"Der sehnsüchtig erwartete Erzählband 'Daddy' ist ein würdiger Nachfolger von Emma Clines Debüt 'The Girls'." Esquire
In ihrem Haus in Südkalifornien erwarten Linda und John sehnsüchtig die Ankunft ihrer Kinder. Es könnte ein idyllisches Familienfest werden - wären da nicht die Gespenster von Zorn und Traurigkeit. Emma Cline erzählt von Männern, die gefangen sind in mühsam errichteten Selbstbildern, von Frauen auf der Suche nach dem Reiz der Grenzüberschreitung, von Familienvätern, die die Vergangenheit einzuholen droht. "Daddy" ist ein funkelndes Psychogramm unserer Gegenwart: Erzählungen über die andauernden Widersprüche unserer Beziehungen, den Kampf gegen den männlichen Blick, das Ausloten von Weiblichkeit. Nach ihrem fulminanten Debüt "The Girls" beweist Emma Cline erneut die ganze Bandbreite ihres Könnens.
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Emma Cline schreibt Geschichten...
Bewertung am 30.04.2022
Bewertungsnummer: 1704251
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Emma Cline schreibt Geschichten mitten aus dem Leben. Sie sind manchmal belanglos und erschreckend normal, manchmal erschütternd und angsteinflößend. Sie alle haben etwas gemeinsam: Es könnte unser Leben sein, unsere Langeweile, unserer Schmerz und unsere Angst.
Vater werden ist nicht schwer, Vater sein ...?
Samantha Faye aus Freihung am 28.08.2021
Bewertungsnummer: 1557451
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Emma Cline hatte ihren großen Durchbruch mit "The Girls". In diesem Buch schildert sie literarisch geschliffen wieso soviele Mädchen und junge Frauen für Charles Manson fallen konnten. Ich hatte es gelesen und liebe es.
In diesem Hardcover sind zehn Short Stories enthalten, die zuvor in diversen erstklassigen Tabloids erschienen waren. Nun sind sie hier gebündelt. Der Titel paßt! Alle zehn haben einen roten Faden, der Väter oder väterliche Figuren involvieren, entweder als treibender Charakter oder als wichtige Nebenfigur.
Was macht man mit einem General / Los Angeles / Menlo Park / Sohn von Friedman / Das Kindermädchen / Arcadia / Northeast Regional / Marion / Mackie Messer und A/S/L sind die Titel in chronologischer Reihenfolge.
Linda und John erwarten einen Teil ihrer fünf Kinder zum Weihnachtsfest. Diese trudeln auch ein. Allerdings drängt sich Dunkelheit aus der Vergangenheit zwischen sie. Immerzu scheint der Anhauch früherer Verletzungen aufzuscheinen.
Verkäuferin Alice kommt auf eine ungewöhnliche Idee, nebenher Geld leicht und schnell zu verdienen, bis ein "Daddy" ihr Ärger zu machen droht.
Ein väterlicher Unternehmer braucht Ben, um sein Buch zu lektorieren und jener ist Gast in seiner Residenz. Bis Ben ein Irrtum unterläuft und er eine fur ihn selbst fatale Entscheidung trifft.
Ein älterer Mann, George, war mal jemand Bedeutendes in der Unterhaltungsindustrie. Sein erwachsener Sohn Benji und er sind entfremdet. Nun soll er der Premiere des Independentfilms seines Sohnes beiwohnen.
Kayla war Kindermädchen, bis sie eine Affäre mit dem Vater des zu betreuenden Kindes, einem Schauspieler, Rafe begann. Ist sie etwa nun die Aussätzige?
Peter und Heddy werden demnächst Eltern. Sie wohnen auf der Farm von Heddys Bruder, Otto. Peter arbeitet mit. Aber Otto hat einen unberechenbaren Charakter.
Richard ist ebenfalls von seinem Sohn, Rowan, entfremdet. Er ist Collegestudent und hat offenbar etwas Schlimmes angestellt. So ist Richard genötigt, an dessen College zu reisen. Zwischen den beiden bricht mehr auf, als es auf den ersten Blick scheint.
Die elfjährige Icherzählerin lebt temporär bei der 13jährigen Marion und deren Eltern auf einer alternativen Farm. Es gibt dort noch andere Aussteiger. Marion bringt mit ihrem sexualisierten Verhalten und Manipulationen die andere bald in des Teufels Küche.
Jonathan ist ebenfalls Vater und geschieden. Er ist knapp über fünfzig und hat eine 32jährige Freundin, Julia. Er changiert zwischen Schwer- und Übermut. Offenbar trauert er seiner Teenagerzeit hinterher.
Thora ist in einer Rehaklinik für Sexsüchtige und bringt einen trügerisch väterlich anmutenden Mann, der ihr persönlich nichts getan hat, mit Lügen in große Schwierigkeiten.
Emma Cline hat hier feingezeichnete psychologische Studien in literarischer Form verfaßt. Über mangelnde Kommunikation, Mißverständnisse, Egoismus und Egozentrik, Frigidität der Emotionen, Manipulierbarkeit und Manipulatoren, nie ausgeheilte psychische Wunden, Fragilität, über die scheinbare Vergeblichkeit allen Mühens an sich. Das sind die Attribute dieser ihrer versierten Kurzgeschichten.
Sie sind sehr gut und fluide zu lesen, aber erschließen sich vollends, wenn man sie reflektiert. So nebenbei lesen läßt sich das Buch nicht und es ist keine leichte, entspannende Lektüre, sondern zeitweise verstörend und stimmt sogar traurig. Auch voller Melancholie über vertane Chancen, Zeit, die vergangen ist und nie mehr wiederkommt. Zerbrochenes in zwischenmenschlichen Beziehungen, das für immer zersplittert bleibt.
Anspruchsvolle Lektüre, aber nicht kompliziert und auch nicht abgehoben.
Es gibt jedoch einen Kritikpunkt am Übersetzer Nikolaus Stingl. Er übersetzt Hochliteratur, aber in vier Geschichten sind ihm grobe Fehler unterlaufen. Aus Sasha wird auf einmal Sarah, aus Tom wird nur noch Tony, aus Mara wird einmal Maja und dann Martha und aus Hartwell Hartmann.
Flüchtigkeitsfehler bei der Orthographie und Grammatik lasse ich mir noch eingehen, wenn diese sich sehr gering halten. Derartig viele Fehler bei den Namen, nein! Vor allem, weil das Buch nicht gerade billig ist. So etwas sollte nicht sein. Nicht so gehäuft.
Danke, Hanser Verlag und Emma Cline!!!!!
Meinung aus der Buchhandlung
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Durch die grandiosen Erzählungen von Zach Williams („Es werden schöne Tage kommen“) wurde mein Interesse an dieser kurzen Prosagattung entfacht. Hängen geblieben bin ich bei dem Buch „Daddy“ von Emma Cline. Es handelt sich ebenfalls um moderne, amerikanische Short Stories, tatsächlich ähnlich wie jene von Zach Williams, die gerade zurecht überall gefeiert werden. Diese hier sind jedoch nicht so albtraumhaft und schräg, dafür „realistischer“.
Ein paar Beispiele:
In „Los Angeles“ verkauft die Protagonistin, die sich eher schüchtern und prüde gibt, ihre getragene Unterwäsche, um sich das Schauspielstudium zu finanzieren.
In „Der Sohn von Friedman“ ist der Protagonist ein erfolgloser Schauspieler, der seinem Sohn selbst die bisschen erbärmliche Publicity, die dieser für seinen ersten Film bekommt, nicht gönnt.
In den beiden Erzählungen „Das Kindermädchen“ und „Marion“ versuchen junge Frauen deutlich ältere Schauspieler zu verführen.
Gemeinsam haben die Stories, dass sie vorwiegend in der Welt oder der Peripherie Hollywoods und der Reichen spielen und dass die Protagonist:innen durch Skrupellosigkeit Zugang zu dieser Welt suchen, in der es aber ebenfalls bloß Erbärmlichkeit gibt. Sympathie und Wärme existieren hier nicht. Außerdem nehmen alle ständig irgendwas.
In diesen Dingen ähneln sich die Stories tatsächlich ziemlich, ich fand es aber spannend, sozusagen immer neue Variationen und Spielarten dieser Themen zu lesen.
Die Sprache wirkt dabei modern, jung und hip, aber im positiven Sinne, irgendwie sehr zeitgemäß, sie versprüht Coolness, ähnelt sich allerdings in allen Stories sehr.
Die Erzählungen erinnern an Emma Clines letzten Roman „Die Einladung“. Den fand ich sehr gut, deshalb haben mir auch diese Stories zugesagt, allerdings waren sie mir manchmal fast schon zu glatt, zu geschliffen, zu plastikartig, zu perfekt. Und etwas zu gleichförmig.
Wer wie ich aber durch Zach Williams in Bezug auf Short Stories gehyped wurde, kann bei Cline weiterlesen (oder umgekehrt).
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Leider eine sehr durchwachsene Leseerfahrung. Es ist nicht ungewöhnlich, dass einem bei mehreren Kurzgeschichten einige missfallen, aber ich bin mit einem Großteil der Essays und Charaktere nicht warm geworden.
Die Autorin zeigt sehr düstere Fassetten der Männlichkeit auf, ist für meinen Geschmack aber zu pessimistisch. Die Geschichten deprimieren und enden alle sehr offen. Eine wirkliche Spannungskurve baut sich nicht auf. Als Leser bleibt man so mit einem Gefühl von Leere zurück.
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