Was für ein wunderschönes Buch! Ein Buch voller Emotionen! Ein intensives Buch! Ein trauriges Buch!
Ein Buch über unser Tun. Ein Buch, welches zeigt, was genau dieses egoistische und Profit orientierte Denken der Gattung Homo Sapiens mit der Umwelt macht. Höher-Schneller-Weiter! Und das, ohne nach rechts und nach links zu sehen. Ich Ich Ich! Ich will, ich will, ich will. Wie ein verzogenes Kind bewegt sich der jetzige Mensch durch die Umwelt. Und alles, was sich nicht retten kann, ist dem Untergang geweiht.
Ein Untergang, wie ihn die Gattung der Riesenalk-Vögel heimsucht. Flugunfähig und von den Menschen diffamiert. Keine zum Überleben geeignete Ausgangslage. Sie können nicht schnell verschwinden. Und genau dies wird ihnen den Untergang bringen. Und natürlich wir, die Krone der Schöpfung. Der Mensch.
In einem tief berührenden Buch schildert die Autorin eine fiktive Begebenheit im 19. Jahrhundert. Der junge Zoologe Gus wohnt einem Massaker an einer Gruppe von Riesenalk-Vögeln bei und rettet einen von ihnen. Erst geschieht dies aus dem menschlichen Eigennutz, aber dann entwickelt sich eine Beziehung zwischen dem Riesenalk und dem Zoologen. Denn wenn man mit Tieren zusammenlebt und noch etwas Gefühl in sich trägt, passiert genau dies. Es entsteht eine Beziehung zwischen Tier und Mensch, denn die Reaktionen des Tiers bewirken genau dies.
Vielleicht ist diese Beziehung etwas überzeichnet, aber dies hat mich nicht gestört, denn ich empfand genau diese Überzeichnung als völlig richtig. In dieser Überzeichnung kann die Autorin die Fragen in die Geschichte einbauen, die ihr am Herzen liegen. Und genau durch diese etwas Gefühls überfrachtete Überzeichnung trifft sie mitten ins Herz der Leserschaft!
Dieses Buch ist definitiv ein Highlight in diesem Lesejahr für mich. Ein Buch, welches, obwohl ich es als E-Book gelesen habe, dennoch in Buchform zu mir wandern wird. Und dies zeigt ja schon meine Gefühlswelt zu diesem Buch.
Unbedingt lesen!
Edith Berger
aus 3istau
5/5
16.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
berührend schön, ungemein traurig
Gus hat eigentlich Pharmazie studiert. Von Zoologie hat er nur ansatzweise Kenntnisse. Nun ist er im Auftrag des Naturhistorischen Museums Lille unterwegs, um die Fauna des Nordatlantik zu studieren. Er wird Zeuge, als die Mannschaft seines Frachters auf Eldey, ein Blutbad anrichtet. Auf dieser kleinen, felsigen Insel brütet die letzte Kolonie von Riesenalken. Gleichgültigkeit, Geldgier, Abgestumpftheit, Dummheit. In diesem Sinne macht sich die sogenannte Krone der Schöpfung mit der ihr eigenen Brutalität die Erde untertan. Eher überrascht gelingt es Gus, ein dieser pinguinähnlichen Vögel aus dem Wasser zu ziehen. Noch weiß er nicht, dass es der letzte seiner Art ist.
drawe
aus Landau
5/5
12.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mensch und Tier - ein Mahnmal
Der Roman beginnt mit einem grausamen Paukenschlag: dem historisch verbürgten Massaker in einer Riesenalken-Kolonie auf Eldey, einer schroff aufragenden Felswand vor Island, dem alle dort lebenden Tiere zum Opfer fielen. Riesenalke waren begehrte Jagdobjekte. Ihr Fleisch galt als Delikatesse, Federn, Fett und auch die Bälge waren begehrt, und je seltener die Tiere wurden, umso mehr wurden sie bejagt, weil auch die Museen zu Dokumentationszwecken an den Tieren interessiert waren.
Auguste, ein junger Zoologe vom Naturhistorischen Museum in Lille, reist ca. 1830 in den Norden Europas, um die dortige Flora und Fauna zu erforschen: ein Forschungsgebiet, das damals jn Mode kam. Er wird Augenzeuge des Massakers auf Eldey und rettet durch Zufall einer der Riesenalke.
Der Riesenalk wird nun sein Haustier. Weil er so gut genährt ist, nennt er ihn Prosperity, abgekürzt Prosp. Er studiert ihn, er zeichnet ihn, er sorgt für ihn, er lässt ihn angebunden im kalten Meer schwimmen. Als er fürchten muss, dass seine isländischen Nachbarn auch Prosp töten und verkaufen wollen, wechselt er auf die Färöer Inseln, wo er in rauer und einsamer Umgebung mit Prosp lebt. Heirat und Elternschaft ändern nichts an seiner Fürsorge für das Tier, was nicht immer konfliktfrei abläuft.
Die Autorin schildert sehr schön das Zusammenleben und vor allem das Zusammenwachsen von Mensch und Tier. Ist Prosp für den jungen Wissenschaftler zunächst nur ein Forschungsobjekt, dem er sich begeistert widmet, wird er im Lauf der Zeit zu einem vertrauten Hausgenossen. Die Autorin selber ist sichtlich fasziniert von der gegenseitigen Verständigung, und hier gelingen ihr sehr eindrückliche und schöne Szenen, in denen sie die Verbundenheit von Mensch und Tier beschreibt und ihren Protagonisten tierphilosophische Überlegungen anstellen lässt. Immer aber bleibt Gus die Erzählinstanz, sodass die Autorin keinerlei Anthropomorphisierung betreibt, sondern ihren wohltuend nüchternen und unaufgeregten Ton wahren kann.
Gus aber erkennt immer mehr, dass seine grundlegende Ansicht nicht stimmt, nämlich dass die Harmonie der Welt es nicht zulasse, dass etwas Lebendiges ausgelöscht würde. Sehr geschmeidig und niemals belehrend bringt hier die Autorin den damals aktuellen wissenschaftlichen Diskurs über das Verschwinden von Arten unter, wenn sie die wachsende Schwermut ihres Helden erzählt.
Wir wissen heute, dass die Riesenalke nicht aufgrund von Umweltveränderungen, sondern dass der Mensch die Ursache seiner Ausrottung ist. Insofern kann dieses kluge und unaufgeregte Buch durchaus als Plädoyer und Mahnmal aufgefasst werden.
4,5/5*
dracoma
aus LANDAU
5/5
12.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Roman beginnt mit einem…
Der Roman beginnt mit einem grausamen Paukenschlag: dem historisch verbürgten Massaker in einer Riesenalken-Kolonie auf Eldey, einer schroff aufragenden Felswand vor Island, dem alle dort lebenden Tiere zum Opfer fielen. Riesenalke waren begehrte Jagdobjekte. Ihr Fleisch galt als Delikatesse, Federn, Fett und auch die Bälge waren begehrt, und je seltener die Tiere wurden, umso mehr wurden sie bejagt, weil auch die Museen zu Dokumentationszwecken an den Tieren interessiert waren. Auguste, ein junger Zoologe vom Naturhistorischen Museum in Lille, reist ca. 1830 in den Norden Europas, um die dortige Flora und Fauna zu erforschen: ein Forschungsgebiet, das damals jn Mode kam. Er wird Augenzeuge des Massakers auf Eldey und rettet durch Zufall einer der Riesenalke. Der Riesenalk wird nun sein Haustier. Weil er so gut genährt ist, nennt er ihn Prosperity, abgekürzt Prosp. Er studiert ihn, er zeichnet ihn, er sorgt für ihn, er lässt ihn angebunden im kalten Meer schwimmen. Als er fürchten muss, dass seine isländischen Nachbarn auch Prosp töten und verkaufen wollen, wechselt er auf die Färöer Inseln, wo er in rauer und einsamer Umgebung mit Prosp lebt. Heirat und Elternschaft ändern nichts an seiner Fürsorge für das Tier, was nicht immer konfliktfrei abläuft. Die Autorin schildert sehr schön das Zusammenleben und vor allem das Zusammenwachsen von Mensch und Tier. Ist Prosp für den jungen Wissenschaftler zunächst nur ein Forschungsobjekt, dem er sich begeistert widmet, wird er im Lauf der Zeit zu einem vertrauten Hausgenossen. Die Autorin selber ist sichtlich fasziniert von der gegenseitigen Verständigung, und hier gelingen ihr sehr eindrückliche und schöne Szenen, in denen sie die Verbundenheit von Mensch und Tier beschreibt und ihren Protagonisten tierphilosophische Überlegungen anstellen lässt. Immer aber bleibt Gus die Erzählinstanz, sodass die Autorin keinerlei Anthropomorphisierung betreibt, sondern ihren wohltuend nüchternen und unaufgeregten Ton wahren kann. Gus aber erkennt immer mehr, dass seine grundlegende Ansicht nicht stimmt, nämlich dass die Harmonie der Welt es nicht zulasse, dass etwas Lebendiges ausgelöscht würde. Sehr geschmeidig und niemals belehrend bringt hier die Autorin den damals aktuellen wissenschaftlichen Diskurs über das Verschwinden von Arten unter, wenn sie die wachsende Schwermut ihres Helden erzählt. Wir wissen heute, dass die Riesenalke nicht aufgrund von Umweltveränderungen, sondern dass der Mensch die Ursache seiner Ausrottung ist. Insofern kann dieses kluge und unaufgeregte Buch durchaus als Plädoyer und Mahnmal aufgefasst werden. 4,5/5*
Lesesaite
5/5
14.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch wie der Singsang des Windes.
Ein Buch wie der Singsang des Windes. Eine Freundschaft zwischen einem Mann und (s)einem Riesenalk.
Wir befinden uns im Jahr 1835, als der französische Zoologe Gus nach Island reist, um dort die Fauna des Nordatlantik zu studieren. Aus dem Meer fischt er einen Riesenalk und nimmt ihn mit nach Hause. Zwischen Gus und dem Riesenalk namens Prosp entsteht eine tiefe Freundschaft.
Riesenalken waren offiziell im Jahr 1844 ausgestorben. Sie waren flugunfähige Seevögel und bis zur 85 cm groß mit einem Gewicht von etwa 5 kg. Für das Aussterben waren maßgeblich die Menschen verantwortlich. Hungrige Matrosen plünderten die Brutplätze, später erschlug man die Vögel, um ihre Daunen zu gewinnen. Ihr Fett wurde unter anderem als Brennstoff genutzt. Da die Vögel so selten waren, stürzten sich weltweit viele Ornithologen und Vogelsammler auf die Riesenalken, denn es galt als Privileg, einen Riesenalk in seiner Sammlung zu haben. Am 3. Juni 1844 wurden nachweislich die letzten beiden brütenden Riesenalken erwürgt und das letzte Ei zertreten.
„Die Ungerechtigkeit, die den Riesenalken widerfuhr, ließ sich einfach nicht begreifen. Und genau das - unbegreiflich zu sein - war ja das Wesen der Ungerechtigkeit.“ (Seite 155)
Der Mensch hat gezeigt, dass er verheerende Auswirkungen auf die Arten dieser Erde haben kann, hatte und hat.
Sibylle Grimberg präsentiert uns hier in ihrer Schönheit und Härte eine tiefgründige Geschichte einer wertvollen und traurigen Freundschaft zwischen den Menschen und seinem (letzten) Riesenalken.
Sabine Schwenk hat äußerst sensibel und in einer wundervollen träumerischen Sprache die Geschichte von Sibylle Grimberg übersetzt. Eine wertvolle Leistung.
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5/5
21.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Traurig, aber wahr
Matrosen bejagen Anno 1835 auf einer isländischen Insel eine Kolonie Riesenalke. Einer entkommt, findet, fernab seines wilden Lebensraumes, ein zu Hause bei dem französischen Zoologen Gus und seiner Familie auf den Farörer Inseln. Gus studiert diesen Vogel, nennt ihn Prosp, erforscht sein Verhalten und zeichnet ihn, ein Auswilderungsversuch scheitert. Zu eng ist die Symbiose zwischen Tier und Mensch geworden. Eine berührende, zu Herzen gehende Geschichte aus dem Genre des Nature-Writing, die Artensterben an einem konkreten Tier festmacht.
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5/5
17.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine besondere Freundschaft
Ein Roman, der von unvorhersehbarer, tiefster Freundschaft und gegenseitiger Zuneigung erzählt, ohne dabei pathetisch oder kitschig zu werden.
Sibylle Grimbert gelingt das Kunststück, das Verhältnis des Menschen zur Natur und Tierwelt gesellschaftskritisch aufzugreifen und zugleich einen sprachlich ausbalancierten Wohlfühlroman zu schaffen.
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5/5
19.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman, der ganz nah an der Natur ist.
Dieser Roman hat mich verwirrt und berührt. Wir folgen der Geschichte eines Zoologen, der das Aussterben einer Spezies im Herzen des 19. Jahrhunderts miterlebt, einer Zeit, in der man noch nicht über alle heutigen Kenntnisse verfügt.
Gus und der große Pinguin, den er gefunden hat, entwickeln eine Freundschaft, eine berührende Geschichte, in der der Mensch intensiv mit der Natur zusammenlebt, wie in "Der alte Mann und das Meer" oder in den Romanen von Erri De Luca.
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5/5
02.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine sehr bewegende Geschichte...
Eine sehr bewegende Geschichte über Mensch und Tier, Leben und Tod und all die Dinge, die wir nicht verstehen. Einfühlsam erzählt und ohne jede Beschöningung thematisiert Sibylle Grimbert das Aussterben einer Art durch den Menschen. Großartig!
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4/5
22.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Der letzte seiner Art ist einzigartiges, artifizielles Buch übers Artensterben, also artig lesen
Das ist ein ganz außergewöhnliches Buch, das mich tief bewegt, gerührt und auch verstört hat. Gus, ein Naturwissenschaftler, findet seine Bestimmung, als er 1835 auf einer Expedition einen Riesenalk fängt, einen pinguinartigen Vogel. Er studiert ihn und nennt ihn Prosp. Dabei entdeckt Gus (wir befinden uns wie gesagt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts), dass Tiere Gefühle haben. Mann und Vogel werden allerbeste Freunde, helfen sich, streiten, sind eifersüchtig, kuscheln miteinander. Hier musste ich öfters verstört von der Lektüre aufschauen, weil ich das Verhalten von Prosp doch manchmal ziemlich unglaubwürdig und allzu menschlich fand.
Gus beschäftigt sich bald nur noch mit Prosp und seiner Art, seine eigene Familie interessiert ihn kaum noch, er wird regelrecht verrückt. Viele seiner Mitmenschen verstehen das alles nicht und möchten Prosp lieber im Kochtopf statt im Wohnzimmer sehen. Gus Gedanken hingegen drehen sich bald nur noch darum, dass das Gerücht umgeht, die Riesenalke seien womöglich ausgestorben. Er bricht mit Prosp auf jahrelange, verzweifelte Expeditionen auf, um dessen letzte Artgenossen zu finden. Dabei stellt er sich geradezu zwanghaft und atypisch für seine Zeit die Fragen, ob es überhaupt vertretbar sei, ein Wildtier als Haustier zu halten und wie es überhaupt sein könne, dass eine komplette Tierart ausstirbt (wir befinden uns noch vor Darwins Lehre von der Entstehung der Arten). Hier spricht der Roman also moderne Themen und Probleme an, ohne jedoch platt mit dem moralischen Zeigefinger zu mahnen.
Dabei beginnt das Buch relativ zäh, erinnert durchaus passend an einen trockenen wissenschaftlichen Bericht, wird dann aber, je verschrobener Gus wird, desto gefühliger, furioser und schräger. Letzten Endes ist der Roman rührend (die Geschichte der Freundschaft zwischen Mensch und Vogel) und tieftraurig. Manchmal so überaus melancholisch, pathetisch und rührselig, dass es schmerzt. Ich fand es so aber sehr stimmig. Das Buch soll auch wehtun. Es ist eine Elegie, ein Abgesang auf die ausgestorbene Vogelart des Riesenalks und eine Mahnung, dass der Mensch der Neuzeit ein nahezu unfassbares Massensterben der Arten verursacht.
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