'David Vajda hat die Gabe, Charaktere auf den Punkt zu bringen. Und zwar den Punkt in der Mitte der Zielscheibe.' (Philipp Tingler) - Ein sprachlich funkelndes, zärtlich-ernstes Debüt.
Er nennt sie Mäak - Kater - oder seine Diamanten. Hin und wieder auch Trottel, wenn sie seine Witze nicht verstehen. Doch egal, wie viele Namen ihr ex-jugoslawischer Vater ihnen gibt, wie viel Lammkeule und Wein er serviert, die Lücke, die der Tod der Mutter hinterlassen hat, vermag er nicht zu füllen. In seinem tragikomischen Debüt erzählt David Vajda von vier erwachsenen Geschwistern und ihrer exzentrischen, über die Welt verteilten Familie zwischen Boheme und deutschem Großbürgertum, zwischen Berlin und Hollywood. Sie treffen sich in Griechenland zur opulenten Hochzeit des Onkels, in Belgrad am Grab von Tito, in der Provence mit ihrer esoterischen Tante - nur trauern können sie nicht. Lieber flüchten sie sich in Sarkasmus oder ins Groteske und frönen dem leichten Verweilen. Ein außergewöhnlicher erster Roman: amüsant, zärtlich, ernst.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bücherbummler
5/5
27.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erzählte Sprachlosigkeit
„Dieses Weihnachten besiegelte das Ende der Geborgenheit und mein Vater versucht es jetzt, vier Jahre später, wiedergutzumachen, als wäre es seine Schuld, dass es Tumore und Selbstbräuner gibt, als wäre es seine Schuld, dass unsere Mutter Liebe gab, als wäre sie ein endloses Gut.„ (S. 15)
Vier erwachsene Geschwister nach dem Tod ihrer Mutter. Eine Familie, die sich an verschiedenen Orten zu verschiedenen Anlässen weiterhin trifft. Ein Verlust, der eine Lücke reißt, von der keiner weiß, wie man mit ihr umgehen soll, und die darum weitestgehend ignoriert wird. Mehr braucht es nicht, um aus David Vajdas „Diamanten“ ein großartiges Debüt zu machen. Einen Autor zu finden, der schon in seinem ersten Roman seine eigene Stimme findet, ist eine Seltenheit. Einen Autor, der einen mit dieser Stimme so abholt wie Vajda, ist ein Geschenk.
Der 1989 in München geborene Vajda, der bisher als freischaffender Autor vor allem Reportagen und Kurzgeschichten verfasst und als Co-Regisseur einen Film mit seinem Bruder gedreht hat, der auf der 71. Berlinale gezeigt wurde, schafft es, einem das Herz zu brechen, ohne je dramatisch oder pathetisch zu werden. Man begegnet einer Familie, die beneidenswert einzigartig und eingespielt miteinander umgeht, die aber paradoxerweise gleichzeitig unfähig zu sein scheint, zu kommunizieren. Und die vor allem im Angesicht der Trauer auf der essenziellsten Ebene stumm bleibt. Bei Vajda wird nichts erklärt und schon gar nicht psychologisch seziert. Vielmehr schafft es der Ich-Erzähler uns durch die nüchterne Schilderung des Geschehens die Stille hinter den Ereignissen fühlen zu lassen. Die amüsante Skurrilität einiger Situationen steht direkt neben der fast unerträglichen Schilderung des Leidens der Mutter. Grenzen werden spielerisch überschritten und im nächsten Moment das Thema gewechselt. Sowohl im Umgang mit den anderen Familienmitgliedern, als auch mit sich selbst.
„Die Unsicherheit einer Sterbenden, davon erzählt dir niemand etwas.„ (S. 157)
Mit „Diamanten“ schenkt uns Vajda einen Familienroman der eigenen Art, ein Buch über die Sprachlosigkeit, die ein Verlust in uns hinterlassen kann. Eine Geschichte darüber, dass wir im Sterben letztendlich alleine sind, aber auch alleine in unserem Umgang mit der Leerstelle, die der Sterbende hinterlässt. Eine Erzählung, die einen trotz alledem fast glücklich zurücklässt. Glücklich, weil das Leben nicht einfach ist, aber eben genau so, wie dieses Buch, traurig, amüsant und irgendwie … einzigartig. Ohne Frage einer der besten Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
Eva
5/5
13.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absurdität und Komik ist die Antwort auf die Trauer
Seine Kinder nennt er Diamanten, Kater oder Trottel, je nachdem. Der Mann, der mit 19 aus Serbien nach Wien übersiedelte, weil die Filme seines Vaters unter Tito keinen Platz hatten, liebt seine Kinder, spendiert ihnen zwischen Belgrad, München, Wien, der Provence und Griechenland jede Menge Lammkeule und Wein im Überfluss. Doch was kann ein Loch stopfen, das der Tod der Mutter aufgerissen hat?
Die vier erwachsenen Kinder suchen jedes für sich einen Weg, um mit dem himmelschreienden Schmerz umzugehen, sind eng verbunden und suchen doch zu dem Vater immer wieder die Distanz, der den Unterschied zwischen Sorge und Fürsorge nicht erkennt.
Es fällt mir schwer, David Vajdas Debüt als Roman zu bezeichnen, denn dieses Buch ist so filmisch, dass die Figuren niemals nur aus Wörtern bestehen können. Das ist ganz große Kunst.
Die Familie ist über die Welt verteilt und bewegt sich zwischen künstlerischer Bohème und bürgerlichen Werten. Der Ich-Erzähler Dido beobachtet, fühlt, setzt sich auseinander, steckt mitten im Gefüge aus Geschwistern, exzentrischer Tante, schuldüberfrachtetem Onkel, seiner neuen faszinierenden Frau und der Vergangenheit, die immer auch jüdisch, immer auch rastlos ist.
Die Erinnerungen an die letzten Jahre, Monate, Wochen mit der Mutter erfolgt in Rückblenden, glasklar schwebt der Verlust über einer Familie, die hilflos vor der Lücke steht und doch nicht trauern kann.
Leise entwickeln sich die Figuren. In leinwandfüllenden, kraftvollen Szenen zeichnet David Vajda urkomische Dialoge, die Freude am Absurden, bestechende Nebendarsteller*innen und zerrüttende Traurigkeit. Die Liebe zu seinen Charakteren mit all ihren Widersprüchen, Höhen, Tiefen und Verkettungen macht dieses Debüt zu einem Meisterstück.
Selten kommt ein Debüt mit einem so klaren Stil daher, es würde mich wundern, wenn er sich damit nicht in der Literaturlandschaft fest verankert.
Wir alle kennen den Lehrsatz „Show don’t tell“, und dieser Stoff ist der Inbegriff des szenischen Erzählens.
Ich bin gespannt, was von diesem Autor noch kommt, aber erstmal funkeln in diesem Frühling die Diamanten.
begine
aus Lemwerder
4/5
21.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tragikomisch
Diamanten, ist das Debüt von David Vajda.
Es ist eine interessante Geschichte über den Vater und die Geschwister. Das hat er eigentlich ganz gut gemacht, aber manchmal kommt es mir wie eine Aufzählung vor.
Der Vater des Erzählers ist schon ziemlich krass, er ist aber auch liebevoll. Seine Eskapaden sind schon etwas drastisch.
Als die Mutter stirbt macht es alle fertig.
Die Geschwister sind gut dargestellt.
Witzig war die Ausstellung Daras mit angemalten Katzen.
Der Autor hat alle Personen mit eigenwilligen Charakteren versehen.
Der Roman liest sich gut und ist unterhaltend.
Bories vom Berg
aus München
2/5
22.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eloquenz versus Narrativ
Der jüngst erschienene Debütroman des Schriftstellers David Vajda mit dem Titel «Diamanten» sprengt alle Regeln bewährter Belletristik. Das Buch handelt von einer über die ganze Welt verteilten Familie, in deren Mittelpunkt ein ehemals jugoslawischer Vater steht, der unermüdlich versucht, die durch den frühen Kebstod der Mutter entstandene Lücke im familiären Gefüge zu ersetzen. Rührend um seine vier erwachsenen Kinder besorgt, die allesamt mehr oder weniger im filmischen Milieu engagiert sind, nennt dieser exzentrische Vater sie zuweilen Mačak, was Kater bedeutet, oder bezeichnet sie als seine «Diamanten», wenn er es besonders gut meint. Zuweilen aber nennt er sie auch Trottel, wenn sie ihm nämlich partout nicht folgen können bei seinen vielen Späßen und Witzen, die sie aufheitern sollen.
Zum Familiengefüge gehört eine große, fast über die gesamte Welt verteilte Familie, die in Berlin, der Provence, in Hollywood, Griechenland oder Belgrad lebt und teils zum deutschen Großbürgertum, teils aber auch zur Boheme gehört. Man trifft sich zur grandiosen Hochzeit des Onkels in Griechenland, besucht gemeinsam das Grab Titos in Belgrad oder besucht gemeinsam die esoterische Tante in der Provence. So sind sie ständig auf der Suche nach Ablenkung, denn was sie nicht gemeinsam können, ist trauern! Ihr oft groteskes Miteinander ist von Sarkasmus geprägt, sie alle wollen unbedingt ein beschwingtes Leben führen. Der Autor hat seine Geschichte einzig um die vier eigenwilligen Geschwister angesiedelt, die allesamt trinkfreudig dem Künstlermilieu angehören oder sich beim Film engagieren. Diese Nähe zum Film ist auch im Text zu spüren, was nicht verwundert, hat der Autor doch zu Beginn seiner künstlerischen Karriere als Regisseur selbst filmisch gearbeitet. Im Motiv des Beschützers ähnelt «Diamanten» J. D. Salingers Roman «Der Fänger im Roggen», bei dem es um den früh verstorbenen Bruder ging. Die Parallelen ergeben sich vor allem in den verschiedenen Möglichkeiten der Interpretation dieser Texte, die beide Werke zu wahrhaft schwierigen Lektüren macht, - schwer lesbar, aber gedankentief! Anders als Salinger hat es Vajda allerdings verstanden, in seiner Geschichte das Tragische mit dem hier ebenfalls vorhandenen Komischen zu einer narrativen Einheit zu verflechten, in deren Mittelpunkt aber, alles überstrahlend, stets der Tod der Mutter steht.
«Diamanten» wird als Familien-Panorama abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt, zum einen in der Jetztzeit einige Jahre nach dem Tod der Mutter, und zum anderen in deren letzten Jahren vor dem Tod. Anders als in vielen anderen Romanen wird hier auch einiges über das Leben in der Diaspora nach Tito erzählt. Der Autor versteht es, allein durch seine schwerelos scheinende, lockere Erzählweise und die vielen lebensecht wirkenden Dialoge seinen Figuren eine beachtliche Präsenz zu verleihen, ohne sie je psychologisch auszuleuchten. Ganz im Gegenteil erfährt man so gut wie nichts über deren Lebensweise, sie sind nur in Gemeinschaft und im Gespräch als Charaktere gezeichnet, geradezu frei von irdischem Leben. Politik, Geld, Beruf, Liebe bleibt erzählerisch außen vor, wir erleben sie als Leser fast nur in Gesellschaft mit anderen Familien-Mitgliedern. Selbst so profane Dinge wie gut Essen oder edle Weine werden nur angedeutet, sie sind in keiner Weise prägend für ihr Verhalten.
In diesem ungewöhnlichen Roman wird eloquent von einer Familie erzählt, deren Seelenzustand allein durch eine geradezu filmische Szenerie verdeutlicht wird. Die stützt sich auf eine scharfe Beobachtungsgabe des Autors, der die Tragik unter Verzicht auf jedwede psychologische Deutung auszudrücken versteht. So verdienstvoll das in der Theorie erscheint, so problematisch ist es in der Praxis, wo der Leser sich durch eine Geschichte quälen muss, in der so gut wie nichts passiert und die auch auf nichts hinsteuert. Ein Roman also für eine sprachorientierte Leserschaft, der Eloquenz über alles geht und ein sinnstiftendes Narrativ entbehrlich ist!
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5/5
16.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Komik des Absurden
Was für eine Tour de Force: komisch und doch abgrundtief traurig, schonungslos in der Hemmungslosigkeit der Figuren. Durch all die (humoreske) Ablenkung spitzt immer wieder die Düsternis eines schrecklichen Verlusts, der sprachlos macht, wo Gespräche zur Annäherung so wichtig wären, sucht sich das Schuldgefühl ein williges Opfer und lässt es hilflos zurück. Ein kraftvolles Stück Literatur. Chapeau.
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4/5
08.04.2026
eBook (ePUB)
Ein ganz besonderes Familienportrait
David Vajda ist Filmregisseur, wie auch sein Vater und Bruder. In diesem Roman erzählt er wahnsinnig anrührend und komisch zugleich, die Geschichte seiner aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Familie, die versucht, mit der schweren Krankheit und dem Tod seiner Mutter umzugehen. Im Zentrum steht sein Vater, der seine drei Kinder auch gerne seine „Diamanten“ nennt.
Sie sind zusammen unterwegs, auf der mehrtägigen Hochzeit seines Onkels Maximilian auf der sich alle nur amüsieren und glücklich sein sollen, in Belgrad an Titos Grab, bei der esoterischen Tante in der Provence. Die Mutter, die Erinnerungen an sie, reisen immer mit.
Ein trauriger, warmherziger Roman, der mit einer sprachlichen Wucht und einer immer wieder hervorbrechenden umwerfenden Situationskomik ein Leseerlebnis ganz besonderer Art ist.
Große Leseempfehlung!
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