Eine gefeierte Schriftstellerin, eine ehrgeizige Journalistin, ein Literaturskandal
Emma Rodenstock ist ein Phänomen. Kritik, Talkshows und Publikum reißen sich um die junge Dichterin aus der Unterschicht. Sie gibt der Debatte um Klassismus und Privilegien ein Gesicht. Bis Nazanin Esfahani, aufstrebende Journalistin, eine Unstimmigkeit in ihrer Geschichte findet. Sehr bald taucht auch eine zweite Lyrikerin auf, die Emmas Texte geschrieben haben will. Kann das wahr sein? Es wäre ein handfester Skandal. Und für Nazanin ein Coup. Doch wem ist damit geholfen? Und wem schadet es? Ein hochunterhaltsamer Roman über die Macht von Geschichten in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
31.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fesselnder Roman
„Die Dichterin“ ist spannend und auf hohem Niveau geschrieben; so, wie man es von Özge Inan kennt. Eine kluge Geschichte über Armut, Authentizität und soziale Konflikte im heutigen Berlin, die aktuelle Fragen aufgreift.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
31.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Darf man jemandem ungefragt eine Stimme geben?
„Die Dichterin“ von Özge İnan hatte mich thematisch sehr angesprochen – und meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen!
Im Mittelpunkt steht Emma Rodenstock, eine schöne junge Frau aus sogenannten „sozial schwachen Verhältnissen“, die aktuell von Publikum und Presse für ihre Gedichte gefeiert wird.
„Applaus, dachte Emma, kann eine Lüge sein. Weil Lügen eine Fähigkeit ist wie jede andere, beherrschen manche sie gut, manche schlecht und die meisten gar nicht. Und trotzdem klatschten immer alle, die guten Lügner wie die schlechten. Emma hatte es oft gehört. Vor nicht allzu langer Zeit war die Bühne noch kleiner und ihre Angst größer gewesen, erdrückend groß, wenn das Handy ihren Fingerabdruck nicht erkannte oder die Notizen-App plötzlich vom Display verschwunden schien. Emma las, das Publikum eine Schattenwand hinter den Scheinwerfern, und fand die Wörter, die ihr zu Hause noch so präzise und originell vorgekommen waren, auf einmal banal und peinlich. Und dann plätscherte ein höflicher Beifall vor sich hin, und Emma wünschte sich, man würde Eier und Tomaten nach ihr werfen.
‚Danke, dass du hier warst, liebe Emma. Kommen wir zu unserer nächsten Künstlerin …‘
Der Applaus ebbte ab. Aber dieses Mal war er echt. So viele gute Lügner konnte es in einem Publikum gar nicht geben.“
Mit ihrer charismatischen Ausstrahlung verleiht sie der aktuellen Debatte über soziale Ungleichheit und Herkunft ein Gesicht. Doch als die ehrgeizige Journalistin Nazanin Esfahani ein Porträt über Emma Rodenstock schreiben soll, findt sie Unstimmigkeiten in deren Geschichte. Sie recherchiert weiter und bald darauf meldet sich eine andere Frau auf, die behauptet, Emmas Texte geschrieben zu haben.
Wenn das stimmen würde, wäre mit der Story der Weg zur großen Karriere geebnet – und die Literaturwelt stünde vor einem unfassbaren Skandal …
„Natürlich weißt du, was ich meine, hätte Emma gerne geantwortet. Und ja, natürlich tust du jetzt so, als verstündest du nichts, weil du dich sonst fragen müsstest, ob es nicht vielleicht doch okay war, was ich getan habe, eigentlich sogar gut, ob es nicht, wenn man radikal ehrlich ist, das Sinnvollste, was ich mit meinen Talenten hätte anfangen können. Aber das passt nicht in die Geschichte. Das passt nicht zu dem, was diese Journalistin erzählen wollte. Geh und frag Nazanin Esfahani, ob sie nichts Eigenes zu erzählen hatte, und schau, wie sie dir etwas von der Wahrheit vorstammelt. Als hättest du, als hätte ich, als hätte irgendeine unserer Wahrheiten noch eine Rolle gespielt, sobald ihre Version der Geschichte einmal fertig und der Text einmal geschrieben war.“
„Die Dichterin“ war für mich ein absolutes Lese-Highlight, das mich mit einem ausdrucksstarken Schreibstil sowie dem gelungenen Aufbau sofort in den Bann gezogen hat.
Mein erstes Buch von Özge İnan hat mir Lust auf mehr gemacht.: Ihren Vorgängerroman werde ich zeitnah auch lesen und behalte die Autorin für ihre zukünftigen Neuerscheinungen definitiv im Blick.
5 Sterne und eine ganz klare Empfehlung!
Vielen Dank an den Piper Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar!
MarieOn
5/5
31.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Temporeich und klug
Emma Rodenstock kommt von ganz unten. Sie erinnert sich gut an die Zeit, als sie an der Tafel anstand und ihrer Mutter ein paar geschenkte Lebensmittel in die Tasche schob. Jetzt hat sie geschafft, was kaum einer ihresgleichen erreicht hat. Sie ist ganz oben angekommen, tingelt durch die deutschen Talkshows und verkündet ihre Agenda über Armut, Chancenungleichheit, Klassismus und Privilegien. Sie beklagt das Sozialsystem, das sie für demokratiefeindlich hält. Ihr Angriff auf die wohlstandsverwöhnte Gesellschaft ist das, was gerade ankommt. Emma hat einen Gedichtband geschrieben und sie hat Charisma. Wenn sie über ihre Spandauer Kindheit spricht:
In der Geburtslotterie hatte ich also zeitlich und räumlich null richtige. S. 18
kann sie sich einiger Lacher gewiss sein. Die Leute brauchen die Auflockerung, bevor es ernst wird:
Die Erziehung meiner Mutter lässt sich auf zwei Ziele herunterbrechen: Den Vater von den Kindern und die Kinder von den Drogen fernhalten. S. 18
Räuspern, Schlucken, betretenes Schweigen. Sie kennt ihr Publikum.
Nazanin träumt von einer Zukunft im Wirtschaftsressort. Sie ist Praktikantin in der großen Hauptstadtredaktion und volontiert im Kulturressort. Dann flüstert Tarek ihr zu, dass in diesem Jahr wegen Sparmaßnahmen keine Volontäre übernommen würden. Nazanin sieht ihren Traum platzen, sich wieder zu ihren Eltern nach Heidelberg ziehen. Sie braucht eine zündende Idee.
Roya kündigt sich an, ihre Tochter am Wochenende zu besuchen. Nazanin geht mit ihr Sushi essen und danach zum Friseur. Während die Hairstylistin Roya eine undefinierbare Mischung auf den Ansatz streicht, blättert Roya in der neuen Brigitte: „Schau, da ist der neue Stern am Himmel, die Lyrikerin Emma Rodenstock.“ Nazanin liest den Artikel und schüttelt den Kopf. Zehn Minuten später fängt sie Feuer.
Fazit: Die Journalistin, Juristin und Autorin Özge Inan („Natürlich kann man hier nicht leben“) verhandelt in ihrem zweiten Roman, den Aufstieg einer vermeintlich armen Lyrikerin aus der Unterschicht und einer ehrgeizigen angehenden Journalistin, die die große Story wittert. Als die Kontrahentinnen aufeinandertreffen, verfällt Nazanin Emmas Charme ebenso wie ihre Berufskollegen. Für eine Exklusivreportage führt sie Emma an die Orte ihrer Kindheit und Jugend und bemerkt einige Ungereimtheiten. Als sich dann eine junge Frau meldet, die die Gedichte tatsächlich geschrieben haben will, startet Nazanin eine Hexenjagd. Die Geschichte ist temporeich und intensiv. Irgendwann wird klar, dass die echte Lyrikerin ohne Ausstrahlung nie in den Genuss einer Veröffentlichung kommen konnte und die Fakelyrikerin aus gutem Hause nichts Brauchbares zu erzählen hatte. Im Grunde verleiht die Charismatische der Unscheinbaren eine Stimme und hält die Aufmerksamkeitsökonomie am Laufen, aber sie hat ein Tabu gebrochen und sich fremdes Gedankengut angeeignet. Die Konsequenz ist der öffentliche Aufschrei bis zum Canzeln des Verlags. Doch es bleibt spannend bis zum Ende. Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet. Zwei privilegierte Frauen, die beide großes erreichen wollen, um ihr Ego zu streicheln. Eine temporeiche und kluge Veranstaltung, die mich bis zur letzten Seite gefesselt hat.
Bewertung
5/5
31.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolute Leseempfehlung
Der Autorin ist eine fesselnde Geschichte gelungen. Die Protagonistinnen und ihre Konflikte tragen diese toll geschriebene Geschichte über große gesellschaftliche Probleme und ganz alltägliche Sorgen.
Diese Themen verbindet die Autorin mühelos zu einem grandiosen Gesamtkunstwerk.
Es gilt eine absolute Leseempfehlung!
Bewertung
aus Buchen
4/5
31.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schatten des Literaturbetriebs
Die Dichterin ist ein Roman, der einen Teil des Literaturbetriebs zeigt.
Der Clou des Buches wird bereits früh angedeutet. Für die Spannung des Buches hätte man das auch mehr im unbestimmten lassen können.
Die Dichterin Emma Rodenstock wird verdächtigt, ihre Texte von jemand anders kopiert zu haben. Eine Journalistin deckt das auf.
Eine These ist, dass die Gedichte auch wegen der Persönlichkeit der Dichterin so ein Erfolg wurden. Dass die Dichterin so eine große Ausstrahlung hatte, wie behauptet, konnte ich beim Lesen nicht sehr spüren. Schlecht gemacht ist die Figur der Emma Rodenstock tatsächlich nicht. Sie hat mich mehr überzeugt als z.B. die Journalistin.
Während die Handlung in der ersten Hälfte mehr oder weniger vor sich hin plätschert, wird es später interessanter.
Özge İnan ist insgesamt eine vielversprechende Autorin, bei der man auf kommende Veröffentlichungen gespannt sein kann.
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