ausgehend bis nach Texas. Die Indigenen werden, sofern sich nicht kooperierten und sich sofort der heiligen katholischen Kirche und dem spanischen König anschlossen, niedergemetzelt. Natürlich alles unter dem wohlwollenden Schirm von Papst und König. Der Feldzug war eine einzige Schlacht – und auch nicht von Erfolg gekrönt, sondern ein morbides Desaster auf beiden Seiten. Soviel zum groben Inhalt.
Die einzelnen Episoden und Stationen beschreibt der Autor teilweise sehr genau. Für meinen Geschmack verzettelt er sich manchmal in zu beiläufige Geschichten. Mit viel Fantasie wird die Leserschaft eingeladen, sich ein Bild der teilweise unmenschlichen Bedingungen zu machen. Man könnte fast meinen, der Gestank, Schlamm, Dreck, oder das Toben und Schreien springen aus den Zeilen und benebeln einen im wahrsten Sinne des Wortes. Und dennoch versprühen die Zeilen einen gewissen Wortwitz und eine Ironie, ohne der es wahrscheinlich nur halb so erträglich gewesen wäre. Zwischendurch werden von den Protagonist:Innen Football, Pommes, oder andere Dinge der Neuzeit erfunden, nur um immer wieder mit den Worten: „das setzt sich eh nicht durch“ abzutun. Meines Erachtens war das überflüssig.
In Summe ist es ein interessanter historischer Roman, erzählt mit viel Einfallsreichtum, der das ganze Werk auf 540 Seiten aufbauscht – und den Leser:Innen vollste Konzentration abverlangt.
Dennoch gebe ich eine Leseempfehlung für alle, die den Mut und Muse haben, sich auf dieses Reise zu begeben. Es ist kein Buch für Zwischendurch – amüsant, lehrreich, aber auch sehr fordernd.
Ein spannender historischer…
MarcoL aus Füssen am 22.12.2022
Bewertungsnummer: 2790132
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein spannender historischer Roman um das Erbe der indigenen Völker Amerikas. Sehr fundiert recherchiert, allerdings etwas zu überladen. Trutz Finkelstein ist Anwalt. Er möchte den indigenen Völkern der USA ihr geraubtes Territorium, sprich die kompletten Vereinigten Staaten, zurückgeben. Er schafft es, alle Häuptlinge der Stämme zu einer Sammelklage zu bewegen. Den Hintergrund zu dieser fiktiven Annahme erzählt Franzobel in einem packenden, historischen Roman. Er rekonstruiert den Eroberungsfeldzug von Fernando Desoto in den Jahren 1538 - 1542, auf der Suche nach dem sagenhaften Eldorado durch den Süden der USA. Er hinterlässt eine Spur der Zerstörung, von Florida ausgehend bis nach Texas. Die Indigenen werden, sofern sich nicht kooperierten und sich sofort der heiligen katholischen Kirche und dem spanischen König anschlossen, niedergemetzelt. Natürlich alles unter dem wohlwollenden Schirm von Papst und König. Der Feldzug war eine einzige Schlacht – und auch nicht von Erfolg gekrönt, sondern ein morbides Desaster auf beiden Seiten. Soviel zum groben Inhalt. Die einzelnen Episoden und Stationen beschreibt der Autor teilweise sehr genau. Für meinen Geschmack verzettelt er sich manchmal in zu beiläufige Geschichten. Mit viel Fantasie wird die Leserschaft eingeladen, sich ein Bild der teilweise unmenschlichen Bedingungen zu machen. Man könnte fast meinen, der Gestank, Schlamm, Dreck, oder das Toben und Schreien springen aus den Zeilen und benebeln einen im wahrsten Sinne des Wortes. Und dennoch versprühen die Zeilen einen gewissen Wortwitz und eine Ironie, ohne der es wahrscheinlich nur halb so erträglich gewesen wäre. Zwischendurch werden von den Protagonist:Innen Football, Pommes, oder andere Dinge der Neuzeit erfunden, nur um immer wieder mit den Worten: „das setzt sich eh nicht durch“ abzutun. Meines Erachtens war das überflüssig. In Summe ist es ein interessanter historischer Roman, erzählt mit viel Einfallsreichtum, der das ganze Werk auf 540 Seiten aufbauscht – und den Leser:Innen vollste Konzentration abverlangt. Dennoch gebe ich eine Leseempfehlung für alle, die den Mut und Muse haben, sich auf dieses Reise zu begeben. Es ist kein Buch für Zwischendurch – amüsant, lehrreich, aber auch sehr fordernd.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein großartiges historisches Erzählfeuerwerk!
Die Eroberung Amerikas in grandiose Sprachbilder gekleidet. Der spitze Humor hilft dabei die unsagbare Brutalität zu ertragen und ist die Triebfeder, die durch die Gemetzel führt. Unfassbar, aber leider wahr und höchstwahrscheinlich war die Realitär noch viel grausamer...
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"Himmelreich? Die Alligatoren dachten an fette Happen Gringofleisch und ein Festmahl aus Spaniern."
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wann habe ich das letzte Mal ein Buch, das eine einzige Ungeheuerlichkeit darstellt, gelesen? Ad hoc will und will mir keines einfallen, oder doch: Des großen Eckhard Henscheids "Trilogie des laufenden Schwachsinns"! da hat ein Autor der deutschen Tümelei und dem Leben in der Provinz ein außerordentliches literarisches Denkmal gesetzt...
Franzobels umfangreiche Erzählung (530 Seiten) der "Eroberung Amerikas" ist voller schwarzem Humor, grandios geschrieben und vor allem eines, "eine auf`s Maul" der Europäer! Bitte entschuldigen Sie diese rüde Ausdrucksweise, aber die letzten Lese-Stunden haben mich ein wenig geprägt - und treffender kann man es nicht ausdrücken :-)
Im Mittelpunkt des irrwitzigen Romans steht Ferdinand Desoto, der in jungen Jahren Pizarro in Südamerika behilflich war, die indigene Bevölkerung Perus radikal zu dezimieren. Zum Ausgleich befreite man Land und Leute vom sinnlosen Gold, verschaffte ihnen aber einen Platz im Himmel, so sich die, die noch lebten, taufen liessen...
Einschub: Das alles kann man heute noch in einem Augenzeugenbericht nachlesen - Las Casas "Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder" ist im Insel Verlag lieferbar...)
Dieser Desoto erbittet sich von Karl dem Fünften, der obigen Bericht kannte, und seinen Inhalt nicht unbedingt goutierte, das nächste Goldland, den heutigen Staat Florida, für die Krone Spaniens und zur Mehrung des eigenen Ruhms, versteht sich, in Besitz nehmen zu dürfen. Von Kuba aus geht es los, im Jahr des Herrn 1537. Ob es ein Gott gefälliges Unterfangen war, mit 800 Raufbolden, Schlägern, Säufern und anderen Hallodris durch die wenig einladenden Mangrovensümpfe zu waten, um doch, irgendwie, den goldenen Palästen nicht näher zu kommen, davon berichtet Franzobel ausschweifend, gallig und einfach mitreissend!
Das Ganze hat natürlich, neben dieser Haupt-Story, unendlich viel Nebenhandlungen, von denen man einfach nicht genug bekommen kann; Querverweise in die Historie, aber auch in die Subkultur unserer Tage. Mein Herz schlug höher, als tatsächlich selbst die legendären Piraten, bekannt aus "Asterix", ihren Auftritt hatten. Oder die wahrlich ergreifende Geschichte des Nichtnutzes, der selbst nicht genau weiß, wie es ihn eigentlich in Desotos Heerschar verschlagen hat - es könnte allerdings etwas damit zu tun haben, dass er vor Jahren in Spanien einen Elefanten gestohlen hat. Ans Herz wachsen auch jene beiden Anwälte, Turtle Julius aus dem 16. Jahrhundert, und Trutz Finkelstein aus der Neuzeit. Während ersterer verzweifelt versucht, eine Erbschaft zuzustellen, und dabei diverser Körperteile verlustig geht, klagt der andere im Namen der amerikanischen Ureinwohner und ihrer Nachfahren gegen die Vereinigten Staaten auf Rückgabe der unrechtmässig besetzten Ländereien, also die kompletten USA!
Der Autor befleissigt sich einer Sprache und Wortwahl, die geradezu einzigartig ist, gleichzeitig salopp und doch auf den Punkt genau. Er eilt hin und her durch die Jahrhunderte, nimmt auf nichts und niemand Rücksicht, radikal und lustvoll zerlegt er das Genre des historischen Romans und setzt die Trümmer zu etwas ganz eigenem zusammen. Phantastisch!
Ich kann das Werk nur nachhaltig empfehlen - es wird Sie blendend unterhalten, Sie werden ein ganz neues Geschichtsbewußtsein entwickeln und zweifellos nach Beendigung der Lektüre nach mehr verlangen. Zum Glück ist mir doch noch etwas ähnliches eingefallen: "World`s End" von T. C. Boyle, ähnlich anarchisch und sprachgewaltig!
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