Florian Illies' Hörbücher werden seit dem Werk 1913 einfühlsam, mit markanter Stimme und Eleganz von Stephan Schad interpretiert. Im glühend heißen Sommer 1933 spitzt sich die politische Lage in Europa zu - und die der Familie Mann: Thomas und Katia Mann und ihre sechs Kinder sind nach abenteuerlichen Fluchten im Juni in dem verträumten Hafenort Sanary am französischen Mittelmeer gestrandet. Und jetzt wissen sie alle weder vor noch zurück. Ein Ort, eine Familie, drei Monate bei dreißig Grad - Florian Illies erzählt in Wenn die Sonne untergeht von der Trauer um den Verlust der Heimat und des Besitzes, der Angst vor den Plünderungen der Nazis, von Wehmut, Trotz und Leidenschaft. Eine Familie am Abgrund. Eine Zeit aus den Fugen. Und im Sommerwind von Sanary kommt es zur Zerreißprobe zwischen Klaus und Erika und ihrem Vater Thomas - sie wollen ihn zwingen, mit Deutschland zu brechen. Aber stattdessen zerbrechen die Geschwister fast an ihm.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
leseleucht
aus Alfter
5/5
20.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit vielen Zwischentönen
Florian Illies hat sich wieder einmal einem historischen und einem kulturgeschichtlichen Stoff in Hochkonzentrat gewidmet: ein Sommer im Jahre 1933, von Mai bis September, in Sanary sur Mar. Die erste Station von Thomas Mann und seiner Großfamilie im Exil im exzentrischen Kreis von Intellektuellen und Künstlern, die vor den Nazis geflohen sind oder einfach auch nur einen Sommer an der Küste des Mittelmeers mit dem typischen Charme und Flair verbringen sollen.
Mit feiner Ironie beschreibt Florian Illies insbesondere die Schrullen, wenn man es so nennen will, des Großbürgerlichen Thomas Mann, der auch in den Unbilden des Exils seinen gewohnten Komfort als Nobelpreisträger, erfolgreicher, international bekannter Autor und in die wohlhabende Familie Pringsheim Eingeheirateter zu genießen verlangt. Fast zynisch klingen seine Klagen über die Unbequemlichkeit der Reise nach Sanary, wenn man bedenkt, wie andere aus Deutschland geflohen sind und wieder anderen diese Flucht gar nicht erst gelang und sie in die Konzentrationslager verschickt wurden. Der ganze Kreis an exzentrischen, schillernden Figuren, der sich um die Familie Mann schart oder – wie die beiden Kinder Klaus und Erika – zur selben gehören entlockt dem Autor immer wieder ein paar ironische Seitenhiebe auf Befindlichkeit, Eitelkeiten und auch Selbstverliebtheiten, denen die Empathie für die Gefühlslage anderer gänzlich abgeht. Seien es Thomas Manns eigene Kinder, wie der ungewollte Sohn Michael oder der nicht ganz ernst genommene Golo, die darunter leiden, oder betrogene Ehefrauen und ausrangierte Geliebte, die manch anderer Gast in Sanary auf dem Gewissen hat.
Zugleich macht Illies die zunehmenden Repressalien der Nazis gegenüber den jüdischen Bürgern sowie den Andersdenkenden oder unkonventionell lebenden Künstlern und Intellektuellen und die damit beginnende Atmosphäre von Bedrohung, Angst und Schrecken gut fühlbar.
Dem entgegen setzt er beinahe poetisch die Stimmung in Sanary sur Mar, der warme Sommer, der auch ein Stück weit noch Unbeschwertheit und Genuss der französischen l‘art de vivre verspricht, die Villa, sagenhaft am Meer gelegen, die viel Komfort bietet, der intellektuelle Austausch in der Künstlergemeinde, die Treffen und Feiern, die Tagesroutinen, Sport und Vergnügungen, die bisweilen die Exilsituation vergessen lassen.
Mit großem Vergnügen lauscht man der großartigen Stimme von Stephan Schad, der genau den richtigen Ton für dieses Buch trifft. Die Fülle an Informationen und Details, die Florian Illies hier zusammengetragen hat, machen es zwar bisweilen nicht ganz einfach, alles mitzubekommen und mitzubehalten – man muss schon mit Konzentration folgen -, aber dennoch kann man immer wieder mühelos einsteigen und sich auf ein neues Kapitel aus diesem Sommer einlassen.
Dieses (Hör-)Buch verbindet eine Unmenge an Detailwissen mit viel Atmosphäre und großem Unterhaltungswert.
Bewertung
aus Heyerode
5/5
05.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Herausragend
Herausragender Roman - der mich ins Jahr 1933 entführte. Die politische Lage Deutschlands in den Blick nehmend, die sich immer weiter zuspitzt hat mich die Geschichte der Familie Mann mitgerissen, hineingerissen zwischen die Buchdeckel.
Die Flucht, welche die Familie Mann und ihre sechs Kinder durch Zufall nach Frankreich führt, ist sehr lebendig und glaubwürdig geschildert. Der historische Hintergrund ist perfekt eingebunden.
Wir befinden uns in Sanary-sur-Mer, es ist Sommer und wir fühlen mit den Manns.
Sehr detailliert und nachvollziehbar werden die Charaktere der Eltern und die der Kinder dargestellt, die sehr unterschiedlich sind.
Wie die einzelnen Charaktere mit ihren Handlungen und Gefühlen sich neu orientieren im Exil, das wird literarisch sehr intensiv und ansprechend dargestellt.
Das Buch ist mit einem edlen Lesebändchen versehen.
Ein wunderbar zu lesendes Buch, eine Geschichte, die sich entfaltet und spannungsintensiv zu lesen ist bis zum Schluss. Das Flair der Zeit und der Örtlichkeiten einfangend. ABSOLUT GELUNGEN !!!
#wenndiesonneuntergeht
#FlorianIllies
#fischerverlag
#FamilieMann
#heidizengerling
Bewertung
5/5
17.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Atmosphärisch und inspirierend
Kurzkommentar: Sehr atmosphärische und inspirierende Einblicke in das ausserordentlich interessante Leben der Familie Mann. Macht grosse Lust mehr über die einzelnen Mitglieder dieser Familie zu erfahren und andere Bücher des Autors zu entdecken. Sehr empfehlenswert!
meany
aus Seligenstadt
5/5
13.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ins Paradies vertrieben Was…
Ins Paradies vertrieben Was wurde nicht alles geschrieben im Gedenkjahr des großen deutschen Literaturnobelpreisträgers? Und was kann man der Fülle an fiktiver und faktischer Literatur noch an neuen Erkenntnissen zufügen? Aus diesem Grund greifen alle bestimmte Einzelaspekte heraus, wie Tilman Lahme die sexuelle Orientierung, Mittelmeier seine Jahre in Kalifornien, Eckardt denkt sich einen Krimi aus am Schauplatz der Kurischen Nehrung. Und Illies nimmt sechs Monate in Südfrankreich ins Visier. Allerdings bildet diese kurze Zeitspanne einen wichtigen Wendepunkt in der Odyssee der Familie Mann, die am 11.02.2033 mit einer Abreise aus dem heimatlichen München zur einer Vortragsreise beginnt, ohne zu ahnen, dass sie nie mehr zurückkehren werden in das Haus in der Poschingerstraße. Als wäre er persönlich dabeigewesen, so lebendig und detailliert schildert Illies die Umstände nicht nur der Manns, sondern all der anderen gleichen Schicksals, die sich in dem Küstenstädtchen Sanary wiederfinden. Ungewiss, wie es weitergehen soll und wie lange dieser Zustand außerhalb von Zeit und Raum andauern wird, gehen sie ihren Alltäglichkeiten nach und feiern Feste, gehen wechselnde Beziehungen ein und sind sich ihrer Entwurzelung noch nicht so richtig bewusst. Illies verhehlt weder Licht- noch Schattenseiten der unterschiedlichen Charaktere. Feuchtwanger arbeitet an den "Geschwistern Oppermann", Thomas Mann an den Josephsromanen. Ein halbes Jahr nur, als Provisorium gedacht, im Laufe dessen sie sich immer mehr mit dem Gedanken an das Exil abfinden müssen. Wir begegnen Aldous Huxley, Arnold Zweig, Bert Brecht und vielen anderen nebst den jeweiligen Konkubinen. Kuriose, verblüffende Tatsachen tischt er uns auf, die zusammengenommen doch ein Bild ergeben: Elisabeth darf anders als ihr Bruder Michael nicht Musik studieren. Und wie der Verleger Bermann Fischer den Renommierautoren seines vom Schwiegervater ererbten Verlags regelrecht erpresst und damit in existenzielle Konflikte stürzt, die diesen besonders mit seinem Sohn Klaus unwiderruflich entzweien! Um so leichtfüßig daherplaudern zu können, hat Illies Bücher gewälzt und Archive durchforstet, um daraus den Honig zu saugen, der diese ganzen Bröckchen zu einer stringenten Masse verbindet. Auf welcher Fülle von gesammelten Erkenntnissen dieses Werk beruht, das lässt das Nachwort und die Danksagungen nur erahnen. Mit wieviel Spekulation er all diese zu einem romanhaften Ganzen vermengt, bleibt ungewiss, aber man muss ja keine Doktorarbeit darauf erbauen, sondern das Buch nach genussvoller Lektüre zweifellos bereichert zuklappen.
Bewertung
5/5
08.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Facettenreiches Porträt im französischen Exil
Während ich mit den Werken von Thomas Mann nie richtig warm geworden bin, hat mich der Roman von Florian Ilies schon im Verlauf der ersten Seiten gefesselt und begeistert. Das liegt zum einen an der Sprache des Autors, die mich schon bei "1913" angesprochen hat und meines Erachtens sehr gut zu lesen ist.
Zum anderen porträtiert Ilies nicht nur eine Familie, deren Mitglieder von unterschiedlichsten Interessen und Ideen geleitet werden, sondern entwirft ein facettenreiches Panorama der damaligen Zeit: 1933, kurz nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen und innerhalb weniger Wochen , beschließt Thomas Mann, mit seiner Familie nach einer Vortragsreise nicht nach Deutschland zurückzukehren.
In einem Grand Hotel in der südfranzösischen Stadt Sanary verbringt der Schriftsteller die folgenden Monate, wobei zunehmend mehr deutsche Exilant:innen dazustoßen. Dabei stehen Manns Erfahrungen im Hotel, die geprägt sind von Existenzangst und der Sorge darum, den eigenen Lebensstandard zu halten, im Gegensatz zum Handeln seiner Kinder, das deutlich politischer und weniger auf die eigene gesellschaftliche Stellung bezogen ist.
Während ich mit viel Vorwissen bezüglich der historischen Situation in diesen Roman gestartet bin, beschränkte sich meine Kenntnisse der Lebensgeschichte(n) der Manns bisher auf Schulwissen. Dementsprechend habe ich Ilies‘ Roman mit großem Interesse gelesen. Für diejenigen, die sich bereits gut in der Biographie Thomas Manns auskennen, mag das Buch an manchen Stellen aber etwas langatmig sein, mich hat es jedoch gut unterhalten.
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5/5
31.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Vertreibung der Familie Mann ins Paradies
Eine Jahundertfamilie waren sie die Manns! Kontrovers, exzentrisch, durchsetzt von Ehrgeiz und Anerkennungssucht (vor allem Thomas Mann gegenüber), ihrer Zeit zu weit voraus und genau darum eine jede und ein jeder auf seine Art und Weise genial. Als die Stimmung in Deutschland kippte, da wurde Thomas Mann heftig gedrängt, das Heimatland frühzeitig zu verlassen, um sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Völlig irritiert war er gewesen und konnte kaum verstehen, dass man ihn, IHN..., als Nobelpreisträger, mit einem Male nicht mehr im Lande haben wollte! Dass man seine Reden verdrehte, seine Artikel schmähte, ihn diffamierte und sich mehr und mehr einstige Freunde und Bewunderer gegen ihn wandten! Florian Illies erzählt uns vom (sonderbaren) Gebaren des großen Thomas Mann seinen Lieben gegenüber, von den Erwartungen und Forderungen, die er an seine Frau und Kinder stellte. Dabei stand ihm seine snobistische, hanseatische Kühle, die seiner Seele tief verankert innewohnte, stets im Wege. Nie zeigte er sonderlich viel Gefühl, schon gleich gar nicht Dankbarkeit, die vor allem Klaus zugestanden hätte, da der nie müde wurde, des Vaters literarisches Vermächtnis durch spektakuläre, lebensgefährliche Aktionen, aus dem unsicheren Deutschland zu retten und ins Exil nach Sanary-sur-Mer zu überführen. Einzig seinen männlichen Geliebten gegenüber, fand Thomas Mann poetische Worte der Verklärung und bezeugte seine Hingabe und Liebe ohne Angst sein Gesicht verlieren zu können. Taub den Gefühlen der Familie gegenüber, waren seine hypochondrischen Sinne dagegen übermäßig geschärft. Die Sorge vor Erkältung und Husten trieb ihn tagein, tagaus um und wurde in seinen Tagebüchern aufs Genaueste seziert und analysiert. Aus dem sicheren Sanary heraus, gelingt es Mann nicht, auch nur ansatzweise Dankbarkeit für die Möglichkeit zur Flucht zu empfinden. Er hadert mit der Vertreibung ins Paradies, drangsaliert die Familie und fiebert sich gradezu in eine nicht enden wollende geistige Erschütterung über die Geschehnisse um ihn herum. Nie wird er verzeihen können, was man ihm antat. Von den Nazis degradiert, von Freunden verlassen, von Journalisten verspottet, von Familienmitgliedern verraten. Dabei ist er nicht das einzige Opfer dieses Dramas. Nämlich ist es er höchstselbst, der alle um sich herum traumatisiert und dafür sorgt, dass die eigene Familie an ihm zu zerbrechen droht. Auch erwähnenswert ist seine Verachtung - zwar stets mit Höflichkeit möbliert - dem eigenen Bruder gegenüber. Einzig Elisabeth - die Lieblingstochter - wird ein Leben lang zärtliche Worte für ihren Vater finden. Ein unglaublich gut recherchiertes Familienbild, das oftmals verstört und an die Toleranzgrenze führt. Florian Illies Biografie liest sich wie ein Roman. Schmissig und durchtränkt von feiner Ironie, beleuchtet er das Miteinander dieser eigenwilligen Familie, die nicht so recht in die damaligen Rahmen passen mochte. Ich vermute, dass Illies sich ein wenig künstlerische Freiheit eingeräumt hat, denn manche Passagen lassen beinahe vermuten, er wäre selbst anwesend und als Ohrenzeuge daneben gestanden. Für mich eine großartige Leseempfehlung!
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5/5
26.02.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Prima!
Ein weiteres Puzzlestück aus dem unendlich erscheinenden Leben der Familie Mann. Der Autor widmet sich mit all seinem Können einem kurzen Ausschnitt, der aber schon tiefe Blicke im das Familiengefüge erlaubt. Toll vorgetragen von Stephan Schad.
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5/5
25.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Herausragend!
Dieses Buch ist herausragend! Mit wieviel Detailkenntnis, Witz, Respekt und Verständnis Florian Illies den steinigen Weg ins Exil der Familie Mann und ihrer Kinder beschreibt, das ist großartig. Er versetzt sich tief hinein in Thomas Mann, diesen zerrissenen Deutschen, den herausragenden Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, den immer wieder ungerechten und patriarchalen Vater. Er erzählt von der Sehnsucht der Kinder Michael, Klaus, Erika, Elisabeth, Golo und Monika nach Anerkennung durch den berühmten Vater, von der ersten Station des Exils, von Sanary, wohin es die Familie im heißen Sommer '33 mit anderen Exilanten verschlägt, vom Verlust der Heimat, der materiellen Existenz, davon, wie man mit den politischen, immer bedrohlicheren Zuständen in Deutschland umgehen soll. So gut, so spannend, so dicht - ganz unbedingt empfehlenswert!
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5/5
21.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mit der Familie Mann an die Côte d'Azur
Ein unglaublich faszinierendes und unterhaltsames Porträt der Familie Mann und ihrer Zeit im französischen Exil in Sanary sur Mer. Pointiert, detailverliebt und sehr humorvoll. Sehr lesenswert!
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5/5
23.01.2026
eBook (ePUB 3)
Geschichte und Zeitgeschehen perfekt erzählt
Ich habe mir dieses Buch extra für stressige Zeiten aufgehoben. Ich habe sehr viel über die Manns erfahren, was ich bisher nicht wusste. Florian Illies schreibt wie kein anderer und bringt einem Geschichte und Zeitgeschehen sehr anschaulich nahe. Eine große Empfehlung und unbedingt auch alles andere von Illies lesen.
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