"Faust und Mephisto sind angekommen in den Wäldern von Vermont. Castle Freeman ist der Meister der coolen Verzauberung." Michael Köhlmeier
Taft, ein dem Alkohol zugeneigter Eigenbrötler, steckt in einer Sinnkrise. Da kommt der schneidige Fremde namens Dangerfield gerade recht, der ihm auf der Veranda ein verführerisches Angebot macht: Taft hat sechs Monate Zeit, alles zu bekommen, was er jemals wollte - zu einem hohen Preis. Mit der Gewissheit, nichts zu verlieren zu haben, lässt sich Taft auf den Pakt ein und versucht auf seine Art, das teuflische Spiel zu unterlaufen. Doch der Stichtag rückt näher, und Dangerfield denkt nicht daran, von seiner Forderung abzurücken. Freeman besticht durch lakonische Dialoge und tiefe Kenntnis der menschlichen Psyche und "sorgt einfach nur - sehr, sehr komisch - für gute Laune" (Deutschlandfunk).
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4.4/5.0
Bewertung
4/5
23.11.2022
eBook (ePUB)
Wer ist Faust?
Man sagt der Teufel sei ein Eichhörnchen und dieses Eichhörnchen treibt sich nun in den Wäldern von Vermont herum. Der Teufel bemerkt bald, dass die genügsamen Hinterwäldler sind eine Spezies für sich sind, denn nicht alles verläuft nach Plan.
Eine unterhaltsame kleine Geschichte, ganz typisch aus der Feder Freemans: Verschrobene Gestalten und nachbarschaftliche Liebe, Dickköpfigkeit und Vetternwirtschaft.
Zum Schmunzeln und Gernhaben!
Langdon Taft scheint seines Lebens überdrüssig zu sein. Er lebt relativ zurückgezogen in einer ererbten Villa in einem kleinen Ort in Vermont. Stück um Stück des Inventars muss er verhökern, um über die Runden zu kommen. Es plagt ihn die Langeweile, ab 11 Uhr beginnt er, sich mit billigem Whisky zu benebeln. Da erscheint eines Tages ein skurriler Besucher namens Dangerfield, der nur für Langdon seh- und hörbar ist und mit den dunklen Mächten im Bunde steht. Dieser unterbreitet ein verführerisches Angebot: Langdon wird ein paar Monate lang jeden Wunsch erfüllt bekommen. Als Gegenleistung – man ahnt es – muss er seine Seele dem Leibhaftigen übereignen. „Zahltag“ soll der 12. Oktober sein. Langdon nimmt das Angebot zwar an, aber nicht wirklich ernst, denn an Gott und den Teufel glaubt er schon lange nicht mehr. Er genießt es stattdessen, dass sein Leben wieder Fahrt aufnimmt.
Während sich die meisten Kontraktpartner Dangerfields zumeist um sich selbst kümmern und nach Reichtum, Luxus oder Sex streben, verhält sich Langdon völlig anders: Er versucht, mit seinen neuen Talenten Gutes zu tun. So kümmert er sich um einen schwerkranken Jungen, einen brutalen Frauenschläger, einen gemobbten Schüler, eine verzweifelte junge Frau und andere Menschen aus seinem Umfeld. Mit Dangerfields Hilfe kann Langdon in das Schicksal seiner Zielpersonen eingreifen und damit die Welt ein bisschen besser und menschlicher machen. Die einzelnen Episoden lesen sich höchst unterhaltsam, der Stoff wirkt nicht annähernd so ernst wie bei den literarischen Vorbildern. Die Dialoge sind spritzig und pointiert, die Figuren geschliffen. Dangerfield ist ein eitler Geselle, der gar nicht auf den Gedanken kommt, dass seine teuflische Mission scheitern könnte. Langdon indessen ist relativ bescheiden, aber keinesfalls naiv. Zum Glück besitzt er seinen Freund Eli Adams, der ihn unbewusst mit neuen altruistischen Projekten versorgt, für die Dangerfield gezielt eingesetzt werden kann. Die einzelnen Geschichten lesen sich fast unabhängig voneinander, spannen aber dennoch einen logischen Handlungsbogen.
Der Roman besticht durch große Situationskomik. Schnell hat man mit Langdon Taft einen Sympathieträger ausgemacht. Aber auch Dangerfield ist kein Bösewicht. Natürlich muss er ständig an den Zahltag und an das ewige Höllenfeuer erinnern, das Langdon im Jenseits erwarten wird. Doch haben diese Szenen eine schwarz-humoristische Note. Weder der Leser noch Langdon wollen den Ernst der Lage erkennen. Dadurch hofft man unwillkürlich, dass der Teufelskontrakt nicht eingelöst werden wird, dass der eigenwillige Philanthrop Langdon eben nicht am Columbus Day verscheiden muss, sondern vielleicht selbst noch ein bisschen nachhaltiges Glück findet. Diese Hoffnung nährt natürlich die Spannung zum Ende des Romans hin.
„Ein Mann mit vielen Talenten“ ist ein großer Lesespaß, der wie mit leichter Feder geschrieben, gekonnt und mühelos wirkt. Er besticht durch seinen Situations- und Dialogwitz. Die erfrischende Neuinterpretation des Faust´schen Stoffes halte ich für sehr gelungen. Ein Buch, das auch gut in die Weihnachtszeit passt und breite Leserschichten begeistern sollte.
Aischa
aus Kissing
5/5
12.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Faust als altruistischer Philantrop
Autor Castle Freeman lebt und schreibt in Vermont, und dort lässt er auch seinen Mephisto (hier mit dem bedeutungsvollen Namen Dangerfield) mit dem schrulligen Säufer und Ex-Lehrer Taft einen teuflischen Pakt schließen. Wie im allseits bekannten Faust-Motiv soll dieser dem Fürsten der Finsternis seine Seele verkaufen und im Gegenzug für eine begrenzte Zeit irdische Wünsche erfüllt bekommen.
Doch anders als bei Johann W. von Goethe oder Christopher Marlowe erkauft sich Freemans Taft vulgo Faust keine jugendliche Wolllust, nein, der alte Sonderling entpuppt sich überraschenderweise als selbstloser Wohltäter, der die teuflischen Talente nutzt, um Kinder gesunden zu lassen, Mobber zu bestrafen oder Nachbarn finanziell unter die Arme zu greifen.
Dies wird in großartigen Dialogen erzählt, Freeman liefert ein wahres Feuerwerk bissiger Schlagabtausche. Seine Figuren sind überzeugende Provinzcharaktere, ich habe dem Plot jede noch so skurrile Wendung abgenommen. Eine erfrischende, humorvolle Neuinterpretation des jahrhundertealten Faust-Motivs, auf gerade einmal 175 Seiten. Hier ist kein Wort zu viel, und zugleich gibt es nichts, was ich vermisst hätte! Brillant!
Aischa
5/5
12.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Autor Castle Freeman lebt und…
Autor Castle Freeman lebt und schreibt in Vermont, und dort lässt er auch seinen Mephisto (hier mit dem bedeutungsvollen Namen Dangerfield) mit dem schrulligen Säufer und Ex-Lehrer Taft einen teuflischen Pakt schließen. Wie im allseits bekannten Faust-Motiv soll dieser dem Fürsten der Finsternis seine Seele verkaufen und im Gegenzug für eine begrenzte Zeit irdische Wünsche erfüllt bekommen. Doch anders als bei Johann W. von Goethe oder Christopher Marlowe erkauft sich Freemans Taft vulgo Faust keine jugendliche Wolllust, nein, der alte Sonderling entpuppt sich überraschenderweise als selbstloser Wohltäter, der die teuflischen Talente nutzt, um Kinder gesunden zu lassen, Mobber zu bestrafen oder Nachbarn finanziell unter die Arme zu greifen. Dies wird in großartigen Dialogen erzählt, Freeman liefert ein wahres Feuerwerk bissiger Schlagabtausche. Seine Figuren sind überzeugende Provinzcharaktere, ich habe dem Plot jede noch so skurrile Wendung abgenommen. Eine erfrischende, humorvolle Neuinterpretation des jahrhundertealten Faust-Motivs, auf gerade einmal 175 Seiten. Hier ist kein Wort zu viel, und zugleich gibt es nichts, was ich vermisst hätte! Brillant!
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5/5
09.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Wer Gnade will soll zur Konkurrenz...
"Wer Gnade will soll zur Konkurrenz gehen. Gnade führen wir nicht." (S.57)
Mitten im Wald wird ein teuflicher Pakt geschlossen und vom Vertragsnehmer auf clevere Weise ausgespielt. Mal wieder ein hervorragender Castle Freeman!
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4/5
26.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie einst Faust mit Mephisto schließt...
Wie einst Faust mit Mephisto schließt Langdon Taft einen Pakt mit dem geheimnisvollen Dangerfield. Damit enden aber auch die Ähnlichkeiten, denn Taft fängt mit seinen neuen Fähigkeiten ganz anderes an als Faust...
Ein kurzes und kurzweiliges Häppchen Literatur für zwischendurch.
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4/5
16.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kein klassischer Freeman, aber unterhaltsam.
Der Autor hat ein Händchen für Charaktere, die ihre Probleme kreativ lösen. Hinterwäldler sind sie nur auf den ersten Blick. Hier erwartet Sie ein launige Variante des Faust-Themas. Kein klassischer Freeman, aber unterhaltsam.
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4/5
03.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
schlank, schräg, allerdings kein Sheriff Wing
Schmal sind die Texte/Romane Castle Freeman`s wohl anscheinend immer, aber ihre lakonisch-coole Grundeinstellung und die Dialoge sind oft der Hammer und für mich gelungene Krimi-Unterhaltung.
Sein bereits 2015 erschienener "Mephisto/Faust"-Kurzroman ist jetzt nicht soo mein Favorit wie "Auf die sanfte Tour" u.a."Sheriff Wing"-Erzählungen, aber auch er liest sich flott weg und die Beschreibungen,Dialoge bzw.Taten seiner Figuren machen Laune.
Taft, sein (schlechter) Whiskey-liebender Protagonist aus Vermonts Outback sozusagen, ist ein schlauer Typ, aber als er den Pakt mit dem Bösen schließt, tut er zwar nicht, was die meisten machen würden, die jeden Wunsch erfüllt bekommen- für eine gewisse Zeit- , sondern läßt Gutes tun in unterschiedlichster Form, aber seinen Arsch rettet nicht er....
Da hätte ich mir noch etwas mehr Pfiffigkeit/Tricks von Taft selbst gewünscht..., aber nun ja,
mehr verrate ich nicht - schauen Sie doch mal in die Leseprobe und entdecken diesen Autor für sich selbst..?! ;-)
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