Produktbild: Der Erinnerungsfälscher

Der Erinnerungsfälscher Roman

97

13,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

32100

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

11.10.2023

Abbildungen

Farbabb.

Verlag

btb

Seitenzahl

128

Maße (L/B/H)

18,8/11,8/1,6 cm

Gewicht

140 g

Farbe

Bernstein

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-77349-7

Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

32100

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

11.10.2023

Abbildungen

Farbabb.

Verlag

btb

Seitenzahl

128

Maße (L/B/H)

18,8/11,8/1,6 cm

Gewicht

140 g

Farbe

Bernstein

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-77349-7

Herstelleradresse

btb Taschenbuch
Neumarkter Straße 28
81673 München
DE

Email: produktsicherheit@penguinrandomhouse.de

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  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    4/5

    21.08.2026

    Buch (Taschenbuch)

    zwischen Erinnerung und Erfindung

    „Der Erinnerungsfälscher“ führt mit Said Al-Wahid einen Mann zurück an einen Ort, den er vor vielen Jahren verlassen hat und der ihm dennoch nie vollständig abhandengekommen ist. Die Nachricht vom Sterben seiner Mutter wird dabei zum Auslöser einer Reise, die weniger auf eine geografische Rückkehr als auf eine brüchige Annäherung an die eigene Vergangenheit hinausläuft. Said lebt inzwischen in Berlin, hat eine Frau, einen Sohn und erste Erfolge als Schriftsteller. Nach außen scheint sein Leben angekommen zu sein. Doch schon die Tatsache, dass er seinen Reisepass ständig bei sich trägt, erzählt von einer Vergangenheit, in der Aufenthaltsrecht, Sicherheit und Zugehörigkeit keineswegs selbstverständlich waren. Abbas Khider zeigt sehr eindringlich, wie lange die Erfahrung des Fremdseins nachwirken kann, selbst dann, wenn die formalen Voraussetzungen für ein neues Leben längst erfüllt sind. Besonders die Begegnungen mit der deutschen Bürokratie haben bei mir ein Gefühl der Beklemmung hinterlassen. Für die Behörden scheint Said bisweilen weniger als Mensch denn als Vorgang zu existieren, als Akte, deren Bestand jederzeit infrage gestellt werden kann. Noch stärker interessiert mich allerdings die zweite Ebene des Romans, die Frage, was von einem Leben überhaupt übrig bleibt, wenn die Erinnerung ihre Verlässlichkeit verliert. Auf Saids Reise tauchen Bilder aus Kindheit, Flucht und Ankunft in Deutschland auf, doch sie erscheinen nicht als sauber geordnete Rückblende. Vielmehr sind es Bruchstücke, Lücken und widersprüchliche Versionen. Manches weiß Said nicht mehr, anderes möchte er vielleicht gar nicht mehr wissen. Gerade darin liegt für mich eine der stärksten Ideen des Buches. Erinnerung ist hier nicht das Archiv eines Lebens, sondern etwas Bewegliches, das sich verändert, schützt, verdrängt und gelegentlich auch neu erfindet. Der Titel „Der Erinnerungsfälscher“ bekommt dadurch eine beinahe paradoxe Bedeutung. Said beginnt zu schreiben und erkennt, dass er seine Vergangenheit nicht rekonstruieren kann, ohne die fehlenden Teile mit Vorstellungskraft zu ergänzen. Die Grenze zwischen Erlebtem und Erfundenem wird unscharf. Abbas Khider macht daraus jedoch kein vordergründiges literarisches Spiel, sondern verbindet die Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses mit einer viel existenzielleren Frage, ob ein Mensch seine eigene Geschichte erzählen kann, wenn große Teile davon unwiederbringlich verloren gegangen sind. Für mich ist das der interessanteste Gedanke des Romans. Abbas Khider erzählt dabei auffallend nüchtern. Seine Sprache bleibt meist knapp und lakonisch, selbst dort, wo von Gewalt, Flucht, Verlust und Entwurzelung die Rede ist. Zunächst hatte ich dadurch eine gewisse Distanz zum Geschehen. Ich hätte mir an manchen Stellen mehr emotionale Verdichtung gewünscht, mehr Raum für die einzelnen Erfahrungen und für die Menschen, die Said auf seinem Weg begegnen. Andererseits passt diese Zurückhaltung durchaus zu einer Figur, deren Verhältnis zur eigenen Vergangenheit von Verdrängung und Erinnerungslücken geprägt ist. Die Kargheit wirkt deshalb nicht ausschließlich wie eine Schwäche, sondern bisweilen wie ein erzählerischer Schutzmechanismus. Besonders gelungen fand ich, dass Abbas Khider die Frage nach Heimat nicht mit einfachen Antworten versieht. Said hat den Irak verlassen und in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Dennoch bedeutet die deutsche Staatsbürgerschaft nicht automatisch innere Zugehörigkeit. Umgekehrt ist auch die Rückkehr nach Bagdad keine wirkliche Heimkehr mehr. Das Land seiner Kindheit existiert in seiner Erinnerung weiter, während die tatsächliche Heimat sich verändert hat, ebenso wie Said selbst. Als er schließlich vor dem Gesicht seiner verstorbenen Mutter steht, verdichtet sich diese Entfremdung auf wenigen Seiten zu einem stillen, fast schmerzhaften Moment. Gleichzeitig blieb bei mir der Eindruck zurück, dass dieser Roman seine Möglichkeiten nicht ganz ausschöpft. Die Themen, die Abbas Khider berührt (Flucht, Rassismus, Bürokratie, Heimatverlust, Erinnerung, die Frage nach einer erzählbaren Biografie), hätten durchaus einen umfangreicheren Roman getragen. Vieles wird nur angerissen, manches bleibt Episode. Gerade die Rückblicke auf Saids Flucht hätten für mich mehr Raum verdient. Nicht, weil jede Station ausführlich ausgemalt werden müsste, sondern weil die Konsequenzen dieser Erfahrungen für seine spätere Persönlichkeit dadurch noch stärker hervortreten könnten. So ist „Der Erinnerungsfälscher“ für mich vor allem ein konzentrierter Roman über das schwierige Verhältnis von Herkunft, Erinnerung und Zugehörigkeit. Seine Wirkung entsteht weniger aus einem großen Spannungsbogen als aus einzelnen Gedanken und Bildern, die sich nach und nach festsetzen. Ich habe das Buch mit einer gewissen Wehmut beendet, aber auch mit dem Gefühl, dass mir etwas fehlte. Abbas Khider deutet viel an, doch gerade dort, wo ich mir größere erzählerische Tiefe gewünscht hätte, zieht er sich wieder zurück. Trotzdem liegt in dieser Zurückhaltung eine eigene Qualität. „Der Erinnerungsfälscher“ ist kein pathetisches Buch über Flucht, sondern eine leise Betrachtung dessen, was Flucht mit einem Menschen macht, lange nachdem sie beendet ist. Vor allem die Idee der Erinnerung als etwas Unvollständigem und Unzuverlässigem bleibt bei mir zurück. Ein schmaler Roman, der deutlich mehr Fragen aufwirft, als seine wenigen Seiten zunächst vermuten lassen.

  • Bewertung

    5/5

    07.07.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Das Herz bleibt in der Heimat, egal wieviel Angst man hat.

    Said Al-Wahid, ein irakischer Einwanderer in Deutschland, reist das erste Mal seit langem zurück in seine Heimat, nach Bagdad. Diese Reise löst die vielen traumatischen Erinnerungen an die schreckliche Zeit im Irak, die Flucht und die schwierige Zeit als Asylsuchender aus. Wenn ein Einzelner in seinem Leben so viel erlebt hat, kann er sich dann sicher sein, alle Erinnerungen richtig einzuordnen? Eine packende Lebensgeschichte!

  • Bewertung

    aus Stuttgart

    5/5

    23.04.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Emotional und bewegend

    Seit Said Al-Wahid nach Deutschland gekommen ist, hat er die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, immer seinen Reisepass dabei zu haben, und sei es im Supermarkt um die Ecke. Als sein Bruder ihm die Nachricht zukommen lässt, dass seine Mutter im Sterben liege, reist Said zum ersten mal seit Jahren in den Irak. Auf dem Weg nach Bagdad tauchen Erinnerungen auf, an die ersten Tage und Jahre in Deutschland, an die Flucht und auch an die Kindheit im Irak. Sind alle seine Erinnerungen richtig, hat er welche dazu erfunden? Er weiß es nicht wirklich. Diese Reise Saids zu seinen Wurzeln lässt all die Erinnerungen auftauchen, die ihn geprägt haben. So erfährt der Leser eine äußerst bewegende Lebensreise. Die Erinnerungen sind wie Perlen an einer Kette, sie reihen sich aneinander und erzählen wie nebenbei nicht nur das, was geschehen ist, sondern auch von dem Rassismus und der Diskriminierung, die natürlich in Saids Leben Eingang gefunden hat. Vermutlich stecken sehr viele eigene Erfahrungen des Autors Abbas Khider in dieser Geschichte, die durch den ruhigen Klang der Erzählung jede Menge Bilder heraufbeschwört. Diese sehr ruhige und doch so emotionale und bewegende Geschichte empfehle ich sehr gerne weiter. Ich vergebe alle 5 möglichen Sterne.

  • Bewertung

    5/5

    04.04.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Vom Fremdsein - und Fremdwerden

    Khider schickt Said Al-Wahid auf eine schwere Reise: nach Bagdad ans Sterbebett seiner Mutter. Erstmals seit langem wird er so den Irak und die Familie dort wiedersehen. Auf diesem Weg begleiten wir ihn und tauchen mit ihm in seine Erinnerungen ein, derer er sich selbst nicht mehr sicher ist. Ein ernstzunehmendes, trauriges, kraftvolles Büch über Aufbrechen, Ankommen, das Fremdsein - und das Fremdwerden.

  • Bewertung

    5/5

    03.04.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Großer Fan

    Da ich schon die "Orangen des Präsidenten" gelesen habe, war dieses Buch für mich ein Muss. Khider schreibt toll, so dass man sich wirklich gut in ihn hineinversetzen kann. Er erzählt in seinem neuveröffentlichten Roman die Geschichte von Said Al-Wahid. Er ist seit zwei Jahren ist Schriftsteller, er hat an einer literarischen Podiumsdiskussion in Mainz teilgenommen und befindet sich auf der Heimreise nach Berlin zu seiner Frau Monica und seinem Sohn Ilias. Während der Zugfahrt bekommt er einen Anruf seines Bruders Hakim aus dem Irak, der ihm mitteilt, dass die Mutter im Krankenhaus liegt und wahrscheinlich nicht mehr lange leben wird. Said macht sich spontan auf den Weg zum Frankfurter Flughafen und nimmt die nächste Maschine nach Bagdad. Auf seiner Reise in die alte Heimat erinnert sich Said an sein bisheriges Leben. Als junger Mann floh er vor dem Terrorregime des Irak. Es dauerte Jahre, bis er auf Umwegen endlich in Deutschland ankam. Aber auch dort war es nicht einfach für ihn, der Bürokratismus war eine ständige Herausforderung, die ersehnte Einbürgerung ein mühsamer, sich über Jahre hinziehender Prozess. Seitdem führt er seinen Reisepass, für den er so lange kämpfen musste, ständig mit sich. Als er mit dem Schreiben beginnt und seine eigene, wahre Geschichte niederschreiben möchte, stellt er fest, dass seine Erinnerungen unvollständig sind. Ein großer Teil ist durch ein Loch im Gedächtnis verloren gegangen, einfach verschwunden. Er muss seine Gedächtnislücken schließen, neu erfinden, bezeichnet sich selbst als einen Erinnerungsfälscher, der die Lücken mit fiktiven Inhalten füllt. Der Schreibstil ist sehr berührend und ergreifend und ein großes Leseerlebnis,

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Unsere Meinungen

  • Zum Bewerterprofil von P. Kurbach

    P. Kurbach

    Thalia Osnabrück

    Buchhändler*in

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    5/5

    19.10.2023

    Buch (Taschenbuch)

    Jetzt als Taschenbuch.

    Großartiger aktueller Roman von Abbas Khider. Eine bewegende Geschichte über einen Mann, der in seine alte Heimat reist, um sich von seiner Mutter zu verabschieden. Ein Roman auch über Flucht und Ankommen, politische Verfolgung und Überleben.
  • Zum Bewerterprofil von Anja Werner

    Anja Werner

    Thalia Leverkusen

    Buchhändler*in

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    5/5

    12.02.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Heimweh an die Erinnerung

    Als junger Mann muss Abbas Khider sein Zuhause im Irak verlassen. Das neue Leben in Deutschland muss sich stückweise erarbeitet werden. Die Selbstverständlichkeit des Daseins wird durch Bürokratie erschwert und der Reisepass ist ein ständiger Begleiter noch nach Jahren. Khider erinnert und reflektiert, bereist die verlorene Heimat unter abenteuerlichen Umständen wenige Male und kann sein Heimweh doch nur anhand trügerischer Erinnerungen stillen. Ein schmales Buch, in dem so viel steckt....
  • Zum Bewerterprofil von Kerstin Jagsteit

    Kerstin Jagsteit

    Thalia Hilden

    Buchhändler*in

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    5/5

    12.02.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Gerade die knappe und klare Sprache...

    Gerade die knappe und klare Sprache macht diesen Roman so eindrucksvoll. Das Gefühl, "wie eine Feder im Wind" zu sein, egal ob es um deutsche Bürokratie oder Machtausübung einer Diktatur geht, ist deutlich spürbar. Dieses Buch lässt mich demütig und aufmerksam zurück.
  • Zum Bewerterprofil von Simone Büchner

    Simone Büchner

    Thalia Coburg

    Buchhändler*in

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    5/5

    10.02.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Erinnerungsbruchstücke

    Mittlerweile gibt es zahlreiche Romane, die sich mit Migrationserfahrungen in Deutschland befassen, was mich riesig freut. 'Der Erinnerungs-Fälscher' ist mit seinen 125 Seiten kein dickes, aber ein gewichtiges Buch, welches sich in die Seele webt. Klug und eindrücklich schildert Abbas Khider die Zerissenheit von Said Al-Wahid, der aus dem Irak flüchtete und seit knapp zwanzig Jahren in Deutschland lebt. Jetzt kehrt er zum Familienbesuch zurück, je näher er der Heimat kommt, umso mehr suchen ihn seine Erinnerungen heim. Khider schreibt klar - ohne Schnörkel, wechselt zwischen Erinnern und Reflexion.
  • Zum Bewerterprofil von Bianca Werner

    Bianca Werner

    Thalia Göttingen – Kauf Park

    Buchhändler*in

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    5/5

    09.02.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die Nachricht vom Tod der Mutter...

    Die Nachricht vom Tod der Mutter führt Said in seine irakische Heimat, die er nach der Flucht nach Deutschland hinter sich gelassen hat. Die Reise wirft ihn gedanklich in eine Vergangenheit voller traumatisierender Erinnerungen, die für ihn mal mehr und mal weniger greifbar sind.

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