"Die Welt bleibt nicht für eine beschissene Sekunde stehen. Sie zögert noch nicht einmal." Sarah Kuttner hat einen Roman über Trauer geschrieben, über die Kraft, die Menschen entwickeln können und darüber, dass es auf manche Fragen keine Antworten gibt. "Kurt" erzählt auf zarte, humorvolle, vor allem aber unaufgeregte Weise davon, wie man sich wiederfindet nach einem schrecklichen Verlust, und wie man für jemanden da sein kann, der untröstlich ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
NiWa
4/5
11.05.2019
Hörbuch-Download (MP3)
Familie, Trauer & Humor
Lena und ihr Lebensgefährte Kurt kaufen sich ein Haus am Land. Denn der große Kurt hat einen kleinen Kurt im Gepäck, der zwischen seinen erziehungsberechtigten Eltern pendelt. Wochenweise lebt Kurt beim Gespann Lena und Kurt, dann wieder bei seiner Mutter Jana. Während sich alle Beteiligten eingewöhnen geschieht das Unfassbare: Der kleine Kurt stirbt.
"Kurt" ist - trotz der ernsten Thematik - ein amüsant-charmantes Buch über Familie, Trauer und Zusammenhalt.
Lena und Kurt ziehen auf's Land, um die optimale familiäre Versorgung für den kleinen Kurt zu gewährleisten. Dabei ist sich Protagonistin Lena oftmals nicht sicher, welche Rolle ihr in dieser Patchwork-Family-Lösung zugestanden wird. Sie versucht ihren Platz innerhalb der Familie zu finden, und fragt sich, ob sie nicht doch weiterhin am Rand stehen soll.
Gleichzeitig ist sie mit dem neuen Haus beschäftigt, und als Leser taucht man in diverse Gestaltungsmöglichkeiten des neuheimischen Gartens ab.
Dann passiert es. Der kleine Kurt fällt vom Klettergerüst und ist auf der Stelle tot. Wo vorher amüsante Verwirrung vorrangig war, zieht ein trister Schatten der Trauer ein, indem Lena genauso wenig ihre Rolle kennt.
Zuallererst muss ich Sarah Kuttners Erzählstil erwähnen. Ich hatte das Gefühl, die Autorin beziehungsweise Lena erzählt frei von der Leber weg. Details über nackte Hintern, Blümchen auf Gartenschaufeln oder winzige Handtücher werden amüsant-charmant geschildert und ebnen den Weg für die ernsten Themen im Vordergrund.
Im Mittelpunkt steht Lenas Rolle in dieser Patchwork-Family. Meiner Meinung nach greift Sarah Kuttner damit ein aktuelles Thema auf. Es existieren viele familiäre Verbunde, die sich zwar - mehr oder weniger - freiwillig zusammenschließen, allerdings kaum auf vorgefertigte Rollen zurückgreifen können. Wie soll sich Lena dem kleinen Kurt gegenüber verhalten? Ist sie die Stiefmutter, die sie gar nicht sein will? Auf die Freundin des Vaters reduziert? Oder darf sie sich die Vorteile einer Art großen Schwester verschaffen? All diese Fragen schwirren der Protagonistin im Kopf herum, bis der kleine Kurt ein schwarzes Loch der Trauer hinterlässt.
Kurts Familie ist fassungslos, sie ertragen es kaum. Damit nimmt Lenas Unsicherheit zu, weil sie sich auch in dieser tristen Situation an keine Handlungsanweisungen von außen halten kann. Wie sehr darf sie trauern, wenn überhaupt? Inwiefern ist sie ihrem Lebensgefährten eine Stütze, wenn er der Mutter seines Sohnes zur Seite steht? Und wie soll sie sich verhalten, wenn ihr ihre Beziehung zu entgleiten droht?
Allesamt spricht Sarah Kuttner brisante Aspekte an, die jeden in einer bunt gemischten Familiensituation beschäftigen. Dabei behält sie ihre humorvolle Art bei, lässt die Figuren kein Blatt vor den Mund nehmen, sich gegenseitig necken und schon mal im Regen stehen.
Nur das Ende hat mir nicht gefallen. Während man Lenas gärtnerische Erfolge im Garten bewundert und durch einen Spalt in der Hecke rüber zu den Nachbarn späht, ist es mit einem Moment vorbei. Der abrupte Abschied hat mich irritiert zurückgelassen, auch wenn es zum Gesamtkonzept des Werkes passt.
Mit „Kurt“ hat die Autorin einen besonderen Roman über Liebe, Familie und Trauer geschaffen, der emotional überwältigend zu hören und wahrscheinlich ebenso zu lesen ist. Die Lachmuskeln kommen kaum zur Ruhe, die Tränchen drücken auf die Drüse und um’s Herz wird einen ganz warm, weil dieses Werk ergreifend geschrieben ist.
Majo C.
aus Wien
5/5
11.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Die Kurts haben mein Herz
Ein Buch aus der Sicht der Stiefmutter, die nicht als solche benannt werden möchte und selbst nicht so recht weiß was ihre Aufgabe denn jetzt genau ist. Ein Buch über eine Kleinfamilie, die gerade in ihrem neuen Zuhause ankommt. Ein Buch über Verlust, Schock, Schmerz, Ausgrenzung und Grenzen. Ein Buch, das dir in den Bauch schlägt und dich zum Weinen bringt.
Lena verliert ihren Stiefsohn und damit auch eine Zeit lang ihren Partner, den Vater des Kindes.
Sie schwimmt in einer Ohnmacht, weiß nicht wohin mit ihrem Tatendrang, möchte da sein für ihren Partner und selbst trauern und weiß nicht wie, wie viel und ob das überhaupt möglich ist, für sie.
Wie von Kuttner gewohnt ist auch dieses Buch in einer nahbaren, leichten Sprache gehalten, obwohl das Thema so wahnsinnig schwer ist.
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
16.05.2026
Buch (Taschenbuch)
So toll!
KURT
Sarah Kuttner
ET: 13.03.19
„Trauer kann einen verschwinden lassen, bis man nicht mehr zurückfindet.“ (S. 170)
Lena ist mit dem großen Kurt nach Brandenburg gezogen – wegen seines kleinen Kurts, der eigentlich bei seiner Mutter Jana lebt. Ihren großen Kurt konnte sie nur mit seinem kleinen Kurt haben, das wusste sie von Anfang an. Jetzt lebt sie mal mit einem und mal mit zwei Kurts in einem Haus, das dringend renoviert werden muss.
Die Welt bleibt keine Sekunde stehen, als der kleine Kurt einen tragischen Unfall hat und stirbt. Der große Kurt trauert und fühlt sich in dieser schrecklichen Situation seiner Ex-Frau näher als Lena, die den kleinen Kurt immerhin zwei Drittel seines sechsjährigen Lebens begleitet hat – und selbst genauso trauert, auch wenn es oft keinen Raum dafür gibt.
Was für ein intensives Buch. Sarah Kuttner schreibt leicht, fast beiläufig und gleichzeitig so treffend, dass es direkt unter die Haut geht. Dieser leise Humor, der immer wieder durchblitzt, steht im starken Kontrast zu der tiefen Trauer – und genau das macht das Buch so besonders.
Eine Geschichte über Verlust, über das Auseinanderdriften und Zusammenhalten, über eine Patchwork-Familie, der das Leben einen unfassbar harten Schlag versetzt.
Fazit:
Ein Buch über Trauerbewältigung und eine andere Art von Liebesgeschichte. Ganz große Leseempfehlung
+/5 (Heute gibt es traurige Herzchen und keine Lesemäuse)
Bewertung
aus Gerstetten
5/5
22.10.2025
eBook (ePUB 3)
Berührend einfühlsam und dennoch schön
Das schlimmste was einem als Elternteil passieren kann passiert. Und dennoch ist das Buch so schön und einfühlsam. Ich kann mir diese Situation genau so vorstellen wie sie im Buch passiert. Und wie man sich zurück ins Leben kämpft. Ein ganz tolles Buch, volle Empfehlung.
Sibby
5/5
15.11.2023
Buch (Taschenbuch)
Berührend
Wer weiß schon wie es am besten ist mit dem Tod eines Familienmitgliedes umzugehen? Wahrscheinlich niemand. Und aus genau diesem Grund muss es eben Kurt - und Lena - und Jana - und alle anderen die den kleinen lieben Kurt-Junior so geliebt haben herausfinden.
Eine kleine und traurige Geschichte über den Verlust, wie man damit umgeht und dann am Ende irgendwie "normal" weitermachen kann.
Denn eines steht fest, die Zeit bleibt nicht eine Sekunde lang stehen, sie zögert noch nicht einmal.
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5/5
20.01.2025
eBook (ePUB 3)
"Schmerz ist Schmerz"
Obwohl ich den Kinofilm schon vor dem Buch kannte und daher zumindest von der Handlung wusste was mich erwartet, war ich trotzdem von Sekunde eins emotional total involviert in das Geschehen. Nicht nur weil die Thematik – der Verlust eines Kindes - schon traurig genug ist, sondern weil die Erzählweise irgendwie besonders war. Das Buch wird nämlich nicht aus der Perspektive von Kurts Eltern erzählt. Stattdessen aus der Sicht von Kurts “Stiefmutter” (sie nennt sich nicht gerne so) - Lena. Und Lena ist nicht nur eine witzige, direkte und starke Frau, sondern auch eine so nahbare Person, von der man denkt, man würde sie kennen. Vor allem beschäftigt Lena das Thema wie man sich als Elternteil verhalten soll, das nicht wirklich mit dem Kind verwandt ist. Das ausgerechnet sie uns durch diese Trauerreise führt, fand ich so berührend und zeigt einfach nochmal ganz anders, was Familie bedeuten soll. Aber auch das drum herum war wirklich großartig geschrieben und beschäftigt sich sehr real mit diesem unfassbar traurigen Thema.
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5/5
27.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
realistisch, einfühlsam, tröstend
Ergreifend und herzerwärmend, ernst und humorvoll, traurig und tröstend. Sarah Kuttner versteht es, in ihrem wundervollen Schreibstil die Dinge klar und unverblümt auf den Punkt zu bringen, ihre genaue Beobachtungsgabe detailliert in prägnanten Sätzen widerzugeben und den Leser damit tief in die Geschichte eintauchen zu lassen. Eine Patchworkfamilie muss den Verlust des kleinen (Stief-)Sohnes verarbeiten. Alle Phasen und die verschiedenen Arten der Trauer, die Ohnmacht und das Helfen der Verwandten und Bekannten und die zarten Lichtblicke am Horizont, die irgendwann aufblitzen - all das verarbeitet die Autorin hervorragend in ihrem Roman. Das Buch ist nun auch wunderbar verfilmt von und mit Til Schweiger.
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5/5
24.07.2021
Buch (Taschenbuch)
Tragisch-Komisch-Gefühlisch
Welche Rechte und Pflichten gehen denn so damit einher eine Stiefmutter zu sein? Was muss und was darf? Lena ist gerade erst dabei sich an ihre neue Rolle zu gewöhnen als ein Unfall alles verändert. Der kleine Kurt stirbt und plötzlich ist alles anders. Der große Kurt, Lenas Lebensgefährte, verschwindet irgendwie in seiner Trauer und Lena selbst? Hat Sie überhaupt das Recht auf echte Trauer?
Sarah Kuttner trifft einen Ton den ich liebe! So tragisch das Thema, so heiter ist der Tonfall und das passt einfach herrlich zusammen! Dicke Bretter mit leichter Feder gebohrt.
Dieses Buch zählt zu meine absoluten Lieblingen!
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5/5
17.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Tiefgang und Leichtigkeit Hand in Hand
Sarah Kuttner ist hier ein großartiges Buch gelungen, bei dem sich Tiefe und Leichtigkeit die Waage halten.
Sie schafft es wunderbar uns an der Gefühlswelt von Lena teilnehmen zu lassen, die mit ihrem Freund Kurt in ein Haus zusammengezogen ist. Jede zweite Woche wohnt der kleine Kurt, Kurts Sohn, bei ihnen. Obwohl Lena den Sechsjährigen schon sein halbes Leben kennt, ändert die Situation des Zusammenwohnens doch einiges. Sie weiß einfach nicht, ob sie auch einen Anteil an Kurts Erziehung nehmen darf bzw. soll. Doch bevor sie dafür eine Lösung findet passiert das unfassbare und der kleine Kurt stirbt.
Jetzt hat sie es mit der Trauer ihres Freundes und dessen Exfrau zu tun und wieder ist sie irgendwie außen vor. Sie versucht für Kurt alles erträglicher zu machen und vergisst dabei fast, dass auch sie trauern darf.
Neben der Schwere der Geschichte bringt die Autorin dadurch Leichtigkeit in ihren Text, dass das Leben im Alltag einfach weitergehen muss. Einkaufen, Job, Gartenarbeit, auch in Trauer muss das weiterlaufen. Und so können wir sehr einfühlsam verfolgen, ob Kurt und Lena den Weg zurück ins Leben finden.
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5/5
11.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Wunderbar und tieftraurig...
In ihrem typisch schnoddrigen Ton erzählt Sarah Kuttner wie ein Paar den Tod eines kleinen Jungen verarbeitet.
Das Besondere dabei ist, dass die Erzählerin nicht die leibliche Mutter, sondern die neue Partnerin des Vaters ist. Darf sie trotzdem todunglücklich sein, weil sie den kleinen, witzigen, tollen Kerl maßlos vermisst? Oder steht das nur den Verwandten zu?
Interessante Fragen welche die Autorin wunderbar herzergreifend und schnörkellos beleuchtet.
Der Roman beginnt mit dem glücklichen, fröhlichen und ausgelassenen Leben der kleinen Patchworkfamilie, die Sarah Kuttner frech zu erzählen versteht!
Dementsprechend hoch ist die Fallhöhe der Geschichte mit dem folgenden plötzlichen Unfalltod des kleinen Kurt.
Sarah Kuttner spielt mit Sprache und Dialogen und bricht einem damit das Herz!
Unbedingte Leseempfehlung!
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