Die Ich-Erzählerin, eine Schriftstellerin aus der Wiener Ungargasse, hat ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Nachbarn Ivan. Dieser erwidert zwar ihre Liebe, hat aber oftmals wenig Zeit und kann mit ihren Emotionen nur schwer umgehen. Ist der Geliebte nicht da, unterhält sie sich mit ihrem Mitbewohner Malina, einem ruhigen Militärhistoriker, der immer greifbar ist, wenn sie ihn sucht. Das Hörspiel ergründet das Wesen der Liebe und das Leben einer Frau bis in ihre Extremzonen und erzählt eine ganz und gar ungewöhnliche Dreiecksgeschichte – zumal zwei der Beteiligten in Wahrheit eine Person sind.
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ein Klassiker
Bewertung am 15.09.2024
Bewertungsnummer: 2293011
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Roman soll eine Reaktion auf M. Frisch´s Gantenbein sein. Ich liebe den Stil und die Intensität.
Neben V. Woolf und Christa Wolf meine Lieblingsautorin.
Eine einmalige Erzählung von Beziehung.
"Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie."
C. Welser aus Salzburg am 27.02.2020
Bewertungsnummer: 274419
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Besonders sprachlich ein herausragendes Werk, das in nachvollziehbarer Abfolge den Untergang einer Frau in der Gesellschaft beschreibt. Mitunter auch sehr heftig zu lesen, voller Schwermut und Angst der Hauptfigur, sicherlich kein leicht verdaulicher Text, auch kein leicht zugänglicher, aber Ingeborg Bachmanns Literatur hat viel zu bieten.
Meinung aus der Buchhandlung
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"Nichts ist gewonnen, der Stein des Wortes ist umsonst geworfen: weder Wellen noch ein Strom von Sinn"
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
"Malina" zu lesen bedeutet sich mit der Zwangsläufigkeit einer hermeneutischen Unergründlichkeit abzufinden. Dieser fulminante Roman wehrt sich gegen seine sinnstiftende Aufschlüsselung wie kaum ein anderer deutschsprachige Roman. Es geht darum mit der Sprache gegen die Sprache anzuschreiben und jeglicher Bestimmtheit zu entsagen. Wir, die Lesenden, müssen komplett neue Perspektiven des Lesens konstruieren, die dazu verurteilt sind ungreifbar, geradezu verhangen zu bleiben. „Malina“ zu interpretieren, ihn in adäquate Deutungsmuster einzuteilen ist schwierig, weswegen eine Annäherung an diesen hoch poetischen Roman einzig über seine kunstvolle Verfertigung des Nicht-Verstehens gehen kann. Von der namenlosen Ich-Erzählerin erfahren wir gleich zu Beginn welch Qualen es ihr bereitet die korrekte Zeitangabe zu benennen. Sie kann nicht „Heute“ sagen, weil es ihr vor der eingrenzenden Bestimmtheit graut. Die Verhinderung von Sinn, die utopische Möglichkeit das Sprache enden kann, dass sie angehalten werden kann, nur über diese Maximen können wir uns dem Geschehen dieses Romans nähern. Der westliche Mensch vermag es nicht eine Zügelung der Sprache zu praktizieren, einzig aufgrund eines disproportionalen Verhältnisses zwischen Signifikat und Signifikant. Die Sprache wird verdünnt, sie wird schwatzhaft, einfach aus dem Grund, dass jeglicher Inhalt, mittels Signifikanten unaufhörlich vertieft wird. Bachmanns Ich-Erzählerin erklärt uns nichts, sie zeigt uns stattdessen alles, genauso wie die Handlung lediglich im Ungesagten der Liebenden besteht. Bachmann präsentiert uns ihre virtuose Beschreibungskunst gerade dadurch, dass sie den immerzu im Schwebezustand wartenden Sinn, der auf seine Beschreibung harrt, nicht beschreibt. Sie bricht die Signifikationsketten auf eine Weise ab, dass Beschreibungen immerzu über die Ränder gleiten, wo sie verschlüsselte Geheimnisse andeuten. Der erste Teil des Romans „Glücklich mit Ivan“ beschreibt die Dialektik einer Beziehung nicht, wie so oft, über die Weiterentwicklung und Widersprüchlichkeit von Gefühlen, sondern wählt einen gewissermaßen linguistischen, metasprachlichen Zugang. Überall wartet die Sprache, in sie müssen die Dinge eingehen und wer aufmerksam dem Gedeihen einer Beziehung beiwohnt, versteht die Ich-Erzählerin wenn sie sagt: „Immerhin haben wir uns ein paar erste Gruppen von Sätzen erobert, törichten Satzanfängen, Halbsätzen, Satzenden, von der Gloriole gegenseitiger Nachsicht umgeben, und die meisten Sätze sind bisher unter den Telefonsätzen zu finden.“ Wir bekommen keinen Roman im herkömmlichen Sinne, keine lineare Handlung, nicht einmal die Grammatik verbleibt uns als verlässlicher Wegbegleiter. Alexander Carmele hat in seiner Besprechung des Romans eine Parallele zu Ludwig Wittgensteins „Tractatus“ gezogen und auf dessen berühmten Satz rekurriert, demzufolge die verwendeten Sätze wie eine Leiter fungieren, über die gegangen werden muss, um sie anschließend wegzuwerfen. Bachmanns Ich-Erzählerin, ihr Alter-Ego gibt uns die Möglichkeit, über die Kunst der Chiffre im Satzinnenraum, so etwas wie Katharsis zu finden. Den Sinn in der Schwebe zu lassen, zu verstehen lernen, dass der sprachliche Kreisel angehalten werden kann, dass es nicht um mythische Stille, sondern um Sprachzügelung geht, dies kann uns der Roman lehren. „Malina“ zeigt uns kein zerstörtes Ich, noch weniger sollte er als ein pathologisches Dokument einer in die Brüche gegangener Beziehung gelesen werden. Im Vordergrund bleibt das wohlwollende Verhältnis zur Sprache, zur poetischen Transzendierung. Das Individuum wird nicht eingeschlossen von der Sprache, sondern verbleibt in einem gleichsam musikalischem Verhältnis zu ihr. Dichtung soll jene Wunde verschließen, die die Erfahrung fabriziert hat.
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„Wenn Ivan und ich schweigen, weil nichts zu sagen ist, also wenn wir nicht reden, dann senkt sich aber kein Schweigen herab, sondern ich merke, im Gegenteil, dass vieles uns umgibt, dass alles lebt um uns herum, es macht sich bemerkbar, ohne aufdringlich zu sein, die ganze Stadt atmet und zirkuliert, und so sind Ivan und ich nicht besorgt, weil nicht abgetrennt und monadenhaft eingesperrt, nicht kontaktlos und in nichts Schmerzliches abgetan. Auch wir sind ein akzeptabler Teil der Welt, zwei Leute, die müßig oder eilig auf dem Trottoir gehen, ihre Füße auf einen Zebrastreifen setzen, und wenn wir auch nichts sagen, uns nicht direkt miteinander verständigen, wird Ivan mich doch rechtzeitig am Ärmel halten und festhalten, damit ich unter kein Auto oder keine Straßenbahn komme. Ich haste immer ein wenig hinter ihm drein, weil er so viel größer ist und nur einen Schritt machen muss, wo ich zwei Schritte machen muss, aber ich will versuchen, wegen des Zusammenhangs mit der Welt, nicht zu weit zurückzubleiben, mit ihm zu gehen (…)“
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