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›Elementarteilchen‹ ist der unmoralische Roman eines großen Moralisten: Michel Houellebecq berichtet in präziser Sprache und mit minuziöser Sachlichkeit vom glücklosen Leben der Halbbrüder Bruno und Michel, erst in der französischen Provinz, dann in Paris. Sie teilen eine egoistisch lieblose Mutter aus der 68er Generation, die sich ihrer sexuellen Selbstverwirklichung ausschweifend widmet – und sie teilen ihre von kalter Einsamkeit geprägte lebenslange Verstörung. Bruno, der Ältere, wird zum sexmanischen Opfer seiner fanatisch-verzweifelten Obsessionen. Michel ist Molekularbiologe und verbringt sein autistisches Forscherleben zwischen Supermarkt und Psychopharmaka – bis er in einem gentechnischen Institut in Irland das unsterbliche und geschlechtslose menschliche Wesen klont – die Vision jenseits des Egoismus und sexuellen Elends.
Mit Michel und Bruno entwirft Michel Houellebecq zwei Lebensläufe am »Ende der alten Ordnung«. Ein visionärer Gesellschaftsroman, voll Verachtung für den Fin-de-siècle-Materialismus und ein Abgesang auf unsere Zeit.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Houellebecq zu lesen bereitet mir immer ein riesiges Lesevergnügen. Wie er die Dinge und Ereignisse beschreibt, wie er die Themen einbringt und ausbreitet, welche Themen er über Haupt anspricht und welche nicht - das alles macht seine Einmaligkeit und Grösse aus. Gewiss, man kann sich über seine ideologische Ausrichtung ärgern. Aber man kann seine Bücher, also auch die Elementarteilchen, relativ „un-ideologisch“ lesen: einer, der einen Blick auf die „geistige Situation der Zeit“ wirft. Und dieser Blick ist faszinierend und glänzend!
Bewertung
5/5
25.04.2018
Buch (Taschenbuch)
Es gibt sie, die anspruchsvolle...
Es gibt sie, die anspruchsvolle aber dennoch erotische Literatur.
Wer es prickelnd erotisch mag, dennoch literarisch und sehr französisch, der kommt an diesem Autor nicht vorbei!
pearl-on-the-rox
Book Circle Community
4/5
16.09.2025
Buch (Taschenbuch)
Nichts für sanfte Gemüter!
„Elementarteilchen“ war mein drittes Buch von Michel Houellebecq. Ich schätze ihn für seine Intelligenz, seine Beobachtungsgabe und seinen packenden Stil. Immer wieder gibt es Passagen, die mich völlig in den Bann ziehen und bei denen ich denke: das ist grosse Literatur. Gleichzeitig ist dieses Buch für mich alles andere als eine leichte Lektüre gewesen – vielmehr eine Auseinandersetzung, die anstrengend, provozierend und aufwühlend war.
Besonders problematisch empfand ich das Frauenbild. Frauen erscheinen oft nur als Projektionsflächen für Begierde, Enttäuschung oder Leid – was sehr einseitig wirkt. Das hat mich stark gestört. Zugleich betont Houellebecq in Interviews, er bilde lediglich die gesellschaftlichen Zustände ab, wie er sie wahrnimmt. In diesem Sinne zeigt er, wie freiheitliche Ideale, sexuelle Befreiung und die 68er-Revolution in seiner Sicht nicht unbedingt zu einem glücklicheren Leben geführt haben. Das macht seine Bücher unbequem, aber auch provokant und diskussionswürdig.
Die Figuren – vor allem die Halbbrüder Michel und Bruno – sind von Einsamkeit, Entfremdung und Verzweiflung geprägt. Fast alle enden letztlich erbärmlich und dieses pessimistische Menschenbild ist schwer auszuhalten. Es hat mich sehr getriggert, gerade weil man sich fragt: kann das Leben wirklich nur so düster und voller Scheitern sein? Gleichzeitig liegt darin eine grosse Stärke des Romans: er zwingt einen, Stellung zu beziehen und sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die man vielleicht lieber verdrängen würde.
Spannend fand ich die philosophischen Exkurse, die Houellebecq immer wieder einbaut. Sie sind oft brillant, manchmal etwas überladen, verleihen dem Roman aber eine essayistische Tiefe, die weit über die blosse Handlung hinausgeht.
Mein Fazit: 4 von 5 Sternen. „Elementarteilchen“ ist ein intensives, provozierendes Buch, das mich sehr lange beschäftigt hat – und es immer noch tut. Ob ich es empfehlen würde? –> Nur mit Einschränkungen: für sanfte Gemüter ist es nichts, und auch als Ferienlektüre schon gar nicht. Aber wer bereit ist, sich auf Houellebecqs radikale Weltsicht einzulassen, findet einen Roman, der polarisiert, aufwühlt und zugleich auf beunruhigende Weise den Nerv unserer Zeit trifft.
Thomas Röthlisberger
aus Bern
3/5
08.08.2016
Buch (Taschenbuch)
Requiem auf die Menschheit - zum Schreien komisch
Es kommt selten vor, dass ich beim Lesen eines Buches in lautes Lachen ausbreche, was mir jedoch bei folgender Szene im Buch «Elementarteilchen» von Michel Houellebecq passierte:
Die Leiterin des Creative-Writing-Kurses hatte langes schwarzes Haar, einen grossen Mund mit karminroten Lippen (einen Mund von der Art, die man gemeinhin ein «Lutschmäulchen» nennt); sie trug eine weite, schwarze Hemdbluse und eine schwarze Keilhose. Hübsche Frau, sehr apart. Trotzdem eine alte Schlampe, dachte Bruno, als er sich irgendwo in den Kreis hockte, den die Teilnehmer mehr oder weniger bildeten. Rechts von ihm sass eine dicke, grauhaarige Frau mit starken Brillengläsern und furchtbar fahlem Teint, die laut schnaufte. Sie stank nach Wein; dabei war es erst halb elf.
«Um unsere gemeinsame Anwesenheit zu begrüssen», sagte die Leiterin zum Auftakt, «um die Erde und die fünf Himmelsrichtungen zu begrüssen, beginnen wir den Kurs mit einer Bewegung des Hatha-Yoga, die den Namen Sonnengruss trägt.»
Darauf folgte die Beschreibung einer unverständlichen Stellung; die Rotweinelse neben ihm gab den ersten Rülpser von sich. «Du bist abgespannt, Jacqueline …», kommentierte die Yogini, «mach die Übung nicht, wenn dir nicht danach ist. Leg dich lang hin, die anderen tun es gleich auch.»
Es ist mir bewusst, dass ich hiermit meinen Hang zu primitivem Humor offenbare. Aber die Szene ist wirklich zum Schreien komisch. Welcher Creative-Writing-Kurs beginnt schon mit einer Yogaübung? Ich kann mir gut vorstellen, mit welchem Ernst und Eifer die Teilnehmenden tun, was die Leiterin sagt. Nur Bruno scheint das Ganze nicht geheuer, was sich durch den Hinweis auf die fünf Himmelsrichtungen äussert. In all diese Ernsthaftigkeit ertönt ein Rülpser einer betrunkenen Teilnehmerin, was das Ganze ins völlig Absurde abdriften lässt.
Ich gebe zu, dass ich auch lachen muss, wenn zum Beispiel jemand im Lift, umgeben von fremden Personen, laut furzen muss. Oder andere peinliche Situationen, die mir oder anderen widerfahren. Aber ich denke, lachen ist die beste Art mit peinlichen Situationen umzugehen, statt sich zu schämen oder gar fremdzuschämen.
Ansonsten gibt es nicht sehr viel zu lachen in diesem Buch. Oder das Lachen bleibt einem im Halse stecken, so dass man lieber kotzen würde. Und ich bin mir unschlüssig, ob ich es gut oder schlecht finden soll. Aber vielleicht braucht es gar kein weiteres Urteil. Denn es wurde schon so viel über dieses Buch und den Autoren Michel Houellebecq geschrieben. Er wurde zum Reaktionär, zum Faschisten, zum Frauenverachter und zum Buddhisten erklärt. Von Genie bis Scharlatan. Sein Buch wurde zum Skandalbuch hochstilisiert, was vor allem die Verkaufszahlen in die Höhe trieb.
Es erzählt die Geschichte vom glücklosen Leben der Halbbrüder Bruno Clément und Michel Djerzinski, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Bruno, der Lehrer, entwickelt eine lebenslange Sexbesessenheit, hat aber beim anderen Geschlecht kaum Glück. Der depressiv wirkende Michel, der ein bekannter Forscher auf dem Gebiet der Molekularbiologie wird, zeigt dagegen wenig Interesse an Sex und Frauen. Kurz gefasst: Bruno ist Sexualität ohne Fortpflanzung, Michel ist Fortpflanzung ohne Sexualität. Das Einzige, was die beiden verbindet, ist das Schicksal, die einsamen und ungeliebten Söhne einer egoistischen Mutter zu sein.
«An Obszönität haben Film und bildende Kunst die Literatur längst überflügelt. Anstößig ist der Roman vor allem wegen der Rücksichtslosigkeit, mit der hier die antimodernen Einwände gegen das moderne Leben mit größter Lautstärke, mit der Wucht eines Schlags in die Magengrube wiederholt werden.»
In der sexuellen Befreiung sieht er die Schuld für die Vereinsamung der Menschen. Und dies zu einer Zeit als es noch kein Internet gab. Insofern ist «Elementarteilchen» ein visionäres Buch. Visionär auch im Sinne einer Science Fiction im letzten Kapitel. Auf der Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Molekularbiologen Michel Djerzinski, gelingt es die zweigeschlechtliche Fortpflanzung, also die Sexualität, abzuschaffen und ein perfekt geklonter, geschlechtsloser Mensch zu erschaffen, jenseits des Egoismus und sexuellen Elends. Am Ende des Buches wird einem klar, dass der Erzähler selber zu dieser neuen Spezies gehören muss und deshalb die Geschichte von Bruno und Michel so geschrieben hat, wie er sie geschrieben hat.
Definitiv nichts für literarische Beckenrandschwimmer.
Bewertung
1/5
01.12.2022
Hörbuch-Download (MP3)
Als Hörspiel unbefriedigend
Das Buch Elementarteilchen hat mir einst überraschend gut gefallen.
Alle anderen Hörbücher von Houellebecq habe ich mir hier heruntergeladen - sie stellen eine echte Empfehlung dar, sofern man den Autor mag, und toll gelesen überdies.
Das HörSPIEL ist jedoch sein Geld nicht wert und wird dem Buch nicht gerecht.
Es ist eher ein effekthascherisches, selbstverliebtes Experiment, dass mit viel Klimbim an der eigentlichen Story vorbeisegelt so dass man letztlich unbefriedigt und verwirrt nach nur 2,5 Stunden am Ende ist. Meiden!
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5/5
09.04.2019
Buch (Taschenbuch)
Elementarteilchen ist, gerade...
Elementarteilchen ist, gerade aufgrund seiner einfachen Kulisse, ein klassischer "Unter-Die-Haut-Geher". Sollte jeder gelesen haben, der über "Glück" nachdenkt.
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5/5
02.06.2017
Buch (Taschenbuch)
Eines dieser Bücher, dessen traurige...
Eines dieser Bücher, dessen traurige Kälte einen verstört zurück lässt, während man von Houellebecqs gnadenlosen und grausamen Humor immer wieder in die Seiten gezogen wird.
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5/5
16.03.2016
Buch (Taschenbuch)
Sehr literarischer, sprachlich...
Sehr literarischer, sprachlich wie inhaltlich höchst anspruchsvoller Roman. Verstörend in seiner schnörkellosen Nüchternheit. Ein Meisterwerk für Freunde der hohen Literatur.
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