Eine Mutter, die mit verführerischer Sogwirkung schwarzsieht. Ein Vater, der mit Nebelkerzen wirft, wenn er von sich erzählen soll. Und ein vermeintliches Unglückshaus, das es endlich zu verlassen gilt. Miriam Böttgers aberwitziger, tragikomischer und abgründiger Roman für alle, die sich auch mit ihrer Familie herumschlagen."Eigentlich ist jede Familie eine Sekte für sich, mit irgendeiner speziellen Idee oder Wahnvorstellung, um die alles kreist", grübelt die Ich-Erzählerin in Miriam Böttgers Roman. "Oft sind dies naheliegende Dinge wie Genialität der Kinder, Akademikertum, Geld, Fitness, gesellschaftlicher Status". Manchmal allerdings auch Abwegiges. Die fixe Idee ihrer Familie besteht in der Überzeugung, im Leben immer nur Pech zu haben, in der Annahme einer familiären Unglücksprädisposition. Und die physische Manifestation dieser Idee ist das HAUS der Familie, das auf andere hell und unschuldig wirken mag, das seine Bewohner jedoch, darin sind sie sich einig, jahrzehntelang am Leben gehindert hat.Als die Eltern beschließen, das HAUS endlich aufzugeben und in eine kleinere Wohnung zu ziehen, müsste dies eigentlich eine Erleichterung sein. Doch kaum verkauft, erscheint der Unglücksmagnet in völlig neuem Licht. Während der Tag des Umzugs näher rückt, werden die Lageberichte des Vaters, die die Tochter täglich telefonisch einholt, immer bizarrer. Und sie begreift, dass es hier um etwas ganz anderes geht als um einen Umzug.
Kundinnen und Kunden meinen
3.4/5.0
Fredhel
5/5
04.11.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Die Diva
Für dieses quirlige Hörbuch hätte ich mir ein bunteres als dieses unscheinbare, blassblaue Cover gewünscht.
Als Ich-Erzählerin beschreibt Miriam Böttger ein Aufwachsen in Kassel. Dabei fokussiert sie sich auf das von ihren Eltern erbaute Haus, das Anlass zu ständigen Wehklagen gibt, ein Sinnbild nicht wahr gewordener Träume. Bis zur vierten Klasse lebte die Familie in Weinheim. Hier war die Welt noch vollkommen, doch der berufliche Aufstieg des Vaters erforderte den Umzug in den Norden und damit dem Beginn allen Unheils.
Dreh- und Angelpunkt ist die schillernd egozentrische Figur der Mutter, die mit nichts mehr zufriedengestellt werden kann. Zwar ist sie finanziell so gut gestellt, dass sie sich extravagante Wünsche erfüllen kann, aber es reicht nicht, um in der gehobenen Kasseler Gesellschaft Fuß zu fassen. Ihre Unzufriedenheit manifestiert sich in Beschwerden über die Unvollkommenheit ihres Zuhauses. Man kann sich Mutter sehr gut vorstellen, wie sie sich immer gekonnt in Szene setzt, Ansprüche geltend macht und sich doch immer vom Pech verfolgt sieht. Wie kann man immer nur das Negative im Leben sehen? Doch als sich nach langen Jahren der Unzufriedenheit tatsächlich ein Käufer findet, dreht sich das Blatt und die Mutter sieht das Haus nur noch durch die rosarote Brille der Wehmut.
Gerade diese schwierige Person, ich möchte sie mir gar nicht in ihrer Funktion als Mutter vorstellen, macht den Roman so einzigartig. Zwar bekommen auch andere Familienmitglieder mit ihren absonderlichen Eigenarten ihr Fett weg, aber keiner reicht an Mutters Persönlichkeit heran, die von der Autorin mit pointierten Formulierungen wunderbar skizziert wird. Auch ihre Spitzen gegen die Stadt Kassel und deren Bewohner haben hohen Unterhaltungswert.
Kurz gesagt, die Autorin weiß mit Worten umzugehen, aber die Wahl von Inka Löwendorf als Sprecherin rundet den Hörgenuss erst richtig ab. Sie findet mit ihrer Stimme den richtigen Grad zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, sodass die Handlung nicht in bösen Klamauk absinkt.
Lianne
5/5
05.09.2024
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Familienbanden
Die liebe Familie und ihre Problemchen, darum geht es in diesem Buch. Das grösste Problem ist das titelgebende Haus. Erwartet man bei „Aus dem Haus“ den eigentlichen Weg, dass die Kinder aus dem Haus sind und das Leben der Eltern eine neue Wendung geht, ist es in dem Roman von Miriam Böttger genau andersherum. Die Eltern müssen aus dem Haus, was laut der Mutter ein Unglückshaus ist. Schließlich scheint das Haus immer nur auf die Gelegenheit zu warten, dass man im Urlaub ist, um mal wieder einen Rohrbruch hervorzuzaubern. Und kaum lässt es sich verkaufen, kommen die Zweifel …
Toller Roman mit Witz und doch tiefgreifende Themen. So wirkt es auch wie eine allgemeine Reflexion vom Konstrukt Familie. Der Satz „jede Familie ist wie eine Sekte“ unterstreicht es perfekt. Besonders die Tante, die ihre neusten Produktentdeckungen auf Lager kauft, um sie über das Jahr verteilt allen zu schenken. Da merkt man die Liebe zum Detail beim ausarbeiten der Charaktere.
Wortschätzchen
aus Kreis Heidelberg
5/5
21.08.2024
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Sündenbock
Ganz klar, das Haus in Kassel ist schuld an allem, das nicht so läuft, wie es soll. Stimmt doch! Oder doch nicht? Die namenlose Ich-Erzählerin schildert herrlich ironisch die Ereignisse, wie sie waren oder zumindest vom einen oder anderen Familienmitglied gesehen wurden. Wie sich eins ans andere reiht, klingt nicht nur wahnwitzig, sondern ergibt in erschreckender Weise auch noch Sinn. Dabei legt sie auch in jede große oder kleine Wunde des Lesers oder Hörers ihren Finger und sorgt dafür, dass man es körperlich spürt, was sie sagen möchte. Das ist gleichermaßen gemein wie auch genial.
Man kann es ganz schlecht in Worte fassen, was man da so hört oder liest. Es plätschert scheinbar belanglos so vor sich hin. Vieles erkennt man wieder, anderes ist unfassbar und dann ist da auch noch das eine oder andere, das richtig an die Nieren geht. Aber genau diese Dinge mag ich. Wenn ich emotional so tief hineingezogen werde, dann ist ein Buch richtig gut.
Es ist klar, dass es hier nicht rein um ein Gebäude geht. Das Haus, das ist hier auch das Familiengefüge. Es wird zum Platzhalter für alles, was man nicht anders formulieren mag. Und solche Dinge gehen einfach tief, da sie nie ohne Schmerz funktionieren. Die Mutter will zurück nach Baden-Württemberg, in die Bergstraße, raus aus Hessen, weg von Kassel. Damit könnte sie auch die Familie ihres Mannes auf Abstand bekommen und darum geht es, meiner Meinung nach, viel mehr, als um das unselige Haus, das zur Manifestation aller Probleme wird. Da wundert es nicht, dass der Auszug dann problematisch verläuft und man ihn irgendwie dann doch umgehen, verhindern möchte. Das alles funktioniert jedoch nicht immer und überall, es muss in den 1980ern und 1990ern seine Glanzzeit haben, sonst wirken die Sprüche nicht. Und das ist wohl auch mit ein wichtiger Punkt für die Zielgruppe der Leserschaft. Wer diese Zeit nicht miterlebt hat, wird nicht komplett nachempfinden können, was zwischen den Zeilen geschrieben steht und abgeht. Man belügt sich selbst und wahrt nach außen den Schein, man schiebt Gründe und Schuld hin und her, nimmt aber niemals etwas auf die eigene Kappe. Kann das gut gehen? Natürlich nicht! Aber es liest und hört sich super. Ich hatte emotionale Achterbahnfahrten und gute Unterhaltung. Mir ist das fünf Sterne wert.
Wortschätzchen
aus Kreis HD
5/5
21.08.2024
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Sündenbock Ganz klar, das…
Sündenbock Ganz klar, das Haus in Kassel ist schuld an allem, das nicht so läuft, wie es soll. Stimmt doch! Oder doch nicht? Die namenlose Ich-Erzählerin schildert herrlich ironisch die Ereignisse, wie sie waren oder zumindest vom einen oder anderen Familienmitglied gesehen wurden. Wie sich eins ans andere reiht, klingt nicht nur wahnwitzig, sondern ergibt in erschreckender Weise auch noch Sinn. Dabei legt sie auch in jede große oder kleine Wunde des Lesers oder Hörers ihren Finger und sorgt dafür, dass man es körperlich spürt, was sie sagen möchte. Das ist gleichermaßen gemein wie auch genial. Man kann es ganz schlecht in Worte fassen, was man da so hört oder liest. Es plätschert scheinbar belanglos so vor sich hin. Vieles erkennt man wieder, anderes ist unfassbar und dann ist da auch noch das eine oder andere, das richtig an die Nieren geht. Aber genau diese Dinge mag ich. Wenn ich emotional so tief hineingezogen werde, dann ist ein Buch richtig gut. Es ist klar, dass es hier nicht rein um ein Gebäude geht. Das Haus, das ist hier auch das Familiengefüge. Es wird zum Platzhalter für alles, was man nicht anders formulieren mag. Und solche Dinge gehen einfach tief, da sie nie ohne Schmerz funktionieren. Die Mutter will zurück nach Baden-Württemberg, in die Bergstraße, raus aus Hessen, weg von Kassel. Damit könnte sie auch die Familie ihres Mannes auf Abstand bekommen und darum geht es, meiner Meinung nach, viel mehr, als um das unselige Haus, das zur Manifestation aller Probleme wird. Da wundert es nicht, dass der Auszug dann problematisch verläuft und man ihn irgendwie dann doch umgehen, verhindern möchte. Das alles funktioniert jedoch nicht immer und überall, es muss in den 1980ern und 1990ern seine Glanzzeit haben, sonst wirken die Sprüche nicht. Und das ist wohl auch mit ein wichtiger Punkt für die Zielgruppe der Leserschaft. Wer diese Zeit nicht miterlebt hat, wird nicht komplett nachempfinden können, was zwischen den Zeilen geschrieben steht und abgeht. Man belügt sich selbst und wahrt nach außen den Schein, man schiebt Gründe und Schuld hin und her, nimmt aber niemals etwas auf die eigene Kappe. Kann das gut gehen? Natürlich nicht! Aber es liest und hört sich super. Ich hatte emotionale Achterbahnfahrten und gute Unterhaltung. Mir ist das fünf Sterne wert.
Lesemone
4/5
23.08.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Das Haus ist schuld
Wenn die Eltern das Haus verkaufen wollen, um in eine kleinere Wohnung zu ziehen, ist das für die darin aufgewachsenen Kinder nicht so leicht. Wenn aber die Eltern danach doch nicht so erleichtert darüber sind, wie sie sein sollten bzw. vorgegeben haben und das Haus vielleicht doch nicht so ein großes Unglück, wie angenommen, dann kommt eine tragisch komische Geschichte dabei raus.
Erzählt wird von einer Ich-Erzählerin aus Sicht der Tochter. Sie schlüsselt den Werdegang der Eltern auf, wie sie nach Kassel in das Unglückshaus gezogen sind und wie die Mutter immer wieder dem Haus die Schuld an vielen Dingen gab, die in der Familie so passiert sind. Man bekommt einen Einblick in die Familienverhältnisse und was sie alles in ihrem Verlauf zusammen erlebt haben. Immer wieder kommt man dann auf das Haus zurück. Ich habe das Hörbuch gehört und fand es etwas schwierig, der Sprecherin zuzuhören. Ich hatte das Gefühl, dass hier ohne Punkt und Komma fortlaufend erzählt wird. Daher fand ich es etwas schwierig aufmerksam zu bleiben. Durch die Ich-Erzählung blieb die Perspektive etwas eintönig. Die Schilderungen der Erzählerin waren jedoch unterhaltsam und humorvoll. In vielen Szenen kann man sich und seine eigene Familie wiedererkennen. Es war dann am Ende doch eine recht amüsante Geschichte.
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4/5
19.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verzweifeln in Kassel
Der sympathischen Autorin zuliebe steht zu hoffen, dass diesem Roman kein eigenes Erleben zu Grunde liegt. Nach einer positiven Figur hält man hier vergebens Ausschau. Die namenlose Ich-Erzählerin lebt in Berlin und blickt auf das Leben ihrer Eltern in Kassel, die dort in einem Eigenheim leben. Auch diese Stadt kriegt ihr Fett weg. Die Mutter bezeichnet das Haus unter anderem als "Bruchbude” will sich allzu gern davon trennen. Als es endlich verkauft ist, verlagern sich die Befindlichkeiten. Mit fortschreitendem Text wird es irrwitziger, oft auch bitterböse, diese Familie böte wohl Stoff für mehr als ein Buch. Das Hörbuch hat mich gut unterhalten.
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4/5
12.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Aus dem Haus“ ist eine berührende...
„Aus dem Haus“ ist eine berührende Lektüre für alle, die Geschichten über Selbstfindung und die Kraft der Heimat mögen.
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