"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." Vergeblich versucht er herauszufinden, wessen er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Ebenso wenig greifbar sind das Gericht und das Gesetz. In einem Prozess, von dem nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch der Angeklagte ausgeschlossen bleibt, wird Josef K. schließlich von einer anonymen, für ihn unerreichbaren Gerichtsinstanz, die sich seinem Verständnis entzieht, zum Tod verurteilt. Eine beängstigende, klaustrophobischen Atmosphäre, ein unvorstellbarer Vorgriff auf die Zukunft, eine Vorwegnahme der kommunistischen Schauprozesse.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
23.08.2026
eBook (ePUB 3)
Guter Klassiker
„Der Prozess“ ist ein verstörender und gleichzeitig faszinierender Klassiker. Die Geschichte vermittelt ein Gefühl von Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit, das auch heute noch erstaunlich nachvollziehbar ist. Kafka zeigt eine undurchsichtige Welt, in der Regeln existieren, die niemand wirklich versteht. Gerade diese Absurdität macht das Buch so interessant. Ein Klassiker, den man gelesen haben sollte.
MaWiOr
aus Halle
5/5
07.12.2023
Buch (Taschenbuch)
„Jemand musste Josef K.…
„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag. Mit dieser Ausgangssituation beginnt Franz Kafkas berühmter Roman „Der Prozess“. Josef K. arbeitet als angesehener Prokurist einer Bank. Die Stellung. Durch sein äußerst zurückgezogenes Privatleben sind seine menschlichen Kontakte stark reduziert. Die Umstände seiner Verhaftung sind grotesk, niemand kennt das Gesetz, und das mysteriöse Gericht bleibt stets anonym. Josef K. erfährt nicht, worin die Anklage besteht und welche Schuld ihm vorgeworfen wird. Je mehr er seine Unschuld beweisen will, umso tiefer sinkt er ins Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen. Josef K. und mit ihm die Leser*innen werden immer tiefer in ein rätselhaftes Geschehen hineingezogen. Da er mit seinem Verteidiger unzufrieden ist, übernimmt er schließlich seine Verteidigung selbst. Im letzten Kapitel des Romans wird Josef K. abends um neun Uhr von zwei Männern zu einem alten Steinbruch abgeführt und hingerichtet. Seine letzten Worte sind: „Wie ein Hund!“. Der Roman, der 1914/15 entstand, blieb jedoch ein Fragment und wurde 1925 posthum veröffentlicht. Er ist eine Kritik an einer verselbstständigten und unmenschlichen Bürokratie und am Fehlen bürgerlicher Freiheitsrechte. Bis heute wandeln sich immer wieder die Deutungen des Romans. Neben einer Zeittafel wird die Reclam-Ausgabe mit einer Nachbemerkung von Michael Müller ergänzt. Der Literaturwissenschaftler widmet sich darin der Entstehung des Manuskriptes und der posthumen Veröffentlichung durch Kafkas Freund, dem Schriftsteller Max Brod. Die Neuerscheinung, die anlässlich des bevorstehenden 100. Todestages von Franz Kafka (3. Juni 2024) erscheint, ist eine willkommene Gelegenheit, ein rätselhaftes Werk der Weltliteratur kennenzulernen.
Bewertung
5/5
17.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Kafkas Werk ist wirklich lesenswert
Ich musste dieses Buch für mein Abitur lesen. Da sich viele Schüler schon damit befassen mussten, hatte ich schon viele Meinungen über das Buch gehört, zum größten Teil negativ. Als ich dass Buch jedoch in die Hand nahm, war ich positiv überrascht. Es war mit Abstand das Beste Werk dass im Abitur verwendet wurde und ich hatte keine Schwierigkeiten beim Lesen oder beim Hineinversetzen in die Figuren. Ich konnte also glücklicherweise die Meinungen meiner Mitschüler nicht bestätigen.
Bewertung
5/5
13.12.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein grotesker Staatskrimi
In seinem bekanntesten Werk Der Prozess erzählt Kafka die Geschichte von Josef K. , der an seinem 30. Geburtstag ohne Vorwarnung und ohne Grund verhaftet und verhört wird. Das Gesetz, nach welchem er verurteilt werden soll, kennt niemand. Das Gericht bleibt anonym.
Jeder Versuch K.s sich zu wehren oder Informationen einholen scheitert am undurchsichtigen Justiz-Apparat und bringt nur mehr Verwirrung und mehr Verdächtigungen mit sich.
Ein großartiges Werk, das Kritik am System und der Existenz übt und sich dabei so spannend liest wie ein Krimi.
Bories vom Berg
aus München
4/5
10.01.2014
Buch (Taschenbuch)
Ein literarisches Labsal 24…
Ein literarisches Labsal 24 Jahre vor seinem Opus magnum erschien 1906 Robert Musils Erstling «Die Verwirrungen des Zöglings Törleß», ein Bildungsroman der besonderen Art, denn anders als zum Beispiel in «Unterm Rad» von Hermann Hesse ist der Protagonist hier Täter und interessierter Beobachter, nicht Opfer. Schauplatz der Handlung ist ein österreichisches Konvikt zu Zeiten der Donau-Monarchie, von manchen Lesern als Kadettenanstalt gedeutet, was aber beides nicht so recht passt, denn weder sind Kirche und Religion hier Thema noch Militärisches, beides bildet auch nicht den Hintergrund der Erzählung. Was erstaunlich ist, denn Musils Erfolgsroman ist eine äußerst tief reichende, komplexe Beschreibung des Seelenlebens eines jungen Mannes in der Pubertät mit ihren entscheidenden geistig-seelische Umbrüchen, was ja durchaus eine religiöse Thematik darstellt. Auch Schulisches, das typische Leben von Pennälern im abgegrenzten Mikrokosmos eines Internats, ist hier nicht im Fokus, es geht um die Suche nach Identität, die bevorstehende Lösung vom Elternhaus, eine neue soziale Orientierung für den verwirrten Törleß. Denn was dieser Jüngling erlebt ist zutiefst verstörend für ihn. Der Mitschüler Basini wird beim Stehlen erwischt von zwei anderen, die ihn daraufhin erpressen, er würde nämlich bei Bekanntwerden seiner Tat unnachsichtig aus der Anstalt gewiesen. Sie quälen und demütigen den Wehrlosen, und Törleß ist ein neugieriger Zuschauer, der das Geschehen ganz unemotional als Studie über Macht und Unterwerfung begreift, dann aber erlebt, wie der devote Mitschüler sich auch ihm sexuell anbietet und er zu seinem Erstaunen darauf eingeht. Später distanziert er sich angewidert von den beiden Peinigern, die soweit gehen, ihr Opfer von der ganzen Klasse verhöhnen und verprügeln zu lassen. Von Törleß gewarnt stellt sich Basini der Schulleitung, bevor er noch schlimmeren Quälereien ausgesetzt wird. Gleichzeitig verlässt Törleß im Zustande völliger Desorientierung unerlaubt das Konvikt, versucht nach seiner Rückkehr vergebens, einer Kommission der Schule seine innere Haltung zu erklären, und kehrt schließlich in den Schoß der Familie zurück. Viele Abiturienten haben sich an diesem komplexen Roman schon abarbeiten müssen. Es gibt diverse Ansätze für seine Interpretation, zum Beispiel, dass hier offensichtlich Autobiografisches verarbeitet wurde vom Autor, auch die Dissertation von Musil wohl Pate stand, Törleß eine Vorfigur des Ulrich sei aus «Der Mann ohne Eigenschaften», geschichtlich folgende Ereignisse visionär vorgezeichnet wurden. Wahrlich verstörend ist die strikte Täterperspektive dieses Romans, für Törless ist Basini ein reines Forschungsobjekt zum Thema Macht und deren Anwendung, eine Haltung, die es dem nicht sadistischen Leser unmöglich machen dürfte, sich mit solch mitleidloser Romanfigur zu identifizieren. In dieser psychologischen Studie über die Faszination der Macht und die seelischen Untiefen des eigenen Seins ist deutliche Gesellschaftskritik enthalten, die zweifellos nicht nur für die k.u.k. Monarchie vergangener Zeiten gültig war, sondern auch heute noch vollinhaltlich berechtigt ist. Anspruchsvolle Romane, und dies ist zweifellos einer, sind oft schwer lesbar, erfordern volle Konzentration. Dank der schnörkellosen, klaren Sprache Musils ist dieser Roman trotzdem flüssig zu lesen, wozu insbesondere auch eine lineare Erzählweise ohne aberwitzige Zeitsprünge und permanente Perspektivwechsel beiträgt. Insoweit war die Lektüre für mich persönlich ein wahres Labsal nach diversen hochaktuellen Romanen mit ihren modischen sprachlichen Mätzchen, die wohl oft nur davon ablenken sollen, dass ihre Autoren uns wenig oder gar nichts zu sagen haben. Musil hingegen hat uns sehr viel zu sagen, auch nach über hundert Jahren noch.
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