Karen Duves großer Roman über Sisi - zwischen Zwang und Freiheit
Als Elisabeth (Sisi) durch Heirat zur Kaiserin von Österreich wird, betritt sie eine streng geordnete Welt voll steifer Konventionen und langweiliger Empfänge. Ausbrechen kann sie nur auf ausgedehnten Reisen und bei Aufenthalten auf ihrem ungarischen Schloss Gödöllö. Dort kann sie ungezwungen leben und ihrer größten Leidenschaft nachgehen: wilden Reitjagden. Kein Wassergraben ist der Kaiserin zu breit, kein Hindernis zu gefährlich - Sisi gehört zu den besten und tollkühnsten Reiterinnen ihrer Zeit. Der legendäre Jagd- und Rennreiter Bay Middleton bewundert die Kaiserin nicht nur für ihr reiterliches Können.
Bei einem Aufenthalt auf Gödöllö lädt Sisi ihre reit- und fechtkundige Nichte Marie Wallersee zu sich ein. Als Tochter einer Schauspielerin ist Marie eigentlich nicht standesgemäß, aber Sisi sieht in ihr ein freieres zweites Selbst und macht sie zur engen Vertrauten. Die 18-jährige Marie erliegt schnell dem Charme der kaiserlichen Tante und assistiert ihr nur allzu gerne, wenn diese die leidenschaftliche Reiterin und Femme fatale gibt. Doch bald wirkt auch Marie anziehend auf andere, besonders auf die männlichen Adligen.
Sisi, daran gewöhnt im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, sieht sich nach einem Ehemann für die lästige Konkurrenz um und beginnt ein intrigantes Spiel aus Verführung und Verrat.
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Gold
JoBerlin aus Berlin am 22.09.2022
Bewertungsnummer: 1791268
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Karen Duve ist ein ganz wunderbarer, interessanter und im besten Sinn unterhaltsamer Roman gelungen. Die Lektüre macht einfach nur Freude und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Autorin hat exzellent recherchiert und präsentiert ihre Sisi mit einem Schleier von hauchfeiner Ironie. Sprachlich ist das wundervoll gelungen.
Deutlich werden Sisis Bestrebungen, das österreichische Kaiserreich zu einer modernen, parlamentarischen Monarchie zu führen, sie scheitert und zieht sich in eigene, glänzende Feenwelten zurück. Duves Blick hinter die schöne Fassade zeigt aber auch eine zu selbstbezogene, verwöhnte, manipulative Kaiserin, die bereits kleine Pflichten als unerträgliche Belastung und Einengung ihrer persönlichen Freiheit empfindet.
Ausgewählte, vermeintlich heikle Lebenssituationen erscheinen im Fortlauf des Romans immer mal wieder unter dem Titel ‶Die Sache mit …. ″, in ihnen stellt Karen Duve das Wesen Sisis ganz besonders gut dar, finde ich.
Kenntnisreich schildert die Autorin Vorlieben der Kaiserin für aufwendige Jagdveranstaltungen, Kunstreiten, Pferdezucht. Das Titelbild des Romans zeigt folgerichtig Sisis Schimmel Flick und Flock.
Außerdem interessant für mich sind bestimmte Rituale im Tagesablauf der Majestäten, Kleidung, Verwandtschaft und die politische Lage um das k.u.k. Riesenreich.
Der Roman spricht nicht nur Sisi-Fans an, er ist in jedem Fall die richtige Wahl für lange Sommertage und dunkle Winternächte. Er wird gelesen, geliebt und erfolgreich werden, denn er ist so gut – Gold eben.
Die feine Ironie wird durch den sperrigen Schreibstil übertönt
hapedah am 26.09.2022
Bewertungsnummer: 1793732
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Kaiserin Elisabeth von Österreich ist vom steifen Wiener Hofzeremoniell gelangweilt und vertreibt sich die Zeit lieber mit ausgiebigen Reisen. Besonders in England gefällt es ihr gut, die risikoreichen Jagdgesellschaften lassen das Herz der passionierten Reiterin höher schlagen. Für ihre Reitkünste wird Sisi ebenso sehr bewundert, wie für ihre Schönheit, auch der legendäre Reiter Bay Middleton wurde nach anfänglicher Skepsis in ihren Bann gezogen. Als Sisi ihr Nichte Marie Wallersee, die aus einer nicht standesgemäßen Ehe ihres Bruders mit einer Schauspielerin entstammt, nach Schloss Gödöllö einlädt, steht diese zunächst im Schatten ihrer kaiserlichen Tante. Marie zeigt sich im Sattel genau so tollkühn wie Sisi und wird deren dauerhafte Begleiterin - so dauert es nicht lange, bis die adlige Gesellschaft der jungen Frau eben so viel Aufmerksamkeit entgegen bringt und damit Sisis Unmut erregt.
"Sisi" von Karen Duve ist ein Roman, der sich eng an realen Überlieferungen über die Kaiserin Elisabeth orientiert, allerdings beschränkt sich die Handlung auf einen relativ kurzen Zeitraum ihres Lebens. Zu Beginn der Geschichte ist Sisi bereits 38 Jahre alt und damit weit entfernt von dem kitschigen Backfisch, den uns die berühmte Filmreihe seinerzeit vorgeführt hat, die Autorin zeichnet ein weit weniger illusorisches Bild der schillernden geschichtlichen Figur. Dabei bedient sie sich einer Sprache, die für einen höfischen Chronisten jener Zeit angemessen gewesen wäre, selbstverständlich ist die Kaiserin wunderschön, unendlich liebenswürdig und nahezu unfehlbar, jede ihrer Handlungen wird aus dem Blickwinkel einer Person in Sisis Umfeld gezeigt. Nur mit kleinen, dezenten Sätzen am Ende des entsprechenden Abschnitts, wird der schöne Schein in Frage gestellt. (z.B. nach einer Jagd des Kaisers, als die getöteten Gämsen in einer Linie aufgereiht werden: "Achtunddreißig tote Tiere sind es diesmal. Das ist ein schöner Ausdruck repräsentativer Lebenslust,..")
Mit dieser feinen Ironie hat die Autorin die Schattenseiten des kaiserlichen Glanzes dargestellt, ohne die Kritik in direkte Worte zu fassen, den Schreibstil habe ich recht passend zur höfischen Etikette empfunden. Allerdings ist es mir durch die gestelzte Ausdrucksweise schwer gefallen, tiefer in die Geschichte einzutauchen, oder den Figuren gar emotional näher zu kommen. Wenn ich bedenke, dass es sich nicht um ein geschichtliches Sachbuch, sondern um einen Roman handelt, fehlte mir nicht nur bei der Protagonistin, sondern auch ihrem Umfeld die Lebendigkeit. Da die Kaiserin beinahe ausschließlich durch die Augen dritter betrachtet wurde, wirkte das Buch auf mich eher wie eine etwas ausführlichere Zusammenstellung historischer Fakten. Für eingefleischte Sisi-Fans zeigt Karen Duve sicherlich einen interessanten Ausschnitt aus ihrem bewegten Leben, für mich hatte das Buch leider kaum einen Unterhaltungswert.
Im Prinzip fasst der Klappentext bereits den kompletten Handlungsverlauf zusammen und für meinen Geschmack war der Rest umständliche Umschreibung. Besonders der Anfang hat sich meiner Meinung nach zähe in die Länge gezogen, bei aller Begeisterung, die Sisi selbst für die wilden Jagdritte empfunden haben mag, fand ich es kaum spannend, die ausführlichen Schilderungen der sich beinahe täglich wiederholenden Jagden zu lesen. Als Marie Wallersee in Erscheinung trat, kam mir das Handlungstempo schon angenehmer vor, nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch nur begeisterten Anhängern der Kaiserin Elisabeth empfehlen, für alle Anderen ist es eine recht langwierige Lektüre.
Fazit: Der gestelzte Schreibstil hat für mich den Unterhaltungswert des Romans deutlich geschmälert, auch die feine Ironie, mit der die Autorin ihre Abschnitte enden lässt, konnten das Leseerlebnis in meinen Augen nicht retten. Für eingefleischte Sisi-Fans mag dieser Ausschnitt aus ihrem Leben eine durchaus lesenswerte Lektüre darstellen, meine Begeisterung hielt sich leider in Grenzen.
Meinung aus der Buchhandlung
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Natürlich weiß man nicht erst seit diesem Roman, dass die historische Sisi nicht die verkitschte Romy-Schneider-Sissi war, als die sie heute weithin bekannt ist. Das vermittelt z.B. das Museum in der Wiener Hofburg: Sisi trank lieber bloß den Bratensaft, als das Fleisch zu essen, und turnte manisch im eigenen Fitnessstudio, um ihren Taillenumfang von 50 cm zu halten, hatte Hungerödeme und ein eher düsteres Gemüt.
In Duves Buch tritt Sisi darüber hinaus unnahbar und egozentrisch auf. Sie gibt sich zwar verständlicherweise nicht mit der Rolle als Mutter und Repräsentantin zufrieden, setzt ihre Macht aber leider dafür ein, ihre Mitmenschen zu ihrem Vorteil und Vergnügen auszunutzen. So z.B. die junge Baronin Marie Louise von Wallersee, die sie unter ihre Fittiche nimmt, zu „ihrem Geschöpf“ macht und später ins Unglück stürzt. Auch das höfische Leben mit seinem ganzen heute unvorstellbaren Pomp, der Maßlosigkeit und lächerlichen Etikette wird eindrücklich beschrieben. In diesem Umfeld bewegen sich Kaiserin und Adel mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass man die Wut angesichts der Missstände bekommt, die außerhalb dieses höfischen Mikrokosmos in Europa herrschten. Das ist zwar kein Hauptaspekt des Romans, ich finde es aber gut, wie Duve sozusagen als Kontrast eine „einfache“ Frau aus dem Volk auftreten lässt, die als Folge einer Affäre mit dem Kaiser ein Kind bekommt und sich notdürftig über Wasser halten muss. Und Sisi? Die reitet währenddessen ihre geliebten Jagden, anstatt sich um die Nöte des Volkes oder ihre eigene Familie zu kümmern. Und verdreht den Grafen, Jagdreitern und Hofdamen den Kopf – nur, um sie im letzten Moment dann doch abblitzen und fallen zu lassen.
Und dennoch habe ich mich in diese Sisi verliebt, in ihre Schönheit, Traurig- und Unnahbarkeit. Von ihr ein kühles Lächeln bekommen zu haben (trotz der schlechten Zähne, weshalb sie immer mit geschlossenem Mund gesprochen hat), muss unvergesslich gewesen sein. Dass der Roman dieses Gefühl bei mir auszulösen vermag, spricht für seine Klasse – und spiegelt wider, was wohl tatsächlich so gewesen ist: Dass damals jeder dieser merkwürdigen Kaiserin verfallen war. Wie nun der Leser.
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So nah wie in Karen Duves Roman, kommt man der österreichischen Kaiserin sonst selten. Duve erzählt hier mit fundiertem Wissen und Ironie, die Geschichte von Kaiserin Sisi, die doch im wirklichen Leben ganz anders als in den Sissi-Filmen war.
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