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Produktbild: Mein Herz so weiß
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Mein Herz so weiß Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Gut

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

05.04.2012

Verlag

Fischer Taschenbuch Verlag

Seitenzahl

352

Maße (L/B/H)

18,8/12,4/3 cm

Gewicht

302 g

Auflage

9. Auflage

Originaltitel

Corazón tan blanco

Übersetzt von

Elke Wehr

Sprache

Deutsch

EAN

2710001832699

Warnhinweis

nicht erforderlich.

Beschreibung

Rezension

Der wohl beste Roman eines der wohl besten Stilisten unserer Zeit. Aachener Zeitung 20210731

Produktdetails

Zustand

Gut

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

05.04.2012

Verlag

Fischer Taschenbuch Verlag

Seitenzahl

352

Maße (L/B/H)

18,8/12,4/3 cm

Gewicht

302 g

Auflage

9. Auflage

Originaltitel

Corazón tan blanco

Übersetzt von

Elke Wehr

Sprache

Deutsch

EAN

2710001832699

Herstelleradresse

FISCHER Taschenbuch
Hedderichstr. 114
60596 Frankfurt
DE

Email: produktsicherheit@fischerverlage.de

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  • Bewertung

    aus Thun im Kanton Bern

    5/5

    12.10.2022

    eBook (ePUB 3)

    subjektive Perspektive

    Es ist die Geschichte des Sohnes und Dolmetschers Juan, der auf seine Ehefrau, auf seinen Vater, auf seine Bekannten und Freundinnen blickt. Er hat verschiedene Erlebnisse gehabt, einige eher skurrile Geschichten, andere spannend und humorvoll. Immer geht es um Liebe, um Beziehungen, um Familie usw. Sehr feinfühlig geschrieben; die Innenperspektive wird breit umgewälzt und bis in die verästeltsten Details beschrieben. Der Leser lernt, wie es ist und wie es sich anfühlt, ein Mensch zu sein, ein Mensch mit Gefühlen und Einstellungen; die subjektive Perspektive des Lebens, die immer privat ist und von niemandem genommen werden kann, erhält in diesem Buch ein privilegierte Stellung und schafft einen einzigartigen Fluss von subjektiven Farben, Nuancen, Düften, Ausprägungen und Anspannungen menschlichen Seins.

  • Bewertung

    aus Lyss

    5/5

    26.06.2022

    eBook (ePUB 3)

    eines meiner lieblingsbücher

    ein buch, welches ich nie mehr hergebe… javier marias geht den dingen auf den grund, lässt dich als leser*in tiefer blicken. ich liebe es, wie schonungslos ehrlich er seine figuren miteinander sprechen lässt.

  • Bewertung

    5/5

    28.04.2014

    eBook (ePUB 3)

    Bekenntnisse....

    Zwar bringt sich direkt zu Beginn des Buches eine junge Frau auf höchst dramatische Weise um, aber es ist kein Krimi oder Thriller, den es hier zu lesen gibt. Eher eine geheimnisvolle Geschichte, die sich vor über 40 Jahren ereignete und zu langen melancholischen Betrachtungen über Ehe und Beziehungen führt ! Dabei sind die Sprache und die so entstandenen Bilder einfach großartig, wenn auch nicht immer einfach zu nachzuvollziehen ! Sprache , Deutungen und Mißverständnisse sind sowieso ein großes Thema in diesem Buch - nicht zuletzt sind Juan und Luisa Dolmetscher und allein dieser Beruf weist schon auf allerhand Vielschichtigkeiten hin. Ich habe ein bißchen Zeit gebraucht, um mich in diese Geschichte hineinzulesen - aber wenn man einmal drin steckt, ist man von der Dramatik gepackt und bleibt dabei

  • Circlestonesbooks.blog

    4/5

    08.12.2022

    Buch (Taschenbuch)

    Anspruchsvoll, aber es lohnt…

    Anspruchsvoll, aber es lohnt sich „Jeder zwingt jeden, nicht so sehr, etwas zu tun, was er nicht will, als etwas zu tun, von dem er nicht weiß, ob er es will, denn fast niemand weiß, was er nicht will, es ist nicht möglich, das zu wissen.“ (Zitat Seite 217) Inhalt „Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe es erfahren …“ so beginnt dieser Roman. Juan, der nun erwachsene, seit weniger als einem Jahr selbst verheiratete Ich-Erzähler, wächst mit Andeutungen auf, die Ehefrauen seines Vaters Ranz betreffend. Es geht um Teresa, die kurz nach der Rückkehr von ihrer Hochzeitsreise gestorben ist. Teresa war Juans Tante, denn sein Vater hat später deren jüngere Schwester Juana geheiratet, Juans Mutter. Nach Juans Heirat mit Luisa mehren sich in Juans Bekanntenkreis Andeutungen an die Geschehnisse in der Vergangenheit und vor allem Luisa möchte wissen, was damals wirklich passiert ist. „Vielleicht hat er all diese Jahre darauf gewartet, dass in deinem Leben jemand wie ich auftaucht, jemand, der zwischen ihm und dir vermitteln kann, ihr Väter und Söhne seid sehr ungeschickt miteinander.“ (Zitat Seite 169) Thema und Genre In diesem Roman, heute ein moderner Klassiker, geht es um die Möglichkeiten der Sprache als Ausdrucksmittel und Kommunikationsform, um Beziehungen, Familie, um Geheimnisse der Vergangenheit, die auch in der Gegenwart präsent sind und diese prägen und um die Frage, ob Verschweigen bereits eine Lüge ist. Wird eine Schuld durch ein Geständnis geringer, oder aber, indem man darüber schweigt und sie eines Tages dann weit zurück in der nicht mehr veränderbaren Vergangenheit liegt? Charaktere Juan arbeitet als Dolmetscher und Übersetzer, wie auch Luisa, mit der er seit knapp einem Jahr verheiratet ist. Sogar seine Gedanken sind von der Kraft der Sprache und der Worte durchdrungen. Am Tag seiner Hochzeit fragt ihn sein Vater: „was nun?“ und genau diese Frage stellt sich auch Juan bereits während der Hochzeitsreise und immer wieder in den Monaten danach. Handlung und Schreibstil Die Geschichte spielt innerhalb einer Gegenwart, die nicht ganz ein Jahr umfasst, und einer erinnerten nahen und ferneren Vergangenheit. Die Handlung besteht aus einzelnen Episoden, deren Zusammenhänge man erst gegen Ende der Geschichte erfährt, oder auch nicht. Juan schildert seine Geschichte als Ich-Erzähler, wobei seine Gedanken, Überlegungen, Befindlichkeiten und Ängste den größten Raum dieses Romans einnehmen. Es ist bekannt, dass bei Javier Marías die Sprache im Vordergrund steht, die genauen, sehr ausführlichen Beschreibungen der Gedanken seiner Hauptfiguren in langen Satzgebilden. Auch die Konflikte hinterfragen das Verhalten der Menschen in familiären Beziehungen und beobachten es aus unterschiedlichen psychologischen Blickwinkeln und Fragenstellungen. Fazit Sowohl die Problematik, die Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt, als auch die kraftvolle Sprache mit langen Sätzen und Satzfolgen, noch ergänzt durch weitere Gedankensprünge und Einschübe in Klammern, machen aus diesem Roman keine Lektüre, die man eben mal so zwischendurch liest, dieses Buch verlangt die Aufmerksamkeit der Lesenden von der ersten bis zur letzten Seite. Diese Zeit sollte man sich nehmen.

  • Bories vom Berg

    aus München

    4/5

    08.10.2014

    Buch (Taschenbuch)

    Was nun? Die Halbwertszeiten…

    Was nun? Die Halbwertszeiten aktueller Romane sind oft nach Monaten gezählt, allenfalls ein Bruchteil davon interessiert nach Jahren noch die Leser, einer jahrzehntelangen Wertschätzung aber erfreuen sich nur ganz wenige. Zu diesen besonderen Romanen gehört zweifellos «Mein Herz so weiß» von Javier Marías, einst hoch gelobt vom Feuilleton und seiner damaligen Lichtgestalt Marcel Reich-Ranicki. «Hingehen, kaufen, lesen» hatte Andreas Isenschmid in der «Weltwoche» geschrieben. Auch ich war damals begeistert von diesem Buch, und ich bin es nach erneutem Lesen heute immer noch, soviel sei vorab schon mal gesagt. Lady Macbeth spricht die Worte aus, denen der Titel des Romans entlehnt ist, «I shame to wear a heart so white». Sie hat den Mord an Duncan nicht begangen, ihr Herz ist weiß, aber sie hatte dazu angestiftet, eine Schuld, die sie letztendlich in den Selbstmord treibt. Dies ist auch das Hauptmotiv des vorliegenden Romans, der wie mit einem Paukenschlag beginnt, dem Selbstmord einer jungen Frau unmittelbar nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise. Niemand wird das Buch aus der Hand legen, bevor er nicht erfahren hat, was die Ursache war für diese rätselhafte Verzweiflungstat, der Autor hat seine Leser also fest an der Angel, und das bis zum Schluss. Es geht um die Macht der Worte in diesem Roman, um die Sprache als Werkzeug, um ihre Auswirkung auf das Geschehen. Ich-Erzähler Juan ist Dolmetscher von Beruf, Worte sind also sein Metier, von ihm überaus virtuos beherrscht. Er arbeitet für internationale Organisationen, ist dauernd unterwegs zwischen seiner Heimatstadt Madrid und New York, Genf, Brüssel. Bei einem seiner Aufträge lernt er Luisa kennen, die ihm als Ko-Dolmetscherin beigestellt ist, seine Übersetzung also überwachen muss. Amüsant zu lesen, wie der Small Talk zwischen zwei drögen Staatslenkern mangels Gesprächsstoff peinlich zu werden droht, wie Juan plötzlich, abweichend von den Politikerworten, eine ganz andere Frage stellt Luisa greift zum Glück nicht ein und damit erst wirklich ein sinnvolles Gespräch in Gang bringt. Als er später Luisa heiratet, nimmt ihn sein Vater bei der Hochzeitsfeier zur Seite und fragt lapidar: «Was nun»? Ehe und Liebe mit allen ihren Gefährdungen sind ein weiteres dominantes Thema dieses Romans, dargestellt an den deprimierenden, zum Scheitern verurteilten, letztendlich rein sexuellen Männerkontakten von Juans New Yorker Kollegin über die drei Ehen seines lebensgierigen Vaters Ranz bis hin zu seiner eigenen, jungen Ehe, die wenig emotional, eher cool dargestellt wird. Ranz ist im berühmten Prado-Museum angestellt, verfasst nebenbei private Gutachten über Gemälde und tätigt mancherlei dubiose, juristisch grenzwertige Geschäfte auf eigene Rechnung. Neben den Details aus der Dolmetscher-Szene erfährt der Leser also auch viel Interessantes aus der Welt der Malerei und der Museen, von Fälschern und von Kunst-Spekulanten. Der raffiniert aufgebaute Plot ist in einer anspruchsvollen Sprache geschrieben, die mit langen Satzkaskaden und häufig zusätzlich (in Klammern) eingefügten Anmerkungen alles andere als leicht lesbar ist. Das Geschehen ergibt sich zum überwiegenden Teil direkt aus den Schilderungen des Ich-Erzählers, die Geschichte ist auffallend dialogarm aufgebaut. Weite Passagen des Romans werden in Form des Bewusstseinsstroms erzählt, und oft handelt es sich dabei um ausgesprochen kontemplative Einschübe. Dezidiert leitmotivisch erscheinen mehrmals rätselhafte, nächtliche Beobachter auf der Straße, wartend zu einem Fenster hinaufschauend. Auch das Feuer wird als Leitmotiv verwendet, und das Macbeth-Motiv taucht ebenfalls ein zweites Mal auf, vorspielartig gleich zu Beginn. «Ich wollte es nicht wissen» beginnt der erste Satz des Romans.Die Wahrheit enthüllt sich weitgehend zufällig durch Gespräche, die unversehens Licht in die düstere Vergangenheit bringen. Auch Juan fragt sich am Ende: «Was nun»? Der Wirkung all dessen kann sich der Leser nur schwer entziehen.

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Bewertungen (7)

Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von Jérôme Wiedenhaupt

    Jérôme Wiedenhaupt

    Thalia Hildesheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    06.11.2025

    Buch (Taschenbuch)

    „Die Wirklichkeit wird nicht erkannt, sie wird entdeckt“

    Javier Marías’ "Mein Herz so weiß" ist ein Roman von seltener Intelligenz, ein Werk, das sich jeder linearen Deutung entzieht und dennoch von einer geradezu hypnotischen Klarheit ist. Schon der erste Satz – jener gewaltige, schockierende Beginn mit dem Selbstmord einer jungen Frau kurz nach ihrer Hochzeit – öffnet eine Sphäre, in der Sprache, Schweigen und Wissen in einem oszillierenden Verhältnis stehen. Nichts wird je einfach erzählt, nichts wird einfach verstanden, und gerade darin liegt der Zauber, ja die Wahrheit dieses Buches. Marías schreibt mit einer Präzision, die nicht in der Kürze liegt, sondern in der Geduld. Seine Sätze, lang, verschachtelt, rhythmisch wie Atemzüge, sind kein Ornament, sondern die eigentliche Bewegung des Denkens. Sie fließen, halten inne, biegen ab, tasten sich voran, als wollten sie das Unsagbare in Sprache verwandeln, ohne es je ganz zu verraten. Diese Art des Schreibens ist mehr als Stil: Sie ist Methode, Philosophie, Haltung. Man spürt in jeder Zeile, dass Marías die Sprache nicht als Werkzeug begreift, sondern als Medium, das Wirklichkeit erst hervorbringt. Sein Erzähler Juan, Übersetzer von Beruf, ist ein Mann, dessen Leben von der Vermittlung bestimmt ist – er spricht selten aus eigener Stimme, sondern überträgt, vermittelt, wiederholt. Übersetzen bedeutet bei Marías nie bloß den Transfer von Worten, sondern die Erfahrung, dass Bedeutung immer ein Abbild ist, nie das Original. So wird Juans Beruf zu einer Metapher für das menschliche Dasein selbst: Wir sind Übersetzer unserer Erfahrungen, nie deren Urheber. Zwischen uns und der Welt liegt stets die Distanz des Ausdrucks, und vielleicht ist es genau diese Distanz, die uns vor der Unerträglichkeit der Wahrheit schützt. Der Roman entfaltet sich weniger als Handlung denn als Reflexion, als ein permanentes Nachdenken über das Geschehene und das Unausgesprochene. Der Vater Ranz, eine geheimnisvolle Figur, schwebt über der Geschichte wie ein Schatten. Alles, was man über ihn erfährt, ist vermittelt, gefiltert, erzählt über Dritte, über Andeutungen, Schweigen, Andachtsreste der Erinnerung. Es ist, als sei Ranz nicht eine Person, sondern ein Prinzip – das Prinzip der Verdeckung, der Kontrolle, der Macht über Wissen. Und in der Spiegelung zwischen Vater und Sohn, zwischen Ranz und Juan, entsteht eine Doppelstruktur, die den Kern des Romans ausmacht. Denn was Ranz verschweigt, was er mit sich trägt, ist nicht einfach ein Geheimnis, sondern der Ursprung einer bestimmten Art, in der Welt zu sein. Ranz weiß, dass Wissen zerstören kann, dass ein offengelegtes Geheimnis nicht befreit, sondern bindet. Er lebt im Bewusstsein der Notwendigkeit des Schweigens, während Juan zunächst glaubt, die Wahrheit erkennen zu wollen. Doch das Erkennen bei Marías ist kein Triumph, sondern eine Erschütterung: Wer weiß, verliert den Schutz der Unschuld, und das Wissen selbst verwandelt sich in Last. In dieser doppelten Bewegung – zwischen Ranz’ Erfahrung und Juans Suche – zeigt sich die eigentliche Architektur des Romans: eine Struktur der Wiederholung und Spiegelung. Das Leben wiederholt sich, die Worte wiederholen sich, die Handlungen kehren zurück, leicht verschoben, nie identisch, aber immer verbunden. Marías erschafft ein Gewebe, in dem jede Geste, jeder Satz, jedes Schweigen auf ein anderes verweist. Dieses Ineinander von Ebenen, Zeiten und Perspektiven erzeugt eine Tiefe, die nicht analytisch, sondern existentiell ist. Der Leser erkennt, dass das, was erzählt wird, weniger von der äußeren Handlung handelt – Hochzeiten, Gespräche, Reisen – als von der inneren Bewegung der Wahrnehmung. Die Sprache bei Marías ist von einer fast musikalischen Qualität. Die langen Sätze, die sich dehnen und verschlingen, sind keine Manier, sondern das Werkzeug einer höheren Genauigkeit. Er schreibt nicht, um zu beeindrucken, sondern um die schwebende Unsicherheit des Denkens sichtbar zu machen. Jeder Einschub, jede Parenthese, jedes Nachdenken über das eigene Nachdenken öffnet neue Räume der Bedeutung. Marías traut der Sprache, aber er misstraut der Behauptung. So entstehen Passagen von unendlicher Delikatesse, in denen man das Gefühl hat, einem Bewusstsein beim Sehen zuzusehen. Die Wirklichkeit ist in diesem Buch nie einfach gegeben – sie wird entdeckt, nie erkannt, denn das Erkennen wäre eine Fixierung, eine Versteinerung des Lebendigen. Entdecken dagegen ist ein Akt des Tastens, des wiederholten Hinschauens, der Bereitschaft, das Flüchtige anzuerkennen. Der Roman entfaltet sich also wie ein Echo: Das Gesagte trägt immer die Spur des Ungesagten in sich, und was unaussprechlich bleibt, bestimmt das, was ausgesprochen wird. Marías führt diese Dialektik mit einer Souveränität, die an Proust erinnert, aber in ihrer kühlen, analytischen Präzision doch ganz eigen ist. Er besitzt die seltene Fähigkeit, das Unsichtbare zu formulieren, nicht durch Benennung, sondern durch Umkreisung. So werden seine Beschreibungen nie ornamental, sondern notwendig: Die Tiefe entsteht nicht aus dem Gewicht der Worte, sondern aus ihrer Bewegung, aus dem ständigen Versuch, den Moment zu halten, bevor er vergeht. Das Zentrum von Mein Herz so weiß ist die Frage nach der Erkenntnis und ihrer moralischen Last. Was bedeutet es, etwas zu wissen? Was kostet es, zu erfahren, was verborgen war? Die Enthüllung, die den Roman gegen Ende erschüttert, ist weniger eine Wendung als eine Erkenntnis über Erkenntnis selbst: Das Wissen um die Wahrheit verändert nicht die Vergangenheit, sondern nur die Art, in der wir sie erinnern. Ranz und Juan stehen sich darin gegenüber wie zwei Spiegel, die einander reflektieren, bis die Grenzen verschwimmen. Der Vater, der schweigt, weil er weiß; der Sohn, der sucht, weil er nicht weiß – beide sind Gefangene derselben Struktur. Der eine hat erfahren, dass das Wissen tödlich sein kann; der andere muss erfahren, dass das Unwissen keine Rettung ist. Diese doppelte Bewegung – Wissen und Schweigen, Erkenntnis und Verdeckung – ist das moralische Zentrum des Romans. Marías schreibt aus der Überzeugung, dass Wahrheit kein Besitz ist, sondern ein Prozess, und dass jedes Sprechen zugleich ein Verbergen ist. Seine Figuren handeln nicht, sie denken, sie verschieben, sie beobachten. Und doch entsteht aus diesem Denken eine Spannung, die intensiver ist als jede äußere Handlung. Es ist die Spannung zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren, zwischen dem Wunsch, zu wissen, und der Angst, es zu erfahren. Was Marías hier gelingt, ist eine seltene Synthese von Intellekt und Emotion. Sein Roman ist weder kühl noch sentimental; er bewegt sich in jener schmalen Zone, in der Denken zu Fühlen wird. Man liest ihn nicht, um eine Geschichte zu erfahren, sondern um an einem Bewusstseinsprozess teilzunehmen, an einer unaufhörlichen Selbstbefragung. Die Wahrheit, die sich dabei abzeichnet, ist nie endgültig, sondern flüchtig, wie ein Spiegelbild auf bewegtem Wasser. Gerade darin liegt die Schönheit dieses Buches: Es ist kein Roman, der Antworten gibt, sondern einer, der die Fragen veredelt. Am Ende bleibt ein Gefühl von tiefer Bewunderung. Mein Herz so weiß ist kein Roman, den man beendet, sondern einer, der sich fortsetzt, still, im Denken. Marías zeigt, dass Literatur mehr sein kann als Erzählung: Sie kann eine Form des Bewusstseins sein. Er führt uns vor, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, keine feste Größe ist, sondern ein Feld von Perspektiven, Spiegelungen, Annäherungen. Man entdeckt sie, man erkennt sie nie.Es ist dieses Entdecken, das Marías’ Kunst ausmacht: das vorsichtige, feinsinnige Freilegen des Verborgenen, das niemals entblößt, sondern immer behutsam offenbart. Sein Schreiben ist eine Ethik des Hinsehens – präzise, geduldig, respektvoll gegenüber der Komplexität des Lebens. In einer Zeit, die nach schnellen Wahrheiten verlangt, ist Mein Herz so weiß ein Werk des Widerstands: Es feiert das Zögern, das Nachdenken, die Langsamkeit. Es ist, im tiefsten Sinne, ein Meisterwerk – eines, das nicht glänzt, sondern leuchtet.
  • Zum Bewerterprofil von Ingbert Edenhofer

    Ingbert Edenhofer

    Thalia Mayersche Bottrop

    Buchhändler*in

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    5/5

    07.12.2018

    Buch (Taschenbuch)

    beeindruckend

    Zunächst ist dieser Roman ein wenig befremdlich. Im ersten Kapitel wird ein Selbstmord geschildert, der im Anschluss etwa 250 Seiten lang nur ganz vage angeschnitten wird. Lange Zeit hatte ich also beim Lesen das Gefühl, dass die Frage, die aufgeworfen wird, einfach nicht behandelt wird, auch wenn ich relativ überzeugt war, dass sie nach vollendeter Lektüre beantwortet wäre. Jedenfalls ist das aber eine extrem geschickte Möglichkeit, beiläufig ganz andere Themen zu behandeln, die eigentlich den Kern des Romans darstellen, sich aber sehr lang nicht so zu erkennen geben. Ein äußerst gelungener Kunstgriff ist die Tatsache, dass der Erzähler der Sohn des Witwers und der Schwester der Selbstmörderin ist, der erst nach ihrem Tod geboren wurde, sodass eine natürlich wirkende Distanz zu dem Vorfall gegeben ist, die aber mehr und mehr in eine starke Neugier umschlägt. Ebenfalls erfolgreich ist Marias' Art, mit wiederkehrenden Versatzstücken zu arbeiten, die immer wieder unterstreichen, dass die so unterschiedlich wirkenden Beziehungen, die im Laufe des Romans beleuchtet werden, immer wieder nach sehr ähnlichen Prinzipien funktionieren (oder halt nicht). In letzter Konsequenz ist dieser Roman intellektuell interessanter als emotional, aber es lohnt sich ohne Frage, ihn zu lesen.
  • Zum Bewerterprofil von L. Thiel

    L. Thiel

    Thalia Großenhain

    Buchhändler*in

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    4/5

    06.07.2023

    Buch (Taschenbuch)

    Keine Lektüre für zwischendurch

    Diesen Schatz hätte ich wohl im Regal übersehen, wenn ich nicht der Empfehlung eines lieben Freundes gefolgt wäre. Es brauchte zwei Anläufe, aber dann habe ich den Roman von Marias verschlungen. Ein Roman über Väter und Söhne, über die Liebe und über die Frage, ob Verschweigen nicht bereits eine Lüge ist. Mit verschachtelten Sätzen und komplexen Gedankengängen wirft der Ich-Erzähler Juan, nach seiner eigenen Hochzeit, einen Blick auf die Ehe seiner Eltern und deren geheimnisvolle Verstrickungen. Javier Marias liefert hier keine Lektüre für zwischendurch, sondern einen Roman, der die Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Diese Zeit sollte man sich unbedingt nehmen.

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