Dieser Brief-Roman war eine Sensation. Mit ihm wurde der 25-jährige Johann Wolfgang Goethe endgültig zum Star der Literaturszene. Eine ganze Generation, die individuelles Glück jenseits gesellschaftlicher Beschränkungen suchte, fand sich im Schicksal des unglücklichen Werther wieder – der am Ende zum Selbstmörder wird, weil seine schwärmerische Liebe in dieser prosaischen Welt unerfüllt bleiben muss.
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"Die Leiden des jungen Werther" ist einfach ein wundervoller Briefroman, welcher voller Poesie und in einem unglaublich schönen Stil geschrieben ist.
Zum Artikel selbst lässt sich sagen, dass man eben bekommt wofür man bezahlt. Nur denke ich, dass die Schrift für Seheingeschränkte etwas klein sein könnte. Ansonsten gibt es nichts weiter auszusetzen; sehr zu empfehlen.
Bewertung
5/5
26.07.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein Muss
Der "Werther" ist ein genialer Briefroman und ein Paradebeispiel für den Sturm und Drang. Mit seinem hoffnungslos verliebten Protagonsiten, seinem Streben nach absoluter Autonomie und der Wortgewalt Goethes ein absolutes Muss für jeden Liebhaber.
Jakob B.
aus Laberweinting
5/5
08.12.2011
Buch (Taschenbuch)
Bestseller anno 1774
Der sensible, aussichtslos in Lotte verliebte Werther wählt den Freitod, weil seine Angebetete statt seiner Albert heiratet. Verfasst wurde dieser Briefroman von dem jungen Stürmer und Dränger Goethe, um seine seelischen Probleme nach der gescheiterten Liebe zu Charlotte Buff zu bewältigen. Nach der Veröffentlichung im Jahre 1774 wurde Goethe schlagartig berühmt, es brach der Werther-Kult aus und viele junge Verliebte kleideten sich wie die Romanfiguren. Manche haben so eine zu bezweifelnde Überlieferung ebenfalls aus demselben Motiv Suizid begangen. Auch heute noch genießt dieser Bestseller Aktualität und ist auf jeden Fall lesenswert, doch teilweise auch sehr emotional.
ray7
aus Tulln
5/5
22.12.2010
Buch (Taschenbuch)
Pflichtlektüre für jeden Heranwachsenden
Goethes sprachliche Genialität ist nicht in Frage zu stellen und sie kommt auch in diesem Werk zum Ausdruck, macht es zu einem packenden Buch, dass man nicht mehr aus der Hand legen will. Sprachliche Genialität ist aber nicht das einzige, das Goethe auszeichnet. Das Erzählen in Briefform zeigt einmal mehr seine Vielseitigkeit in der Wahl der literarischen Formen, die ihn zum größten deutschen Dichter aller Zeiten macht.
Katja Kaygin
aus Hamburg / Oberhausen
5/5
13.11.2006
Buch (Taschenbuch)
Ein Buch, das Goethe über Nacht berühmt werden ließ
Der Roman ist größtenteils in Briefform geschrieben, die Werther an seinen Freund Wilhelm richtet. Werther berichtet Wilhelm von dem Dorf Wahlheim, in welchem er lebt, die Natur betrachtet, zeichnet und zunächst niemanden findet, der seine empfindsame, literarische Seele versteht. Bis er auf der Fahrt zu einem Tanzvergnügen zum ersten Mal Lotte sieht. Eine junge Frau, die als älteste Tochter eines verwitweten Amtsmannes, die Mutterrolle übernommen hat und Werther durch ihre liebreizende Art sofort anzieht. Lotte gesteht Werther, dass sie eine Schwäche für Romane hat und so ist es um den träumenden Werther schon vor dem Tanzen geschehen.
Auf der Festlichkeit gibt Lotte Werther zu verstehen, dass sie herzlich gerne Deutsch tanze, ein Tanz bei dem jedes Paar, das zusammengehört, beim Deutschen zusammenbleibt. Als die beiden dann tanzend an einer Frau vorbei kommen, macht diese Lotte mit einer leicht drohenden Handbewegung auf Albert aufmerksam. Wer ist Albert? fragt Werther Lotte und sagt ihm dann kurz darauf Was soll ichs Ihnen leugnen...Albert ist ein braver Mensch, dem ich so gut als verlobt bin.... Mit dem so gut als ob nährt sie Werthers Hoffnung, der bereits an diesem Tage furchtbar verliebt in sie ist, was auch durch die Darstellung des hereinbrechenden Unwetters nach dem Tanze noch untermalt wird.
Nach kurzer Zeit kommt Lottes Verlobter Albert zurück und ab dort ändern sich Werthers Gefühle mehr und mehr. Obwohl er Albert sehr schätzt, wird Werther erst jetzt richtig bewusst, dass Albert den Platz an Lottes Seite inne hat und nicht er. Die Dreierkonstellation ist für alle nicht sonderlich förderlich und so verlässt Werther zunächst Wahlheim, um bei einem Gesandten zu arbeiten. Aber sein Glück findet er hierdurch nicht und so kehrt er später nach Wahlheim zurück. Allerdings haben Lotte und Albert mittlerweile geheiratet.
Werther nimmt seine Beziehung mit Lotte wieder auf. Er beginnt aber mehr und mehr darunter zu leiden, dass Lotte nicht mehr für ihn zugänglich ist, so schreibt er zum Beispiel: ...Diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle! Ich denke oft: wenn du sie nur einmal, nur einmal an dieses Herz drücken könntest, diese ganze Lücke würde ausgefüllt sein. Oder Wie mich ihre Gestalt verfolgt! Wachend und träumend füllt sie meine ganze Seele!... Eines Abends kurz vor Weihnachten kommt es zu der entscheidenden Begegnung: Lotte, die von Albert beauftragt wurde, Werther zu bitten, sie nicht mehr zu besuchen, bittet Werther ihr noch einmal aus dem Ossian vorzulesen. Werther, der bereits Tage zuvor an den Freitod gedacht hat, um seiner Leidenschaft ein Ende zu setzen, wird währenddessen von seinen Gefühlen übermannt, kniet vor ihr nieder und küsst Lotte. Lotte sagt ihm, dass sie ihn nicht wiedersehen will. Werther schreibt ihr einen Abschiedsbrief, leiht sich von Albert unter dem Vorwand einer Reise zwei Pistolen und erschießt sich. Allerdings ist er am nächsten Morgen noch nicht tot, sondern windet sich noch mehrere Stunden, bis er endlich stirbt.
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5/5
11.03.2026
Buch (Taschenbuch)
Ritt in die Unendlichkeit – Hauke Haien und die Grenze der Aufklärung.
„Vielleicht ist der Wind nur die Stimme der Welt, wenn sie leise spricht.“ Ja dieser Roman ist vom Wind durchzogen, vom Sturm geformt. Man könnte meinen, die Geschichte beginne mit Wind. Nicht mit einem Menschen, nicht mit einem Dorf, nicht einmal mit dem Deich, der doch ihr eigentliches Rückgrat bildet. Sondern mit Wind – diesem ruhelosen Atem der Nordsee, der über Marschland streicht, Gras biegt, Wolken jagt und Gedanken in Bewegung setzt. In dieser Atmosphäre hebt die Novelle Der Schimmelreiter von Theodor Storm an: wie ein Gerücht, das über das Land weht und langsam Gestalt annimmt. Ein Reiter soll dort draußen zu sehen sein, sagen die Leute. Ein Mann auf einem weißen Pferd. Oder vielleicht ein Gespenst. Schon dieser Beginn verrät das Eigenartige des Werks: Es erzählt nicht einfach eine Geschichte, es lässt sie entstehen – aus Stimmen, Erinnerungen, Landschaft. Man hört sie beinahe, wie sie sich über Generationen hinweg formt, weitergegeben an langen Winterabenden, während draußen das Wasser gegen den Deich schlägt.
Storm gelingt hier etwas Seltenes: Die Novelle wirkt zugleich präzise und geheimnisvoll. Sie besitzt die klare Struktur einer klassischen Erzählung und zugleich die Unschärfe einer Sage. Mehrere Erzählebenen lagern sich übereinander wie Sedimente im Marschboden. Ein Reisender hört die Geschichte, ein Schulmeister erzählt sie, und dahinter liegt die eigentliche Lebensgeschichte Hauke Haiens – des Deichgrafen, des Visionärs, des Außenseiters. Diese raffinierte Rahmung erzeugt eine Atmosphäre, in der sich Realität und Legende unmerklich vermischen. Man liest und fragt sich unwillkürlich: Ist dies ein historischer Bericht oder eine Dorfphantasie, die im Sturm gewachsen ist? Genau darin liegt ein Kernreiz der Novelle. Storm lässt das Rationalistische und das Mythische unaufhörlich gegeneinander antreten.
Hauke Haien selbst erscheint zunächst unscheinbar: ein stiller, scharf beobachtender Junge, der lieber rechnet als spielt. Doch in dieser nüchternen Begabung glimmt bereits etwas Radikales. Hauke glaubt an Ordnung, an Maß, an die Möglichkeit, Naturkräfte durch kluges Denken zu bändigen. Für ihn ist der Deich kein bloßer Wall aus Erde, sondern ein geometrisches Problem, eine Aufgabe, die sich verbessern lässt. Seine Vorstellung eines neuen, flacheren Deichprofils entspringt einer fast modernen Ingenieurslogik. In einer Welt, die noch stark von Tradition, Aberglauben und sozialer Rangordnung geprägt ist, wirkt dieser Gedanke beinahe revolutionär. Storm zeichnet hier eine Figur, die zugleich Kind ihrer Zeit und ihr Vorausläufer ist. Hauke besitzt die Härte des Rationalisten und die Einsamkeit des Visionärs. Er denkt schneller als seine Umgebung – und bezahlt dafür mit Misstrauen.
Das Marschdorf, das ihn umgibt, ist kein idyllischer Ort, sondern ein soziales Gefüge voller latenter Spannungen. Neid, Furcht, Gerüchte – all das arbeitet unter der Oberfläche wie Wasser im Deichkörper. Storm schildert diese Gemeinschaft mit einer Genauigkeit, die beinahe ethnografisch wirkt. Die Bauern fürchten Veränderungen, nicht aus bloßer Dummheit, sondern weil ihr Leben ohnehin am Rand der Katastrophe balanciert. Ein einziger Sturm kann Jahre harter Arbeit zerstören. In dieser fragilen Welt erscheint Haukes Fortschrittsglaube zugleich notwendig und bedrohlich. Er fordert die alte Ordnung heraus. Und genau hier entfaltet sich die tragische Dynamik der Novelle.
Das vielleicht Charakteristischste an Storms Erzählweise ist die enge Verschränkung von Landschaft und Psyche. Das nordfriesische Land ist kein Hintergrund, sondern ein handelnder Raum. Wind, Wasser, Nebel – sie wirken wie stille Kommentatoren der Handlung. Wenn Hauke nachts über den Deich reitet, wenn Sturmwolken über die Marsch ziehen, dann spiegeln diese Bilder seine innere Lage. Storm, selbst Jurist und lebenslang mit der norddeutschen Küste verbunden, kannte diese Landschaft nicht nur geografisch, sondern existenziell. Die Küste war für ihn ein Ort, an dem menschliche Vernunft und Naturgewalt in ständiger Auseinandersetzung stehen. Gerade diese Spannung bildet den poetischen Kern der Novelle.
Der Anlass für Storm, diese Geschichte zu schreiben, lag nicht zuletzt in seiner späten Lebensphase. Als er die Novelle vollendete, blickte er bereits auf ein langes Leben zurück. Viele seiner Werke kreisen um Erinnerung, Verlust und die Frage, was von einem Menschen bleibt. Eine alte nordfriesische Volkssage über einen geisterhaften Reiter auf dem Deich gab ihm den erzählerischen Ausgangspunkt. Doch Storm verwandelt diese Sage in etwas weit Komplexeres: eine Meditation über Fortschritt, Isolation und die Grenzen menschlicher Kontrolle. Hauke Haien wird so zu einer Figur, die zwischen Aufklärung und Mythos steht – halb Ingenieur, halb Gespenst.
Gerade deshalb endet sein Schicksal so, wie es endet. Der finale Sturm, die brechenden Deiche, das Chaos aus Wasser, Wind und Panik wirken zunächst wie eine klassische Naturkatastrophe. Doch literarisch betrachtet ist dieses Ende weit mehr als ein dramatischer Höhepunkt. Es ist die logische Konsequenz eines Lebens, das ganz auf Beherrschung der Natur ausgerichtet war. Hauke hat versucht, Ordnung in eine Welt zu bringen, die sich letztlich nicht vollständig berechnen lässt. Sein tragischer Ritt in die Flut wirkt fast wie eine letzte, verzweifelte Gleichung: Wenn der Deich versagt, muss er selbst Teil des Deiches werden. In dieser Szene verschmelzen Rationalität und Mythos endgültig. Der Mensch, der gegen Aberglauben kämpfte, wird selbst zur Legende.
Vielleicht liegt darin auch die nachhaltige Wirkung der Novelle. Sie erzählt nicht nur von einem individuellen Schicksal, sondern von einem Grundkonflikt der Moderne. Wie weit kann menschliche Planung gehen? Wo beginnt das Unberechenbare? Storm formuliert diese Fragen nicht theoretisch, sondern in Bildern: im Schimmel, der im Nebel auftaucht; im grauen Wasser, das über den Deich steigt; im Schweigen der Dorfbewohner, die zugleich bewundern und fürchten.
Sollte man dieses Buch heute noch lesen? Gerade heute vielleicht mehr denn je. In einer Zeit, in der Deiche höher gebaut, Küsten vermessen und Klimamodelle berechnet werden, wirkt Storms Geschichte erstaunlich gegenwärtig. Sie erinnert daran, dass technische Lösungen immer auch soziale und psychologische Dimensionen besitzen. Hauke scheitert nicht nur an der Natur, sondern auch an den Menschen um ihn herum. Fortschritt braucht Vertrauen – und genau dieses Vertrauen bleibt ihm versagt.
Und so bleibt am Ende das Bild des Reiters im Sturm. Ob man es als Spukgeschichte liest oder als poetische Metapher, spielt kaum noch eine Rolle. Entscheidend ist, dass Storm eine Figur geschaffen hat, die über ihre Zeit hinausreicht. Hauke Haien steht auf seinem Deich wie eine Silhouette zwischen zwei Welten: der alten, die im Aberglauben Schutz sucht, und der neuen, die an Berechnung und Planung glaubt. Dass er schließlich im Meer verschwindet, macht die Geschichte nicht nur tragisch, sondern auch seltsam schön. Denn im Verschwinden beginnt die Legende – und mit ihr das leise, unaufhörliche Weitererzählen, das diese Novelle bis heute lebendig hält.
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4/5
12.09.2022
eBook (ePUB)
Hauke Haien und sein Koog
Theodor Storms Schimmelreiter besticht durch hervorragend bildliche Momente, die seine Sprache atmosphärisch perfekt einfängt. Darüber hinaus erfährt man als Leser viel über den historischen Deichbau und das Leben der "einfachen" Menschen in der Marschregion. Die Handlung betreffend, hätte ich mir etwas mehr Vielschichtigkeit gewünscht.
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3/5
15.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Spannende und interessante Idee, nur leider etwas flach.
Storm hatte in dieser Geschichte über Hauke Hayen und seinen Lebensweg zum Deichherren eigentlich interessante Ideen. Dennoch fand ich es sehr flach, vor allem die Charaktere waren eher unauffällig und schon ab einer der ersten Szenen in denen Hauke vorgestellt wurde, war er mir unsympathisch... Durch das Buch wurde er etwas sympathischer, aber irgendwie auch nicht, weil nichts wirklich tiefgründig war. Ich hätte es mir auch etwas schauriger gewünscht, nachdem in der ersten Szene vom ersten Erzähler berichtet wird den Schimmelreiter gesehen zu haben. Was ich außerordentlich gut an der Novelle fand, war die narrative Umsetzung. Wir haben eine kurze Rahmenhandlung, in der jemand davon berichtet die Geschichte erzählt bekommen zu haben und in diese Erzählung steigen wir ein. Dort begibt sich der Erzähler auf eine Reise und sieht den merkwürdigen Schimmelreiter. In einem Gasthof bekommt dieser dann die Geschichte von Hauke erzählt. Super gemacht, nur leider etwas flach.
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