Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.
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Ein Roman, der keine Schonung kennt
Shilo aus Ulm am 21.01.2026
Bewertungsnummer: 3018630
Bewertet: eBook (ePUB)
Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer auszuhalten ist und genau deshalb lange nachwirkt.
Mattia, von allen nur Bambino genannt, ist jung, brutal und schon früh Teil der faschistischen Bewegung. Sein Spitzname täuscht, denn hinter dem jungen Gesicht steckt eine erschreckende Härte. Gewalt wird für ihn zur Sprache, Macht zum Halt. Auffällig ist die Kälte seines Handelns und die Leere, die ihn antreibt. Entschuldigungen gibt es keine, nur Gründe.
Die Geschichte entfaltet sich schnell und konzentriert. Szenen wechseln abrupt, fast atemlos. Immer wieder blitzen Hinweise auf Mattias’ Herkunft auf, auf das Schweigen des Vaters, auf die fehlende Mutter. Diese Suche zieht sich sanft durch den Roman und gibt der Figur eine zusätzliche Tiefe. Es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um Verletzungen, die nie ausgesprochen wurden und sich in Gewalt verwandeln.
Besonders eindrücklich ist der Umgang mit Geschichte. Krieg, Faschismus, Besatzung und Schuld werden nicht erklärt oder eingeordnet. Sie sind einfach da, roh und unausweichlich. Triest wird zu einem Schauplatz, an dem sichtbar wird, wie schnell Täterrollen entstehen und wie flüchtig jede Form von Macht ist. Vieles bleibt bewusst offen.
Die Sprache ist klar, hart und schnörkellos. Gefühle werden nicht ausformuliert, sondern entstehen zwischen den Zeilen. Gerade dadurch wirkt vieles beklemmend nah. Bambino bleibt eine Figur, die abstößt und zugleich fesselt, weil sie nicht vereinfacht wird. Am Ende steht kein Trost, keine Erlösung, sondern die Erkenntnis, dass Geschichte Menschen formt und verformt und dass Schuld selten eindeutig beginnt.
Dieses Buch hinterlässt Unruhe. Es zwingt dazu, länger darüber nachzudenken, wie aus Orientierungslosigkeit Überzeugung wird und wie leicht Gewalt zur Identität werden kann. Ein Roman, der nicht gefallen will, sondern etwas offenlegt.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die literarische Romane schätzen, die fordern, verstören und lange nachwirken.
heftig
Bewertung aus Heek am 18.02.2026
Bewertungsnummer: 3050527
Bewertet: eBook (ePUB)
"Bambino" so lautet der Titel von dem Buch. Wegen seines kindlichen Aussehens wird ein junger Mann so genannt. Doch die außere Erscheinung täuscht. Bambino kann sehr gewalttätig sein. Von seiner Mutter hat er kurz vor ihrem Tod erfahren, dass sie nicht seine biologische Mutter ist. Vom Vater, einem Uhrmacher, bekommt er hierzu keine Antwort. Bambino sucht Halt und versucht seine Mutter zu finden und gerät dabei an die falschen "Freunde". Er kommt in eine Szene, die sehr brutal und menschenverachtend vorgeht. Das Buch lässt ein beklemmendes Gefühl und viel Stoff zum Nachdenken zurück.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein Blick in den Kopf eines Faschisten.
1946 Italien-Triest-Slowenien-Griechenland.
Die Geschichte wird aus der Perspektive des Anti-Helden Bambino erzählt, der erschreckend gefühlskalt ist.
Am Sterbebett seiner Mutter erfährt er von ihr, dass er der Sohn einer andern Frau ist, der Affäre seines Vaters…
Sein Vater weigert sich stoisch darüber zu reden.
Wut & Menschenverachtung bildet sich in ihm und er schließt sich, zum Teil aus Langeweile den italienischen Faschisten mit grimmigem Zorn und Brutalität an.
Macht, Sadismus und das Bedürfnis, ein echter Italiener zu sein?
Das Gesicht eines Engels, mit dem Herz eines Teufels.
Alles lässt er an sich abprallen, bis er in den Krieg mit Griechenland hineingezogen wird und er erkennen muss,
was Krieg bedeutet. Selbst für ihn!
Die Menschen erinnern sich an die, die Böses taten…
Die Sogwirkung des Romanes lässt einen nicht los.
Eindringlich und ein gutes Buch, das beschäftigt und zum Diskutieren einlädt.
Ein Anti-Kriegs Roman, der zum Klassiker werden könnte?
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Mattia, genannt Bambino, weil ohne Bartwuchs, wächst bei seinem Vater, der Uhrmacher ist, auf. Seine Mutter hat Mattia nie kennenlernen können, seine Fragen an den Vater bleiben unbeantwortet, so entsteht mit der Zeit eine schmerzliche Leere und Wut. Bambino schließt sich den Faschisten an, wird zum brutalen und gefürchteten Schläger, es sind die 1920er Jahre in Triest. Sechsundzwanzig Jahre später hat Mattia einen denkbar schlechten Ruf und viele Feinde. Auf Rat des Vaters flieht er in die Berge. Der Text kommt lapidar daher, packt durch die Ereignisse und diesen Helden, der keiner ist.
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