»Ein exzellentes Buch. Dieser Beigbeder ist ein Diamant.« Paris Match Octave Parango ist Frankreichs meistgehörter Radiokolumnist. Jeden Donnerstagmorgen kommentiert er die Lage der Nation - blitzgescheit und amüsant, überdreht und bissig. Doch in Wahrheit ist Octave das Lachen vergangen: Die Neonwesten stecken die Republik in Brand, und selbst die besten Drogen täuschen ihn nicht mehr darüber hinweg, dass seine Tage als Don Juan gezählt sind. Octave Parango setzt an zu seinem letzten Schlag. Dies ist das Buch einer Selbstvernichtung. In ihm verwandelt sich Octave Parango in einen Don Quichotte - und ruft das Ende seiner Zeit lieber gleich selbst aus. Eine hinreißende Satire auf die Diktatur des Lachens, der Frédéric Beigbeder mit einer unerhörten Aufrichtigkeit begegnet. »Brutal und irre lustig, mal geistreich, mal verzweifelt.« Le Figaro Magazine
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4.8/5.0
Bewertung
aus Mainz
5/5
17.07.2021
eBook (ePUB 3)
Octave Parango gehört zu den…
Octave Parango gehört zu den ganz Großen seines Faches, als Kolumnist fasst er jeden Donnerstagmorgen im Radio scharfzüngig bis zynisch die Lage der Nation zusammen. Pünktlich um 8 Uhr 55 wird der größte nationale Radiosender seit zwei Jahrzehnten von ihm zum zentralen Ort der Abrechnung. Doch nach Jahren des ausgelassenen Feierns und engen Austauschs zwischen Kultur und Politik ist ihm nun das Lachen vergangen. Was in den 90ern mal komisch war, bleibt ihm jetzt im Hals stecken. Er hat noch eine Nacht, um sein Programm für den folgenden Morgen vorzubereiten. Sinnierend flaniert er durch Paris auf der Suche nach Inspiration, aber er hat sich schon so entfremdet, dass er kaum mehr Bezug zu seiner Umwelt finden kann. „Dieses Buch ist der Bericht einer Selbstversenkung, aber nicht nur meiner eigenen, es handelt sich eher um ein Kollektivopfer.“ Beigbeder greift in seinem aktuellen Roman den Protagonisten Octave Parango auf, der bereits zentrale Figur in „99F“/“Neununddreißigneunzig“ und „Au secours pardon“ war. Stand in ersterem die Abrechnung mit der Werbebranche und dem maßlosen Konsum im Vordergrund, war es in zweitem die Welt der Mode mit ihren ausschweifenden, drogengetränkten Partys. An beides erinnert sich Parango bei seinem Streifzug, doch die Stadt ist nicht mehr die, die er einmal kannte. Es ist eine Satire, die sich zwischen urkomisch und tiefverzweifelt bewegt und so die Gegenwart ungeschönt einfängt. „In einer Vergnügungsdemokratie hat der Staatspräsident nicht so viel Gewicht wie der Narr, denn er muss die tägliche Karikatur ertragen, während der Narr nicht anfechtbar ist – und damit ein Tyrann.“ Wie auch die vorhergehenden Romane der Trilogie ist „Der Mann, der vor Lachen weinte“ autobiografisch geprägt, Beigbeder verlor seine morgendliche Kolumne bei France Inter, nachdem er den Bogen überspannt und sich der „Vergnügungsdemokratie“ entsagt hatte. Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo genießen die Karikaturisten Narrenfreiheit; waren sie vorher diejenigen, die Staat und Gesellschaft den hässlichen Spiegel vorgehalten haben, sind sie nun unantastbar. „Jedes Jahr gedenkt man am 14. Juli, Frankreichs Nationalfeiertag, einer von der Polizei verbotenen Demonstration. Deshalb gelten Aufstände in Frankreich als heilig. Das Recht auf Wut ist hierzulande unantastbar. Die Revolution ist unsere DNA, unsere Republik ist aus einem gewalttätigen Chaos hervorgegangen, (...)“ Doch sie, ebenso wie die politische Elite, die schon immer aus den Grandes Écoles hervorgegangen ist, deren Zugang mehr mit Beziehungen denn mit Qualifikation zu tun hat, haben den Bezug zum Volk verloren. Täglich erlebt er Demonstrationen der Gelbwesten (in der Übersetzung etwas irritieren „Neonwesten“ genannt), die in zerstörerischen Ausschreitungen enden und doch mit ihrer Message nicht ankommen. Der Komiker hat nichts erreicht, die Satire hat nicht zum Nachdenken angeregt, hat keine Veränderung provoziert. Mehr als oberflächliche Lustigkeit ist nicht geblieben. Und so greift die abgehängt Klasse notgedrungen zu jenem Mittel, das auch schon Jahrhunderte zuvor gewirkt hat und erobert sich mit den Champs-Élysées jene Straße zurück, die sich die reiche Oberschicht als ihr Quartier eingerichtet hatte. Beigbeders Roman ist inhaltlich eher ein Essay zur Lage der Nation, eine Abrechnung mit der politischen wie kulturellen Elite, zu der er selbst jedoch auch gehört. Eindrücklich und zugleich sehr unterhaltsam warnt er vor den Folgen der Entfremdung, man hat schon einmal gesehen, wo diese hinführt. Das kollektive Augenverschließen – nicht nur vor der Not weiter Teile der Bevölkerung, sondern in Frankreich zudem noch vor den inzwischen publik gewordenen Pädophilie-Skandalen – kann und darf nicht mehr toleriert werden. Sicher nur begrenzt auf Deutschland übertragbar da sehr spezifisch auf die französische Situation bezogen, dennoch sehr lesenswert, denn Beigbeder gelingt die Mischung zwischen Unterhaltung und Sozialkritik überzeugend.
Miss.mesmerized
5/5
17.07.2021
eBook (ePUB 3)
Frédéric Beigbeder - Der Mann, der vor Lachen weinte
Octave Parango gehört zu den ganz Großen seines Faches, als Kolumnist fasst er jeden Donnerstagmorgen im Radio scharfzüngig bis zynisch die Lage der Nation zusammen. Pünktlich um 8 Uhr 55 wird der größte nationale Radiosender seit zwei Jahrzehnten von ihm zum zentralen Ort der Abrechnung. Doch nach Jahren des ausgelassenen Feierns und engen Austauschs zwischen Kultur und Politik ist ihm nun das Lachen vergangen. Was in den 90ern mal komisch war, bleibt ihm jetzt im Hals stecken. Er hat noch eine Nacht, um sein Programm für den folgenden Morgen vorzubereiten. Sinnierend flaniert er durch Paris auf der Suche nach Inspiration, aber er hat sich schon so entfremdet, dass er kaum mehr Bezug zu seiner Umwelt finden kann.
„Dieses Buch ist der Bericht einer Selbstversenkung, aber nicht nur meiner eigenen, es handelt sich eher um ein Kollektivopfer.“
Beigbeder greift in seinem aktuellen Roman den Protagonisten Octave Parango auf, der bereits zentrale Figur in „99F“/“Neununddreißigneunzig“ und „Au secours pardon“ war. Stand in ersterem die Abrechnung mit der Werbebranche und dem maßlosen Konsum im Vordergrund, war es in zweitem die Welt der Mode mit ihren ausschweifenden, drogengetränkten Partys. An beides erinnert sich Parango bei seinem Streifzug, doch die Stadt ist nicht mehr die, die er einmal kannte. Es ist eine Satire, die sich zwischen urkomisch und tiefverzweifelt bewegt und so die Gegenwart ungeschönt einfängt.
„In einer Vergnügungsdemokratie hat der Staatspräsident nicht so viel Gewicht wie der Narr, denn er muss die tägliche Karikatur ertragen, während der Narr nicht anfechtbar ist – und damit ein Tyrann.“
Wie auch die vorhergehenden Romane der Trilogie ist „Der Mann, der vor Lachen weinte“ autobiografisch geprägt, Beigbeder verlor seine morgendliche Kolumne bei France Inter, nachdem er den Bogen überspannt und sich der „Vergnügungsdemokratie“ entsagt hatte. Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo genießen die Karikaturisten Narrenfreiheit; waren sie vorher diejenigen, die Staat und Gesellschaft den hässlichen Spiegel vorgehalten haben, sind sie nun unantastbar.
„Jedes Jahr gedenkt man am 14. Juli, Frankreichs Nationalfeiertag, einer von der Polizei verbotenen Demonstration. Deshalb gelten Aufstände in Frankreich als heilig. Das Recht auf Wut ist hierzulande unantastbar. Die Revolution ist unsere DNA, unsere Republik ist aus einem gewalttätigen Chaos hervorgegangen, (...)“
Doch sie, ebenso wie die politische Elite, die schon immer aus den Grandes Écoles hervorgegangen ist, deren Zugang mehr mit Beziehungen denn mit Qualifikation zu tun hat, haben den Bezug zum Volk verloren. Täglich erlebt er Demonstrationen der Gelbwesten (in der Übersetzung etwas irritieren „Neonwesten“ genannt), die in zerstörerischen Ausschreitungen enden und doch mit ihrer Message nicht ankommen.
Der Komiker hat nichts erreicht, die Satire hat nicht zum Nachdenken angeregt, hat keine Veränderung provoziert. Mehr als oberflächliche Lustigkeit ist nicht geblieben. Und so greift die abgehängt Klasse notgedrungen zu jenem Mittel, das auch schon Jahrhunderte zuvor gewirkt hat und erobert sich mit den Champs-Élysées jene Straße zurück, die sich die reiche Oberschicht als ihr Quartier eingerichtet hatte.
Beigbeders Roman ist inhaltlich eher ein Essay zur Lage der Nation, eine Abrechnung mit der politischen wie kulturellen Elite, zu der er selbst jedoch auch gehört. Eindrücklich und zugleich sehr unterhaltsam warnt er vor den Folgen der Entfremdung, man hat schon einmal gesehen, wo diese hinführt. Das kollektive Augenverschließen – nicht nur vor der Not weiter Teile der Bevölkerung, sondern in Frankreich zudem noch vor den inzwischen publik gewordenen Pädophilie-Skandalen – kann und darf nicht mehr toleriert werden.
Sicher nur begrenzt auf Deutschland übertragbar da sehr spezifisch auf die französische Situation bezogen, dennoch sehr lesenswert, denn Beigbeder gelingt die Mischung zwischen Unterhaltung und Sozialkritik überzeugend.
Bewertung
5/5
11.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mein neuer Buchtipp für Sie!
Er lebt noch, der Held aus Beigbeders Debütroman „Neununddreißigneunzig“ ( im französischen Original „99 Franc“ ) mit dem er 2001 internationales Aufsehen erregte.„Ich heiße Octave Parango, und in zwanzig Jahren bin ich vierundsiebzig“.Nach seiner Karriere als Werber in einer hippen und kokaingeladenen Agentur arbeitet Octave nun als Radiokolumnist.Neben des gefühlten Untergangs der Grande Nation, die von Gelbwesten in Brand gesteckt wird, ist es vor allem sein eigener Untergang, der Octave beschäftigt. Seine Tage als Don Juan sind gezählt, Zeit daraus Quichotte werden zu lassen.Beigbeder lässt seinen Alter Ego Octave in einen letzten großen Kampf ziehen, den Kampf gegen die Diktatur des Lachens.Eine selten dagewesene Gesellschaftssatire. Scharfzüngig und sarkastisch, unterhaltend und anstoßend.Beigbeder auf der Höhe seines Schreibens!
Bewertung
4/5
07.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beigbeder oder Houellebecq? Das ist hier die Frage...
Octave Parango irrt betrunken durch das Pariser Nachtleben. Er ist 54 und verhält sich wie ein 25-Jähriger. Drogen, Sex und Dekadenz bilden immer noch das leuchtende Dreigestirn seines Lebens. Er hat den Anschluss an seine Generation, die mittlerweile oft ein bürgerliches Leben führt, verloren. Gleichzeitig kommt er mit der Geschwindigkeit der Gegenwart nicht mehr klar.
Ihm ist aber auch deshalb das Lachen vergangen, weil er zwar Frankreichs meist gehörter Radiokolumnist ist, aber diesem Beruf entsagen möchte. Er kommentiert humoristisch und sarkastisch die Lage einer Nation, die seinem Empfinden nach am Abgrund steht. Dies spiegelt sich gleichzeitig in den brennenden Straßen und Krawallen besagter Nacht wider.
Jede Station seiner Tour durch die City und deren Bars erinnert ihn an die glorreichen 1980er-Jahre und kuriose Dinge, die ihm in der darauffolgenden Dekade widerfuhren. Gleichzeitig erfolgt ein scharf beobachteter, ironischer wie geistreicher Abriss über die französische Medien-, Politik- und Gesellschaftsgeschichte der vergangenen vierzig Jahre.
Je näher der Morgen rückt, desto entschlossener ist der nun auch bekokste Parango: Jetzt ist Schluss mit lustig! Dem Humor soll ein Fanal gesetzt werden. Nach durchzechter Nacht geht er im Morgenmantel ins Radiostudio und macht während seiner allerletzten Show Präsident Macron einen erstaunlichen Vorschlag.
Eine selbstironische Satire, in der Beigbeders Alter Ego Parango mit ähnlich bösem Humor um sich schlägt, wie man ihn von Michel Houellebecq (ein guter Freund Beigbeders) kennt. Und nicht nur Houellebecq thematisierte in dessen letzten Roman „Serotonin“ die Gelbwestenbewegung. Gemein ist den beiden aktuellen Werken der Freunde ebenso das Scheitern, der sukzessive Rückzug und die Vereinsamung des Individuums in der modernen Gesellschaft.
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4/5
07.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Caca's Club vs.Neonwesten
Octave Parango, Beigebeders Alter Ego seit 39,90, ist zurück. Schon wieder älter geworden, während die dekadeten Versuchungen nicht weniger, nur anstrengender werden. Parango lebt den Widerspruch, sieht den Verfall der politischen Kultur durch die zerstörerische Kraft des inzwischen anscheinend unumgänglichen Humors in Presse, Fernsehen und Radio- ist aber selbst ganz schön witzig und kann seinen Mund nicht halten. Vor dem apokalyptischen Hintergrund der Neonwestenausschreitungen in Paris erlebt man das Drama des alten weißen Libertins in einer Nacht.
"Unser mondäner Anarchismus war eine hippe Maskerade, die uns daran hinderte zu erkennen, dass wir schon vor unserer Geburt rechts waren"
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3/5
16.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bei diesem Titel habe ich immer...
Bei diesem Titel habe ich immer geschwankt, zwischen oh wie schlecht und oh wie super! Der Protagonist, Octave Parango, aus "39,90" ist um zwanzig Jahre gealtert und mttlerweile für seine spitzzüngige Kolumne in Radio France gefürchtet.Eine Satire auf die Medien und deren
Macher!
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2/5
15.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nicht mein Buch!
Der 54- jährige Schriftsteller Octave Parango arbeitet für das meistgehörte Morgenmagazin Frankreichs und wird wegen unpassender Äußerungen gefeuert. Das Buch soll der Bericht einer Selbstversenkung, nur nicht seiner eigenen sein - das klang zunächst nach interessanten Lesestoff. Der humorvolle Roman, den ich eigentlich lesen wollte, entpuppte sich als eine Aneinanderreihung von Essays mit etwas Handlung. Zwar wird die Lebensgeschichte Parongos erzählt und Frèdèric Beigbeder zitiert verschiedene Literaten, Philosophen und Politiker, doch vielmehr lässt er seinen Helden abrechnen. Das ist bitterböse, rabenschwarz und stets des Guten zuviel. Oder anders gesagt: Funken sprühen aber der Funke sprang nicht über. Der Mann, der vor lachen weinte, ist an eine gelangweilte Frau geraten...
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