Sichtbare Gebrauchsspuren auf einigen Seiten z.B. leichte Knicke oder vereinzelte Markierungen möglich. Die gelieferte Auflage und das Cover können ggf. abweichen.
Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen – etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.
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Eins der wohl besten Bücher von Juli Zeh, spannend und bis zum Ende eine Geschichte, die sowohl unsere heutige Zeit (2026) wie auch die 80er Jahre beinhaltet. Ein Meisterwerk der Erzählkunst.
Bewertung
aus Oberursel
5/5
07.03.2026
Buch (Taschenbuch)
spannend!
Dieses nur 192 Seiten starke Büchlein ist die aktuelle Lektüre in meinem Lesekreis, und ich war gespannt; ich kannte bislang noch nichts von der Autorin. Der Klappentext klang auch gut; und bezogen auf das schmale Werk ist der Klappentext auch ziemlich aussagekräftig: wir sind bei Henning, der auf Lanzarote am Neujahrsmorgen im Urlaub einen „kleinen Fahrradausflug“ macht. Das Buch ist aus einer auktorialen Perspektive erzählt, im Präsenz, und wir sind ganz dicht bei Hennings Gedanken und Gefühlen, ganz nah dran in seinem Leben. Und vor allem ganz nah dran an seinem aktuellem sportiven Leiden, denn sein Leihfahrrad ist für die Aufstiege und Strecken auf Lanzarote viel zu schwer, sein Trainingszustand so gut wie nicht vorhanden, er hat gestern gefeiert und ist ohne Trinkflasche spontan mal losgefahren….und so begleiten wir ihn, wie er langsam dehydriert und durch die Serpentinen der lanzarotischen Landschaft radelt….Henning ist völlig durch, und das nicht nur im hier und jetzt auf dem Radl, sondern auch generell; er leidet seit langem unter Panikattacken, und er ist kurz vor dem kompletten Burnout als Familienvater. Mit seiner Frau Teresa teilt er sich die familiäre Care-Arbeit und sie arbeiten beide Teilzeit, und das ist ihm mit 2 kleinen Kindern langsam alles zu viel (verständlich, aber was soll ich sagen: welcome to the real world, Millionen Frauen leben dieses Modell schon ziemlich lange). Wie auch immer, die Autorin seziert diesen Zustand ziemlich genau, und das ist spannend und gut gemacht. Finde ich. Denn wie gesagt, die meisten arbeitenden Mamas können sich hiermit sicherlich gut identifizieren….und funktionieren trotzdem….ob das gut ist oder schlecht, sei mal dahingestellt – das liefert auf jeden Fall viel Stoff für Diskussionen in meinem Buchklub, würde ich denken :-)
So, und jetzt wird es irgendwann wirklich faszinierend mit der Lektüre, denn als Henning oben am Pass ankommt und auf einer abgelegenen Finca jemand findet, der, oder vielmehr die, ihm was zu trinken anbietet, hat er diverse Deja-vues: hier war er schon mal, obwohl er überzeugt war, noch nie auf Lanzarote gewesen zu sein. Viel mehr gibt der Klappentext nicht her, und wer sich jetzt von mir nicht spoilern lassen will, der soll jetzt hier nicht weiterlesen, sondern sich zufrieden geben mit der Angabe: jetzt kommt der Psychothrillerteil der Buches.
Für alle anderen: Achtung ich spoilere jetzt. Es stellt sich nämlich heraus, dass Henning hier mal als Kleinkind einen absolut traumatischen Familienurlaub auf eben jener abgelegenen Finca durchlebt hat. Seine Eltern sind damals nach einem Streit mit dem Auto ins Ort gefahren – und Henning und seine damals 2jährige Schwester Luna sind morgens mutterseelenallein aufgewacht und haben sich 2 Tage auch auf sich gestellt durchschlagen müssen. 2 Kleinkinder allein zu Haus, und es lief alles schief, was schief laufen konnte; das war schlimm, das war traumatisch, das hat Henning komplett verdrängt – und das erklärt am Ende vieles, was in seinem Erwachsenenleben schief läuft. PTSD at its best sozusagen. Dieser zweite Teil des Buches hat sich für mich echt gelesen wie ein früher Stephen-King-Roman: das Grauen kommt im helllichten Sonnenschein um die Ecke geschlichen.
Wobei ich mich zugegebenermaßen auch ein paarmal gefragt habe, wieso die beiden Kinder sich teils so sehr unbeholfen angestellt haben; aber gut; dichterische Freiheit, für die Story an sich hat es genauso funktioniert.
Ich war auf jeden Fall gebannt dabei, und fand, die Autorin kann echt diverse Genres intelligent erzählen und miteinander verbinden. Wir haben hier einen gesellschaftskritischen Part, der sich mit modernen Familienrollen und -belastungen auseinandersetzt; wir haben Themen wie Burnout, Funktionalität (oder eben auch Dysfunktionalität) moderner Partnerschaften, wir haben den Psychothrillerteil, wir haben mental health-Themen, wir haben am Ende eine Katharsis, und eine relativ glaubwürdige Cast. Ach ja – und als ehemalige aktive Ausdauersportlerin konnte ich mich mit Hennings radfahrerischen Qualen sehr gut identifizieren, hahaha, das war ein nettes Plus obendrein. Dieses mentale Kopfkino, wenn die Muskeln langsam aber sicher übersäuern und man eigentlich am A****** ist, aber der Zieleinlauf noch seeeeehr weit weg ist…….ja, so ist das :-)
Alles in allem: war gut. Hat mich sehr gut unterhalten, trotz der ernsten Themen, und ich denke, das liefert viel Diskussionsstoff.
Und flott geschrieben – Juli Zeh werde ich mir merken!
Bewertung
5/5
15.03.2025
Buch (Taschenbuch)
Harte Kost
Eine Geschichte, die sich ganz tief ins Innere einbrennt. Ein Buch, das ich wahnsinnig gut fand aber kaum ertragen konnte. Emotional hat mich die Geschichte der beiden kleinen Geschwister Henning und Luna tatsächlich immer wieder hart an meine Grenzen gebracht, und ich konnte mehrmals kaum weiterlesen. Juli Zeh erschafft eine sehr persönliche Welt voller schmerzhafter Gefühle und Erinnerungen, und ich kann mir nicht vorstellen, diese Geschichte jemals zu vergessen. Ich würde sogar sagen, es ist eines der eindrücklichsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, jedoch auch harte Kost für Eltern (kleiner) Kinder. Darüber sollte man sich unbedingt bewusst sein.
Lillybelle
5/5
13.10.2024
Buch (Taschenbuch)
Packend und erschreckend zugleich
Was als gemütliche Familiengeschichte beginnt, entpuppt sich als wahrer Horror. Man muss sich auf einiges gefasst machen, wenn man dieses Buch liest. Die Spannung steigt mit jedem Meter auf dem Fahrrad. Eine tolle Geschichte.
Bewertung
5/5
07.01.2023
Buch (Taschenbuch)
Eine Urlaubsreise wird zur Reise in die Vergangenheit
Ein großartiges Buch! Aus einem Fahrradausflug eines Familienvaters auf Lanzerote wird ein Trip in seine Vergangenheit. Beim Erklimmen eines Berges geht er völlig an seine Grenzen, blickt dabei auf seine Lebenssituation, beleuchtet seine Familienkonstellation und fragt sich dabei, wo er steht und was er eigentlich möchte. Oben angekommen, gelangt er völlig entkräftet und ituitiv zu einem Grundstück, das ihm sehr bekannt vorkommt. Dann beginnt der zweite Teil des Buches, wo die Feriensituation in seiner Kindheit erzählt wird, an die er sich nun endlich erinnert... Lange verschwiegen und verdrängt kommt diese traumatisierende Erinnerung zu Tage und erklärt am Ende auch, warum er so unter Panikattacken leidet. Welche Rolle dabei seine Schwester spielt, wird immer klarer. Achtung Triggerwarnung: Wer an Panikattacken leidet und/ oder wer eine schwierige Kindheit hatte, für den könnte das Buch zu heftig sein... Ansonsten ist es genial geschrieben - Juli Zeh versteht es einfach so gut, genau zu beobachten und Menschen sehr gut einzuordnen. Ein sehr spannendes Buch, das zu Herzen geht.
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5/5
21.09.2023
eBook (ePUB)
Gänsehaut-Momente!
Wieder ein absolut typisches Juli Zeh- Buch!
Die Charaktere scharf gezeichnet, die Geschichte voller Wendungen, steigender Spannung und krassem Ende.
Wie keine andere schafft es Juli Zeh immer wieder, mich direkt in die Handlung hinein zu ziehen und in die Tiefen ihrer Charaktere blicken zu lassen.
Wer diesen ungeschönten Blick mag und vor den menschlichen Abgründen nicht zurückschreckt, für den ist Juli Zeh ein MUSS!
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5/5
16.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn eine Radtour ein Kindheitstrauma...
Wenn eine Radtour ein Kindheitstrauma aufbricht, ist das schon spannend. Wenn das Ganze in der Erzählweise von Frau Zeh passiert, ist es einfach extrem fesselnd.
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5/5
11.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neujahr
Henning macht mit seiner Familie über den Jahreswechsel Urlaub auf Lanzarote. Eigentlich läuft sein Leben gut. Er ist ein moderner Familienvater, hat seine Arbeitszeit reduziert und kümmert sich gleichberechtigt mit seiner Frau Theresa um die Kinder. Und dennoch kämpft er mit Panikattacken. Das Gefühl von Überforderung ist der Grundton seines Lebens. Am Neujahrsmorgen will Henning, schlecht ausgerüstet mit dem Fahrrad, den Steilpass nach Femés bezwingen. Auf dieser Tour wird er erneut von Angst und Panikattacken heimgesucht und alles scheint auf einmal so bekannt. Das kann doch nicht sein! Oder doch? Der Roman hat mich sofort gepackt und zeitgleich mit der Beschreibung des Aufstiegs nach Femés steigert sich die Spannung ins kaum Erträgliche. Die Schilderung seines Kindheitstraumas an diesem Ort wird von Juli Zeh so intensiv erzählt, dass man fast atemlos dem Ende „entgegenliest“. Als ich das Buch nach wenigen Stunden zugeklappt habe, hat es in seiner Wucht noch lange nachgewirkt. Eine großartige Juli Zeh!!!
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5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
In wieweit haben Erlebnisse in der frühen Kindheit Einfluss auf unsere geistige Gesundheit? Henning unternimmt im Urlaub auf Lanzarote eine anstrengende Fahrradtour, um seine Panikattacken in Schach zu halten. Als er völlig erschöpft ein Bergdorf erreicht, hat er ein Déjà-vu und plötzlich weiß er wieder was hier, genau hier, vor vielen Jahren geschehen ist. Minutiös schildert Juli Zeh die dramatischen Ereignisse zweier Tage, die uns den Atem stocken lassen. Gesellschaftsanalyse und Spannung gekonnt verknüpft.
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5/5
23.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr spannend
Während einer Fahrradtour auf Lanzarote denkt Familienvater Henning über sein Leben nach. Ihn plagen bereits seit längerem Selbstzweifel, depressive Gedanken und Panikattacken. Eigentlich wollte er sich im Urlaub nur entspannen, doch umso weiter er die steilen Bergklippen mit dem klapprigen Mietfahrrad erklimmt, desto mehr bemerkt er, dass ihn etwas anderes hergeführt hat. Eine Erinnerung, die er in seinem Inneren begraben hatte.
Dieses Buch brauchte eine Weile, um mich zu packen. Sobald ich die ersten paar Kapitel hinter mich gebracht - den metaphorischen Berg praktisch bestiegen hatte – wird die Geschichte plötzlich richtig spannend. Man taucht in Hennings Vergangenheit als kleiner Junge ab und kann spätestens dann das Buch nicht mehr weglegen!
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