Welche Geschichte über unser Leben erzählen wir uns – und von welcher möchten wir, dass sie bleibt?
1963: An einem einzigen Tag in London lässt Marianne ihr Leben und ihre Entscheidungen Revue passieren. Als junge Frau wollte sie Pianistin werden. Gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin Lotte hatte sie große Pläne nach der Haushaltungsschule. Und Lotte hat es geschafft. Während sie in den 20er-Jahren eine bekannte Malerin wurde, ist für Marianne alles anders gekommen.
Laetitia Lenel hat einen wunderbar verdichteten und sprachmächtigen Roman darüber geschrieben, was eine Gesellschaft von Frauen erwartet und was sie sich selbst erlauben. Eine liebe Frau erzählt nicht nur von einer späten weiblichen Selbstermächtigung, sondern ist auch eine Liebeserklärung an die verändernde Kraft von Kunst und Literatur.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Jürg K.
5/5
10.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr Gefühlsvolle Geschichte
Im Jahr 1963 lässt Marianne in London ihr Leben und ihre Entscheidungen Revue passieren. Sie wollte in jungen Jahren Pianistin werden. Zusammen mit ihrer Freundin Lotte hatte sie grosse Pläne. Lotte hat es geschafft, für Marianne kam alles anders. Man liest ist eine ergreifende Auseinandersetzung mit dem Leben einer Frau und den gesellschaftlichen Erwartungen, die an sie gestellt werden. In diesem Buch werden Themen wie Selbstermächtigung, der transformativen Kraft von Kunst und Literatur und den gesellschaftlichen Rollen, die Frauen vorgeschrieben werden behandelt. Für mich einen wunderbar verdichteten und sprach mächtigen Roman. Dieses Buch hat mich gut unterhalten und ich habe einiges gelernt daraus. Ein Buch das ich empfehlen kann.
MarcoL
aus Füssen
5/5
27.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Erwartung der Gesellschaft an die Frau, eingepackt in einen gefühlvollen Roman.
Sprachlich brillant, einfühlsam und dennoch manchmal sehr direkt, verpackt hier Laetitia Lenel die Geschichte von Generationen, die Sehnsüchte von Frauen und die Macht der Kunst in nicht mal 160 Seiten.
S.128: „Was uns erstickt, ist das, was wir nicht tun dürfen. Nicht denken, nicht studieren, nicht reisen, nicht träumen. Nicht frei sein.“
Mariannes einziger Lebenssinn schien darin zu bestehen, zu funktionieren. Als Frau. Für ihren Mann, ihre Familien, Gesellschaft, Vaterland. Sie hatte Pflichten, eigene Bedürfnisse mussten zurückgestellt werden.
Das war für sie immer schon so. Wie gerne hätte sie als Mädchen mehr am Flügel geübt, ihr Klavierspiel, für das sie großes Talent hatte, zu intensivieren. Aber das Leben bestand nur aus Kompromissen. Ihre Freundin Lotte war da anders, sie lebte ihre Kunst als Malerin aus.
S.37: „Und wehe, man wage es, Gefühle und Ambitionen zu entwickeln, die nicht von den Eltern vorgesehen seien!“
S.38: „Wir haben so gut gelernt, unsere eigenen Gefühle zu unterdrücken! Aber ob nicht auch Frauen das Recht hätten, zu leben und das Leben in der Kunst noch einmal zu schöpfen, intensiver, lebendiger vielleicht als zuvor.“
S. 39: „Lotte ließ nichts davon gelten. Ehe und Kunst schlössen einander aus, das wisse Marianne so gut wie sie.“
Während Marianne im Alter durch London schlendert, auf der Flucht vor unliebsamen Konversationen und auf der Suche nach sich selbst, erzählt die Autorin Mariannes Leben in Rückblicken. Sie streift ihre Kindheit, erzählt ausdrücklich von ihrer Ehe mit Paul. Paul ging in den Ersten Weltkrieg voller Überzeugung. Es entwickelte sich ein Briefverkehr zwischen den beiden, der, je länger der Krieg dauerte, keinen Hehl daran ließ, welche Prioritäten Paul setzte. Der Kampf ums deutsche Vaterland war im wichtiger als alles andere. Er fiel, kurz bevor der Wahnsinn sein Ende hatte. Marianne durchtauchte die Zeit. Die Nationalsozialisten erstarkten, als Halbjüdin hatte sie es schwer. Aber sie überlebte auch diesen zweiten großen Wahnsinn, kümmerte sich um ihre Mutter und den Vater ihres verstorbenen Ehemanns.
Sie samt ihren Wünschen und Begehren bleibt auf der Strecke. Erst im Alter entdeckt sie noch einen Anflug zum Mut der eigenen Selbstermächtigung.
Laetitia Lenel zeichnet mit ihrem Debütroman ein starkes Bild der Erwartungen an Frauen über einen großen Zeitraum. Als Basis für diesen wirklich sehr eindringlichen Roman dienten ihr der Briefwechsel ihrer Urgroßeltern. Sehr gekonnt setzt sie ihre Protagonistin in den Strudel der Zeit. Politische Details dürfen da genauso wenig fehlen wie der Blick auf die Kunst. Sie beschäftigt sich mit dem Thema der sogenannten Entnazifizierung, die nie wirklich stattfand. Plausible Erklärungen, warum nie darüber gesprochen wurde, sind nur ein kleines Detail dieses Buches, aber man merkt, dass es der Autorin ein Bedürfnis war, dies einzuflechten. Zu recht, wie ich anmerken möchte.
Dennoch, im Mittelpunkt steht das Thema Frau und ihre erwartete, zugedachte Rolle in der Gesellschaft. Marianne und Lotte bilden hier die beiden Pole.
S.125: „Sie [Anm.:Marianne] war eine liebe Frau. Das würde man sagen. Eine liebe Frau. Mehr würde von alldem nicht bleiben.“
Ich bin sehr begeistert von diesem Buch, dem ich sehr viele LeserInnen wünsche. Ganz große Leseempfehlung und ich hoffe, in Zukunft noch viele Bücher der Autorin lesen zu dürfen.
MarcoL
aus Füssen
5/5
27.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Erwartung der Gesellschaft…
Die Erwartung der Gesellschaft an die Frau, eingepackt in einen gefühlvollen Roman. Sprachlich brillant, einfühlsam und dennoch manchmal sehr direkt, verpackt hier Laetitia Lenel die Geschichte von Generationen, die Sehnsüchte von Frauen und die Macht der Kunst in nicht mal 160 Seiten. S.128: „Was uns erstickt, ist das, was wir nicht tun dürfen. Nicht denken, nicht studieren, nicht reisen, nicht träumen. Nicht frei sein.“ Mariannes einziger Lebenssinn schien darin zu bestehen, zu funktionieren. Als Frau. Für ihren Mann, ihre Familien, Gesellschaft, Vaterland. Sie hatte Pflichten, eigene Bedürfnisse mussten zurückgestellt werden. Das war für sie immer schon so. Wie gerne hätte sie als Mädchen mehr am Flügel geübt, ihr Klavierspiel, für das sie großes Talent hatte, zu intensivieren. Aber das Leben bestand nur aus Kompromissen. Ihre Freundin Lotte war da anders, sie lebte ihre Kunst als Malerin aus. S.37: „Und wehe, man wage es, Gefühle und Ambitionen zu entwickeln, die nicht von den Eltern vorgesehen seien!“ S.38: „Wir haben so gut gelernt, unsere eigenen Gefühle zu unterdrücken! Aber ob nicht auch Frauen das Recht hätten, zu leben und das Leben in der Kunst noch einmal zu schöpfen, intensiver, lebendiger vielleicht als zuvor.“ S. 39: „Lotte ließ nichts davon gelten. Ehe und Kunst schlössen einander aus, das wisse Marianne so gut wie sie.“ Während Marianne im Alter durch London schlendert, auf der Flucht vor unliebsamen Konversationen und auf der Suche nach sich selbst, erzählt die Autorin Mariannes Leben in Rückblicken. Sie streift ihre Kindheit, erzählt ausdrücklich von ihrer Ehe mit Paul. Paul ging in den Ersten Weltkrieg voller Überzeugung. Es entwickelte sich ein Briefverkehr zwischen den beiden, der, je länger der Krieg dauerte, keinen Hehl daran ließ, welche Prioritäten Paul setzte. Der Kampf ums deutsche Vaterland war im wichtiger als alles andere. Er fiel, kurz bevor der Wahnsinn sein Ende hatte. Marianne durchtauchte die Zeit. Die Nationalsozialisten erstarkten, als Halbjüdin hatte sie es schwer. Aber sie überlebte auch diesen zweiten großen Wahnsinn, kümmerte sich um ihre Mutter und den Vater ihres verstorbenen Ehemanns. Sie samt ihren Wünschen und Begehren bleibt auf der Strecke. Erst im Alter entdeckt sie noch einen Anflug zum Mut der eigenen Selbstermächtigung. Laetitia Lenel zeichnet mit ihrem Debütroman ein starkes Bild der Erwartungen an Frauen über einen großen Zeitraum. Als Basis für diesen wirklich sehr eindringlichen Roman dienten ihr der Briefwechsel ihrer Urgroßeltern. Sehr gekonnt setzt sie ihre Protagonistin in den Strudel der Zeit. Politische Details dürfen da genauso wenig fehlen wie der Blick auf die Kunst. Sie beschäftigt sich mit dem Thema der sogenannten Entnazifizierung, die nie wirklich stattfand. Plausible Erklärungen, warum nie darüber gesprochen wurde, sind nur ein kleines Detail dieses Buches, aber man merkt, dass es der Autorin ein Bedürfnis war, dies einzuflechten. Zu recht, wie ich anmerken möchte. Dennoch, im Mittelpunkt steht das Thema Frau und ihre erwartete, zugedachte Rolle in der Gesellschaft. Marianne und Lotte bilden hier die beiden Pole. S.125: „Sie [Anm.:Marianne] war eine liebe Frau. Das würde man sagen. Eine liebe Frau. Mehr würde von alldem nicht bleiben.“ Ich bin sehr begeistert von diesem Buch, dem ich sehr viele LeserInnen wünsche. Ganz große Leseempfehlung und ich hoffe, in Zukunft noch viele Bücher der Autorin lesen zu dürfen.
Bewertung
4/5
08.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Spaziergang durchs Leben
Wir werden durch Abschnitte eines Lebens geführt, mit Entscheidungen, Zweifeln, Gedanken, gefühlen und dem Blick zurück auf vergangene Weggabelungen. Ein seichtes Buch, bei dem sich viel zwischen den Zeilen versteckt.
Bewertung
4/5
02.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Feinfühliger Roman
In dem Roman von Laetitia Lenel begleiten wir die Protagonistin Marianne, die in den 1960er Jahren auf ihr Leben zurückblickt und zeitgleich die gesellschaftlichen Erwartungen und Zwänge reflektiert, mit denen Frauen zur damaligen Zeit konfrontiert waren. Marianne und ihre Kindheitsfreundin Lotte hatten einst von einem freien Leben fernab der damaligen Rollenbilder geträumt. Doch während Lotte ein selbstbestimmtes Leben als Künstlerin lebte, tauschte Marianne ihren Traum, Pianistin zu werden, für ein Leben als Ehefrau, baldige Kriegswitwe und Mutter von zwei Kindern ein. Marianne fragt sich, was bleibt. War sie bloß "eine liebe Frau", die es allen recht machte?
Es ist ein feministisches Buch, das die Frage aufwirft, welchen Lebensweg Frauen gehen können und wie stark sie letztlich von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt und beeinflusst sind. Trotz der Tatsache, dass das Buch in den 60er Jahren spielt, haben die feministischen Kernthemen wenig an Aktualität eingebüßt. Es handelt sich um einen ruhigen und feinfühligen Roman, aus dem ich inhaltlich trotz seiner Kürze viel mitnehmen konnte und der mich an vielen Stellen nachdenklich stimmte. Auch sprachlich überzeugte Laetitia Lenel auf ganzer Linie. Ich empfehle das Buch gerne weiter!
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5/5
10.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Feinfühlige & feministische Lektüre für jedes Alter
Ein Tag in den Sechzigern in London, eine Frau die ihr Leben Revue passieren lässt. Und schnell wird klar, dass sie so viel mehr war als nur "eine liebe Frau". Zwischen Karriere, Krieg und Kindern versuchte sie ihren Weg zu finden und sich dabei selbst treu zu bleiben. Ein schmales Buch, in dem trotzdem wahnsinnig viel steckt - feinfühlig und feministisch. Das perfekte Geschenk an Frauen (und Männer) jeden Alters!
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4/5
21.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Blick zurück
In ihrem Debütroman „Eine liebe Frau“ erzählt Laetitia Lenel von Marianne, die 1963 durch die Stadt London streift, Sehenswürdigkeiten besucht und währenddessen ihr Leben durchdenkt, Entscheidungen resümiert. Gerne folgte ich diesen Erinnerungspfaden, was hat sich erfüllt, was ist geblieben, auch von der einst engen Freundschaft mit Lotte, die eine erfolgreiche Malerin war. Ein schlanker Band, randvoll mit Gefühl, fein und feministisch.
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