Die Zwillingsschwestern Mimi und Kodachi haben in Tokyo ein neues Leben begonnen, seit ihre Mutter in der Heimatstadt zwischen Bergen und Meer der Schlafkrankheit verfallen ist. Auf dem abgelegenen Ort lastet eine dunkle Sage. Eines Tages, als Kodachi die Mutter im Krankenhaus besuchen will, verschwindet sie plötzlich. Mimi macht sich besorgt auf die Suche. Alles deutet auf eine geheimnisvolle andere Welt hin.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Seit ich "N.P." und "Ihre Nacht" von Yoshimoto gelesen habe, komme ich nicht mehr los von ihren Werken. Ihre Romane und Geschichten haben etwas Undefinierbares, etwas das sich zwischen Realität und Traum bewegt. So auch in ihrem aktuellen Buch "Ein seltsamer Ort" (- im wahrsten Sinne des Wortes).
Mimi begibt sich auf die Suche nach ihrer Zwillingsschwester in ihrer Heimatstadt. Diese präsentiert sich ihr allerdings in einem surrealen Licht. So hat sie die Stadt nicht in Erinnerung. Dabei ist das Surreale seit jeher ein Teil von ihr, von ihrer Familiengeschichte.
Eine hochinteressante Geschichte im typsichen Yoshimoto-Stil, die Seite für Seite Lust auf mehr macht.
MEva
aus Düsseldorf
5/5
09.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Niemand schreibt wie Yoshimoto
Dieses Buch hat mich tatsächlich abgeholt; herzerwärmend mit eingehendem Schreibstil aus der Ich-Erzähler-Perspektive, aus der sich der skurrile Plot fast ausschließlich aus Monolog beziehungsweise Dialog ergibt ist ein echter Page-Turner und dabei unglaublich eindringlich und mit viel Lebensweisheit geschmückt. "Der Sinn des Lebens ist es zu leben" und es besteht aus kleinen Gesten mit großer Wirkung. Tränen wurden verdrückt - und hiermit eine klare Empfehlung ausgesprochen.
Alais
4/5
09.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer sich gerne auf etwas…
Wer sich gerne auf etwas Ungewöhnliches einlässt, wird an diesem Buch viel Freude haben. Es geht um zwei Schwestern, ein geheimnisvolles Schloss mit einem ebenso geheimnisvollen Gutsherrn, um Verlust, Trauer, neue Wege - und um Aliens. Der Schreibstil ist schön, elegant, nichts Außergewöhnliches, aber der Inhalt ist eine Herausforderung. Ich fühlte mich beim Lesen wie in einem bizarren Traum. Als verwirrend empfand ich unter anderem, dass mir gerade die realistischeren Elemente der Erzählung im Vergleich zu den fantastischen Elementen irgendwie seltsam vorkamen. Erzählweise und Dialoge wirkten manchmal auf mich etwas altbacken, dann aber immer wieder frisch, kühn und unerwartet, dabei fast ein bisschen kindlich. Ich hatte das Gefühl, die Autorin schrieb ein sehr persönliches Buch, in das sie all das reinpackte, was sie bewegt, fesselt und bezaubert, ohne sich um Genregrenzen oder Erwartungen ihrer Leserschaft zu scheren, was mir sehr gefiel. Sie bezeichnet ihren Roman auch als eine Hommage an den klassischen Gruselfilm Phantasm und es hat sich für mich gelohnt, über diesen im Internet ein wenig zu recherchieren. Darüber hinaus enthält das Buch Anspielungen zu verschiedenen Werken der japanischen Kultur, wobei der Diogenes-Verlag bzw. die Übersetzerin die Lesenden sorgfältig mit den notwendigen Informationen versorgen, sodass Lesende wie ich, die nur wenige japanische Werke kennen, nicht im Nachteil sind. Die Charaktere wirkten auf mich herzerweichend naiv, poetisch, märchenhaft, aber dadurch manchmal leider auch ohne Tiefe. Die meisten von ihnen prägt eine positive Grundeinstellung und irgendwie gleichen sie einander trotz äußerlicher Unterschiede sehr. Es ist nett und süß, von solchen Leuten zu lesen und darüber, wie liebevoll und versöhnlich sie miteinander umgehen, eine durchaus bewundernswerte Verhaltensweise, mein zynisches Ich aber musste ab und zu amüsiert und ungläubig den Kopf schütteln. Im Großen und Ganzen war es für mich eine schöne, etwas verträumte und verspielte Geschichte, die ich trotz aller Seltsamkeit sehr gerne las.
Lia48
4/5
19.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Skurriler Roman mit Fantasy- und Science-Fiction-Elementen & schönem Schreibstil!
INHALT:
Ihre Heimat Fukiage war schon immer ein seltsamer, mystischer Ort gewesen.
„Diese Stadt, so schön, so klein und fein wie ein Schmuckkästchen - und doch lag sie immer, wenn ich an sie dachte, hinter einem Filter der Traurigkeit.“
Über die abgelegene Stadt zwischen Bergen und Seen, erzählt man sich bis heute zahlreiche merkwürdige Sagen. Früher hat Mimi all das für Märchen gehalten.
Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Kodachi ist sie nach dem tragischen Autounfall ihrer Eltern vor über 10 Jahren, zum Studium nach Tokyo gezogen.
Doch als Kodachi nun eines Tages die Mutter in der Heimat im Krankenhaus besucht, die dort seit dem Unfall im Koma liegt, verschwindet die Schwester plötzlich und bleibt unauffindbar.
Mimi macht sich große Sorgen. Zumal alles darauf hindeutet, dass sich Kodachi Zugang zu einer geheimnisvollen anderen Welt verschaffen konnte, in der sich auch die Mutter befindet …
MEINUNG:
Manche Bücher entfalten ihre Wirkung beim Lesen besser, wenn man vorher nur wenig über sie weiß. Daher halte ich meine Ausführungen zur Lektüre diesmal möglichst kurz.
Eine Sache möchte ich über das Buch dennoch verraten, da ich mir persönlich gewünscht hätte, vorher zu wissen, wie skurril diese Geschichte werden würde!!
Im Nachwort macht Banana Yoshimoto deutlich, dass es ihrer Meinung nach in unserem Zeitalter Fantasiewelten und Utopien benötigt, um unser Seelenleben zu erleichtern und zu stärken.
Deshalb hat sie diese Geschichte geschrieben, die sie selbst als „Philosophischer Horror“ bezeichnet und die sie mit fantasievollen, mystischen, spirituellen, märchenhaften und Science-Fiction-Elementen bestückt hat.
Daher sollten Lesende sich darauf einstellen, dass in ihrem jüngsten Roman Wesen & Phänomene aus einer anderen Welt auftauchen, darunter Außerirdische und gefährliche Roboterhunde.
Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich wohl nicht zu diesem Buch gegriffen. Denn ja, die Geschichte war mir immer wieder etwas zu absurd.
Aber gleichzeitig habe ich die Lektüre ansonsten geliebt.
Es geschieht nicht allzu viel – das Besondere offenbart sich hier zwischen den Zeilen.
Banana Yoshimoto schreibt so wunderschön melancholisch, malt atmosphärische Bilder mit Worten und lässt beim Lesen zahlreiche Sätze auf der Zunge zergehen. Von ihrer Schreibkunst war ich erneut sehr angetan, weshalb ich unbedingt noch weitere Werke von ihr lesen möchte.
An sich mag ich ihren Stil, auch, wie sie mit der Wirklichkeit und anderen Dimensionen spielt. Das durfte ich bereits in vorherigen Büchern von ihr feststellen.
Ihre Geschichten haben manchmal etwas Tröstendes in Bezug auf Menschen, die wir zwar verloren haben, die aber dennoch in unserem Bewusstsein verweilen können.
Wäre diesmal bloß nicht dieser äußerst skurrile Teil gewesen! Das war für meinen Geschmack viel zu dick aufgetragen. Aber das ist selbstverständlich Geschmacksache. Wer Fantasy und Science-Fiction liebt, wird diese Elemente möglicherweise auch hier lieben!
Wie die Autorin am Ende schreibt, mag es für die einen nur ein „geschwätziger“ Roman sein, in dem nichts passiert. Aber für andere könnte das Buch ein „Leitfaden für die gefahrenreiche Reise in das Universum des eigenen Inneren“ darstellen.
Ich denke, ich befinde mich irgendwo dazwischen, wobei ich mehr den wunderschönen Schreibstil und die melancholisch erzeugte Atmosphäre von Yoshimoto bewundert habe.
„Wenn einen dieser Nebel einhüllte, der sich aus den Bergen langsam herabwälzte und die Farbe dicker Milch hatte, wurde man so benommen im Kopf, dass man keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Mich befiel nostalgische Melancholie.“
FAZIT: Ein auch für Yoshimotos Verhältnisse recht skurriler Roman, der neben der mystischen, spirituellen und märchenhaften Ebene auch Elemente aus dem Fantasy- und Science-Fiction-Bereich enthält. Mir persönlich war dies etwas zu „überdreht“. Dafür habe ich den wunderschönen Schreibstil und die melancholisch erzeugte Atmosphäre der Autorin erneut sehr bewundert. 3,5/5 Sterne!
vielleser18
aus Hessen
4/5
11.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine märchenhafte Geschichte
Ein modernes Märchen, Fantasie gepaart mit Science Fiction, fernöstliche Kultur gepaart mit teils ungewöhnlichen Figuren, wie Abziehbilder aus Anime-Serien oder teilweise auch aus Horrorfilmen. Figuren, wie z.b. ein ungewöhnliches Wahrsagerpaar, gefährliche Roboterhunde oder ein riesiger, behaarter, aber sympathischer Nachfahre von Außerirdischen. Eine Geschichte, die, so beschreibt sie die Autorin in ihrem Nachwort, ohne besondere Höhepunkte und ohne Spannungsbogen auskommt und trotzdem ist man irgendwie fasziniert und gefesselt. Ich habe die Ich-Erzählerin Mimi gerne auf ihrer Suche nach ihrer verschwundenen Zwillingsschwester begleitet. Yoshimoto hat viele Querverweise zu japanischen Animes oder Mangas mit in die Geschichte eingebaut, die die Übersetzeein dankenswerter Weise in Fußnoten erklärt hat.
Und was passiert eigentlich?
Mimi kehrt zurück in ihre Heimatstadt in die Berge zurück, in der seit etlichen Jahren ihre Mutter in einem Schlafzustand im Krankenhaus liegt und in der ihre Schwester verschwunden ist. Auf der Suche nach ihr entdeckt Mimi die Stadt wieder neu, lernt außergewöhnliche Mitbewohner kennen und macht sich Gedanken über Vergangenheit und Zukunft, über das, was man vom Leben erwartet und über das, was das Leben ausmacht und erlebt ungewöhnliche Situationen. Daher passt auch der Begriff der Autorin von einem Buch über "philosophischen Horror". Dabei empfand ich den Horror aber weniger als gruselig, eher wie bereits anfangs beschrieben, wie ein fernöstliches Märchen. Die Geschichte hat trotz der auch tragischen Ereignisse eine positive Grundstimmung, die irgendwie bezaubert.
Es war für mich mal ein ganz anderes Genre, dass zwar nicht zu meinen Highlights gehört, aber interessant und zumeist auch sehr kurzweilig zu lesen war.
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4/5
17.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Offensichtliche ist nicht real
Nichts ist so, wie es scheint. Immer wieder neu bestätigt, wird diese Binsenweisheit mehr und mehr zur Wahrheit. Schließlich ist der erste Blick, die erste Interpretation des Geschehen nur eine Momentaufnahme. Bei genauerem Hinsehen jedoch, entpuppt sich das Offensichtliche mit erstaunlicher Regelmäßigkeit als Trugschluss, als Abkehr vom zuerst Gedachten. So ergeht es auch Mimi, der Protagonistin in Banana Yoshimotos Roman »Ein seltsamer Ort«.
Nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer Zwillingsschwester Kodachi verlässt Mimi Tokio und begibt sich in die Stadt, in der sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Und in welcher ihre Mutter seit vielen Jahren im Koma liegt - aus welchem sie schon einmal aufgewacht ist, nur um später erneut der „Schlafkrankheit“ zu verfallen. Ein seltsamer Vorgang, der jedoch sehr gut zu diesem provinziellen Städtchen passt. Diesem so seltsamen und geheimnisvollen Ort, in welchem in der Vergangenheit schlimme Dinge geschehen sind, die über die Jahrhunderte zu Mythen und Sagen wurden. Und doch real waren. Denn Fukiage ist voll von Mischwesen, halb Mensch, halb außerirdisch. So auch Mimi. Und ihre Schwester.
Banana Yoshimotos surrealer Roman »Ein seltsamer Ort« trägt seinen Titel vollkommen zurecht. Geschickt verbindet Yoshimoto das echte Leben von zwei jungen Frauen mit rätselhaften Geschehnissen und den traditionellen Mythen der japanischen Kultur. Auf verschiedenen Bewusstseinsebenen, denn immer wieder werden die Leser:innen in die Traumwelt Mimis gezogen, die Grenzen zur Realität verschwimmen. Die Lektüre des von Annelie Ortmanns hervorragend aus dem Japanischen übersetzen Romans gestaltet sich dementsprechend schwierig und herausfordernd, ja sie verstört sogar. Und fasziniert zugleich. Schließlich ist in »Ein seltsamer Ort« wirklich nichts so, wie es scheint. Wie es eigentlich sein sollte. Eigentlich.
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4/5
11.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Handlung dieses Romans ist...
Die Handlung dieses Romans ist zwar schnell erzählt, aber das was ihn so einzigartig macht ist die herrlich surreale und melancholische Atmosphäre, die typisch für Yoshimotos Romane ist. Für alle Fans japanischer Literatur absolut einen Blick wert.
Verlust, Verletzungen und das Verdrängen von Menschen, die als irgendwie »anders« angesehen werden, sind das Dauerthema in Banana Yoshimotos Gesamtwerk - seit ihrem fulminanten Debut »Kitchen« vor 35 Jahren kreisen ihre Romane und Erzählungen immer wieder darum.
In »Ein seltsamer Ort« macht sich Mimi auf die Suche nach ihrer Schwester Kodachi, die nach einem Besuch bei ihrer seit Langem im Koma liegenden Mutter nicht wieder aufgetaucht ist.
Sie kehrt dafür zurück an den Ort ihrer Kindheit und begegnet dabei nicht nur Menschen aus ihrer Vergangenheit wieder, die sie neu zu sehen beginnt, sondern auch ihr bis dahin völlig Fremden.
Gemeinsam ist ihnen: Sie sind - auf die eine oder andere Weise - anders, sie stehen am Rand, sind ausgegrenzt. Auf der teils sehr magischen Reise, auf der wir Mimi begleiten, finden sie jeder für sich einen eigenen Weg, sich dieser Welt zu stellen und ihren Platz darin zu behaupten.
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