Eine schwebend schöne Liebesgeschichte von Patrick Modiano. 'Der zarteste, grazilste und lichteste seiner Romane.' Le Nouvel Obs
Eine zufällige Begegnung auf der Straße und sie ist wieder da: die längst vergangene Zeit, als er, jung und voller Schriftstellerambitionen, in Paris eine Balletttänzerin kannte und vielleicht auch liebte. Da waren ihr scheuer Sohn Pierre, um den er sich kümmerte, die charismatische Pola Hubersen und Serge Verzini, in dessen "Zauberkasten" sie sich trafen und unter die Pariser Nachtgestalten mischten. Doch wer war die Tänzerin wirklich und welch schweigsame Verbundenheit teilte er mit ihr? Modiano erzählt schwebend schön von zwei Menschen, die ihre Herkunft hinter sich lassen und ein neues, freies Leben beginnen können.
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5.0/5.0
MarieOn
5/5
11.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein feines Stück Literatur
Heute in der Stadt von damals, die sich so sehr verändert hatte, dass man glauben konnte, die Touristen würden den Ort belagern, kamen ihm Bilder in den Sinn. Und dann an einer roten Ampel sah er den Mann, den er seit Jahren tot geglaubt hatte. Serge Verzini, aber vielleicht irrte er sich auch. Als beide die Straße überquerten und auf gleiche Höhe kamen, sprach er ihn an. Trotz der Ähnlichkeit der groben Gesichtszüge gab der Mann vor, nicht Verzini zu sein, obwohl er einen Siegelring mit den Initialen S. V. trug. Nachdem die erste Skepsis von dem Kerl abgefallen war, gab der ihm seine Telefonnummer, damit sie sich einmal auf ein Glas Wein treffen könnten.
Die Tänzerin und er machten vor über fünfzig Jahren lange Spaziergänge. Sie hatte nach dem Training das Bedürfnis nach mehr Bewegung. Nicht die Sprache oder die großen Worte verband sie. Sie konnten schweigsam, jeder seinen Gedanken lauschend nebeneinander her gehen. Er hatte sie durch Verzini kennengelernt, der dem ambitionierten jungen Chansonnier ein möbliertes Zimmer vermietete.
Die Tänzerin bezog eine große Wohnung und holte ihren Sohn nach Paris, von dem er bis dahin keine Ahnung gehabt hatte. Sie warteten am Bahnsteig, beobachteten den einfahrenden Zug und die aussteigenden Passagiere. Fast hatten sie schon die Hoffnung aufgegeben, als ein schüchterner kleiner Junge, vielleicht sechs oder sieben Jahre, den Zug verließ. Die Tänzerin ließ ihn auf sich zukommen und ging zaghaft und etwas unbeholfen mit ihm um und er tat es ihr gleich, als hätten sie sich lange nicht gesehen. Der Vater, so erfuhr er von Verzini, war verschwunden, als sie mit dem Jungen schwanger war.
Fazit: Patrick Modiano, vielfach ausgezeichneter Autor (Literaturnobelpreis 2014) hat eine amouröse, knapp hundert Seiten umfassende Geschichte erschaffen. Er lässt seinen Protagonisten auf das Paris der Siebziger-Jahre zurückblicken. Sein Studium verschlägt ihn in einen elitären Künstlerkreis, in dem sich alle Beteiligten um die Hauptperson, die Balletttänzerin drehen. Sie ist unglaublich gut gezeichnet, sowohl weich und zart als auch diszipliniert, leidenschaftlich und introvertiert. Eine Frau, die ihre Lebenserfahrung aus dem Beobachten zieht. Der Chansonnier fühlt sich ihr unterlegen, wirkt wie ein Anhängsel, das seiner Herrin folgt, ohne dass sie das von ihm verlangt hätte. Der ruhige Mann scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen, macht aber keine Anstalten einer Eigeninitiative. Er ist immer auf Abruf bereit und kümmert sich wie ein Vater um ihren Sohn, während sie sich zu vielen, Frauen wie Männern hingezogen fühlt. Die Geschichte plätschert angenehm vor sich hin. Die Stimmfarbe ist unaufgeregt schwelgend, so als würde der Autor mir einen Schwank aus seiner Jugend erzählen. Die Stimmung ist deutlich französisch, auch durch die vielen Straßennamen, die er verwendet, um Atmosphäre zu erzeugen. Ein feines Stück Literatur, das mich vollumfänglich unterhalten hat.
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5/5
29.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Impressionistisch zart!
Ohne jeden Zweifel ist dies Modianos schönstes und vielleicht auch persönlichstes Buch, eine zarte Meditation über das Erinnern und das, was hätte sein können - eine Hommage an vergangene Zeiten und eine Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit. Jeder Satz ein kleines Kunstwerk, zum Genießen und immer wieder beglückt zur Hand Nehmen!
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5/5
24.03.2025
eBook (ePUB)
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Paris um das Jahr 2022. Noch ist das pulsierende Leben nach COVID nicht vollständig zurückgekehrt. Der Erzähler hat eine zufällige Begegnung auf der Straße, die ihn an seine Anfangszeit in Paris in den Siebzigerjahren erinnern lässt. Es sind Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit mit der Tänzerin und ihrem Sohn.
Es bleibt alles schwebend in einem diffusen Licht der Erinnerung. Ich hätte nur gerne noch mehr gelesen, was aus der Tänzerin und ihrem Sohn wurde. Aber das ist wahrscheinlich eine andere Geschichte. Die „Tänzerin“ ist für mich eine kleine literarische Perle!
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3/5
01.10.2025
eBook (ePUB)
Paris, die Stadt der Liebe!
Eine sprachlich wunderschöne Erzählung, völlig zeitlos und eine kleine Hymne auf Paris.
Die Handlung bleibt mir ein wenig zu sehr im Unbestimmten. Fast ununterbrochen beobachtet und begleitet der verliebte Erzähler die schöne Tänzerin durch Paris. Das war mir, ehrlich gesagt, dann doch ein bisschen zu wenig und ein bisschen zu schön.
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