Ein elitäres Wiener Internat, untergebracht in der ehemaligen Sommerresidenz der Habsburger, der Klassenlehrer ein antiquierter und despotischer Mann. Was lässt sich hier fürs Leben lernen? Till Kokorda kann weder mit dem Kanon noch mit dem snobistischen Umfeld viel anfangen. Seine Leidenschaft ist das Gamen, konkret: das Echtzeit-Strategiespiel Age of Empires 2. Nach dem Tod seines Vaters wird für ihn aus dem Hobby eine Notwendigkeit. Ohne dass jemand aus seinem Umfeld davon wüsste, ist Till mit fünfzehn eine Online-Berühmtheit, der jüngste Top-10-Spieler der Welt. Nur: wie real ist so ein Glück? Im Abschlussjahr 2020 kommt für Till, in der Schule und im Leben, alles noch einmal anders als gedacht.Tonio Schachingers Roman führt von Erfahrungen, die fast alle teilen, bis an Orte, zu denen die meisten von uns keinen Zugang haben. Dabei sind seine Schritte so überraschend, der Humor so uneitel und nahbar: Echtzeitalter ist Beispiel und Beweis für die zeitlose Kraft einer guten Geschichte. Und ein großer Gesellschaftsroman.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Kaffeeelse
4/5
17.03.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Coming of Age und der Gamer
Der Buchpreisgewinner des Deutschen Buchpreises von 2023. Echtzeitalter von Tonio Schachinger. Ein interessantes Buch mit einem ganz eigenen Sprachklang, ein differenzierter und vielschichtiger Blick auf Österreich, eine Gesellschaftskritik in Gestalt eines Coming of Age. Ein Buch zur richtigen Zeit. Denn es sendet seine Tentakeln in verschiedene Bereiche der Welt in Österreich. Genauso kann man es aber auch in andere Teile der westlichen Welt verlagern und Parallelen finden. Wenn man dies denn will. Von daher ist das Buch vollkommen gelungen und macht eindeutig Spaß.
Nun wird es ein Coming of Age schon allein wegen der Gestalt des Romans schwer haben, vollständig in mich einzudringen. Und genauso ist es auch hier. Ich verbleibe etwas distanziert. Und dies ist meine Kritik. Ein junger Gamer und ich. Nun, dass kann nicht gut gehen. Denn Verständnis für seine Lebenssichten habe ich wenig. Aber ich lerne und sehe die Welt durch andere Augen. Und dies ist doch schon mal etwas. Ebenso muss ich diesen österreichischen Humor, diese österreichische Schmäh hervorheben. Denn beides habe ich genossen. Sehr sogar! Und dies macht diesen Einblick in eine junge männliche Seele wieder interessant.
Trotzdem werden es bei mir nur 4 von 5 Sternen. Und der Sieg beim Deutschen Buchpreis erschließt sich mir nicht. Echtzeitalter ist ein gutes Buch, ja. Dennoch gibt es für mich mit dem Buch von Anne Rabe einen anderen Favoriten. Da ich mir vorgenommen habe, auch noch die anderen Longlist-Bücher nach und nach zu lesen, bin ich sehr gespannt, ob dieser Eindruck so bleiben wird, oder ob noch ein weiterer 5 Sterne Kandidat auftauchen wird, der „Die Möglichkeit von Glück“ überflügeln wird. Ich verbleibe neugierig.
Johannes Nussbaum trägt dieses Buch gut intoniert und absolut gelungen vor.
Bewertung
5/5
01.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Großartig
Mir hat der wilde Mix aus E-Sport, Elite-Schule, sowie Österreichische Gesellschafts- und Politikkritik sehr gut gefallen. Das Buch ist voll gepackt mit witzvollen Referenzen, die man vielleicht eher als Person aus Österreich versteht. Der Schulalltag wurde sehr gut dargestellt, auch für jemanden, der kein Elite-Gynamisum besucht hat.
Juti
aus HD
5/5
16.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
traditionelles Elitengymnasium…
traditionelles Elitengymnasium Als letztes Buch der Shortlist habe ich den Preisträger gelesen und alles in allem hat er es verdient. Wer einwerfen will, das Thema eines Schulromans, noch dazu in einem konservativen Gymnasium sei aus der Zeit gefallen, dem sei entgegnet, dass gerade in dieser sich mit der Digitalisierung schwer tuenden Schule mit der Hauptperson Till jemand als einer handelt, der bei Computerspielen ein so hohes Level erreicht hat, dass er zur Weltspitze gehört. Der schmale Grat zwischen Sucht und Erfolg bleibt ein Leitfaden in diesem Roman. Der andere ist die Literatur, da gerade der Deutschlehrer Dolinar aus dem Rahmen fällt. Er geht mit seinen Schülern nicht mehr so um, wie es heute zu erwarten ist. Erst spät kommt die Liebe ins Spiel, aber mit ihr auch ein Literaturpreis den Feli, Tills Freundin, gewinnt. Till selbst bekommt mit seinem Lehrer nur Ärger. Am Rande wird auch die Politik, vor allem die österreichische gestreift. Angesichts der Mängel der anderen Bücher will ich diesmal die Bestnote erteilen, auch wenn dies nicht heißen soll, dass dieser Roman unbedingt gelesen werden muss. Ich danke der Jury für die gute Entscheidung, die beste seit Robert Menasse mit „Die Hauptstadt“. Zitate: denn genau wie bei Drogen sind nicht die Nachteile das Gefährliche, sondern ihre Vorteile: dass sie einem helfen das Leben zu vergessen und zu ertragen. (45) Die größte Gefahr bergen nicht die schweren, sondern die ganz einfachen Fragen. (69) Einen bürgerlichen Buben […] Ausdrücke wie Teppichknüpfer und Kameltreiber verwenden zu hören, löst bei ihr explosionsartiges Unwohlsein aus, aber dass der so beschimpfte Junge, das Rassismusopfer, darauf nicht reagiert […], sondern den blonden Aggressor als die mieseste arschfickende Drecksschwuchtel aller Zeiten bezeichnet und die Buchhändlerin als blöde Sau, macht die Situation noch schlimmer und verwirrender. (94)
Bewertung
5/5
10.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartige Verknüpfung von Literatur...
Großartige Verknüpfung von Literatur und Gaming. Tolle coming of age Geschichte, mit überraschend tiefen Charakteren!
Potential zum neuen Lieblingsbuch
Bewertung
5/5
05.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hinter den Kulissen eines Elite-Gymnasiums
Was der Inhalt des Buches angeht, ist Tonio Schachingers Roman nicht zwingend originell, der Schüler, der sich mit dem Lehrer abquält, der sich mit den Erwachsenen und ihren Widersprüchen reibt und der sich an die erste Liebe herantastet, die klassischen “Coming in age”-Settings also. Was dieses Buch auszeichnet, ist Schachingers grosses Talent, uns in diese eine Welt mitzunehmen, dieses sich als elitär verstehende Gymnasium Marianum in Wien, das die Welt darstellt, in der sich das wesentliche Leben abspielen soll, bis zur Matura. Aber der Lack blättert, das Renommee war schon besser, und die Digitalisierung fordert ihren Tribut. Und hier also landet Till Kokorda. Ein unauffälliger Schüler, der gerne Games spielt und mitschwimmen will im Strom der Schüler. Da gibt es die Hackordnung einer Klasse. Die Schule wird vorwiegend von Kindern aus gut situierten Verhältnissen besucht. Da gibt es den Professor Dolinar, einer vom alten Schlag, der seine Klasse mit Literatur quält, mit disziplinarischen Mitteln klein hält und seine Macht so ausübt, dass kontroverse Debatten kaum stattfinden. Der Kärntner weiss wo Gott hockt und wie die Klassiker zu interpretieren sind. Auch wenn sich ehemalige Schüler mit ihm treffen, sein Mentoren-Image prägen, so bleibt er doch einer jener sadistischen Erzieher, die auf de Gefühlen der Schüler herumtrampeln. Er hat kein Verständnis für Tills Leidenschaft, das Gamen. So geht die Schulzeit dahin, und die Schüler mühen sich, sich dem Radar von Dolinar zu entziehen, sich kleine Freiheiten zu erhalten und doch sind sie mehr als die anderen Klassen dem rigiden Disziplinarregelwerk des strengen Paukers ausgeliefert, müssen mehr nachsitzen und Strafarbeiten ertragen. Das Leben pirscht sich in diese enge Welt, die Heranwachsenden werden mit Freundschaften, mit Liebe und Tod konfrontiert. Schachinger schildert diese Klassengesellschaft gnadenlos sezierend, die elitären Eltern, deren Kindern nie was passieren wird, weil sie so weich gebettet sind. Doch das Leben will erobert werden, kaum erstaunlich, dass die Teens sich mit Rauchen, mit Trinkexzessen und den ersten Joints Freiheiten erlauben, um die wohltemperierte Kälte zu Hause zu ertragen. Das alles ist so authentisch aufbereitet, so klar erzählt und berührt, ganz erstaunlich, wie es Schachinger gelingt, dieses Genre mit einem wahrhaft preiswürdigen Buch zu bereichern, das so ganz in unserer Zeit spielt, kurzweilig und äußerst lesbar ist und dennoch punkto Sprache und Stil glänzt und besticht.
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5/5
09.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Bestimmt nicht nur für RTS-Fans
Tonio Schachinger gelingt mit der Geschichte über den jungen Till und seiner Schullaufbahn am elitären Wiener Marianum ein vielschichtiger und geistreicher Entwicklungs und Bildungsroman. Durchgehend fesselnd und voll mit klugen Beobachtungen und zeitgeschichtlichen Bezügen.
Wer Age of Empires 2 und seine kompetitive Szene nicht kennt wird am Genuss der Geschichte keineswegs gehindet, wer sie aber kennt, darf sich auf viele schöne Eastereggs freuen.
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5/5
28.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Coming of Age of Empires
“Echtzeitalter” ist besonders und hat zu Recht den Buchpreis gewonnen. Anfangs war ich jedoch ein bisschen enttäuscht: Der fiese Lehrer ist gar nicht sooo krass fies, finde ich, ich habe ähnliche gehabt. Aber das macht den Reiz dieses Buches aus: Hier gibt es nichts Unglaubliches, Unerhörtes oder Extremes. Sondern Echtes, Glaubwürdiges, Nachempfindbares. Wir begleiten Till durch eine Schulzeit und alterstypische Probleme, wie wir sie auch hatten. Sogar den Eskapismus in die Welt der Videospiele, den Till betreibt, kenne ich aus meiner eigenen Jugend, nur, dass ich daneben auch noch einen zweiten Fluchtpunkt besaß: Die Welt der Bücher. Schade für Till. (Aber am Ende des Romans geht da noch was - und dann auch noch mit Thomas Bernhard!)
Ich feiere den Roman für seine klassische Schulgeschichte a la Musils “Zögling Törleß” oder Hesses “Unterm Rad” - das Gymnasium, ein Kosmos, der für Till unangenehm, in dem er nicht erfolgreich ist - der seiner anderen Lebenswelt, dem Spiel “Age of Empires 2” gegenübergestellt wird. Hier glänzt Till und wird zu einem der besten Spieler der Welt. Letztlich ist aber nichts davon wirklich entscheidend, letztlich zählen die wirklich großen Dinge: Liebe, Tod, Verlust und Glück. Zu dieser Erkenntnis muss man aber erstmal gelangen und das vermittelt der Roman auf einzigartige Weise: Als ein coming of school und coming of Age of Empires (:-))
Sprachlich und stilistisch finde ich das Buch dabei einzigartig: Es ist so typisch österreichisch bzw. wienerisch (und spielt auch gekonnt damit), dass mir auf jeder Seite das Herz aufging.
Erzählt werden Tills Schuljahre oft in stakkatohaften, kurzen Sätzen und Episoden mit großen Sprüngen sowie aus einer irgendwie recht distanzierten Perspektive, und oft habe ich gedacht, dass man so eigentlich gar nicht erzählen darf, dass das gegen viele Regeln, wie man schreiben soll, verstößt, dass das in seiner Art total aus der Reihe tanzt. Aber genau das macht das Buch so großartig. Es ist gleichzeitig klassisch und revolutionär und gleichzeitig banal und besonders.
Und somit total buchpreiswürdig.
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5/5
05.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen strengem Internat und dem Sein als Jugendlicher
Als ich das Buch beendet habe, konnte ich erstmal keinen richtig klaren Gedanken fassen. Dieser Roman spiegelt viele verschiedene Aspekte des immer wieder gern zitierten Generationskonfliktes geradezu perfekt wieder. Das Unverständnis der Boomer und Millennials gegenüber allem was nur im geringsten mit Technik zu tun hat. Lehrer, deren anmaßende Lehrmethoden nicht einmal vor den Privatleben ihrer Schüler halt machen. Das ungezwungene Leben als Jugendlicher. Alles in allem habe ich mich auch zum Teil selbst in diesem Buch wiedergefunden, auch wenn meine Skills an der Tastatur deutlich hinter denen von Till liegen :)
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5/5
25.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Buch hat den Titel Roman des...
Das Buch hat den Titel Roman des Jahres 2023 vollends verdient. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und die Charaktere untereinander stimmig. Die Geschichte junger Menschen im 21. Jahrhundert ist geglückt.
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5/5
15.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie überlebt man die Schulzeit?...
Wie überlebt man die Schulzeit? Noch dazu an einem elitären, erzkonservativen Gymnasium in Wien? Till flüchtet vor dem Sadismus der Lehrer in die Welt von "Age of Empires". Ein wenig hat mich dieser Roman an eine moderne, abgründige Version der "Feuerzangenbowle" erinnert.
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