Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ich wollte dieses Buch in einem Tag lesen, aber das war mir nicht möglich.
Man muss immer wieder eine Pause machen, das Gelesene setzen lassen, nachdenken.
Was man selber über diese Zeit weiß, was man jetzt aus dieser Geschichte lernt. Wie schrecklich das alles war. Und wie großartig die Autorin das beschreibt.
Das ist eines der Bücher, die man sofort ein zweites Mal lesen möchte und sollte.
„Denn jetzt sind sie alle wieder menschlich.“
Bewertung aus Quickborn am 07.03.2026
Bewertungsnummer: 3068783
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Svenja Leiber hat sich ein schwieriges und nicht sehr populäres Thema für Ihren neuen Roman ausgewählt: Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg in Deutschland. Bekannt ist, ohne die 20 Millionen Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern hätte Deutschland den Krieg niemals so lange und hartnäckig führen können.
Bei „Nelka“ geht es in der Hauptsache um junge Frauen, die von der Straße weg nach Deutschland verfrachtet wurden wie Vieh und die in Deutschland oftmals noch schlechter als Vieh behandelt wurden. Und trotzdem haben viele durchgehalten, sich mit dem Wenigen am Leben gehalten, was die Herrenmenschen ihnen überließen. Manchmal war es Essen, manchmal ein Lächeln oder ein heimliches Bad im Teich. Nelka, die Hauptperson in diesem Roman, hatte es von Lemberg/Lwiw/Lwow nach Norddeutschland verschlagen, ihre Kenntnisse vom Apfelanbau, die sie vom Vater erfuhr, sind ihr Überlebensmittel, ebenso wie ihre deutschen Sprachkenntnisse. Marten, der Verwalter des Gutes, auf dem sie schuften muss, erkennt ihre Gabe und nutzt sie aus.
Zwischen beiden entwickelt sich eine sanfte Bindung, aber als der Krieg zu Ende ist, kennen beide nur eins: weg vom Gut. Marten aus Angst vor Vergeltung durch die Zwangsarbeiter, Nelka mit dem Ziel, wieder nach Hause zu kommen.
50 Jahre später wird Nelka nach Deutschland reisen, um Marten, den Hof und Gonda, die Tochter ihre Freundin, zu besuchen. Welchen Grund aber diese Reise hat, das erfährt der Leser erst zum Schluss. Da werde ich auch nicht vorgreifen.
Svenja Leiber hat trotz des unmenschlichen Themas eine sehr poetische Sprache für alle Geschehnisse gefunden. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, auch wenn es mich mitunter hat traurig werden lassen. Einiges hat mich sehr an die Erzählungen meiner Mutter erinnert, die mit 14 Jahren auf einem Bauernhof Arbeitsdienst leisten musste, als Deutsche sicher noch privilegiert, als Halbjüdin aber missachtet. Ihre heimliche Freundschaft zu französischen Zwangsarbeitern durfte niemals ans Licht kommen.
Hier ein Zitat, das mir sehr gefallen hat: »Menschen sind darauf bedacht, ihre Untaten zu verwischen, Gonda, auch bei uns. Aber die Natur ist wahrhaftig. Die Natur«, sagt Nelka, »spricht immer die Wahrheit. Sie erinnert, ohne dass wir sie dazu auffordern müssen. Nur Menschen sind vergesslich. Die Natur sehen bedeutet, sie zu lesen, auch wenn sie vom Tod handelt.«
Mich hat der Roman an „Irina“ von Sasha Colby erinnert, die darin die Geschichte ihrer Großmutter erzählt, und an Natasha Wodins „Sie kam aus Mariupol“ erinnert. Svenja Leibers Buch passt gut dazu, auch wenn es fiktional ist, wirkt es sehr wirklichkeitsnah. Das trifft auch auf die nach dem Krieg weitererzählten Leben von Nelka und Marten zu. Die Herrenmenschen schütteln sich wie Hunde nach dem Bad, darauf bezieht sich auch die Überschrift meiner Rezension, die gleichfalls ein Zitat ist. Die Zwangsarbeiter aber leiden ihr Leben lang.
Am Ende des Buches gibt es ein Nachwort, dass die Entstehung dieses Romans erläutert, das Interesse der Autorin erklärt. Schade, dass dieser in so wohlklingenden Sätzen verfasste Roman im Nachwort Gendersternchen und betont geschlechtergerechte Sprache verwendet. Das hat mich sehr verwundert. Da mir aber der Roman gut gefallen hat, lasse ich dies nicht in meine Bewertung einfließen.
Fazit: Ich gebe eine Leseempfehlung. Für alle, die sich häufig mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen, ist die Lektüre eigentlich ein Muss. Die Welt der Zwangsarbeiter wird nicht sehr oft so anschaulich und emotional beschrieben.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Meinung aus der Buchhandlung
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Als 16-Jährige wird Nelka 1941 von deutschen Soldaten aus Lemberg nach Deutschland verschleppt, wo sie auf einem Gutshof Zwangsarbeit leisten muss. Nur ihr profundes Wissen über den Apfelanbau, das sie von ihrem Vater gelernt hat, hilft ihr zu überleben. Fünfzig Jahre später kehrt Nelka nach Deutschland zurück – zurück auf den Gutshof, auf dem sie so viel erleiden musste –, um sich ihrer Vergangenheit zu stellen.
Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Svenja Leiber schreibt so einfühlsam, poetisch und zugleich unsentimental, dass sie mir als Leserin eine Distanz ermöglicht, die das Buch trotz allen Kriegsgrauens zu einem wunderbaren und zutiefst bewegenden Leseerlebnis macht. Das muss man erst einmal schaffen.
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Die Natur spricht die Wahrheit – Menschen müssen sie erst lernen
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Leiber erzählt von Zwangsarbeit nicht als historisches Faktum, sondern als körperliches und seelisches Trauma, das über Jahrzehnte nachwirkt. Nelka kehrt 50 Jahre später an den Ort ihres Leidens zurück — nicht zur Rache, sondern zur Heilung. Der Roman zeigt, wie Frauen ihre Würde bewahren durch das, was sie wissen (Nelkas Apfelanbau-Wissen), durch das, was sie teilen (Freundschaft mit Gonda), und durch das, was sie sich selbst geben (ein heimliches Bad im Teich als Akt der Selbstbestimmung).
Das Buch ist eine Erinnerungsarbeit — gegen das Vergessen, gegen die Verwischung von Untaten, gegen die Auslöschung von Frauenleben, die ausgebeutet wurden. Gleichzeitig ist es ein Roman über Weiterleben, über die Kraft, sich selbst endlich befreien zu müssen.
Herzzerreißend, poetisch und doch federleicht! Leseempfehlung!
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