Ein ebenso mutiges wie sehr persönliches Theaterstück, ein literarisches Spiel an der Grenze zwischen Bühnenfigur und AutorFerdinand von Schirachs Buch »Regen« ist eine Erzählung in Form eines Theatermonologs, den Ferdinand von Schirach auf zahlreichen deutschen Bühnen selbst gesprochen und aufgeführt hat: Ein Mann kommt durchnässt aus dem Regen in eine Bar - auf die Bühne - und denkt über Verbrechen und Strafen nach, über das Großartige und das Schreckliche unserer Zeit, über die Würde des Menschen und über sein Leben. Über den Verlust, die Einsamkeit, das Scheitern und vor allem die Liebe.Ungekürzte Lesung mit Ferdinand Schirach1h 6min
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Melissa
Book Circle Community
4/5
28.02.2025
Hörbuch-Download (MP3)
Ein tiefgründiger Monolog über das Leben und die Liebe
Ferdinand von Schirachs Werk „Regen“ ist ein eindrucksvoller Theatermonolog, der tief in die menschliche Psyche eintaucht. Der Protagonist, der durchnässt aus dem Regen in eine Bar tritt, reflektiert über Verbrechen, Strafen und die Herausforderungen unserer Zeit. Schirachs prägnante Sprache und seine Fähigkeit, komplexe Emotionen zu vermitteln, machen diesen Monolog zu einem berührenden Erlebnis. Mit Themen wie Verlust, Einsamkeit und Liebe spricht er universelle Wahrheiten an, die jeden berühren. Ein Muss für Schirach-Fans!
peedee
3/5
21.02.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Philosophieren übers Leben
Das Buch ist eine Erzählung in Form eines Theatermonologs, mit dem der Autor ab Herbst 2023 auf grosse deutsche Bühnentour ging: Ein Mann, der vom Regen durchnässt wurde, kommt in eine Bar und sinniert über das Leben. Ein Hörbuch von 66 Minuten.
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover, das im gleichen Stil auch seine anderen Werke schmückt – gefällt mir. Der Untertitel „Eine Liebeserklärung“ macht neugierig.
Das Hörbuch: Der Sprecher ist der Autor selbst. Ich habe bisher nur das Buch „Sie sagt. Er sagt.“ gelesen; für mich ist es eine Premiere, nun auch seine Stimme zu hören. Er spricht bedächtig, ohne Hast.
Die Geschichte: Der Mann, der in die Bar kommt, erzählt einleitend über die verschiedenen Arten von Regen, wie z.B. Regen in Cornwall, Regen in Nigeria – wo es fast nie regnet –, Regen im Regenwald als Klassiker, White Noise oder auch Pink Noise. Nun ja, dabei erhält man schon eine gewisse Ahnung, wie gerne dieser Mann erzählt. Er spricht über die Berufung zum Schöffen, die Ambivalenz der Welt, über seine Tätigkeit als Schriftsteller, der seit 17 Jahren nicht mehr schreibt, das Pareto-Prinzip oder auch den schlechten Charakter einer Wespe.
Schon bevor ich zu diesem Hörbuch gegriffen habe, hat mich der Untertitel „Eine Liebeserklärung“ irritiert. Was hatte es nun damit auf sich? Das kann ich nicht einmal so genau sagen: War es eine Liebeserklärung an das Leben generell? Denn eines ist sicher, wie der Mann bereits früh erwähnt: „Wir werden sterben“. Sein Philosophieren hat im eigenen Kopf viele Bilder und existenzielle Fragen entstehen lassen. Mir hat das Hörbuch gut gefallen; 3 Sterne.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
08.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Wie man mit dem Tod im Nacken Mut zum Leben behält
Dieses Buch hat mich sehr berührt und gleichzeitig immer wieder durch seine Klarheit, seinen tiefgründigen Verstand und seinen stillen, aber scharfen Humor beeindruckt. Regen- Eine Liebeserklärung ist kein klassischer Roman, es ist ein Theaterstück, eine Sammlung aus Gedanken, Beobachtungen, Erinnerungen, moralischen Fragen und existenziellen Einsichten. Gerade diese Form macht das Buch für mich so bedeutungsvoll.
Was ich besonders liebe, ist dieser intelligente, sarkastische, scharfe Humor, der sich leise durch das Buch zieht und wie ein Verstärker wirkt- er hebt die Bedeutung der geschriebenen Worte noch einmal hervor. Es ist kein lauter Witz, sondern eine trockene, entlarvende Nüchternheit. Besonders deutlich wird das beim sogenannten Autowandern: Warum überhaupt hinausgehen in die Natur, wenn man doch von drinnen nach draußen schauen kann und sie sieht? Das ist keine Verherrlichung des Draußenseins, sondern eine radikale Infragestellung unserer Sehnsüchte. Dasselbe gilt für den von vielen geliebten weißen Strand in der Karibik, der nicht mehr ganz so romantisch ist, wenn man ihn nüchtern betrachtet. Der Traum vom Paradies wird klar zerlegt. Ich finde diesen Humor sensationell, weil er intelligent, bitter, präzise und gerade deshalb so tiefgründig ist.
Ein Satz, der mir besonders nahe ging, lautet: „Wir alle sind befangen, weil wir in uns gefangen sind.“.
Für mich steckt darin die ganze innere Schwere dieses Buches. Dieses Gefühl, sich selbst nicht entkommen zu können, festzusitzen in der eigenen Wahrnehmung, den eigenen Verletzungen, der eigenen Geschichte. Genau hier berührt das Buch auch ganz unmittelbar die Themen Depression und Einsamkeit, über die Schirach offen spricht. Seine Worte wirken dabei nie pathetisch, sondern ruhig, nüchtern, fast sachlich- und gerade deshalb so eindringlich.
Besonders berührend sind die biografischen Einblicke: der frühe Tod seines Vaters, der ihn tief geprägt hat und sein eigener Suizidversuch in jungen Jahren, der unbemerkt blieb- als Ausdruck einer Hilflosigkeit, die niemand gesehen hat. Diese Passagen sind nicht dramatisiert, nicht ausgeschmückt. Sie stehen einfach da. Still. Und genau darin liegt ihre große Wucht.
In diesem Zusammenhang trifft auch seine Aussage besonders tief, dass man seiner Meinung nach höchstens zweimal im Leben richtig lieben kann. Dieser Gedanke klingt banal, ist aber radikal. Er widerspricht der Vorstellung unendlicher emotionaler Möglichkeiten und spricht stattdessen von Begrenzung, von Endlichkeit, von der Seltenheit echter Liebe. Für mich liegt darin viel Melancholie, aber auch große Ehrlichkeit. Liebe erscheint hier nicht als etwas Beliebiges, sondern als etwas Kostbares, vielleicht sogar Gefährliches- weil man sich darin verlieren kann.
Spannend fand ich auch den Bezug auf die vier Tugenden der Antike: Vernunft, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.
Sie wirken im Buch wie ein innerer moralischer Maßstab und werden zugleich immer wieder infrage gestellt. Denn Schirach macht sehr klar: „Niemand kann wirklich unvoreingenommen urteilen.“. Jeder Mensch ist geprägt, befangen, gefangen in sich selbst. Genau darin liegt für mich eine der härtesten Wahrheiten dieses Buches.
Auch die vielen Verweise auf Hemingway passen für mich hervorragend zu diesem Ton: diese Reduktion, diese innere Härte, dieses Aushalten ohne großen Gesten. Dazu passt auch Schirachs eigener Anspruch an die Sprache. Er schreibt, dass er seine Absätze immer wieder überarbeitet, bis nur noch der „einfachste Satz“ übrig bleibt, weil in ihm genug Aussage steckt. Genau das spürt man auf jeder Seite. Die Sprache ist klar, knapp, unaufgeregt und gerade deshalb so wirkungsvoll.
Für mich ist Regen- Eine Liebeserklärung ein Buch über: innere Gefangenschaft, Schuld und Gerechtigkeit, Einsamkeit und Depression, Wahrnehmung, Täuschung, Verrat und Entzauberung und über den Versuch, trotz allem einen klaren Blick auf die Welt zu behalten.
Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und habe es zum Teil auch meiner Tochter vorgelesen, weil es mir so gut gefiel. Es ist kein lautes Buch. Es drängt sich nicht auf. In dieser Stille arbeitet es im Inneren weiter und lässt viel Raum zum Nachspüren, Nachdenken und Nachfühlen.
Bewertung
5/5
31.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Tiefgründige Gedanken
Ich habe das Buch mehrmals gelesen und mir viele Stellen markiert, weil er so viele tiefgründige Gedanken in der gewohnt elaborierten Sprache beinhaltet. Es ist ein Lesegenuss, wie man ihn heutzutage leider nur noch selten findet.
Bewertung
5/5
14.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Meisterhaft!
Hier lässt uns Schirach wahrlich nicht im "Regen stehen"... Mit einer souveränen Gelassenheit erzählt der Autor seine Geschichte. Der Monolog eines Schriftstellers, der an der Bar sitzend, über Unwägbarkeiten und Großartigkeiten im Leben sinniert. Gleichsam stellt sich beim Lesen das Gefühl ein, ihm gegenüber zu sitzen. Locker und leicht der Schreibstil. Die Besonderheit dieses Büchleins liegt im Detail, in den wunderbar klugen Sätzen, denen ich sehr gern noch weiter gelauscht hätte...
Das anschließende Interview mit dem Autor ist ein wahrer Augenöffner.
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5/5
13.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf in die Gedankenwelt!
Schirach spricht mit seiner "Liebeserklärung" sehr wichtige Themen und Gedanken von an. Er spricht von Liebe, Leben, Tod, Verzeihen und auch einfach anders sein.
Nach der Hälfte des Buches kommt das Interview mit Schirach. Wir lernen ihn kennen, sein Lebenweise, seine Wünsche und seine Sicht auf gewisse Verhaltensweisen.
Was passiert nach seinem Tod und andere Fragen, welche ihm gestellt wurden.
Im Großen und Ganzem ist das Buch >>Regen<< ein sehr gutes Buch um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Der Preis ist zwar sehr hoch, aber es lohnt sich :).
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5/5
29.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Poetisches Meisterwerk.
Poetisch, philosophisch und ein absolutes Meisterwerk. Der Monolog von einem Mann, der über das Leben, das Sein und alles, was dazwischen liegt reflektiert. Man könnte denken, dass ein reiner Monolog über 50 Seiten langweilig, eintönig und einseitig werden könnte, aber nicht wenn von Schirach der Autor ist.
Aber auch der zweite Teil des Buches begeistert. Das Interview mit Herrn von Schirach ist großartig und ein kleines Meisterwerk für sich. Erfrischend ehrlich und furchtbar direkt geht es um persönliche Dinge, die einen teilweise sprachlos zurücklassen.
In wenigen Seiten schafft von Schirach es, eine Geschichte zu erzählen, die so beeindruckend wie ergreifend ist.
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5/5
04.11.2023
Hörbuch (CD)
Mögen Sie Regen?
Beeindruckend unaufgeregt und mit klarer, ausgefeilter Sprache, gibt Ferdinand von Schirach hier Antworten auf die essentiellen Fragen des Leben. Sein Schreibstil bewegt sich in gekonnten Schleifen von philosophisch über melancholisch bis hin zu einigen humorvollen Passagen und hat sich seinen Platz unter den Hochkarätern zeitgenössischer Literatur somit redlich verdient.
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5/5
27.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Langsamkeit
Ein Mann zieht Bilanz - zum einen als Beobachter, als uns Unbekannter, im Interview der uns bekannte Ferdinand von Schirach. Er offenbart sich uns ungeahnt, überraschend. So ist das Interview eine Fortsetzung der Erzählung, in der Ferdinand von Schirach mit Sprache wieder brilliert, sich zurücknimmt, uns anregt, inne zu halten, nachzudenken, zu lesen, zu lernen, fast nichts zu fürchten - zu leben, tief und intensiv.
Wir brauchen nichts Großes, kein aufregendes oder von Dramen erfülltes Leben, um eine Geschichte zu haben.
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