Dubliners ist eine Sammlung von fünfzehn Kurzgeschichten von James Joyce, die 1914 zum ersten Mal veröffentlicht wurden. Es ist eine naturalistische Darstellung des Lebens der irischen Mittelschicht in und um Dublin in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Geschichten wurden zu einer Zeit geschrieben, als der irische Nationalismus auf seinem Höhepunkt war und die Suche nach einer nationalen Identität und einem nationalen Ziel tobte; an einem Scheideweg der Geschichte und Kultur wurde Irland von verschiedenen konvergierenden Ideen und Einflüssen erschüttert. Im Mittelpunkt stehen Joyces Idee der Epiphanie - ein Moment, in dem eine Figur eine lebensverändernde Selbsterkenntnis oder Erleuchtung erfährt - und das Thema der Lähmung; Joyce war der Ansicht, dass der irische Nationalismus den kulturellen Fortschritt stagnieren ließ und Dublin in den Mittelpunkt einer regressiven Bewegung stellte. Die ersten drei Geschichten der Sammlung werden von kindlichen Protagonisten erzählt, während die folgenden Geschichten in der dritten Person geschrieben sind und sich mit dem Leben und den Sorgen von zunehmend älteren Menschen befassen, entsprechend Joyces Einteilung der Sammlung in Kindheit, Jugend, Reife und öffentliches Leben. Viele der Figuren in Dubliners spielten später in Joyce' Roman Ulysses eine Nebenrolle. Joyce wurde in Dublin in eine bürgerliche Familie hineingeboren. Er besuchte das jesuitische Clongowes Wood College in der Grafschaft Kildare und anschließend für kurze Zeit die von den Christlichen Brüdern geführte O'Connell School. Trotz des chaotischen Familienlebens, das durch die unberechenbaren Finanzen seines Vaters geprägt war, zeichnete er sich am jesuitischen Belvedere College aus und machte 1902 seinen Abschluss am University College Dublin. 1904 lernte er seine zukünftige Frau Nora Barnacle kennen und zog mit ihr auf das europäische Festland. Er arbeitete kurz in Pula und zog dann nach Triest in Österreich-Ungarn, wo er als Englischlehrer tätig war. Abgesehen von einem achtmonatigen Aufenthalt in Rom, wo er als Korrespondent arbeitete, und drei Aufenthalten in Dublin lebte Joyce bis 1915 in Triest. In Triest veröffentlichte er seinen Gedichtband Chamber Music und seine Kurzgeschichtensammlung Dubliners, und er begann mit der seriellen Veröffentlichung von A Portrait of the Artist as a Young Man in der englischen Zeitschrift The Egoist. Während des Ersten Weltkriegs lebte Joyce in Zürich, Schweiz, und arbeitete an Ulysses. Nach dem Krieg kehrte er kurz nach Triest zurück und zog dann 1920 nach Paris, wo er bis 1940 lebte.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Gedankenlabor
5/5
12.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für mich definitiv ein kleines Lesehighlight!
>>Ins Dunkel hinaufstarrend, erblickte ich mich selbst als ein Geschöpf, getrieben und verspottet vor Pein und Zorn.<<
"Dubliner" von James Joyce ist eine wie ich finde ganz wunderbare Klassiker-Kurzgeschichtensammlung, neu gekleidet vom Manesse Verlag in ein sehr sehr schönes und hochwertiges Gewand!
Die einzelnen Geschichten waren für mich wie Bilder, die James Joyce in mir malte vom Land, von den Leuten und der Mentalität der grünen Insel und dem Leben in und rund um Dublin.
Gleichzeitig reist man hier eben auch ein bisschen in der Zeit zurück, was für mich jedes von James Joyce erschaffene Bild noch eindrucksvoller, atmosphärischer und bedeutsamer für mich machte.
Die Geschichten spiegeln nicht nur das Besondere wieder, die Schönheit, die im ganzen liegt, sondern eben auch die Schattenseiten und das manchmal beinahe roh, kalt und doch eben immer mit diesem einzigartigen Hauch dieses faszinierenden Landes und seiner Bewohner.
Für mich definitiv ein kleines Lesehighlight und ein Buch, das ich noch oft in die Hand nehmen werde!
Furbaby_Mom
5/5
21.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderschöne kleine Schmuckausgabe eines zeitlosen Klassikers
Schon seit vielen Jahren zählt Irland zu meinen Sehnsuchtsorten und folglich kam ich an diesem Klassiker der Literaturgeschichte aus der Feder des legendären James Joyce nicht vorbei.
Bei "Dubliner" ist der Buchtitel Programm: In dieser Sammlung von 15 lose zusammenhängenden Kurzgeschichten, die in ihrer Gesamtheit ein Panorama der irischen Hauptstadt des frühen 20. Jahrhunderts bilden, geht es um das Leben einzelner Bürger/innen Dublins. Das Augenmerk liegt dabei auf der Paralyse der irischen Gesellschaft – die Figuren, vom Kind bis hin zu älteren Menschen, scheinen allesamt in einer Sackgasse zu stecken, entwickeln sich nicht weiter, halten am Status Quo fest, selbst wenn sie damit im Grunde unglücklich sind. Anstatt einen Neuanfang zu wagen, verharren sie und lassen das Glück vorbeiziehen. Dieses Werk regt definitiv zum Nachdenken an.
Es sind keine Happy-End-Stories, sondern vor schonungsloser Realität strotzende, authentische, manchmal melancholische Geschichten über menschliche Verfehlungen, Alltagsfreuden und Nöte, durch Selbstverschulden gescheiterte Träume und die - wie Ijoma Mangold es im Nachwort treffend ausdrückt - "Glanzlosigkeit des Lebens". Wir lernen die Charaktere, deren Leben frei von Überraschungen jeglicher Art ist, nicht nur durch ihr Verhalten kennen, sondern insbesondere durch die vom Autor bevorzugten Stilmittel: innerer Monolog und erlebte Rede. Joyce war übrigens kein Fan von Anführungszeichen, daher wird in dieser Ausgabe der Manesse Bibliothek die wörtliche Rede durch Spiegelstriche gekennzeichnet. Meine Lieblingsgeschichte ist ganz klar "Die Toten", welche den krönenden Abschluss dieser poetisch schönen Sammlung bildet.
Neben dem ungewöhnlichen Format des Werkes (- es ist deutlich kleiner als das übliche Taschenbuch und ca. so groß wie meine Handfläche -) macht auch das in frühlingshaften Farben gehaltene Cover diese hübsche Schmuckausgabe zu einem richtigen Hingucker im Bücherregal. Das Lesebändchen und das geschmackvolle Innencover unterstreichen die edle Ausstattung. Unbedingt lobend hervorzuheben sind zudem die umfangreichen Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten sowie das aufschlussreiche Nachwort.
Furbaby_Mom
5/5
09.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schon seit vielen Jahren…
Schon seit vielen Jahren zählt Irland zu meinen Sehnsuchtsorten und folglich kam ich an diesem Klassiker der Literaturgeschichte aus der Feder des legendären James Joyce nicht vorbei. Bei "Dubliner" ist der Buchtitel Programm: In dieser Sammlung von 15 lose zusammenhängenden Kurzgeschichten, die in ihrer Gesamtheit ein Panorama der irischen Hauptstadt des frühen 20. Jahrhunderts bilden, geht es um das Leben einzelner Bürger/innen Dublins. Das Augenmerk liegt dabei auf der Paralyse der irischen Gesellschaft – die Figuren, vom Kind bis hin zu älteren Menschen, scheinen allesamt in einer Sackgasse zu stecken, entwickeln sich nicht weiter, halten am Status Quo fest, selbst wenn sie damit im Grunde unglücklich sind. Anstatt einen Neuanfang zu wagen, verharren sie und lassen das Glück vorbeiziehen. Dieses Werk regt definitiv zum Nachdenken an. Es sind keine Happy-End-Stories, sondern vor schonungsloser Realität strotzende, authentische, manchmal melancholische Geschichten über menschliche Verfehlungen, Alltagsfreuden und Nöte, durch Selbstverschulden gescheiterte Träume und die - wie Ijoma Mangold es im Nachwort treffend ausdrückt - "Glanzlosigkeit des Lebens". Wir lernen die Charaktere, deren Leben frei von Überraschungen jeglicher Art ist, nicht nur durch ihr Verhalten kennen, sondern insbesondere durch die vom Autor bevorzugten Stilmittel: innerer Monolog und erlebte Rede. Joyce war übrigens kein Fan von Anführungszeichen, daher wird in dieser Ausgabe der Manesse Bibliothek die wörtliche Rede durch Spiegelstriche gekennzeichnet. Meine Lieblingsgeschichte ist ganz klar "Die Toten", welche den krönenden Abschluss dieser poetisch schönen Sammlung bildet. Neben dem ungewöhnlichen Format des Werkes (- es ist deutlich kleiner als das übliche Taschenbuch und ca. so groß wie meine Handfläche -) macht auch das in frühlingshaften Farben gehaltene Cover diese hübsche Schmuckausgabe zu einem richtigen Hingucker im Bücherregal. Das Lesebändchen und das geschmackvolle Innencover unterstreichen die edle Ausstattung. Unbedingt lobend hervorzuheben sind zudem die umfangreichen Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten sowie das aufschlussreiche Nachwort.
Bories vom Berg
aus München
5/5
21.10.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Debüt eines literarischen…
Debüt eines literarischen Olympiers Zu den drei bedeutendsten Werken des irischen Jahrhundert-Schriftstellers James Joyce, der als ein Wegbereiter der literarischen Moderne gilt, zählt «Dubliner». Die im Gegensatz zu den späteren Prosawerken noch konventionell erzählte Sammlung von fünfzehn Erzählungen fand erst 1914, nach Dutzenden von Ablehnungen und sieben Jahre nach ihrer Fertigstellung, schließlich doch einen Verleger. «Meine Absicht war es, ein Kapitel der Sittengeschichte meines Landes zu schreiben, und ich habe Dublin als Schauplatz gewählt, weil mir diese Stadt das Zentrum der Paralyse zu sein schien», hat er über seine Motive geschrieben. Die autobiografisch geprägte Hassliebe zu seiner Geburtsstadt, deren Mutlosigkeit er darin beklagt und deren Beengtheit er anprangert, spiegelt sich auch in dem später geschriebenen «Ulysses» wider, einige von dessen Romanfiguren tauchen hier schon auf. Diese Schilderungen des Lebens in Irlands Hauptstadt seien in die Themenkomplexe «Kindheit, Jugend, Reife und öffentliches Leben» gegliedert, hat der Autor erklärt, soziologisch sind sie im Milieu des unteren und mittleren Bürgertums angesiedelt. Kaum eines der Probleme und Sorgen des Großstadt-Menschen fehlt in diesem psychologischen Panoptikum: Allzu strenge Erziehung, freche Lausbubenstreiche, unerfüllte Liebe, maßlose Prahlerei, verlorene Jungfräulichkeit, unstillbares Fernweh, ausbleibender Berufserfolg, späte Eheprobleme, zerstörerische Alkoholsucht, brutale Kindsmisshandlung, selbstlose Aufopferung, beengende Konventionen, politische Intrigen, überfürsorgliche Mütter, verlogener Klerus, die unehrliche Konversation auf dem Ball dreier Jungfern schließlich, und am Ende der Tod als Resümee des Lebens in der letzten und mit Abstand längsten Erzählung. Sie ist eine Art Epilog, der Motive der vorangehenden Geschichten erneut aufnimmt. Der Tod ist es auch, der kontrapunktisch als Klammer dient in der ersten und letzten Geschichte, beim Sterben eines alten Mannes und eines Jünglings. Als «Karikaturen» hat James Joyce die «Dubliner» bezeichnet, sein Prosadebüt sei «von einer mit Bosheit gelenkten Feder geschrieben». Auffallend ist, dass die dominante letzte dieser Erzählungen ebenso wie im «Ulysses» und in «Finnegans Wake» mit einem Ausklang endet, bei dem ein Ehepartner über den neben ihm schlafenden anderen nachdenkt, was im vorliegenden Erzählband als durchaus versöhnlich interpretierbar ist. Man könnte die chronologische Anordnung der Geschichten inhaltlich auch als theologisch determiniert deuten: Als Verfall der Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe, als Exempel der sieben Todsünden Hochmut, Geiz, Wollust, Neid, Zorn, Völlerei und Trägheit, oder als Verstöße gegen Kardinaltugenden wie Tapferkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Weisheit. Heute mag man sich wundern über die Skepsis des Autors seiner Heimatstadt und ihren Bewohnern gegenüber, die brutale Unterdrückung durch die Engländer und der erbitterte Kampf um die irische Unabhängigkeit als historischer Hintergrund machen diese Haltung jedoch verständlich. Die äußerlich handlungsarmen Geschichten mit ihren eher banalen Plots werden mit feiner Ironie aus einer skeptischen Distanz und aus wechselnden Perspektiven erzählt, oft in Form der erlebten Rede. Alle Erzählungen enden abrupt, vieles wird dabei offen gelassen, manches bleibt auch völlig unverständlich, - was dann natürlich reichlich Freiraum für die verschiedensten Interpretationen lässt. Narrativ prägend ist die detaillierte Zeichnung der vielen Figuren, deren physische Eigenschaften ebenso schonungslos - geradezu sezierend - beschrieben werden wie die jeweiligen psychischen Befindlichkeiten. Wobei sich James Joyce jedweder Moralisierung enthält, er ist der Chronist, mehr nicht. Neben der Paralyse als zentralem Thema erlebt jeder Protagonist seine ureigene Epiphanie in diesen Geschichten, - die dann seine Jämmerlichkeit offenbart. «Dubliner» ist ein idealer Einstieg in das Werk eines literarischen Olympiers!
MaWiOr
aus Halle
5/5
08.10.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unter dem Titel „Dubliner“…
Unter dem Titel „Dubliner“ hat der irische Schriftsteller James Joyce (1882-1941) 15 Kurzgeschichten versammelt, die er nach vier Themen zusammenstellte: Kindheit, Jugend, Reife und öffentliches Leben. Die Erzählungen entstanden ab 1904 und zählen somit zum Frühwerk des Schriftstellers. Sie sind sein literarisches Debüt und man kann sie als Auftakt für seine späteren großen Werke (u.a. „Ulysses“) ansehen. Die Handlung der Geschichten ist in Dublin um 1900 angesiedelt und die Protagonisten kommen z.T. vom Rand der Gesellschaft (Trinker, Schulschwänzer, Arbeitslose), aber auch ein Starjournalist, ein reicher Metzgersohn oder Lebemänner sind die handelnden Personen. Sie alle haben ihre Träume, scheitern aber zumeist. Ihr trister Alltag, aus dem sie versuchen auszubrechen, wird ihnen stets bewusst. In „Die Schwestern“ ist es ein Pfarrer, der nach dem dritten Schlaganfall gestorben ist. Sein Leben war eine Enttäuschung, sodass er unter geistiger Verwirrung litt. In „Eveline“ dagegen begegnet dem Leser eine 19jährige Verkäuferin, die hofft, mit ihrem Freund nach Buenos Aires auswandern zu können. Doch letztendlich bleibt sie einsam zurück. Ein bescheidener Bankkassierer lernt in „Ein trauriger Fall“ eine verheiratete, aber einsame Frau kennen. Doch dann beendet er die Beziehung abrupt und erfährt erst nach Jahren, dass sie betrunken von einem Zug überrollt wurde. Hat er Schuld daran? In der Manesse Bibliothek liegt der Erzählband nun in einer neuen Übersetzung von Friedhelm Rathjen vor, die in einer modernen und frischen Sprache überzeugt. Ein umfangreicher Anhang mit zahlreichen Anmerkungen und einem Nachwort von Ijoma Mangold komplettiert die Ausgabe, die auch mit ihrer gediegenen Aufmachung punktet.
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5/5
18.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Das Herz Dublins als Herz der Welt
Die wohl beeindruckendsten und atemberaubendsten Kurzgeschichten, die je geschrieben wurden.
Wer James Joyce' Dubliner noch nicht gelesen hat, sollte dies unbedingt nachholen; die Geschichten, die hier versammelt sind, lassen uns tief ins Herzen Dublins eintauchen, mit all seiner Buntheit, seinen ausgefallen, schrulligen Menschen, denen allesamt zutiefst berührende, bewegende und nervenaufreibende Schicksale und Geschichten widerfahren. Somit sind die Dubliner vor allem eins: ein Buch über Menschen, Menschen, die geplagt und verfolgt werden von unerfüllter Liebe, die mit all ihren Mitteln versuchen ihr Leben auf die Beine zu kriegen, von verletzten, gescheiterten und gescheiten, von Menschen, für die sich sonst keiner interessiert.
Man könnte behaupten, dass Joyce hier ein Manifest für Dublin und seine Bewohner geschaffen hat; kein Buch, das nicht von James Joyce geschrieben wurde, kann den Charme, die Straßen, das Gefühl von Dublin so gut beschreiben, wie Joyce es selbst hier mit seinen Dublinern geschafft hat. Immerhin war Joyce selbst der Überzeugung, dass wenn man* in das Herz von Dublin gelangt, man* in jedes Herz jeder Stadt dieser Welt gelangen könne.
Und so lesen sich auch all diese wundersamen, teilweise fast schon eigenartigen oder auch eigenwilligen Geschichten. Sie sind allesamt aus der damaligen Zeit, aus dem damaligen Leben gegriffen und so von erheblicher sprachlicher und menschlicher Größe.
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