Friedrich Nietzsches "Der Antichrist" ist eine der schärfsten und konzentriertesten Streitschriften der modernen Philosophie. Das 1888 verfasste Werk attackiert das Christentum nicht bloß als Religion, sondern als moralisches System, das nach Nietzsche Schwäche, Ressentiment und Lebensverneinung zur Tugend erhebt. In aphoristisch zugespitzter, polemischer Prosa verbindet der Text philologische Kritik, psychologische Diagnose und kulturphilosophische Provokation. Im Kontext von Nietzsches Spätwerk steht er neben "Götzen-Dämmerung" und "Ecce homo" als radikale Bilanz seiner Umwertung aller Werte. Nietzsche, 1844 geboren, war klassischer Philologe, Philosoph und unerbittlicher Kritiker europäischer Selbstgewissheiten. Seine frühe Auseinandersetzung mit der Antike, seine Distanz zu Wagner, seine Krankheit und seine wachsende Isolation prägten sein Denken. "Der Antichrist" entspringt jener letzten Schaffensphase, in der Nietzsche die moralischen Grundlagen der abendländischen Kultur mit äußerster Konsequenz prüfte und das Christentum als historischen Gegner eines bejahenden, aristokratischen Lebensideals deutete. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die philosophische Literatur nicht als Beruhigung, sondern als intellektuelle Erschütterung suchen. Wer Nietzsches Sprache in ihrer Härte, Brillanz und Gefährlichkeit ernst nimmt, begegnet hier keinem bloßen Skandaltext, sondern einem Schlüsselwerk zur Kritik von Moral, Religion und Moderne.
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Höchst spannend und interessant. Stellt eine Theorie der christlichen Herkunft dar und beschreibt klar und begründet, welche Folgen dies hatte / hat. Ausserdem meiner Meinung nach unverzichtbar, wenn man die anderen Werke Nietsches verstehen möchte.
Bewertung
aus Cinuos-chel
5/5
03.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schnell lesbar, gut verständliche Sprache, schönes Design (auch inwendig)
Der Inhalt lässt sich nur schwer objektiv bewerten, schliesslich ist das Geschmackssache. Zum allgemeinen Erscheinungsbild kann ich aber sagen, dass das Cover sehr schön gemacht ist und gut in der Hand liegt. Das Buch hat auch innwendig ein schönes und praktisches Design. Die Buchstaben sind recht gross, es lässt sich also schnell lesen. Die ca. 150 Seiten hatte ich in rund 4 Stunden gelesen. Auch generell lässt sich der Inhalt gut verstehen - die Sprache und das Vokabular sind keine Herausforderung.
Bewertung
5/5
20.01.2016
Buch (Taschenbuch)
Polemisch aber unglaublich geistreich!
Der Antichrist von Nietzsche muss man gelesen haben. Zwar könnten einige Passagen missverstanden werden, aber seine starke Polemik und Wut in diesem Büchlein, sind für mich pure intellektuelle Bereicherung. Schlussendlich ist es nicht nur eine Kritik am Christentum, es ist eigentlich eine Kritik an der Menschheit.
Der gute alte Nietzsche spricht mir teilweise so sehr aus der Seele! Auch wenn ich mir immer wieder selber sagen muss, dass die Menschen eigentlich gut sind, überkommen mich auch manchmal ganz schwarze Tage an denen ich keine Hoffnung für die Menschheit sehe, in denen ich zum Zyniker werde. Zum Beispiel in folgendem Abschnitt spricht mir Nitzsche wirklich aus der Seele:
»Ich unterdrücke an dieser Stelle einen Seufzer nicht. Es gibt Tage, wo mich ein Gefühl heimsucht, schwärzer als die schwärzeste Melancholie - die Menschen-Verachtung.
Und damit ich keinen Zweifle darüber lasse, was ich verachte, wen ich verachte: der Mensch von heute ist es, der Mensch, mit dem ich verhängnisvoll gleichzeitig bin. Der Mensch von heute - ich ersticke an seinem unreinen Atem . . . Gegen das Vergangene bin ich, gleich allen Erkennenden, von einer grossen Toleranz, das heisst grossmütigen Selbstbezwingung: ich gehe durch die Irrenhaus-Welt ganzer Jahrtausende, heisse sie nun Christentum, christlicher Glaube, christliche Kirche, mit einer düsteren Vorsicht hindurch, - ich hüte mich, die Menschheit für ihre Geisteskrankheiten verantwortlich zu machen. Aber mein Gefühl schlägt um, bricht heraus, sobald ich in die neuere Zeit, in unsre (sic!) eintrete. Unsre (sic!) Zeit ist wissend . . . Was ehemals bloss krank war, heute ward es unanständig, - es ist unanständig, heute Christ zu sein. Und hier beginnt mein Ekel. - Ich sehe mich um: es ist kein Wort von dem mehr übrig geblieben, was ehemals Wahrheit hiess, wir halten es nicht mehr aus, wenn ein Priester das Wort Wahrheit auch nur in den Mund nimmt. Selbst bei dem bescheidensten Anspruch auf Rechtschaffenheit muss man heute wissen, dass ein Theologe, ein Priester, ein Paps mit jedem Satz, den er spricht, nicht nur irrt, sondern lügt, - dass es ihm nicht mehr freisteht, aus Unschuld, aus Unwissenheit zu lügen.«
(S. 66 & 67)
Und sogar, dass Nietzsche gegen Anarchisten schimpft, lasse ich diesem grossen Denker durchgehen - man kann ja schliesslich nicht überall der Selben Meinung sein . . .
Für jeden Menschen, der sich mit Religionen, Religionskritik, Philosophie oder der Menschheit auseinandersetzt (also eigentlich für alle Menschen), ist das eine Pflichtlektüre!
Bewertung
4/5
15.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Harter Tobak
Das Buch steht wirklich sehr schön da, ist aber wirklich schwere kost. Man kann es nicht überfliegen weil keine wirkliche Handlung stattfindet. inhaltlich ist es aber sehr interessant und es lohnt sich zu lesen.
Patrick
aus Aarau
4/5
08.04.2021
Hörbuch-Download (MP3)
Schwere kost
In der Hörbuch-Version evtl. etwas schwerer zum "mitkommen", als wenn man es aktiv liest.
Dennoch würde ich jedem empfehlen mindestens einmal darin zu lesen. Jedoch kann ich es auch durchaus nachvollziehen, wenn jemandem das Buch nicht gefällt.
In der damaligen Zeit so über die Kirche zu schreiben gebührt äusserstem Respekt und deshalb einen extra Stern.
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