Eben noch kämpfte Alois Pokora im Weltkrieg. Dann erwacht er im Krankenhaus in Berlin – und die Welt ist eine andere: das Jahr 1918, der Kaiser geflohen, die alte Ordnung zerbricht. Der Bergmannssohn Alois, der Erste in der Familie mit Schulbildung, sehnt sich nach seiner Liebe Agnes – lässt sich aber bald von der soghaften neuen Freiheit erfassen, geistig, revolutionär, auch erotisch. Er gerät in die Berliner Halbwelt, schult für die dubiose «Baronin» eine Kampftruppe, trifft Rosa Luxemburg. Nach einer Schießerei mit Kaisertreuen rund ums Berliner Schloss kann er gerade noch heim ins verwunschene Schlesien flüchten. Wo sich ebenfalls alles verändert hat. Unerwartet muss Alois sich der eigenen Herkunft stellen – und steht endlich Agnes gegenüber. Doch Alois ist zwischen alle Fronten geraten.
Mit weltmalerischer Wucht erzählt Szczepan Twardoch vom Weltkrieg und vom umstürzlerischen Berlin mit seinen Kaputten, Geschlagenen und den feierwütigen Überlebenden, den Umbrüchen, die bald ganz Europa erfassen. «Demut» ist ein gewaltiger Roman über einen Mann im Strudel der Zeit, der zwischen Emanzipation und Selbstzweifel steht und in einer explosiven, ungeheuer freien Epoche seinen Weg sucht.
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Großartige Sprache, (im wahrsten Sinne des Wortes) krasse Handlung
Bewertung aus Suderburg am 26.05.2022
Bewertungsnummer: 1718654
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein großartiger Roman, in dem es Twardoch gelingt, die Revolution 1918/19 im Spagat der großen Weltgeschichte und dem kleinen Individuum zu beschreiben. - Eigentlich ist der Roman schwer in Worte zu fassen, weil Twardochs Erzählungen so vielschichtig und komplex sind. Einfach ein must read!
Man wünscht Alois nur Gutes -...
Bewertung am 15.02.2022
Bewertungsnummer: 1657921
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Man wünscht Alois nur Gutes - daß er den Krieg überlebt, seine große Liebe endlich findet, glücklich wird. Doch für einen intelligenten Polen im dt. Kaiserreich sieht's schlecht aus. Sprachlich überzeugt das Buch und ist ein Geheimtipp.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein gewagtes, unkonventionelles Buch, das auf ganzer Linie überzeugt
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Demut“ hat alles, was ich an einem Roman schätze, v.a. das historische Setting und den außergewöhnlichen Stil. Denn der Ich-Erzähler richtet sich immer wieder in der 2. Person an eine abwesende Geliebte. Sprachlich jauchzt der Roman vor Fabulierkunst, hier wird üppig, sinnlich erzählt, man spürt die Lust des Autors an der Sprache. Manchmal klingt das schon recht artifiziell, pathetisch oder hymnisch, aber in diesem Roman ist irgendwie alles eine Spur „drüber“. Mir hat das sehr gut gefallen, das Buch macht keinen Hehl daraus, dass es ein Kunstprodukt, ein Roman im wahrsten Sinne ist und auch bewusst sein will. Es artet aber nicht so aus, wie in Twardochs Erstling „Morphin“, der sprachlich nochmal eine ganze Spur artifizieller ist. Auch die Assoziation mit Tarantino (Vergleich im Klappentext) hatte ich beim Lesen nicht, die Figuren sind hier auf subtilere Art unkoventionell und einfach großartig gezeichnet: Sei es die unerreichbare, sadistische Geliebte Agnes, die queeren Spartakuskämpfer/innen im revolutionären Berlin oder der versnobte, undurchschaubare adlige, deutschnationale Schulfreund. Auch der Protagonist ist eine bislang nie gelesene Form des Antihelden: Als Schlesier familiär in seiner Identität zwischen Polen und Deutschland gespalten, lernen wir hier einen devoten Charakter kennen, der kaum mal eine eigene Meinung hat und ständig erniedrigt und ausgenutzt wird. Er kämpft für Deutschland im 1. Weltkrieg, dann im revolutionären Berlin im Spartakusbund, danach in seiner zerrissenen Heimat Schlesien mal für die polnische, mal für die deutsche Seite. Das alles aber tut er ungewollt, ohne richtige Überzeugung, denn eigentlich möchte er bloß seine Ruhe. Dass er diese jedoch nie findet und teils auch selbst wieder zerstört, hat mitunter schon fatalistische Züge. Das ist ein Kriegs-, ein Bildungsroman, ein Coming-of-age, eine Odyssee, eine Suche nach Liebe, Identität und Zugehörigkeit, das ist ganz viel, da steckt ganz viel drin, das ist ein gewagtes, ein mutiges Buch, das auf vielen Ebenen viel riskiert, aber meiner Meinung nach auf ganzer Linie überzeugt und das mich begeistert hat.
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'Demut' ist ein Antikriegsroman, der unter die Haut geht und noch lange nachklingt. Sein Protagonist Alois Pokora ist gewiss kein Held. Er ist jemand, der vom Schlachtfeld des ersten Weltkrieges verletzt in Berlin und dort direkt in der Novemberrevolution landet, der nie wieder eine Waffe tragen wollte und doch für den Spartakusbund tötet, jemand der um sein Leben fleht und kämpft und sich dennoch klein und nirgends zugehörig fühlt. Szepan Twardoch zeigt uns Lesern durch die Augen Alois Pokoras die völlige Sinnlosigkeit und Monstrosität von Krieg und sorgt so dafür, daß man dieses Buch nicht so schnell vergisst.
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