Martin, sechsundsiebzig, wird von einer ärztlichen Diagnose erschreckt: Ihm bleiben nur noch wenige Monate. Sein Leben und seine Liebe gehören seiner jungen Frau und seinem sechsjährigen Sohn. Was kann er noch für sie tun? Was kann er ihnen geben, was ihnen hinterlassen? Martin möchte alles richtig machen. Doch auch für das späte Leben gilt: Es steckt voller Überraschungen und Herausforderungen, denen er sich stellen muss.
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In Das späte Leben begleitet man Martin, 76 Jahre alt, der mit einer erschütternden Diagnose konfrontiert wird. Die verbleibende Zeit bringt ihn dazu, sein Leben zu ordnen und sich zu fragen, was er seiner jungen Frau und seinem kleinen Sohn David noch mitgeben kann. Besonders wichtig ist ihm, etwas Bleibendes zu hinterlassen – etwas, das über seinen Tod hinaus Bedeutung haben soll. Der Roman beschäftigt sich mit Abschied und vielen Fragen, wenn das Leben plötzlich ein klares Ende bekommt.
Meine Meinung:
Die Ausgangsidee des Buches fand ich sehr vielversprechend. Ein alter Vater, ein junges Kind, eine schwere Diagnose – das sind Themen, die emotional viel Tiefe haben könnten. Leider hat mich die Umsetzung kaum erreicht.
Der sogenannte „Rasier-Brief“, den Martin an seinen Sohn David schreibt, sollte vermutlich ein zentrales emotionales Element sein. Für mich war der Inhalt dieses Briefes jedoch enttäuschend. Ich hatte mir etwas Persönlicheres und Bedeutenderes für David gewünscht etwas, das wirklich das Gefühl vermittelt, dass der Vater seinem Sohn etwas fürs Leben mitgibt.
Generell hatte ich zu keiner der Figuren eine wirkliche Bindung. Weder Martin noch Ulla konnten bei mir Sympathie wecken. Es war mir ehrlich gesagt ziemlich egal, was mit ihnen passiert oder wie sich ihre Beziehungen entwickeln. Genau das hat mir beim Lesen am meisten gefehlt: Emotionen.
Es gab durchaus ein paar nette Ansätze und ruhige, nachdenkliche Momente, die Potenzial hatten. Doch insgesamt blieb mir der Roman zu distanziert und zu kühl. Für ein Thema, das eigentlich sehr nahe gehen könnte, hat mich das Buch unberührt zurückgelassen.
Fazit:
Das späte Leben ist kein schlechtes Buch, aber für mich eines mit zu viel verschenkter Möglichkeit. Wer eine sachliche, zurückhaltende Auseinandersetzung mit dem Lebensende sucht, könnte hier fündig werden. Wer jedoch auf emotionale Tiefe und Figuren hofft, die einem ans Herz wachsen, wird vermutlich etwas enttäuscht zurückbleiben.
Bewertung
5/5
22.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolut atemberaubend
Ich finde dass, das Buch „das späte Leben“ unfassbar gut ist. Das Buch hat nicht richtig gefesselt und es hat sich nicht sehr gezogen. Würde es jedem empfehlen der mal gerne über das Leben nachdenken möchte. Mochte den Schreibstil sehr gerne! Ich finde das der Hauptcharakter sehr gut geschrieben worden ist und man sich richt hineinversetzen konnte. Es wahr sehr Emotional und Gefühlsreich. Die Charaktere waren sehr gut dargestellt und nicht wie ein moralischer Superheld, also wenn sie wissen was ich meine? Es ist wirklich ein sehr gutes Buch!
Astrid Wergen
5/5
21.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gefühlvoll, emotional, schonungslos ehrlich
Es gibt Phasen im Leben, an denen die Einschläge im Alltag näher kommen. Die Einschläge, denen man sehr gerne aus dem Weg gehen möchte. Denn sie sind unbequem, und erinnern einen an die Vergänglichkeit des eigenen Lebens. Diese Einschläge können der unbarmherzige Tod von Freunden sein, aber auch die Diagnose von schlimmen Krankheiten. In „Das späte Leben“ von Bernhard Schlink geht es um Martin, der bereits 76 ist. Sein Arzt eröffnet ihm, dass er aufgrund seiner Krebsdiagnose nur noch wenige Monate zu leben hat. Zwar kann man ihn medikamentös noch so einstellen, dass evtl. was zu machen ist, aber Martin entscheidet sich dagegen. Doch wie geht man mit so einer Situation um? Hinzukommt: seine Frau ist deutlich jünger, der gemeinsame Sohn könnte sein Enkel sein. Er weiht seine Frau schlussendlich ein, und nun müssen beide lernen, damit umzugehen. Beiden fällt die Situation sichtlich nicht leicht. Martins Frau überzeugt ihm Schlussendlich, dem gemeinsamen Sohn etwas zu hinterlassen. Vielleicht Videos mit Dingen, die ihm wichtig sind. Vielleicht gemeinsame Erinnerungen, Briefe, oder ähnliches. Die Versuche muten manchmal skurril an, und hinterlassen doch eine berechtigte Frage: Was bleibt vom einzelnen Menschen, der geht? Sind es materielle Dinge wie ein Komposthaufen? Sind es individuelle Botschaften, wie z. B. man sich als junger Mann das erste mal rasiert? Oder basiert das einzelne Leben auf ganz anderen wichtigen Dingen?
In diesem Buch muss sich nicht nur das Paar als solches mit der Situation auseinander setzen. Die Frau, die bereits eine Affäre zu einem gleichaltrigen Mann angefangen hat, muss sich überlegen, ob diese Affäre es noch wert ist, oder ob sie lieber ihrem Mann in den letzten Tagen beisteht. Der betroffene Patient muss sich überlegen, wie er gehen will, und was er seiner Familie hinterlässt. Materiell ist es vielleicht noch einfach, Dinge auszumisten, aber was hinterlässt man der Familie? Sind es die eigenen Erinnerungen, Familiengeschichten, ganz individuelle Erlebnisse?
Bernhard Schlink hat sich gefühlvoll mit der Situation auseinander gesetzt. Dabei stellt auch er fest: es gibt nicht die eine Lösung. Es gibt so viele Optionen zu gehen, und doch zu bleiben. Was bleibt vom Menschen? Wie geht die Nachwelt mit diesem emotionalem Erbe um? Was ist und bleibt wichtig, was muss man loslassen? Die Balance zwischen Loslassen und Bleiben zu finden, ist nicht einfach. Es ist eine individuelle Entscheidung, eine sehr emotionale Entscheidung, die man nicht so einfach treffen kann. Und meist trifft man sie dann, wenn es meist zu spät ist. Wenn man nicht mehr genügend Zeit hat, sich noch in Ruhe um Dinge zu kümmern, die Bestand für das Umfeld hat, aber auch für einen selbst. Ab wann kann man „entspannt“ gehen, ab wann macht man selbst seinen Frieden, ab wann kann man loslassen?
Ein Buch, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat, und einen daran erinnert, wie zerbrechlich das Leben ist. Klare Leseempfehlung: Emotional, und schonungslos ehrlich und direkt
Bewertung
5/5
12.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bleibende Erinnerungen
Martin ist 76 Jahre alt, veheiratet und hat einen kleinen Sohn, als er die Diagnose Bauspreicheldrüsenkrebs erhält. Er wird nur noch wenige Monate leben.
Was soll er in der ihm noch verbleibenden Zei tun?
Was möchte er an Erinnerungen hinterlassen?
Er scheibt Briefe, die später für seinen Sohn David bestimmt sind: über die Liebe, den Tod, über Gerechtigkeit, Lüge, Wahheit.
In einer klaren, aber zutiefst berührenden Sprache gelingt es Bernhard Schlink, den Leser ganz nah an die Familie zu lassen.
Das Buch bewegt und ist auf eine besondere Art tröstlich.
Bewertung
5/5
09.04.2024
Hörbuch (CD)
Großartige Hörbuchinterpretion
Wenn der (meiner Ansicht nach) beste Hörbuchsprecher Deutschlands, Ulrich Noethen, wieder ein Buch einliest, dann ist das ein Grund direkt hellhörig zu werden! - Als der 76jährige Martin die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhält, gerät sein Leben aus den Fugen. Den Schock selbst noch nicht verarbeitet, muss er seine junge Frau Ulla und seinen sechsjährigen Sohn David darauf vorbereiten, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Während Martin sich Gedanken macht, was von ihm bleiben und er seinem Sohn hinterlassen wird, wirkt Ulla, die seit jeher zu intensiven Gefühlen auf Distanz geht, als würde sie ihr Leben einfach weiterleben...
Unglaublich, wie sensibel und emotional Ulrich Noethen selbst die leisesten Zwischentöne zur Geltung bringt, während Schlinks Figuren nach Wegen suchen, um mit dem gravierenden Einschnitt in ihrer aller Leben umzugehen. Noethens Interpretation von “Das späte Leben” ist berührend, grandios und lässt einen so schnell nicht mehr los!
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5/5
06.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn das Lebenslicht langsam verlöscht
Martins Tage sind gezählt. Obwohl er mit sechsundsiebzig dem Ende naturgemäß stetig näherrückt, hat er sich mit seiner eigenen Sterblichkeit noch nicht wirklich befasst. Nun bleibt ihm kaum noch Zeit und er muss entscheiden, wie er die letzten Monate verbringen will. Die niederschmetternde Diagnose macht ihm erst bewusst, dass es am wichtigsten sein wird, seiner geliebten, sehr viel jüngeren Frau und seinem vergötterten, sechsjährigen Sohn ein geistiges Erbe zu hinterlassen. Eines, das ihnen hilft, sich liebevoll an ihn zu erinnern und mit dem Schmerz zurechtzukommen. Schlink erzählt in einfühlsamer Sprache von einem Kapitel im Leben, das uns alle irgendwann, auf irgendeine Weise einmal betreffen wird. Sehr ehrlich, emotional und ohne zuviel Reue zuzulassen, denn dafür fehlt schlichtweg die Zeit, muss sich Martin mit den eigenen Verfehlungen und den seiner Frau auseinandersetzen. Am Ende gilt es zu entscheiden, ob nicht die Stärke der Vergebung, die Kraft des Ertragens und auch die Absenz des Beklagens, zu einem friedvolleren Ende führen kann. Eines, das sich in den letzten Zügen doch noch miteinander genießen lässt. Ein schrecklich trauriges Buch, das mir sehr unter die Haut gekrochen ist und mich dennoch beglückt, wenn auch tief bewegt, zurückließ. Eine absolute Leseempfehlung!
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5/5
26.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sterbender Mann hinterlässt...
Ein sterbender Mann hinterlässt seinem kleinen Sohn Briefe über das, was wirklich wichtig ist im Leben. Dieses Buch berührt sehr. Und hat dabei so kluge Gedanken! Einige Kapitel könnten auch als Essays für sich stehen.
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5/5
16.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein leises, berührendes und würdevolles Buch
Ein Roman über die letzten Wochen eines Todkranken muss schwer und düster sein, sollte man meinen. Aber Bernhard Schlink hat ein erstaunlich leichtes Buch über dieses Thema geschrieben, das zwar voll von Melancholie, aber auch reich an Schönheit ist. Das Leben wird hier in vielen kleinen Details gefeiert, ob beim Staudammbauen am Fluss mit dem Sohn oder beim Lauschen nach dem Rauschen der Wellen am Strand. Die Sprache ist einfach und die Sätze kurz, alles liest sich angenehm. Mich rührte sehr, wie achtsam, wertschätzend und würdevoll Schlink schreibt und mit all seinen Figuren umgeht. Gerade mit der fremdgehenden Ehefrau und dem Nebenbuhler. Es gibt keinen Groll, keine Zwietracht in diesen letzten Wochen. Jedoch viel Gefühl, Einsicht und Liebe.
Ein ruhiges, nachdenkliches Buch, das mir sehr gefallen hat. Und ein Lehrstück, wie man besonnen und verständnisvoll mit Problemen umgeht, die einen normalerweise verzweifeln oder aus der Haut fahren lassen würden.
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5/5
31.01.2024
eBook (ePUB)
Über das letzte Abenteuer
Was geschieht mit einem, der das Todesurteil Krebs bekommt. Der eine viel zu überschaubare Gnadenfrist erhält. Der eine noch junge Frau und ein noch jüngeres Kind zurücklassen wird. Gerade der typische Schlink-Stil, schnörkellos und geradeaus, bestätigt den Roman als große Gegenwartsliteratur. Schlicht brillant. Chapeau!
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