In fiebriger Erregung warten die Einwohner Wiens am 31. Juli 1914 das Verstreichen des deutschen Ultimatums ab. Die Stadt ist ein reißender Strom, in allen Straßen bricht sich die Kriegsbegeisterung der jungen Generation bahn. Mitten in diesen Taumel gerät Hans, ein Pferdeknecht aus Tirol, der sich auf den Weg in die Metropole gemacht hat, um die Psychoanalytikerin Helene Cheresch aufzusuchen. Dort angekommen trifft er auf Adam, einen musisch begabten Adligen, und Klara, die sich als eine der ersten Frauen an der Universität Wien im Fach Mathematik promovieren wird. Gemeinsam verbringen die drei jungen Menschen den letzten Abend vor der Mobilmachung – in einer Stadt, die sich ihrem Zugriff mehr und mehr zu entziehen droht.
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Wien 1914.
Der Pferdeknecht Hans war nach dem plötzlichen Tod seines Vaters kilometerweit weggebracht worden, um auf dem Hof eines Bauern zu dienen. Seit nun sieben Jahren hat er den Hof nie verlassen und keine Schule besucht. Er glaubt, dass er die Gedanken anderer Menschen lesen kann und mit dieser besonderen Gabe packt er seinen Rucksack und macht sich bei Nacht und Nebel davon, sein Glück in Wien zu versuchen. Im Gepäck, die Zeitungsannonce der Psychoanalytikerin Helene Cheresch.
Am Wiener Hauptbahnhof herrscht ein Treiben, wie es Hans nie zuvor erlebt hat. Menschen in so edler Kleidung, dass ein einzelnes Fädchen des Rocks bei weitem übersteigen würde, was Hans je besessen hat. Burschen anderer Sprache lachen ihn an und geben ihm von ihrem Laib Brot. Hans sucht sich fragend den Weg zu Helenes Haus. Dort angekommen ist er überwältigt von den Gründerzeitvillen. Weil auf sein Klopfen niemand reagiert, legt er sich matt von der Reise auf das Trottoir, kurz die Augen zu schließen. Gleich darauf wird er von einer resoluten Frau mittleren Alters hochgescheucht. Es ist die Psychoanalytikerin. Kurz darf Hans bei ihr vorsprechen, um gleich darauf wieder fortgeschickt zu werden. Unten trifft er auf eine junge schöne Frau und kommt mit ihr ins Gespräch, es ist die Mathematikerin Klara, die ebenfalls bei Helene in Behandlung ist. Und als Klara Hans den adligen Adam vorstellt, beginnt der atemlose Ritt durch das nächtliche Wien der Aufbruchsstimmung.
Fazit: Was für eine Geschichte Raphaela Edelbauer zustande gebracht hat. Der Vielvölkerstaat Österreich droht auseinanderzubrechen, als der serbische Gavrilo Princip den österreichischen Thronfolger tötet. Es sind die letzten Stunden vor der österreichischen Kriegserklärung an den Zaren. Ganz Wien taumelt ausgelassen im Willen für Ehre und Vaterland zu kämpfen. Der Klassenunterschied ist riesig. Die Auserwählten des gehobenen Bürgertums halten Kriegsrat und motivieren alle Männer, die jung genug sind zu kämpfen, sich am nächsten Tag zu melden. In dieser aufgeheizten Stimmung schwirren Klara, Adam und Hans durch die Wiener Unterwelt. Hans, der nie etwas anderes als Natur, Vieh und vereinzelte Frauen, die zum Hof gehörten, erlebt hat, fühlt sich wie in Sodom und Gomorrha. Unwiederbringlich hält die Moderne Einzug in Kunst, Musik und Architektur. Die Suffragetten setzen sich für Frauenrechte ein, allen voran das Frauenwahlrecht. Frauen studieren, lieben Frauen, Männer lieben Männer, syphilitisch gezeichnete Huren überschminken ihre Läsionen und versehen ihre Dienste. Ganz nebenbei etabliert sich die Tiefenpsychologie durch Freud und Helene erforscht das kollektive Bewusstsein. Die Geschichte ist anspruchsvoll und hat mir alles abverlangt. Die Sprache kommt hochgestochen daher und vertritt die Stimme des gehobenen Bürgertums. Ich finde die Geschichte sowohl großartig, rasant und klug erzählt, als auch anstrengend. Und doch, wie die Autorin diese wahnhafte Aufbruchsstimmung eingefangen und auf mich losgelassen hat, ist bewundernswert. Ganz großes Schreibtalent.
Gesellschaftliche Betrachterin
aus Großraum Halle (Saale)
5/5
20.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Haben in der Konsequenz nicht wir die Ideen, sondern haben sie uns?“
Ein sprachgewaltiger Roman mit gesellschaftlicher Weitsicht! - Der Bauernknecht Hans Ranftler trifft mit einer Visitenkarte der Psychoanalytikerin Helene Cheresch in Wien ein. Ihn plagt seine seherische Fähigkeit, dass er in manchen Situationen einen Satz schon genau kennt, den sein Gegenüber im nächsten Moment aussprechen wird. Sein im Unterbewusstsein hysterisches Empfinden tritt aber in den Hintergrund angesichts der propagandistisch entfachten, sich lauffeuernd durch Wien bewegenden Massenhysterie für die Mobilmachung zum Beginn des Weltkrieges. Ist der Wiener Bahnhof bei Hans frühmorgendlichen Ankunft am 30. Juli 1914 bereits proppenvoll mit Menschen und flüchtigen Eindrücken von ihnen, wird sich in den nächsten 36 Stunden der Romanhandlung die Masse Mensch zur Undurchdringbarkeit steigern. Auf der Schwelle der auf der Visitenkarte markierten Praxis begegnet Hans den gleichaltrigen Adam und Klara und bewegt sich mit ihnen fortan gemeinsam gegen den Menschenstrom. Hans muss ohne Geld die Zeit bis zum für den Nachmittag des Folgetages vereinbarten Termin mit Helene überbrücken, ohne in eine Musterungsstelle zu schwappen. Adam, mit aristokratischem Stammbaum und Offizierslaufbahn, hat seinen Einberufungsbefehl schon und zweifelt (noch in ziviler Kleidung) hin- und hergerissen, ob er in den Krieg ziehen soll. Klara, die sich aus niedersten sozialen Verhältnissen lösen konnte und sich an der Stufe zur akademisch anerkannten Spitzenmathematikerin befindet, muss zu ihrem Rigorosum in die Universität, wohingegen die bellizistischen Macker den Frauen in der Gesellschaft nur noch den Wert von dringend benötigten Uniformschneiderinnen zumessen. Die Stationen, die die Autorin Raphaela Edelbauer Hans, Adam und die stets klarsehende Klara in diesen anderthalb Tagen nehmen lässt, seien hier nicht verraten – seien Sie als Leserin stets überrascht. Vermeiden Sie beim Lesen aber bitte keinesfalls den Parallelblick auf heutige gesellschaftliche Zustände, die nicht wirklich anders sind als am 30. Juli 1914, denn: „Das Prophetische tarnt sich stets als Erinnerung.“
Wedma
5/5
17.10.2023
eBook (ePUB 3)
Sollte man kennen.
Es ist ein historischer Roman, der die Bilder der Vergangenheit wieder ins Leben ruft, um am Ende eine klare Warnung an die Leser heranzutragen.
Es ist paar Tage vor Beginn des ersten Weltkrieges. Hans, ein junger Mann, ein Bauer aus dem hinterletzten Dorf landet in Wien. Zum ersten Mal in der Großstadt, erlebt er Abenteuer, die er sich kaum hätte erträumen können. Er hat viel Glück – gleich zu Anfang gerät er an die Leute, die ihn mit der Großstadt und ihren Besonderheiten bekanntmachen. Die neuen Freunde sind sehr anders als Hans: ein schmächtiger junger Mann, der eigentlich ein hoher Offizier aus den besten Kreisen ist und in den Krieg ziehen soll, wäre aber gerne ein Profi-Musiker geworden. Man darf zusammen mit Hans einer Orchesterprobe beiwohnen, bei der sein neuer Freund mitwirkt. Eine junge Frau aus untersten gesellschaftlichen Kreisen, die aber ihr Milieu verlassen und Mathematik studiert hat und kurz vor ihrer mündlichen Abschlussprüfung steht. Zu dritt ziehen sie in den letzten Stunden vor dem Ausbruch des Krieges durch die mitunter skurrilsten Schauplätze in Wien, als ob sie auf den letzten Drücker noch die letzten Reste ihres alten Lebens auskosten wollten, bevor der Krieg über ihren Köpfen ausbricht und alles vernichtet. Immer wieder tauchen die Horden von jungen Männern auf, die voller Begeisterung vom Krieg sprechen und sich voller Stolz zum Kriegsdienst melden. Am Anfang und am Ende tauchen sie auf und fordern Hans auf, mitzuziehen, seine Pflicht zu tun, wie sie es auch selbst getan haben. Hans ist aber ein kluger junger Mann.
Man weiß heute, wie es für die kriegsbegeisterten Männer weiterging. Wenn sie nicht gefallen waren, durften sie, schwer physisch und psychisch verletzt, zurück zu den Ruinen zurückkehren, was früher ihre Häuser und Dörfer gewesen waren. Und das ist alles, was sie durch den Krieg gewonnen haben. Oft musste ich an das Buch von Ulrike Guerot „Endspiel Europa“ denken. Just am Anfang bringt sie im Klartext genau die Dinge, die hier in Romanform und eher durch die Blume, zum Ausdruck gebracht wurden. Heute versucht man, ähnliche Begeisterung durch Kriegspropaganda heraufzubeschwören. Die Eliten wollen ihre Machtverhältnisse wohl neu justieren. Als Angehöriger des „Fußvolkes“ braucht man bloß zu schauen, wie es vor hundert Jahren gelaufen war, um zu wissen, was man von der Propaganda halten soll und wer vom Krieg zu profitieren gedenkt. Und gerade das ist der Verdienst des Romans. Durch die eindrucksvollen Bilder der Vergangenheit versucht er, den Lesern begreiflich zu machen, dass man eigentlich besser weiterkäme, wenn man wie Hans sich fern von den Kriegsbegeisterten hält.
Der Titel bezieht sich auf diese Clique von jungen Menschen, die nur für etwa drei Tage zusammen sind und durch die Häuser ziehen, einander aber so intensiv erleben, wie sonst kaum möglich. Und eigentlich hätte jeder der Inkommensurablen sein eigenes erfülltes Leben weiterführen können. Wenn nicht der anrollende Krieg und die Hirnlosen, die schon im Vorfeld die Merkmale alter Ordnung herunterreißen: die junge Frau kann ihre mündliche Prüfung nicht abhalten, da der Pöbel das Uni-Gebäude stürmt.
Aufgrund von den Aussagen und der künstlerischen Leistung ist der Roman völlig richtig in der Langen Liste zum Deutschen Buchpreis gelandet.
Wedma
5/5
17.10.2023
eBook (ePUB 3)
Es ist ein historischer…
Es ist ein historischer Roman, der die Bilder der Vergangenheit wieder ins Leben ruft, um am Ende eine klare Warnung an die Leser heranzutragen. Es ist paar Tage vor Beginn des ersten Weltkrieges. Hans, ein junger Mann, ein Bauer aus dem hinterletzten Dorf landet in Wien. Zum ersten Mal in der Großstadt, erlebt er Abenteuer, die er sich kaum hätte erträumen können. Er hat viel Glück – gleich zu Anfang gerät er an die Leute, die ihn mit der Großstadt und ihren Besonderheiten bekanntmachen. Die neuen Freunde sind sehr anders als Hans: ein schmächtiger junger Mann, der eigentlich ein hoher Offizier aus den besten Kreisen ist und in den Krieg ziehen soll, wäre aber gerne ein Profi-Musiker geworden. Man darf zusammen mit Hans einer Orchesterprobe beiwohnen, bei der sein neuer Freund mitwirkt. Eine junge Frau aus untersten gesellschaftlichen Kreisen, die aber ihr Milieu verlassen und Mathematik studiert hat und kurz vor ihrer mündlichen Abschlussprüfung steht. Zu dritt ziehen sie in den letzten Stunden vor dem Ausbruch des Krieges durch die mitunter skurrilsten Schauplätze in Wien, als ob sie auf den letzten Drücker noch die letzten Reste ihres alten Lebens auskosten wollten, bevor der Krieg über ihren Köpfen ausbricht und alles vernichtet. Immer wieder tauchen die Horden von jungen Männern auf, die voller Begeisterung vom Krieg sprechen und sich voller Stolz zum Kriegsdienst melden. Am Anfang und am Ende tauchen sie auf und fordern Hans auf, mitzuziehen, seine Pflicht zu tun, wie sie es auch selbst getan haben. Hans ist aber ein kluger junger Mann. Man weiß heute, wie es für die kriegsbegeisterten Männer weiterging. Wenn sie nicht gefallen waren, durften sie, schwer physisch und psychisch verletzt, zurück zu den Ruinen zurückkehren, was früher ihre Häuser und Dörfer gewesen waren. Und das ist alles, was sie durch den Krieg gewonnen haben. Oft musste ich an das Buch von Ulrike Guerot „Endspiel Europa“ denken. Just am Anfang bringt sie im Klartext genau die Dinge, die hier in Romanform und eher durch die Blume, zum Ausdruck gebracht wurden. Heute versucht man, ähnliche Begeisterung durch Kriegspropaganda heraufzubeschwören. Die Eliten wollen ihre Machtverhältnisse wohl neu justieren. Als Angehöriger des „Fußvolkes“ braucht man bloß zu schauen, wie es vor hundert Jahren gelaufen war, um zu wissen, was man von der Propaganda halten soll und wer vom Krieg zu profitieren gedenkt. Und gerade das ist der Verdienst des Romans. Durch die eindrucksvollen Bilder der Vergangenheit versucht er, den Lesern begreiflich zu machen, dass man eigentlich besser weiterkäme, wenn man wie Hans sich fern von den Kriegsbegeisterten hält. Der Titel bezieht sich auf diese Clique von jungen Menschen, die nur für etwa drei Tage zusammen sind und durch die Häuser ziehen, einander aber so intensiv erleben, wie sonst kaum möglich. Und eigentlich hätte jeder der Inkommensurablen sein eigenes erfülltes Leben weiterführen können. Wenn nicht der anrollende Krieg und die Hirnlosen, die schon im Vorfeld die Merkmale alter Ordnung herunterreißen: die junge Frau kann ihre mündliche Prüfung nicht abhalten, da der Pöbel das Uni-Gebäude stürmt. Aufgrund von den Aussagen und der künstlerischen Leistung ist der Roman völlig richtig in der Langen Liste zum Deutschen Buchpreis gelandet.
Manfred Fürst
aus Kirchbichl
5/5
17.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erzählerisches Universalgenie
Nicht messbar, nicht vergleichbar; unwägbar (s. DUDEN), soviel muss zunächst als Worterklärung genügen.
Dystopisch und finster geht es in Edelbauers neuem Roman, ,,Die Inkommensurablen", zu.
Der spielt in der Vergangenheit und ist vordergründig ein reiner historischer Roman geworden. In der Nacht vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs irrlichtert ein ungleiches Trio schlaflos durch ein kriegsbegeistertes Wien. „Der Krieg ist der Grund für die Begeisterung, die Begeisterung ist der Grund des Krieges.“ (S. 130)
Am Vorabend des Ersten Weltkriegs sitzt der 17-jährige Knecht Hans Ranftler im Zug von Tirol nach Wien. Nicht um sich zur k. k. Armee einziehen zu lassen wie andere junge Männer. Sondern um von einer Psychoanalytikerin seine besondere Fähigkeit behandeln zu lassen: Er kann voraussehen, was Menschen sagen werden. Bereits die Ankunft am Südbahnhof haut Hans um: Es zischt, wurlt, glänzt golden. Die pferdelose Tram? "Ein Münchhausenzug, der sich am eigenen Zopf in Richtung Stadt zog.“
Hans findet schnell Anschluss. Auf den Treppen vor der Ordination der Psychoanalytikerin Helene Cheresch lernt er erst Klara und dann Adam kennen. Beide haben natürlich das gemeine Bewusstsein übersteigende Begabungen. Klara eine junge Suffragette, Sozialdemokratin und Studentin der Mathematik, „vollkommen schön“- wie Hans empfindet, die als eine der ersten Frauen vor ihrem Rigorosum an der Universität Wien steht; nicht nur als speziell talentierte Träumerin die „Lieblingspatientin“ der lesbischen Analytikerin. Der junge und schmächtige Adam Graf von Jesenky mit dem Einberufungsbefehl in der Tasche. Beiden schlägt morgen die Stunde. Die Zeit drängt, es entsteht roadmoviehafte Handlung zwischen Prachtpalais, queeren Halbweltlokalen und Universität an.
Grandiose Szenen und starke Dialoge prägen den Roman. Die Leidenschaft Adams, von Kindheit an von väterlicher Härte zum Militär gedrillt, gehört der Musik Arnold Schönbergs. Zusammen mit Gleichgesinnten probt er nicht nur die Kompositionen der Moderne, deren Noten man in der Stadt kaum erhält.
Großartig wie bei einem Abendessen im Palais von Adams Familie Nationalismus, Kriegsidealisierung und Antisemitismus der versammelten, gerade noch den Kaiser beraten habenden Aristokratie aufeinander kracht, während Hans mit der Abfolge der Menügänge nicht mehr Schritt halten kann. „Er (Hans) hatte mit den feinsten Menschen der Stadt gegessen und sich in einem marmorierten Bad in einen mandelgrünen Anzug gekleidet, der jetzt – vom Abstieg in die Kanalisation – von den Beinen aufwärts besudelt war. Er hatte vorgestern noch den Stall des Viehs ausgemistet und würde in wenigen Stunden eine Analyse beginne. Es schien alles gar nicht real“ (S. 275).
„Wenn es eine Erkenntnis gäbe, dann müsste es die Mathematik sein (Kant)“ (S 307). Was darauf folgt sind elfeinhalb Seiten des Rigorosums der Doktorandin Klara, die einen staunen und mit den Ohren schlackern lassen, bis sie von kriegslüsternen Vandalen unterbrochen wird.
Die 33-jährige Niederösterreicherin, die in Wien lebt, hat in den letzten fünf Jahren eine erstaunliche Karriere hingelegt. Ihr Prosadebüt ,,Entdecker. Eine Poetik“ erhielt 2018 den Rauriser Literaturpreis. Ebenfalls 2O18 gab es für die Newcomerin, die in Wien sowohl Philosophie als auch an der Universität für Sprachkunst studierte, bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt den Publikumspreis.
Ihr Debütroman ,,Das flüssige Land" kommt auf die Bühne, 2O19 erschienen, landete er sowohl auf der Shortlist des Deutschen als auch des Österreichischen Buchpreises. Mit ,,Die lnkommensurablen" erscheint ihr dritter Roman binnen vier Jahren. 2021erschien Edelbauers zweites Buch, ,,Dave".
Als Raphaela Edelbauer 2022 den mit 3.000 Euro dotierten Thomas-Jorda-Preis erhielt, der an niederösterreichische Autorinnen und Autoren verliehen wird, hieß es in der Begründung: Man habe ,,eine der spannendsten und interessantesten Schriftstellerinnen, nicht nur innerhalb Österreichs, sondern international" ausgezeichnet.
Edelbauer beherrscht die große Kunst des Fabulierens und unterfüttert ihre Plots mit allem, was Wissenschaftsdiskurse so hergeben. Ob Philosophie, Psychologie oder Naturwissenschaften - die Literatin legt ihre Romane in der Metaebene fächerübergreifend an. Danach schichtet sie das alles zu komplexen, aber ebenso fantastischen wie absurden Storys. „Dass etwas aus der echten Welt geträumt wird ist ganz normal. Wenn aber etwas aus dem Traum ins Wache dringt – das meine Lieber ist Perversion“ (S. 197).
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5/5
08.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Zeitalter geht zu Ende und...
Ein Zeitalter geht zu Ende und wir begleiten drei jungen Menschen durch ein fieberhaftes, aufgewühltes Wien am Vorabend des 1. Weltkriegs. Das ist mitreissend und dramatisch, gegen Ende wurde mir die Geschichte dann aber doch etwas zu stark konstruiert und überfrachtet.
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5/5
13.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das literarische Highlight des Frühjahrs
Raphaela Edelbauer hat es wieder geschafft: Auch der dritte Roman, den ich von ihr gelesen habe wird es in meiner Jahresliste ganz nach oben schaffen. Mit welcher Leichtigkeit und sprachlichen Finesse sie einen Wendepunkt der neueren Geschichte aus der Sicht von drei völlig unterschiedlichen Menschen zum Leben erweckt ist schlicht beeindruckend. Auch wenn sich die Ganze Handlung innerhalb eines Tages und einer Nacht abspielt, ist dieser Roman so atmosphärisch dicht geschrieben, dass es sich anfühlt die Charaktere viel länger zu kennen. Exemplarisch dafür steht der Beginn des vierten Kapitels, der für mich zum Besten gehört, was ich in der deutschsprachigen Literatur in den letzten Jahren gelesen habe.
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3/5
20.04.2023
eBook (ePUB 3)
...Menschen in der Nacht!
Der Vergleich mit Joyce Carol Oates, deren frühe Werke ich sehr zu schätzen gewusst habe, trifft bei der Fabulierkunst der Autorin im vollen Umfang meine Meinung. Aber leider konnte ich mit dem Inhalt des Romans so überhaupt nichts anfangen. Hälfte hätte ich ihn fast aus den Händen gelegt. Das Ende hat mich dann doch noch etwas überzeugt. Ein Roman, der von allen Kritikern und in jeder literarischen Sendung hochgejubelt wurde, konnte mich nicht erreichen. Da frage ich mich als Buchhändlerin, ob ich mich irren könnte. Deshalb bilden Sie sich ihr eigenes Urteil.
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