Johanna Adorján hat unsere Gegenwart in einen Roman gegossen.Johanna Adorján entwirft mitCiao eine Gesellschaftssatire, die extrem komisch ist und gleichzeitig ernsthaft gegenwärtig. Ist der Untergang des alten weißen Mannes beschlossene Sache oder sollte man mit dieser Spezies doch gnädig sein?Hans Benedek, einst ein gefragter Feuilletonist, hat seinen Bedeutungsverlust selbst noch gar nicht realisiert. Er wähnt sich weiterhin als Mann von beträchtlichem Einfluss, glaubt, dass alle Welt die Ohren spitzt, wenn er einen Gedanken formuliert. Aber die Zeichen mehren sich, dass sich etwas verändert hat. Seine ständigen Affären mit Praktikantinnen sind nicht mehr so unbeschwert wie noch vor einigen Jahren. Seine Tochter beschimpft ihn als Mörder, da er immer noch Bacon zum Frühstück isst. Als seine Frau ihn auf die Idee bringt, ein Portrait über die gefragteste junge Feministin des Landes zu schreiben, wittert Hans seine Chance. Doch die Begegnung mit ihr wird Hans in einen Abgrund von bisher ungekannter Tiefe stürzen.Eine Geschichte über Menschen, über die die Zeit hinweggegangen ist. Über Leute von gestern im heutigen Leben. Übers Älterwerden. Und ein bisschen auch über die Liebe.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Sabine
aus Köln
3/5
21.07.2021
Hörbuch-Download (MP3)
Ciao
Mich hat das Cover neugierig gemacht, weil ich Geschichten mag, die ernste Themen humorig umsetzen, ohne dabei aber klamaukig zu werden – und dieses Cover hat mich glauben lassen, dass ich mit diesem Buch genau das bekomme. Es gab tatsächlich auch Situationen, in denen ich schmunzeln musste, trotzdem hat mich die Geschichte nicht richtig packen können.
Im Mittelpunkt steht Hans Benedek, ein alternder Feuilletonist, der verzweifelt versucht, den Anschluss an aktuelle Themen nicht zu verlieren – und so macht er sich in ihm bekannter Manier daran, ein Portrait über die junge Feministin Xandi Lochner zu schreiben. Aber nach alter Manier klappt das halt nicht mehr…
Der Einstieg in die Geschichte ist gut gelungen – da steht aber auch noch Henriette im Mittelpunkt, Ehefrau des gefragten Journalisten Hans, die als erste die junge Feministin kennenlernt. Erst später kommt ihr Mann Hans dann ins Spiel, und leider tritt Henriette sehr in den Hintergrund, denn gerade sie mochte ich sehr gerne. Ihre Figur ist großartig gezeichnet, sehr authentisch, voller Ecken und Kanten und Zweifel und dadurch auch sehr sympathisch. Ganz anders ihr Ehemann, der zwar auch gut gestaltet ist, aber bei weitem nicht so sympathisch mit seinem Frauenbild und seinen Einstellungen gegenüber den Dingen und Menschen. Dass er damit auf die Nase fällt (was das Cover wunderbar darstellt), ahnt man schon früh – und es gab tatsächlich einige Situationen, die mich mal haben schmunzeln, aber auch die Augen rollen lassen. Insofern ist der alternde einst erfolgreiche Hans als Figur sehr gut gelungen.
Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht so richtig packen, immer wieder ertappte ich mich dabei, mit den eigenen Gedanken beim Hören des Hörbuchs abzuschweifen. Dabei ist der Schreibstil angenehm – auch ohne Dialoge. Die aber hätten die Geschichte vielleicht etwas lebendiger gemacht, dafür aber gibt es viele Einblicke sowohl in die Arbeit einer Zeitungsredaktion, aber auch in die Gedankenwelt des Protagonisten, der sich mit seinem sich ändernden Umfeld nicht so recht abfinden kann. Ich hatte mir von der Geschichte viel mehr versprochen, insbesondere auch Biss, Ironie und Witz – daran fehlt es der Autorin beileibe nicht, sie hat es aber leider nur knapp dosiert eingesetzt.
Gelesen wird die Geschichte von der Autorin selber – da war ich positiv überrascht, denn meine Erfahrung ist: wer schreiben kann, muss deshalb nicht auch vorlesen können. Aber sie hat mich eines besseren belehrt, und ich mochte ihre klare Stimme sehr; vor allem zu den Szenen mit Xandi und Henriette passte sie super.
Ich gebe dem Hörbuch 3 von 5 Sternen.
Galladan
aus Niederrhein
5/5
24.08.2021
eBook (ePUB 3)
Jetzt wüsste ich gerne wer für die Figuren Pate gestanden hat
Ciao von Johanna Adorján, erschienen im Kiepenheuer&Witsch Verlag am 8. Juli 2021.
Hans Benedek, ein alternder Feuilletonist, ist auf dem absteigenden Ast bei seiner Zeitung. Er selbst bekommt davon leider nichts mit und versucht noch immer das zu leben, was wir heute „alter weißer Mann“ Leben nennen. Er geht, wo er nur kann, fremd, versucht seine Mahlzeiten als Geschäftsessen abzurechnen und bemerkt nicht mal, dass die Feministin Xandia Lochner es auf ihn abgesehen hat.
Die Autorin lässt es wie moderne Unterhaltung erscheinen, packt aber leicht verdaulich Generationenkonflikt, Hausfrauenehe, Feminismus und die Arroganz der älteren Generation die sich für unwiderstehlich und unersetzbar halten mit hinein. Dabei bekommt auch die jüngere Generation, die im Prinzip genau so berechnend dargestellt wird, auch ihr Fett weg. Wir sind ja alle keine Engel.
Die Protagonisten bleiben zum großen Teil fremd und reduziert auf Wesentliches, was es einem leichter macht sich mit keinem geistig zu verbinden und es zu genießen, wie man redet, ohne zu kommunizieren. Es wird so deutlich, wo wir aneinander vorbeireden, Johanna Adorján, hat uns alle gut beobachtet und unser kommunikatives Scheitern in ein humorvolles, unterhaltsames Buch gefasst. Klare Leseempfehlung.
Bewertung
5/5
24.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Daß die Welt sich verändert und...
Daß die Welt sich verändert und verändern muß, ist Hans schon lange klar. Doch daß ausgerechnet er unter die Räder kommen wird , hätte er sich so nicht vorstellen können. Kein unbedingt sympathischer Held, doch seine Richter sind kaum besser. Satire mit vielen Seitenhieben.
Miss.mesmerized
5/5
21.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Johanna Adorján – Ciao
Viele Jahrzehnte ist es schon her, dass Henriette mit ihrem Gedichtband so etwas wie einen kleinen Erfolg feiern konnte, heute ist sie nur noch gelegentlich als Gattin von Hans Benedek in der Öffentlichkeit zu sehen, einem angesehenen Feuilletonisten und von der Kunst und Kulturszene lange umworbenen Gast auf allerlei Veranstaltungen. Umso erstaunter ist sie als Xandi Lochner, 24-jährige Feministin und Liebling aller Social-Media-Kanäle sie um ein Treffen bittet. Die Welten der beiden Frauen könnten verschiedener nicht sein und für Henriette endet der Abend in einem Desaster. Doch ihr Mann ist von der Idee, ein Portrait über die schlagfertige Jungautorin zu schreiben, begeistert, vielleicht kann er so seinen sinkenden Stern bei der Zeitung wieder etwas zum Leuchten bringen. Zwar kann er mit den modernen Ideen der Frauen wenig anfangen, er fühlt sich inzwischen geradezu verfolgt und gehasst, aber das verhindert ja keinen erfolgreichen Artikel und sein Charme wirkt doch auch immer noch gut, wie all seine Affären mit den Praktikantinnen eindrucksvoll belegen.
Johanna Adorján greift das Thema der Stunde auf: der tobende Geschlechterkampf im Kulturbetrieb. Auf der einen Seite gut situierte und etablierte ältere Herren, die jahrzehntelang gönnerhaft ihre Position ausgenutzt haben, auf der anderen junge, unerschrockene Frauen, die sich nicht mehr so einfach in die zweite Reihe schieben lassen und die Gegebenheiten hinterfragen. Die Autorin verfällt jedoch nicht dem wütenden Duktus, der häufig diese Debatte begleitet, sondern findet einen humorvollen Ton für ihre Geschichte, die auch den Protagonisten nicht gänzlich demontiert. Benedek ist kein selbstsüchtiges Monster, viel mehr ist er überfordert und blickt orientierungslos in die Welt.
Es sind nicht nur die Frauen, die Benedek Kopfzerbrechen bereiten. Auch die Tatsache, dass sich seine Zeitung weg vom Papier hin zum online Journalismus verlagert, irritiert ihn. Dort kann ja auch jeder schreiben, was er will, nicht mehr er ist als Feuilletonist plötzlich der Königsmacher, der mit wohlwollenden Kritiken Karrieren befördert und eine entsprechende Behandlung erwartet. Dass sich die Zeiten geändert haben, spürt er an seinem Arbeitsplatz deutlich, insbesondere die Einsparungen, unter denen die ganze Branche leidet, treffen ihn hart.
Seine Tochter versteht er schon lange nicht mehr und mit Henriette hat er auch kaum mehr was zu teilen, dafür hat er ja Niki, aktuelle Praktikantin und Geliebte, die er ärgerlicherweise zu seinem Treffen mit Xandi Lochner nehmen muss und mit der er absurderweise gemeinsam den Artikel verfassen soll. Obwohl er beobachtet, wie Xandi eine Größe des Showgeschäfts vor seinen Augen vom Thron stößt, ist er nicht gewarnt und wähnt sich mit seinem erprobten Charme in Sicherheit. Mit dem Twitter Shitstorm, der dem Abend folgt, ist er restlos überfordert, er hat doch gar nichts falsch gemacht, er war doch nur nett und zuvorkommend?
Das Drama um den gealterten Journalisten nimmt unterhaltsam die ganze Medienbrache in den Fokus, nicht nur die Geschlechterfrage, sondern auch inhaltsleere Social-Media-Kanäle und Kunstveranstaltungen, bei denen es nicht um Kunst, sondern nur um das Sehen und Gesehenwerden geht, werden pointiert zugespitzt. Die oft etwas verbissene Diskussion um den „alten weißen Mann“ bereichert Adorján um Benedeks Perspektive, er will ja eigentlich modern sein, aber die Welt überfordert ihn und dass er am Ende nicht mehr über eine junge Frau schreiben darf, führt die Frage, wer überhaupt wen übersetzen darf, noch ein Stück weiter ad absurdum.
Eine bissige Gesellschaftssatire, die als Sommerroman funktioniert, obwohl sie eine nicht zu verachtende Tiefe hat.
Bewertung
aus Mainz
5/5
21.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Viele Jahrzehnte ist es schon…
Viele Jahrzehnte ist es schon her, dass Henriette mit ihrem Gedichtband so etwas wie einen kleinen Erfolg feiern konnte, heute ist sie nur noch gelegentlich als Gattin von Hans Benedek in der Öffentlichkeit zu sehen, einem angesehenen Feuilletonisten und von der Kunst und Kulturszene lange umworbenen Gast auf allerlei Veranstaltungen. Umso erstaunter ist sie als Xandi Lochner, 24-jährige Feministin und Liebling aller Social-Media-Kanäle sie um ein Treffen bittet. Die Welten der beiden Frauen könnten verschiedener nicht sein und für Henriette endet der Abend in einem Desaster. Doch ihr Mann ist von der Idee, ein Portrait über die schlagfertige Jungautorin zu schreiben, begeistert, vielleicht kann er so seinen sinkenden Stern bei der Zeitung wieder etwas zum Leuchten bringen. Zwar kann er mit den modernen Ideen der Frauen wenig anfangen, er fühlt sich inzwischen geradezu verfolgt und gehasst, aber das verhindert ja keinen erfolgreichen Artikel und sein Charme wirkt doch auch immer noch gut, wie all seine Affären mit den Praktikantinnen eindrucksvoll belegen. Johanna Adorján greift das Thema der Stunde auf: der tobende Geschlechterkampf im Kulturbetrieb. Auf der einen Seite gut situierte und etablierte ältere Herren, die jahrzehntelang gönnerhaft ihre Position ausgenutzt haben, auf der anderen junge, unerschrockene Frauen, die sich nicht mehr so einfach in die zweite Reihe schieben lassen und die Gegebenheiten hinterfragen. Die Autorin verfällt jedoch nicht dem wütenden Duktus, der häufig diese Debatte begleitet, sondern findet einen humorvollen Ton für ihre Geschichte, die auch den Protagonisten nicht gänzlich demontiert. Benedek ist kein selbstsüchtiges Monster, viel mehr ist er überfordert und blickt orientierungslos in die Welt. Es sind nicht nur die Frauen, die Benedek Kopfzerbrechen bereiten. Auch die Tatsache, dass sich seine Zeitung weg vom Papier hin zum online Journalismus verlagert, irritiert ihn. Dort kann ja auch jeder schreiben, was er will, nicht mehr er ist als Feuilletonist plötzlich der Königsmacher, der mit wohlwollenden Kritiken Karrieren befördert und eine entsprechende Behandlung erwartet. Dass sich die Zeiten geändert haben, spürt er an seinem Arbeitsplatz deutlich, insbesondere die Einsparungen, unter denen die ganze Branche leidet, treffen ihn hart. Seine Tochter versteht er schon lange nicht mehr und mit Henriette hat er auch kaum mehr was zu teilen, dafür hat er ja Niki, aktuelle Praktikantin und Geliebte, die er ärgerlicherweise zu seinem Treffen mit Xandi Lochner nehmen muss und mit der er absurderweise gemeinsam den Artikel verfassen soll. Obwohl er beobachtet, wie Xandi eine Größe des Showgeschäfts vor seinen Augen vom Thron stößt, ist er nicht gewarnt und wähnt sich mit seinem erprobten Charme in Sicherheit. Mit dem Twitter Shitstorm, der dem Abend folgt, ist er restlos überfordert, er hat doch gar nichts falsch gemacht, er war doch nur nett und zuvorkommend? Das Drama um den gealterten Journalisten nimmt unterhaltsam die ganze Medienbrache in den Fokus, nicht nur die Geschlechterfrage, sondern auch inhaltsleere Social-Media-Kanäle und Kunstveranstaltungen, bei denen es nicht um Kunst, sondern nur um das Sehen und Gesehenwerden geht, werden pointiert zugespitzt. Die oft etwas verbissene Diskussion um den „alten weißen Mann“ bereichert Adorján um Benedeks Perspektive, er will ja eigentlich modern sein, aber die Welt überfordert ihn und dass er am Ende nicht mehr über eine junge Frau schreiben darf, führt die Frage, wer überhaupt wen übersetzen darf, noch ein Stück weiter ad absurdum. Eine bissige Gesellschaftssatire, die als Sommerroman funktioniert, obwohl sie eine nicht zu verachtende Tiefe hat.
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5/5
01.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Alte, weiße Männer, die einfach...
Alte, weiße Männer, die einfach nicht mehr mitkommen... Die Karriere des Starjournalisten Benedek beginnt zu bröckeln, als die Frauen in seinem Arbeitsumfeld beginnen, ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Der süffisante Stil von Johanna Adorjan macht diesen Roman sehr unterhaltsam.
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5/5
24.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Haben Frauen vergessen dass Sie Brüste haben?"
Hans versteht die Welt nicht mehr. Den Umstand das ausgerechnet er die Welt nicht mehr versteht, merkt er selbst leider als Letzter und wird zu allem Überfluss auch noch sehr schmerzhaft und sehr öffentlich darauf gestossen.
Diese Geschichte hat einiges zu bieten. Ein kleine Dosis AlterWeißerMann, eine etwas größere Menge junger, moderner Feminismus und eine ordentliche Portion bissigen und doch charmanten Humors.
Ganz nebenbei nimmt Johanna Adorjan noch die gesamte Bandbreite der kulturschaffenden Szene Berlins auf die Schippe.
Dieses Buch trifft einen Nerv der Zeit der einigen schmerzhaft ins Kreuz fährt und ist doch so liebenswert, dass man es ihm nur verzeihen kann.
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5/5
22.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hans ist gecancelt. Er hat es...
Hans ist gecancelt. Er hat es nur noch nicht gemerkt. Amüsante Gesellschaftssatire über den verbissenen Kampf zwischen dem "alten, weißen Mann" und der jungen Feministinnen-Generation, bei dem beide Seiten ihr Fett abbekommen. Hochaktuell und mit viel bissigem Humor. Ein Fest!
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4/5
22.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Überspitzt und humorvoll
Eine gelungene Gesellschaftssatire. Im Fokus steht Hans Benedek, ein in die Jahre gekommener Journalist, der mit der jetzigen Turbo-Gesellschaft nicht mehr so klar kommt und ständig in Fettnäpfchen tritt. Speziell Social Media wird hier thematisch in Szene gesetzt! Er rückt ins Visier einer jungen Frau mit einen Twitter Account. Ein Tweet kann alles verändern!
Satirisch, humorvoll und überspitzt... Social Media wird kritisch beleuchtet. Es macht nachdenklich und obwohl einige Szenen recht langatmig wirkten, hat mich die Handlung überzeugt!
Leseempfehlung!
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