Gwendolyn Leick, geb. 1951 in Oberaichwald (Kärnten), wuchs in Weißkirchen in Steiermark auf, wo ihr Vater eine Arztpraxis eröffnete. Nach seinem Unfalltod 1960 übersiedelte sie mit der Familie nach Graz. Sie studierte Altorientalistik an der Karl-Franzens-Universität Graz und promovierte mit einer Dissertation über babylonische Flüche. 1975 folgte sie einem Jobangebot ans British Museum in London und lebt seit damals in Großbritannien. Sie hat zahlreiche enzyklopädische Wörterbücher über den historischen Nahen Osten verfasst und unterrichtete unter anderem am Chelsea College of Art and Design in London. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit begann Gwendolyn Leick mit 52 Jahren mit dem Gewichtheben. Sie ist dreifache Weltmeisterin, fünffache Europameisterin und zigfache britische Meisterin in ihrer Disziplin. 2019 veröffentlichte sie ein Buch über ihre Großmutter Mabel Haynes-Leick und deren Freundinnen Gertrude Stein und May Bookstaver. Auch dieses Buch ist im Stil eines Wörterbuchs verfasst: »Gertrude, Mabel, May. An ABC of Gertrude Stein’s Love Triangle«. »Franckstraße 31« ist ihre erste literarische Arbeit auf Deutsch.
1972, in jungen Jahren, erwirbt Gwendolyn Leick aus dem Geld einer Erbschaft ein verfallenes Gehöft im steirischen Riedelland. Gemeinsam mit ihrem Verlobten und einem befreundeten Maler geht sie daran, das Gebäude zu renovieren und ihre utopischen Vorstellungen einer neuen Lebensweise zu verwirklichen. Dass sich das aus der Stadt zugezogene Trio zudem im Haschischanbau versucht, ruft prompt die Exekutive auf den Plan und führt zu einer längeren Inhaftierung der beiden Gefährten. Während deren Abwesenheit verstärkt sich der Kontakt der jungen Frau zu dem Bauern ihres Nachbarhofs.
Fünfzig Jahre später blickt Gwendolyn Leick nun literarisch auf ihre Zeit in der Eselgrube zurück: in einer bestechend klaren Prosa, die mit Lust an der Sprache und voll Empathie von den Lebensformen der Einheimischen erzählt und die den Dramen und Geschichten nachforscht, die sich beim genauen Lesen der alten Matriken offenbaren – im Wissen um die unterschwelligen Zusammenhänge, die Verflochtenheit von menschlicher Gemeinschaft und der Natur.