Heinrich Mann: Professor Unrat oder Das Ende eines TyrannenLesefreundlicher Großdruck in 16-pt-Schrift1904 schreibt Heinrich Mann in nur wenigen Monaten die Geschichte des alternden Lehrers Raat, der das Fräulein Rosa Fröhlich kennenlernt und damit in sein Verderben stürzt. »Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen« ist ein Buch von Weltruhm. Der allerdings stellt sich erst ein Vierteljahrhundert später ein, als 1930 die legendäre Verfilmung des Stoffes mit Marlene Dietrich unter dem Titel »Der blaue Engel« in die Kinos kommt.Großformat, 210 x 297 mmBerliner Ausgabe, 2023Durchgesehener Neusatz bearbeitet und eingerichtet von Theodor BorkenErstdruck: München, Albert Langen, 1905.Der Text dieser Ausgabe wurde behutsam an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst.Gesetzt aus der Minion Pro, 16 pt.Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbHÜber den Autor:1871 als erstes Kind des Lübecker Kaufmanns und späteren Senators Thomas Johann Heinrich Mann und dessen brasilianisch-deutscher Ehefrau Julia da Silva-Bruhns in den hanseatischen Wohlstand der Gründerjahre hineingeboren, verlässt Luiz Heinrich Mann das Gymnasium bereits in der Unterprima und absolviert nach einer rasch wieder abgebrochenen Buchhändlerlehre in Dresden ein Volontariat bei S. Fischer in Berlin. Bis zum Kriegsausbruch unternimmt er - in München lebend - ausgedehnte Reisen nach Italien, oft in Begleitung seines jüngeren Bruders Thomas, mit dem er sich 1914 über dessen deutschnationale Anschauung überwirft. Er emigriert mit seiner zweiten Ehefrau Nelly Kröger 1933 nach Frankreich, nachdem die Nazis ihn zunächst aus der Akademie der Künste ausschließen und ihm schließlich die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen. In Paris wird er Vorsitzender des Vorbereitenden Ausschusses der deutschen Volksfront (Lutetia Kreis) und die SPD wählt ihn zu ihrem Ehrenpräsidenten. 1940 fliehen Nelly und er in die USA. Land und Leute seines Zufluchtslandes bleiben ihm fremd, noch vor Kriegsende begeht die schwer alkoholkranke Nelly Selbstmord - wie zuvor beide Schwestern Heinrich Manns (Clara 1910 und Julia 1927). 1949 wird er zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ostberlin gewählt. Am 11. März 1950 stirbt Heinrich Mann in Santa Monica, Kalifornien, unweit des Wohnsitzes seines Bruders Thomas in Pacific Palisades, bevor er die geplante Rückkehr nach Deutschland antreten kann. Seine Urne wird 1961 in die DDR überführt und auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.
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Die Geschichte eines außergewöhnlichen Niedergangs eines konservativen, pedantischen und schon fast mitleiderrengenden Mannes, die auch heute noch sehr gut unterhält und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.
Bewertung
5/5
21.09.2011
Buch (Taschenbuch)
Professor Unrat
Professor Raat fühlt sich der Tugendhaftigkeit derart verpflichtet, dass er seine Schüler regelrecht tyrannisiert. Legendär ist sein strenger Ruf, hat er doch schon Generationen von Schülern zurechtgestutzt.
Doch den Schöpfer des Spitznamens Professor Unrat, kann er nicht ausmachen obwohl er bereits den einen oder anderen Verdacht hegt! Fast schon militant auf seinen guten Ruf achtend, macht er jedem Verdächtigen das Leben zur Hölle. Bald schon hat er den frechen Lohnmann im Visier, der ihm ein ganz spezieller Dorn im Auge ist. Scheint er doch gegen Raats Schikanen und Strafen vollkommen immun zu sein!
Als ihm die Schwärmerei seines Schützlings für die Künstlerin Rosa Fröhlich zu Ohren kommt, ist es für ihn eine Ehrensache, dies zu unterbinden.
Zu diesem und nur zu diesem Zwecke begibt sich Raat in das fragwürdige Etablissement, wo Rosa Abend für Abend Erfolge als Sängerin feiert. Anfangs nur, um dem Burschen vor Augen zu halten, in welch fragwürdige Umgebung er sich da begibt? Wohl auch getrieben von ein wenig Rachedurst und der Vorfreude, diesen Jungen endlich zu ertappen
Doch dann trifft er selbst auf Rosa (Lola in Der blaue Engel) und langsam aber stetig verändert sich seine Haltung und letztendlich auch sein Ruf!
Mandurah
aus Wunstorf
4/5
26.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Vom Spießbürger zum Anarchisten
Hauptperson des 1904 entstandenen Romans von Heinrich Mann ist Professor Raat, der seit über 25 Jahren am Gymnasium einer deutschen Kleinstadt unterrichtet.
Raat nimmt seinen Lehrauftrag sehr ernst, vergisst aber dabei völlig, dass er junge menschliche Wesen mit all ihren Stärken und Schwächen vor sich sitzen hat, die es zu erziehen gilt. Für ihn sind alle Schüler eine potentielle Gefahr.
Durch sein schmieriges Äußeres, seine mit Füllworten gespickte Ausdrucksweise mit der er sich anzubiedern versucht, stattdessen aber nur Spott erntet (Spitzname Unrat), wird er immer wieder zur Zielscheibe des Spotts von Schülern, Kollegen und Bürgern der Stadt, die zum Teil ebenfalls in seiner Klasse waren.
Sobald Professor Raat sich in seiner Autorität bedroht fühlt, rastet er aus, er stellt den Schülern unlösbare Aufgaben, droht ihnen, dass er wie vielen anderen vor ihnen die Zukunft verbauen werde, sperrt sie trotz ihres jugendlichen Alters wie kleine Kinder in die Garderobe und freut sich diebisch, wenn er einen Schüler fassen kann, weil er ihn bei seinem Spitznamen verspottet hat.
Daheim wartet statt einer Ehefrau eine herrische Haushälterin und stundenlange Arbeit mit verstaubten Literaturklassikern für die Schule auf ihn. Raat scheint nur seine Arbeit zu kennen.
Respekt vor der Obrigkeit und eine strenge Moralvorstellung beherrschen sein Leben bis zu dem Tag, als er in einer Stunde gleich mit dreien seiner Schüler von Ertzum, Kieselack und Lohmann aneinandergerät. Er findet heraus, dass sich seine Schützlinge abends bei Rosa Fröhlich, einer Barfußtänzerin herumtreiben. Empört macht sich Raat auf die Suche, gerät dabei mit dem wirklichen Leben außerhalb seiner Schule, also seines Machtbereichs aneinander.
Es zeigt sich dabei, dass Raat völlig weltfremd ist und dem Leben selbst nicht gewachsen ist, er verhält sich absolut unmöglich und macht sich ständig lächerlich. Will er zunächst verhindern, dass seine Schüler weiterhin bei Rosa verkehren und sie mit Androhung der Polizei der Stadt verweisen, gerät er zunehmend in den Bann des lockeren Lebens. Raat verfällt von einem Extrem ins andere.
Es kommt soweit, dass er die nun für ihn zur Künstlerin aufgestiegene Rosa heiratet und mit ihr in der Villa vor dem Tor eine Lasterhöhle entstehen lässt. Waren hier zunächst zur Finanzierung des aufwendigen Lebensstils der Künstlerin zunächst von Griechischstunden die Rede, kommt es bald zu frivolen Spielen und der Veranstaltung von Glücksspielen und Trinkgelagen.
Angezogen von der verruchten Atmosphäre, aus Neugier wie es dem stadtbekannten Unikum ergangen ist (Raat verliert sogar seine Stelle als Lehrer wegen seines ungebührlichen Verhaltens), Abenteuerlust und Spielsucht treffen sich alsbald Leute aus den unterschiedlichsten Schichten bei Raat und seiner Frau.
Raat lockt mit seinen kostspieligen Veranstaltungen und durch die stets zu einer Affäre bereiten Rosa ein Opfer nach dem anderen ins Verderben, selbst hochangesehene Bürger der Stadt verfallen der Anziehungskraft der Villa vor dem Tor und verlieren bei den Glücksspielen und sonstigen Eskapaden nicht nur viel Geld, sondern auch ihr Gesicht und ihren Einfluß.
Schließlich verliert Raat jedoch jegliche Kontrolle und wird wegen einer eigentlichen Lappalie von der Polizei gemeinsam mit Rosa festgenommen und unter dem Gejohle der versammelten Bürger abgeführt.
Igelmanu66
aus Mülheim
3/5
16.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Tragisch
»Liebes Fräulein, falls Sie der Blumensträuße und des Sektes nicht entraten mögen, sollen Sie sie von mir bekommen. Es ist nicht zulässig, dass Sie dieser Dinge durch Schüler teilhaftig werden.«
Sein ganzes Leben hat Professor Rath als guter Bürger seine Pflicht getan, alles musste stets seine Ordnung haben. Als höchst gestrenger Lehrer war er gefürchtet und wenn jemand ihn „Unrat“ nannte, verstand er keinen Spaß. Im Gegenteil fühlte er sich schwer gekränkt und konnte sich nicht vorstellen, dass weniger als eine schwere Beleidigungsabsicht damit verbunden sein könnte.
Als er eines Tages ein anrüchiges Lokal betritt, um eine dort auftretende, noch anrüchigere Sängerin aufzufordern, schleunigst die Stadt zu verlassen, läuft dies aber anders als geplant. Er verfällt der Künstlerin namens Rosa Fröhlich und ruiniert dadurch in der Folge sein gesamtes Leben.
Eine tragische Geschichte, die man sich gut und zu allen Zeiten vorstellen kann. Ein verschrobener, verbiesterter Spätfünfziger, der in seinem ganzen Leben nie so etwas wie Spaß kennengelernt hat, verfällt den Verführungskünsten einer jungen Frau. Natürlich will er sich das zunächst nicht eingestehen, vielmehr redet er sich lange ein, sich täglich um Rosa zu kümmern, damit seine Schüler nicht zu ihr können und so vor dem schädlichen Einfluss geschützt sind. Er, der zwar nicht beliebt, aber doch zumindest geachtet war, verliert nach und nach alles, was er sich im Leben an Ansehen erarbeitet hat und stürzt letztlich, blind für die wahre Erkenntnis der Zusammenhänge, in einen regelrechten Abgrund.
Auch wenn all das sehr realistisch wirkt, war es für mich nicht schön zu lesen. Da hätte mir ein unrealistisches Happy End besser gefallen. Zudem sorgte die alte Sprache (das Buch erschien erstmals 1905) dafür, dass mir der Zugang noch schwerer fiel.
Fazit: Gut vorstellbare Handlung, aber darüber hinaus schlicht tragisch.
J.G.
aus Berlin
3/5
26.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Der blaue Engel
Professor Raat ist Gymnasiallehrer lebt einzig und allein für seinen Lehrberuf und wird von seinen Schülern Unrat genannt, was er jedoch nie beweisen kann. Allen die ihn so rufen, versucht er das Leben folglich so schwer wie möglich zu machen zumindest die schulische Laufbahn.
Auf drei Schüler hat er es besonders abgesehen: auf den adligen von Ertzum, auf den frechen Kieselack und den klugen Lohmann. Lohmann schreibt in seinem Aufsatzheft von der barfüßigen Künstlerin Fröhlich. Unrat macht diese Künstlerin ausfindig und möchte sie eigentlich dazu bringen die Stadt zu verlassen. Doch dann ändert er seinen Plan: Er weicht nicht mehr von der Seite der Künstlerin, damit sie den Kontakt zu den drei Herren vermeidet.
Es kommt soweit, dass die Rosa und Unrat heiraten und er seinen Lehrerberuf aufgeben muss. Somit wird er zum Gespött der Stadt. Doch vor dem Hintergrund des Rotlichtmilieus entwickelt der Tyrann die Idee seine spießigen Mitmenschen aus Rache zum Laster zu bringen.
Das Buch ist wirklich sehr gut geschrieben. Aufmerksamkeit sollte man aber schon mitbringen, da der Satzbau eher ungewöhnlich ist. Besonders faszinierend ist die Schilderung der Charaktere von Unrat und Lohmann. Wird am Anfang Unrat als eher lächerlich und verächtlich dargestellt, so bekommt der Leser nach und nach Mitleid mit Unrat
Ein wirklich lesenswerter Klassiker, wenn auch an einigen Stellen etwas langatmig...
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5/5
25.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Klassiker zum 150.Geburtstag....
Ein Klassiker zum 150.Geburtstag. Es erzählt den tiefen Fall des dogmatischen Professor Raat.
Die tragische Entwicklung vom Spießbürger zum haltlosen Verschwender, welcher seiner
Rachsucht zum Opfer fällt.Der Roman führt weiter als die bekannte Verfilmung
"Der blaue Engel".
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