Zwei beherzte Frauen machen sich für Kinder stark, die von der Welt vergessen sind. Und stoßen dabei auf ein grausames Verbrechen: den systematischen Kinderraub in Kriegsgebieten.
Lori setzt sich nach dem Zweiten Weltkrieg für jene Kinder ein, die die Nazis aus dem Osten entführt haben. Milena nimmt sich in der Gegenwart eines ukrainischen Jungen an, der während des Krieges nach Russland verschleppt wurde.
Jahrzehnte liegen zwischen ihren Schicksalen, und doch verbindet sie ein Geheimnis. So finster. So traurig. Und so heilsam, als es endlich ans Licht kommt.
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Julia Kröhn widmet sich hier einem erschütternden und zugleich sehr bewegenden Thema: dem systematischen Raub von Kindern während des Krieges und den lebenslangen Folgen, die ein solches Verbrechen für die Betroffenen hat.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt sich Lori für traumatisierte und elternlose Kinder ein, die von den Nationalsozialisten aus ihrer Heimat verschleppt wurden. In der Gegenwart kümmert sich Milena um einen ukrainischen Jungen, der während des Krieges nach Russland entführt wurde. Obwohl Jahrzehnte zwischen den beiden Handlungssträngen liegen, verbindet die Frauen ein Geheimnis, das nach und nach ans Licht kommt.
Besonders erschütternd fand ich die Schicksale der Kinder, denen nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Familien und ein Stück ihrer Identität genommen wurden. Die Autorin zeigt eindrücklich, wie tief solche Erlebnisse die betroffenen Menschen prägen und wie schwierig es ist, mit den Folgen zu leben. Dabei wird deutlich, dass diese Verbrechen keineswegs nur der Vergangenheit angehören.
Julia Kröhn gelingt es, historische Ereignisse mit einem erschreckend aktuellen Thema zu verbinden. Die beiden Handlungsstränge ergänzen sich gut und machen deutlich, wie ähnlich sich die Schicksale der Kinder trotz der unterschiedlichen Zeiten sind. Das Geheimnis, das Lori und Milena miteinander verbindet, sorgt zusätzlich für Spannung und hält die Neugier bis zum Ende aufrecht.
Allerdings ist die Geschichte keine leichte Lektüre. Die geschilderten Grausamkeiten und das Leid der Kinder gehen nahe und stimmen nachdenklich. Stellenweise hätte ich mir etwas mehr Leichtigkeit zwischen den bedrückenden Ereignissen gewünscht. Dennoch ist gerade die schonungslose Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Thema wichtig.
Fazit: „Das Lächeln der Kinder“ ist ein emotionaler und aufrüttelnder Roman, der ein wenig beachtetes Kapitel der Geschichte aufgreift und gleichzeitig den Blick auf aktuelle Geschehnisse richtet. Die bewegenden Schicksale, die einfühlsame Erzählweise und die Verbindung der beiden Zeitebenen haben mich überzeugt. Ein Buch, das nachdenklich macht und noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleibt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die historische Romane mit Tiefgang und gesellschaftlicher Relevanz mögen.
Bellis-Perennis
aus Wien
5/5
21.09.2026
eBook (ePUB 3)
Eine klare Leseempfehlung!
Julia Kröhn nimmt sich in diesem teils historischen, teils aktuellen Roman eines oft wenig beachteten Themas an: Kinder, die von der Besatzungsmacht geraubt, umerzogen und von regimetreuen Familien adoptiert worden sind.
Der eine Handlungsstrang des Romans, der auf realen Ereignissen beruht, spielt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Eleonore „Lori“ Schober, eine Mitarbeiterin in Anna Freuds Kriegskinderhäusern in England, wird nach Deutschland versetzt, um dort ihre Arbeit mit traumatisierten elternlosen Kindern fortzusetzen und gleichzeitig deren Verwandte zu suchen. Dann entdeckt sie, dass einige dieser, vor allem blonden, polnischen Kinder ihren leiblichen Eltern von den NS-Schergen entrissen worden sind und von treuen Anhängern der Partei adoptiert worden.
Und dann stehen sich eine die leibliche polnische Mutter und eine NS-Adoptivmutter gegenüber. Man wünscht sich eine versöhnliche Lösung. Doch geht das?
Der zweite Handlungsstrang entführt uns in die Gegenwart, in der Russland wahllos Kinder, ja ganze Schulklassen, aus der Ukraine entführt. Einige dieser Kinder können, schwer traumatisiert, aber doch, zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren. Für diese Kinder werden jedes Jahr Erholungscamps organisiert, in denen versucht wird, die Traumata zu behandeln. Eine dieser psychologischen Kräfte ist Milena, die versucht mittels Besuchen auf einem Bauernhof Zutrauen zu den Kindern zu gewinnen. Ein Kind, liegt ihr besonders am Herzen. Sie ahnt dabei nicht, welches tragische Geheimnis sie hier nach langen Jahren des Schweigens aufdeckt.
Meine Meinung:
Julia Kröhn gelingt es mit diesem Roman ihren Leserinnen und Lesern die beklemmende Wirklichkeit des grausamen Verbrechens, des staatlich verordneten Kindesraubs, näher zu bringen. Über dieses Verbrechen des NS-Regimes, vor allem Kinder mit blauen Augen und blondem Haar aus Polen, der Ukraine oder dem Baltikum zu rauben, habe ich schon mehrere Bücher gelesen, unter anderem „Raubkind“ von Dorothee Schmitz-Köster, die als Spezialistin für dieses emotionale Thema gilt.
Berichte über Russlands aktuelle Verbrechen, ukrainische Kinder zu entführen und zu regimetreuen Russen umzuerziehen, ist erst vor einige Zeit durch die internationale Presse gegangen. Anders als im Zweiten Weltkrieg ist diesmal die mediale Aufmerksamkeit groß, was aber den Schmerz der Kinder und deren Eltern nicht verkleinert.
Die Autorin lässt uns abwechselnd in die Vergangenheit und die Gegenwart eintauchen. Die Darstellung der Ereignisse ist erschreckend ähnlich und brutal dargestellt. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart demonstriert ein Unrechtsregime während der Okkupation fremder Staatsgebiete mit diesen Kriegsverbrechen seine Macht: „Sehr her, ihr könnt eure Kinder nicht beschützen!“
Sehr gut ist auch das Dilemma beschrieben, dem letztlich das Kind, dessen polnische Mutter als auch die deutsche Adoptivmutter, die vom Kindesraub nichts gewusst haben will, ausgesetzt sind.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem emotionalen Roman 5 Sterne.
Shilo
aus Ulm
5/5
12.09.2026
eBook (ePUB 3)
Ein dunkles Kapitel kommt ans Licht
Schon Lori und Milena haben mich beim Lesen sehr beschäftigt. Zwischen ihren Lebensgeschichten liegen viele Jahrzehnte, trotzdem gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Frauen, die sich erst nach und nach zeigt. Beide kümmern sich um Kinder, die durch Krieg und Gewalt viel verloren haben und von anderen Menschen vergessen wurden.
Loris Geschichte spielt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie setzt sich für Kinder ein, die von den Nationalsozialisten aus ihrer Heimat im Osten verschleppt wurden. Die Schicksale dieser Kinder haben mich sehr betroffen gemacht. Sie mussten Dinge erleben, die kein Kind erleben sollte. Lori versucht, ihnen zu helfen und ihnen wieder ein Stück Sicherheit zu geben. Dabei wird auch deutlich, wie viel Kraft dieser Einsatz von ihr verlangt.
In der Gegenwart ist es Milena, die sich um einen ukrainischen Jungen kümmert. Er wurde während des Krieges nach Russland verschleppt. Gerade dieser Teil hat mich nicht losgelassen, denn wieder sind es Kinder, die mit den Folgen eines Krieges leben müssen. Beim Lesen wurde mir dadurch sehr deutlich, dass solche Schicksale nicht einfach der Vergangenheit angehören.
Die beiden Zeitebenen haben für mich gut zusammengepasst. Nach und nach ergeben sich neue Zusammenhänge und ich wollte wissen, was Lori und Milena tatsächlich miteinander verbindet. Ich habe deshalb beim Lesen immer genauer auf die Hinweise geachtet. Erst nach und nach wird klar, was hinter der Verbindung der beiden Frauen steckt. Das hat meine Neugier bis zum Ende aufrechterhalten.
Julia Kröhn erzählt hier von einem sehr schwierigen Kapitel der Geschichte und stellt ihm eine Geschichte aus der Gegenwart gegenüber. Dabei begegnen einem Menschen, die trotz allem versuchen, für andere da zu sein. Gerade bei den Kindern hat mich manches sehr traurig gemacht. Es gab aber auch Stellen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sich trotz all des Erlebten noch etwas zum Guten wenden kann.
Ich musste beim Lesen öfter darüber nachdenken, was solche Erlebnisse mit einem Menschen machen und wie sehr sie ein ganzes Leben prägen können. Besonders bei den Kindern war das für mich schwer auszuhalten. Was ihnen genommen wurde, kann man nicht einfach ungeschehen machen. Umso wichtiger war mir, dass die Wahrheit über das Geschehene nicht verborgen bleibt und die Betroffenen nicht vergessen werden.
Am Ende bleibt bei mir vor allem die Geschichte von Lori und Milena und ihr Einsatz für Kinder zurück. Beide Frauen gehen ihren eigenen Weg und trotzdem verbindet sie viel mehr, als zunächst zu erkennen ist. Die Verbindung der beiden Zeitebenen hat mir dabei gut gefallen und auch das Geheimnis dahinter hat mich bis zum Schluss beschäftigt. Die Geschichte hat mich berührt und an einigen Stellen sehr nachdenklich gemacht. Lori, Milena und die Schicksale der Kinder sind mir auch nach dem Lesen noch im Kopf geblieben. Deshalb vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.
Susanne Meyer
aus Brockhöfe
5/5
04.10.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein wunderschöner Roman
„Das Lächeln der Kinder“ ist ein emotionaler Roman über verschleppte Kinder und die Schrecken des Krieges. Mich hat die Schreibweise der Autorin sofort gepackt und ich bin nur so durch die Seiten geflogen.
Die Figuren sind authentisch und sehr einfühlsam beschrieben. Dabei ist Anna Freud eine reale Person. Sie setzte sich bereits in den späten 1940er-Jahren intensiv mit traumatisierten Kindern auseinander und trug damit zu einem wichtigen Bewusstseinswandel in der Kinderpsychologie bei.
London 1945:
Lori arbeitet in einem der von Anna Freud gegründeten Kriegskinderheime. Sie geht völlig in ihrer Arbeit auf und hat einen wunderbaren Umgang mit den traumatisierten Kindern.
Als sie tageweise im Children’s Center arbeitet, gerät sie allerdings ziemlich schnell an ihre Grenzen. Es ist erschreckend und kaum vorstellbar, was die Nazis den polnischen Kindern angetan haben.
Polen, Gegenwart:
Dr. Milena Kowalska arbeitet in einem Sommercamp für ukrainische Kinder, die von den Russen verschleppt wurden. Besonders der kleine Nikolay wächst ihr ans Herz. Der Junge ist schwer traumatisiert und findet nur sehr langsam wieder Zugang zu seiner Umwelt.
Erst auf einem benachbarten Gnadenhof für Tiere taut er allmählich auf. Dort begegnet er auch der alten Bäuerin Ryta. Doch plötzlich spricht sie Deutsch. Hat sie eine deutsche Vergangenheit?
Geschickt verbindet die Autorin die beiden Zeitebenen miteinander und führt die Geschichten Stück für Stück zusammen, bis sich am Ende die Zusammenhänge zeigen.
Das war wieder ein Buch, das mir trotz des sehr ernsten und schweren Themas richtig gut gefallen hat. Die Geschichte hat mich berührt und gleichzeitig zum Nachdenken gebracht.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!
begine
aus Lemwerder
5/5
09.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Kriegstraumata
Julia Kröhn ist mir schon aus früheren Roman bekannt.
Den Roman „Das Lächeln der Kinder“ hat sie wieder besonders gut geschrieben.
Er besteht aus zwei Zeitebenen, einmal nach dem zweiten Weltkrieg und dann seit dem Ukraine Krieg. Bei Beiden geht es um deportierte Kinder und ihr Trauma.
Von den Kindern die von den Nazis aus Polen gestohlen wurden, hat man nicht so vie gehört.
Blonde Kinder wurden nach Deutschland geschickt. Nach dem Krieg gab es Organisationen, die Kinder zurückschickten.
Das Kinder aus der Ukraine nach Russland verschleppt wurden hat man aus der Presse erfahren.
Jedes Jahr gibt es für diese Kinder ein Camp, in denen den Kindern geholfen wird.
Das hat die Autorin besonders gut recherchiert. Die Personen sind zwar fiktiv, aber so konnte es gewesen sein.
Der Roman ist lesenswert.
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