Nach dem Tod ihres Mannes räumt Christien Brinkgreve das gemeinsame Haus um. Was wie eine äußere Routine erscheint, stößt bei ihr eine innere Bewegung an: Eine Frau blickt zurück - auf ihr Leben, ihre Ehe, ihre Rolle in der Familie und in der Welt. Was bleibt von den gemeinsamen Jahrzehnten? Wer war sie in der Beziehung, wer ist sie ohne sie? Und wie kann es sein, dass sie sich als selbstbestimmte Frau zwischen Liebe und fremden Erwartungen verloren hat? Brinkgreves mutiges Buch findet Worte für Schlüsselerfahrungen, die viele Frauen teilen. Eine radikal persönliche Rückschau, eine große und schonungslose Erkundung des Frauseins, des Alterns und der Lebensentscheidungen, die wir aus Liebe treffen.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Daniela Heinen
aus Sankt Augustin
5/5
08.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hat mir gut gefallen
Das Buch „Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist mit 192 Seiten ein eher kurzes Buch. Aber mehr braucht es auch nicht.
Es geht in diesem Buch um Christien, deren Ehemann vor Kurzem verstorben ist. Sie widmet sich nun der Aufgabe, ihr gemeinsames Haus aufzuräumen, zu entrümpeln und neu zu ordnen. Und genau das Gleiche macht sie auch mit ihrem Leben und ihren Gefühlen. Ich als Leserin begleite sie dabei und tauche in ihre Gefühlswelt ein.
Es hat mich sehr berührt, diese Geschichte zu lesen. Recht schnell wird deutlich, dass Christien nur am Anfang ihrer Ehe glücklich war und sich dann quasi neben ihrem Mann verloren hat. Sie haben sich auseinandergelebt und nicht mehr zusammengefunden. Und Christien fragt sich selbst, warum sie eigentlich bei ihrem Mann geblieben ist. Ihr wird bewusst, dass sie sich in dieser Ehe verloren hat und dass nicht nur das Haus eine Neuordnung braucht.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich noch nie in Christiens Situation gewesen bin.
Bewertung
5/5
14.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Boiling Frog Syndrome
Die Geschichte vom Frosch, der in einem Topf sitzen bleibt, während das Wasser zum Kochen gebracht wird ist zwar unwahr, aber leider eine gute Parabel für den Verlauf vieler Beziehungen. So auch für die Ehe der Autorin, einer emeritierten Soziologieprofessorin, mit einem gleichermaßen brillanten wie schwierigen Mann. Die Beziehung und das Haus des Paares nehmen einen eigentümlich synchronen Verlauf. So wie die Ehe zunehmend schwer zu ertragen ist, wird das Haus des Paares immer unbewohnbarer. Eine ausgeprägte Sammelleidenschaft füllt es mit Ballast, der die Bewohner unter sich zu begraben droht. Selbst ein Wassereinbruch im Keller wird nicht behoben, als bräuchte es noch eine Metapher für die Kapitulation vor den Beziehungsproblemen. Nach dem Tod des Mannes beginnt die Witwe langsam das Haus zu entrümpeln und für sich passend zu machen, parallel dazu analysiert sie offen und selbstkritisch ihr eigenes Verhalten. Während das Haus wieder wohnlicher wird, vervollständigt sich nach und nach das Bild ihrer Ehe. Zum Eindruck der schwierigen späten Phase treten nun auch Erinnerungen an schöne Momente und Zeiten. Diese versöhnliche Entwicklung ist Christien Brinkgreve von Herzen zu gönnen - ihre ehrliche Selbstbefragung berührt.
zeilen_echo
5/5
08.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Selbstbestimmung ist ein Kampf, den selbst Expertinnen oft verlieren
„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein ehrliches Protokoll darüber, wie wenig theoretisches Wissen vor den Fallstricken gelebter Beziehungen schützt und wie hartnäckig patriarchale Muster selbst dort wirken, wo man sie eigentlich längst durchschaut hat.
Ausgangspunkt ist der Tod ihres Ehemannes. Doch Brinkgreve schreibt hier keinen klassischen Trauertext. Sie seziert, was von ihr als Ehefrau übrig bleibt und vor allem: WER sie eigentlich war, innerhalb dieser Ehe. Das zentrale Thema Verlust und Trauer wird hier sehr schnell zu einer Frage der Identität. Und die ist unangenehm! Wie viel von dem, was wir für „uns selbst“ halten, ist in Wahrheit Anpassung?
Gerade bei Brinkgreve wirkt das fast paradox, denn sie selbst ist Professorin für Frauenforschung. Eine Intellektuelle, die sich ihr Leben lang mit Emanzipation und Feminismus beschäftigt hat. Trotzdem landet sie in genau den Rollen, die sie analysiert: die sich aufopfernde Partnerin, die emotionale Versorgerin, die Frau, die sich am Wohlergehen des Mannes ausrichtet. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem. Dieses Buch zeigt sehr klar: Patriarchale Dynamiken sind keine Frage von Bildung oder Bewusstsein. Sie sind eingeübt, internalisiert und leider auch verdammt wirksam.
Was das Buch für mich so stark macht, ist die Präzision, mit der Brinkgreve diesen Widerspruch aufdröselt. Sie romantisiert nichts, aber sie verteufelt auch nicht. Die Ehe war nicht einfach „falsch“. Sie war komplex, ambivalent, teilweise liebevoll, teilweise einengend. Gerade diese Gleichzeitigkeit war für mich so überzeugend. Beziehungen scheitern selten an einem Punkt, sondern an schleichenden Verschiebungen, die man oft erst im Rückblick erkennt.
Emotional hat mich das Buch weniger überwältigt als vielmehr irritiert und zwar im besten Sinne. Es zwingt zur Selbstprüfung. Nicht, weil es belehrend ist, sondern weil es unangenehme Parallelen aufzeigt. Dieser leise, analytische Ton wirkt nachhaltiger als jede pathetische Zuspitzung.
Das Entscheidende ist jedoch etwas anderes: Brinkgreve liefert keine Auflösung. Kein „So hätte ich es besser gemacht“, kein sauberer Schlussstrich. Der Prozess bleibt offen, unfertig. Und genau das ist konsequent.
Fazit: Dieses Buch entlarvt die Illusion, man könne sich allein durch Erkenntnis aus gesellschaftlichen Rollen befreien. Es zeigt, wie tief diese Strukturen greifen und wie widersprüchlich wir selbst darin agieren. Meine Haupterkenntnis: Selbst wer es besser weiß, lebt nicht automatisch freier.
IM.K.
aus NÖ
5/5
04.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sortierarbeit
Das Buch in einem Rutsch zu lesen, unmöglich. Sehr genau wird das gemeinsame Leben durchleuchtet und ich kann von mir sprechen, es löste ein Gefühl zum Nachdenken und von Dankbarkeit aus. Einziger Kritikpunkt: warum wird ihr Mann nur als A. bezeichnet, hätte er nicht seinen vollständigen Namen verdient?
Bewertung
aus Heek
5/5
01.04.2026
eBook (ePUB)
lesenswert
Nach dem Tod ihres Mannes schaut Christien auf ihr gemeinsames Leben und ihre Ehe zurück. Im Laufe ihrer über 40 jährigen Ehe haben sie sich auseinandergelebt und irgendwie "aus den Augen verloren". Christien fragt sich, warum sie bei ihrem Mann geblieben ist und sie lässt die gemeinsamen Jahre nochmal gedanklich an sich vorüberziehen. Man spürt die Wehmut, aber auch die Hilflosigkeit und Trauer, die Christien durchlebt. Man spürt den Kampf den sie mit sich selbst um diese verlorene Liebe kämpft. Dies ist ein Roman der sehr gut die Gefühle beschreibt.
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5/5
13.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Formidabel
Ein lebenskluges, auch philosophisches Buch, ich bin begeistert von diesem Text. Eine Frau jenseits der sechzig wird ihren Mann an eine Krankheit verlieren. Er wütet gegen sein Schicksal, die Rundumschläge sind schwer zu verkraften, treffen alle die eigentlich lieb und teuer sind. Sie ringt um Verständnis für dieses Verhalten, mit seinem Tod wird er verstummen und ihr damit eine neue Freiheit gewähren. Ein schmales Buch, gehaltvoll wie zig Seiten und ein ganz klarer Favorit im Buchuniversum der älteren weiblichen Protagonistinnen.
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4/5
24.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sprachlos
Eheleute, die sich lieben, im Alltag aber nicht als gleichwertige Partner agieren. Mann und Frau die zwar öffentlich hervorragend mit Worten umgehen können, aber nicht (mehr) miteinander reden. Schonungslos und mit genauem Blick, beleuchtet Christin Brinkgreve nach dem Tod ihres Mannes das Zusammenleben mit ihm. Ein Buch, nur im weiteren Sinn, über Trauer, sondern eher ein Nachdenken über verpassten Chancen, fehlende Selbstermächtigung und darüber, was es bedeutet Ehefrau, Mutter und berufstätig zu sein. Brilliant analysiert und stilsicher erzählt, öffnet das Buch den Blick auf die Rolle der Frau in der Ehe heute.
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4/5
16.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Rückblicke auf ein gemeinsames Leben
Als Christiens Mann stirbt bleiben das gemeinsame Haus und viele Erinnerungen zurück. Stück für Stück nimmt sie uns mit in die Vergangenheit und ihre Beziehung. Es entsteht ein ehrliches Porträt des Menschen mit dem sie Großteile ihres Lebens verbracht, eine Familie gegründet hat. Ein Mensch der stets und überall beliebt war aufgrund seiner Großzügigkeit, Bildung und seines Humors. Die dunkle Seite allerdings, die ständige ( von Depressionen ausgelöste) Eifersucht auf sie, ihre Erfolge die Kinder, mit der kann sie sich erst jetzt nach dem Ableben des Partners beschäftigen.
Ein ehrliches Buch das zeigt das Liebe und Zusammenhalt nicht immer rosa Wölkchen beinhalten und es immer und gerade in Partnerschaften und Familien eine große Aufgabe ist seinen Platz zu finden und sich selbst nicht zu verleugnen. Berührend und ehrlich.
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3/5
02.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hat mich nicht ganz erreicht…
Vom bunten Titelbild ausgehend hatte ich mich auf etwas anderes vorbereitet, als das, was ich dann vorfand: Frau Brinkgreves Lebensrückblick. Als Soziologieprofessorin widmete sie sich beruflich der Erforschung der Geschlechterbeziehungen. Privat scheint sie diese Theorie jedoch nicht umsetzen zu können. Es ist sicherlich mutig, sich dieser Lebensbilanz zu stellen, aber vielleicht habe ich auch ein Klischee im Kopf, das mich überrascht hat.
Der etwas trockene akademische Stil ihres Textes erschwerte mir den Zugang. Von den zitierten Büchern kannte ich nur wenige inhaltlich. Auch emotional konnte ich mich nicht mit dem Text identifizieren, und die häufigen Wiederholungen empfand ich als überflüssig. Mein Fazit: Der Text hat mich nicht erreicht, obwohl ich zur Zielgruppe gehöre.
Authentisch und bewegend – nur nicht immer straff erzählt
Dieses Buch hat mich emotional tiefgreifend berührt – es gibt Momente, in denen sich die Autorin so authentisch und verletzlich zeigt, dass man sich selbst in ihren Worten wiedererkennt. Die Passagen, in denen sie ihre Gefühle analysiert und ordnet, sind wirklich bewegend und haben mich zum Nachdenken gebracht.
Allerdings hat mich der Erzählfluss stellenweise gebremst. Es gibt Abschnitte, die sich meiner Meinung nach in die Länge ziehen, wo weniger mehr gewesen wäre. Das hat den Lesefluss etwas unterbrochen.
Insgesamt ein Buch, das emotional viel zu bieten hat, aber von strafferer Erzählweise profitiert hätte. Für Leser, die sich Zeit für introspektive, gefühlvolle Texte nehmen können, ist es trotzdem lesenswert.
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