Auf überraschend wenigen Seiten zerlegt Joseph J. Ellis den Sommer des Jahres 1776 in den USA - die Wochen und Monate, die entscheidend für die amerikanische Unabhängigkeit vom Britischen Empire waren. Vorkenntnisse sind hier definitiv von Vorteil, denn eine einleitende Übersicht über die Geschehnisse vor diesem geschichtsträchtigen Sommer bekommt man leider nicht. Die Betrachtung von militärischen und politischen Entwicklungen sowie die Abhängigkeit beider voneinander ist sehr schlüssig dargestellt, auch die Akteure und ihre Motive werden unfassend beleuchtet. Was mir insgesamt negativ aufgefallen ist: zum Einen die teilweise nicht mehr zeitgemäße Verwendung einiger rassistischer und diskriminierender Begriffe (I know, I know, Zitate blabla, aber das muss heutzutage wirklich nicht mehr reproduziert werden, auch nicht in Zitaten) und die manchmal etwas überkomplizierten Sätze. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass mein Hirn durch die Hitzewelle #juni2026 komplett durchgegart war, aber ich musste häufig Absätze oder gar einzelne Sätze mehrfach lesen, weil sie so umständlich geschrieben und terminologisch so anspruchsvoll waren, dass ich beim Punkt schon nicht mehr wusste, wie der Satz begonnen hat.
Kurzum: wer so richtig tief in die entscheidenden Wochen und Monate der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung eintauchen möchte, nicht vor großen Wörtern zurückschreckt und ein wenig Vorwissen mitbringt, ist mit '1776' sehr gut bedient. Alle anderen sollten vorher vielleicht noch ein paar Wikipedia-Artikel lesen.